Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1900)
- Date
- 1900-07-20
- Page
- Seite 347 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228365-3228395--56652-3292972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
347 sinnt Unheil, und der Tag des Messias ist wieder verschoben." Dann begab ich mich in die Vorhalle der Gnade, wo die Feuerräder ihr „Heilig, Heilig, Heilig" sangen, dort stieß ich auf den Gott des Unheils; mit ihm war ein Wesen, wie ich noch nie eines gesehen, das weder in den Himmel noch in die Hölle gehörte; wahrscheinlich schuf Satan es selbst zu seinem Werkzeuge. Da rief ich mit lauter Stimme den Namen des Unheilgottes, er floh in großer Verwirrung und ließ die nackte hilflose Seele allein inmitten der blendenden, verzehrenden Kreise. Ich aber kehrte zurück zu den Seelen und beruhigte sie, und sie riefen mir freudigen Beifall zu." „Hallelujah", riefen die andächtigen Zuhörer mit Freudenrufen und begannen einen schnellen Triumphgesang. Meine Stimmung aber hatte sich jetzt geändert, der Zauber der Nettheit war verschwunden, vielleicht war ich auch ermüdet durch die lange Anstrengung. Ich rief mir das rohe Gesicht des schlafsüchtigen Heiligen ins Gedächtniß zurück und fand in der orakelhaften Offenbarung nur Unverständliches, Unsinn. Ich dankte ihm für seine Gastfreundschaft und verließ das heiße, geräuschvolle Zimmer. O wie wohl that mir die frische Luft imd der Anblick des Sternenhimmels, des jungen Mondes, der wie ein goldnes Boot am sternenbesaeten Himlnet dahinsegelte. Der Zauber und das Geheimniß des Weltalls überwältigtet! mich wie daheim in unseren reich besternten Prärienächten, und all das künstliche Arakadabra der Klaus mit seiner erhitzter! lauten Atmosphäre verschwand vor der Ruhe dieser zauberhaften Nacht. Die Lichter irn Dorfe waren erloschen, und als ich auf meine Uhr sah, fand ich, es war beinahe Mitternacht. Aber im Palast des Heiligen brarrnte noch Licht im Thurrnzinuner. Ich wunderte mich, wer hier noch so spät auf war, dann aber erinnerte ich mich, daß am Freitag Abend kein Licht ausgelöscht werden durfte; wahrscheinlich brannte das Licht irr Ben Davids Schlafzimrner bis zu seiner Rückkehr. „Ich glaubte schon, er hätte Euch in seinem feurigen Wagen entführt," brummte Jarchi, als er mir die Thür öffnete. „Der Feuerwagen darf doch am Samstag nicht fahren," sagte ich lächelnd, „und außerdem nimmt Beu David keine Passagiere mit zu den heiligen Kreisen." „Kreise! Er sollte einen Kreis von einem Strick um seinen Hals bekommen." „Aber die Suppe war gut," sagte ich, ging hinauf und '.egte mich in mein sauberes Bett. Der Salon 1900. Von M. Friedeberg. II. ö i m Saal *20!) finden wir von der früher in Königsberg in Pr., jetzt in Berlin lebenden Malerin Fanny Levy das Bildniß einer jungen eleganten Dame im Straßentostüm, die auf einem Stuhle sitzt und beim Lachen die hübschen Zähne zeigt. Wir können verrathen, daß die in ganzer Figur dargestellte Dame Fräulein Käthe Münzer ist, die auf der Kunstausstellung mit einem letzthin in der Oeffentlichkeit viel erwähnten Bildniß des Herrn Dr. Langerhans, des bekannten Berliner Stadtverordnetenvorstehers, gut vertreten ist. - Im Laal 16 hat Felix Ehrlich-Berlin ein gut gemaltes und den Eindruck der Naturwahrheit machendes Bildniß des Herrn Lewin-Funcke ausgestellt. Der uns als Arthur Lew in- Charlottenburg von früheren