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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-20 · Heft 29 (20.7.1900) · p. Seite 342

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
Seite 342 (sequence 8)
Language
German
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342 J i! I i Persoilerl die durch nichts begründeten Worte zu vernehmen: „Vielfach haben die Juden selbst Schuld". Ein schlechter Beobachter der obwaltenden Umstünde, aus jenen traurigen Ver- > hältnissen ins Leben gerufen, lvürde im ersten Moment an eine! Provokation von jüdischer Seite glauben können.; Dem ist jedoch nicht so, wenn man voll einigen temperament-! vollen Personen, die sich, wie natürlich, etwas energisch vertheidigen, statt mit stiller Resignation alles über sich ergehen zu lassen, absieht. Wenn Jemand durch schlechtes Betragen, durch unüberlegte Worte oder eine voreilige That einen Streit provozirt oder nur einen Konflikt heraufbeschwört, deren Folgen für ihn sowohl als auch für weitere Kreise unangenehm sind, so ist das gewiß verwerflich uub hat ein solcher unmoralischer Mensch unsere » Sympathie verscherzt.! Ein anderes ist es, wenn in einem bereits entstandenen! Streit, nach einem ausgebrochenen Konflikt die Betheiligten nicht gerade den Muth haben, nach der ersten Ohrfeige auch die zweite zu nehmen. Diese Gedanken beschäftigen uns, so oft wir jetzt die im zweiten Absatz eitirten Worte von der angeblichen Schuld seitens jüdischer Bürger in jenen bedrohten Kreisen in der Provinz Westpreußen zu hören bekommen. Ein nach jener Gegend abkonnnandirt gewesener Gendarm glaubt dieses für richtig halten zu müssen; sobald uran aber eine Erklärung hierfür verlangt, stellt sich heraus, daß diese entschuldbarerweise nmngelhast ist, da der Kritiker die sich unerquicklich zuspitzenden, von ihn: beobachteten Verhältnisse vorn Urbeginn nicht kannte. Was aber ein solcher Hüter der öffentlichen Ordnung denkt und glaubt, nimmt Mancher für pure Thatsachen. -- Diese Täuschungen, lvenn auch oft nicht absichtlich, werden am besten bewiesen durch die dem Schreiber dieses von einem einwandsfreien Augenzeugen geschilderte Thatsache, daß. sobald ein den Fensterscheiben eines jüdischen Hauses zugedachter Stein sein Ziel verfehlte und zurückprallte, es sofort hieß, die Inden bewerfen uns mit Steinen. Unter solchen Umstünden darf man sich natürlich nicht wundern, lvenn auch dein Vernünftigen der Geduldfaden reißt. Wenn der folgende Fall gemeint sein soll, bei dein es sich lediglich um einen inunerhin frevelhaften Scherz handelt, so sind wir die Letzten, die einen solchen dummen Spaß gutheißen. Zu einem jüdischen Fleischer in einer kleinen westpreußischen Stadt kommt ein Handwerker, um Fleisch zu kaufen. In der Fleischkammer befinben sich zwei jüdische junge Leute, die sich den Scherz leisten, bei zugehaltener Thür dem von Natur ängstlichen und durch die Konitzer Mordgeschichte noch mehr ängstlich gewordenen Manne zuzurufen: Nun wollen wir den Meister abschlachten. Natürlicherweise hatte dieser Vorfall wie ein Lauffeuer sich rasch verbreitet und viel Staub aufgewirbelt, auch ein gerichtliches Nachspiel wegen groben Unfug gehabt. Wenn dieser ungualifizirbare Spaß, den wir tief bedauern und stark verurtheilen, manchem Leichtgläubigen etwas „beweisen" soll, so können wir solche Leichtgläubigkeit nur bemitleiden. Weil es nach dem Ritus einen Halsschnitt beim Schächten aus praktischen und sanitären Rücksichten, wie von einer überwältigenden Anzahl über allen Zweifel erhabener Autoritäten anerkannt, giebt, darum kann ein solches Verbrechen nur