Ausstellungen wohlbekannte Bildhauer ist dieses Mal mit trefflichen Kleinbronzen erschienen, die zum Theil im Saal 22 stehen. Das kluge Auge und die hervortretenden Backenknochen in dem erwähnten Bildniß des Künstlers scheinen auf Herkunft aus dem slavischen Osten schließen zu lassen, der an künstlerischen Talenten reich ist, die infolge drückender Umstände erst in Westeuropa zur Reife gelangen. In der von dem seligen Zacharias Frankel herausgegebenen Monatsschrift für die Wissenschaft des Judenthums in Breslau las ich einmal vor mehreren Jahrzehnten einen Aufsatz, der mit der Betrachtung schloß, es werde bald nur noch kulturell vollständig gesonderte englische, russische, deutsche und französische Juden geben u. s. w. In künstlerischer Beziehung ist l ebenso natürlich auch auf dem Gebiete des Kultus) diese nationale Differenzirung unter unseren Glaubensgenossen glücklicherlveise nicht weit vorgeschritten; die Kunst ist vielmehr ein einigendes Band ebenso, wie es, Gott sei Dank, gemeinsame religiöse Erinnerungen sind. Das hier bereits ausführlich besprochene Bild unseres Glaubensgenossen G. Salomon in Stockholm, „Einsegnung der Sabbathlichte", hat bisher merkwürdigerweise in der Berliner Kritik nur einmal Erwähnung gefunden. Das uns so anheimelnde Bild hat im Saal 19 keinen besonders guten Platz, während die beiden anderen Bilder Salomons besser placirt sind und ebenfalls viel Beifall finden. Den Referenten der Tagesblätter ist indeß der Vorgang des Lichtbenschens nicht vertraut und bleibt Bielen die Darstellung deshalb unverständlich. Hut so mehr freut es uns, an dieser Stelle Bruchstücke aus einem von Herrn G. Salomou am 19. Mai aus Stockholm an die Redaktion dieser Zeitung gerichteten Schreiben wiedergeben zu können, in dem der Künstler seine Befriedigung über die am 18. Mai an dieser Stelle erschienene Besprechung seines Bildes Ausdruck giebt und eine nähere Deutung der uns unbekannten Figuren seines zu Herzen gehenden Werkes giebt. Es heißt da: „Die Darstellungen aus dem jüdischen Leben von Oppenheim sind mir wohl bekattnt, aber so schön empfunden ich nlehrere von ihtn fand, wie z. B. die „Sabbath-Nachmittagsruhe", den „Segen des Rabbi", so wenig befriedigte mich sein Lichtbenschen, da er diese schöne Ceremonie durch eineandere undzwar sehr prosaische Handlung, des Mannes Nachsehen auf der Uhr, ob es noch zu früh sei, in Schul zu gehen, abgeschwächt und so das Interesse getheilt hat. Dies war der Grund, weshalb ich ntich entschloß das Motiv noch einmal zu behandeln. Es ist für mich eine Jugenderinnernng, welche ich dargestellt habe. Ich sah als Kind oft meine Mutter und Großmutter, welche vollkommen Portrait ist, so beim Sabbatheingang dastehen. Das Lichtbett sehen geschah, während die Männer in der Synagoge waren und ntuß in der Dämttterung vor dem Borchu erfolgen. Die Dämmerung habe ich durch die Beleuchtung von außen auf ben Fensterpfosten angedeutet. Es ist mir aufgefallen, wie sehr die Geberde der Hände derjenigen der Oranten in alten christlichen Grabkammern ähnlich ist und sich in unserem Volke durch Tradition erhalten hat. Das Vorbild zum Leuchter auf meinem Bilde hatteeine hebräischeJnschrift: Lhadlik nrirsclielSchabbos.“ Diese Mittheilungen des trefflichen Künstlers sind sehr dankeuswerth. Was das Kulturhistorische anbelangt, so hat auch der bekannte „betende Knabe" im Berliner Museum dieselbe