von Juden herrühren. Welcher Unsinn! Als ob es nicht seit Urzeiten Morde und Verbrechen auch durch diese Art des Halsschnittes gegeben und auch Selbstmörder häufig diese Todesart wählten, wobei das Mordinstrument, das solche Todeskandidaten gegen ihr eigenes Leben geführt, in ihren Händen vorgefunden wurde. Ob mit Aufhören des sogenamlten Schüchtens, welchen Gefallen wir ihnen keineswegs thun werden, der Vorwand zilm Streit wegfallen würde? Wir müssen das stark bezweifeln! Die Bosheit ist erfinderisch und würde sich andere Motive zum Anlaß nehmen. Die Verhältnisse sind stärker als unser Wille und unser Denken, die Lebensbediugungen intensiver als alles Glauben und Drängen, alle, sei es aus moralischen oder anderen Motiven vorgefaßten Meinungeu und Bestrebungerl zur Abstellung eines Uebels im Interesse der Gesammtheit. So wenig der Himmel auf die Erde fallen kann, so wenig find die in Betracht kommenden Kreise Belehrungen zugänglich. Das Gericht und die Behörden, zu denen wir trotz des nur zum T'heil berechtigten Skeptizismus das größte Vertrauen haben, und die Presse, das Sprachrohr der öffentlichen Meinung, warnten das Publikum eindringlich vor übereilten Schritten und vorgefaßten Meinungen in betreff der Mordallgelegenheit. Es hat wenig genützt! Das Publikum hier hat einmal eine solche Voreingenommenheit. In den Gegenden rnit gemischtsprachiger Bevölkerullg lvird's kaum besser werden; sie glauben es und wollen einmal darall glauben; zu überzeugen ist hier absolut unlllöglich und jeder Versuch hierzu scheitert. Alle Bevölkerungsklassen sind dieser Schwäche anheimgefallen, Ausnahmen abgerechnet. Nachdem die Untersuchung nach anderer Richtung hin so viele Verdachtsnlomellte zu Tage gefördert mtb die voll gegnerischer Seite vorgebrachten Verdächtigungen, durch nichts begründet und von jedem loyal dellkenden Menschen die Grurldlosigkeit gleich oder später erkannt wurde, ist's doch kaum besser gegewvrden. Das Lewen der Kaufleute dauert momentan noch fort. „Saugell Sie mir nicht das Blut ails wie in Könitz." „Handeln Sie mal gut mit ihm, er ist ans Könitz." „Warmn übervortheileil Sie mich, wir sind doch hier rlicht in Könitz?" - sagen die Eineil oder die Anderen und verursachen oft Zank, Streit und Schlägereien und Prozesse. Ueber den mehr oder weniger günstigen Ausfall derselben wollen wir ßateu uns kein Urtheil erlauben. Im Uebrigen lassen ja die letzten Berichte und die persönlichen Wahrnehmungen bessere Zeiten erhoffen, so daß die geschilderten anstößigen Redensarten nur noch die Nachklünge eines durch ungerechtfertigte Hetzerei aufgewühlten Zeitabschnittes zu betrachten sind. Ein kleiner Vorfall, der beweist, von welcher Seite provozirt lvird, und daß es ein guter Christ war, der sich des Unschuldigell annahm, «löge hier noch Erwähnung fillden. Jüngst unternahmen drei Arbeiter einen regelrechten Ansturm gegen ein christliches Geschäft in einer westpreußischen Mittelstadt, und, bewaffnet mit Stöcken nlld Werkzengen, verlangten sie gewaltsam Einlaß, um den Wirth dafür zu strafen, daß er kurz vorher einen jüdischen Bürger^gegen ihre Gewaltthätigkei ihrem 3 mußten Wir gewisses, uns Leid Zeiträuu vorüber a lichen \ Fordern man zu neid, R Antisemi eben, )r — und dem sche lind die! neller. Schule, strengstei demgemi sturm a.1 wider de engehalt und so l auftalten dulden, r i.siebtes i für höh genossen deren Ki ^ehraustl Sonsegm Schulen tiver Ile sie also, .Sange ji Paragraf der staat?3efemnr behaupte '«.-wie mc setzuugeu uub Bell rechtlich aasten u ate geän ^lusnahri

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