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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-20 · Heft 29 (20.7.1900) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 29 (20.7.1900)
Date
1900-07-20
Page
Seite 340 (sequence 6)
Language
German
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340 tjat. Am 12. Juni hat sich der Vorfall ereignet; seither hat sich der Vater an alle maßgebenden Behörden des Landes gewendet, und jetzt, genau nach einem Monat, nachdem sich die Behörden längst mit dieser Angelegenheit besaßt haben mußten, kommt erst die amtliche Aufklärung, welche die Flucht auf eine freiwillige Bekehrung und auf eine von dem Mädchen selbst erbetene Hilfe der Bauern zurückführt. * Schneller, als noch vor Kurzem vermuthet werden konnte, hat sich das Geschick des Ministeriums Cantacuzino in Rumänien erfüllt. Die Ueberzeugung, daß es abgewirthschaftet habe, war zwar außerhalb der Bojarenpartei ganz allgemein, und man sprach auch bereits von Verhaudlungeu, die mit Carp wegen der Bildung eures neuen, aus junimistischen und konservativen Bestandtheilen zusammengesetzten Kabiuets gepflogen wurden. Diese Verhandlungen haben nun, wie die „V. Z." schreibt, zu einem befriedigenden Ergebniß geführt, und Carp hat bereits ein neues Ministerium gebildet, das aus vier Junimisten und aus vier Mitgliedern der bisherigen Regierungspartei besteht, und in dem Carp selbst neben dem Präsidium die Finanzverwaltung übernimmt. Ohne Thränen sieht man das Kabinet Cantacuzino verschwinden, das in den fünfzehn Monaten seines Bestehens nichts gethan hat, um sich den Dank des Landes zu verdienen. Es läßt die Finanzen in völlig ungeordneten Verhältnissen zurück, und es scheidet von der politischen Bühne gerade in einem Augenblick, wo die Massenauswanderung des jüdischen Proletariats eine schwere Anklage gegen Herrn Cantacuzino und seine antisemitischen Genossen in der bisherigen Regierung erhebt. Man wird freilich auch von Herrn Carp keine Wunderthaten erwarten dürfen. Welche Haltung das neue Kabinet gegenüber der Auswanderung des jüdischen Proletariats einnehmen wird, bleibt abzuwarten. Aber man darf wohl die Hoffnung aussprechen, daß der in deutscher Gesittung erzogene Carp sich von den boshaften Chikanen frei halten wird, mit denen das Kabinet Cantacuzino die systematisch auch in den untergeordnetsten Thätigkeiten boykottirteu und dadurch dem Elend preisgegebenen und zur Massenauswanderung gezwungenen Juden verfolgt hat. Wie die Dinge jetzt nun einmal liegen, muß ein nur das öffentliche Wohl berücksichtigendes Kabinett die Auswanderung der unglücklichen Leute nach Möglichkeit zu erleichtern suchen, den im Lande zurückbleibenden Juden aber das Recht auf Arbeit dadurch sichern, daß es die ungeheuerlichen Anordnungen beseitigt, wonach Juden bei öffentlichen Arbeiten in keiner Weise Beschäftigung finden dürfen, daß es den jüdischen Kindern die öffentlichen Schulen wieder erschließt und die staatsbürgerlichen Rechte der Juden, wenn auch nur in einer den bescheidensten Forderungen der Billigkeit entsprechenden Weise, regelt. Nur dann wird es den einzigen Weg zur Wiederherstellung einer gesunden Finanzlage und des rumänischen Staatskredits finden. * Viele der Unglücklichen, welche aus Rumänien durch systematische Unterdrückungen vertrieben wurden, gehen nach Kanada. Zugleich wurde es bezweifelt, ob die kanadische Regierung sich gern mit fremden Einwanderern, in Anbetracht der großen Zahl, welche schon ihren Weg nach der gastfreien Küste genommen, auch noch fernerhin Mafien würde. Unter diesen Umständen ist eine Unterredung über diesen Gegenstand von besonderem Interesse, welche ein Redakteur des „Jewish Chronicle" mit Lord Strathcona, dem kanadischen Ober- Kommissar hatte. Lord St. wies sofort die Unterstellung zurück, als ob die Regierung irgend welche Abneigung hätte, die Flüchtlinge auszunehmen. Gerade das Gegentheil sagte er. Ich brauche mich nicht zu beeilen. Ihnen zu sagen, daß Kanada mit offenen Armen jeden ausländischen Einwanderer der für die Beschaffenheit des Landes passend ist, aufnehmen wird. Jedoch leugne ich nicht, daß wir Leute aus unserem Vaterlande vorziehen würden. Aber das schließt nicht ans, daß wir Einwanderer aus anderen Ländern gern sehen, welche fleißig und fähig sind, gute Bürger Kanadas und des Reiches zu werden. Was wir in erster Reihe gebrauchen können, sind Leute, welche in landwirthschaftlichen Arbeiten bewandert sind. Aber, wohl gemerkt, nicht armes Volk. Jüdische Farmer sollten unter keiner Bedingung nach Kanada gehen, wenn sie nicht wenigstens im Besitze von 50 bis 100 Pfmld Sterling sind. Wenn sie jedoch diese Summe besitzen, so wird die Regierung ihnen freudig 160 Acres gänzlich steuerfreies Land bewilligen, was, wie Sie zugestehen werden, kein geringer Antrieb ist. Aber 50 Pfund Sterling sind eine ziemlich große Summe für einen Flüchtling, entgegnete der Vertreter des jüdisches Blattes. Eine geringere Summe möge genügen, antwortete der Lord, wenn drei oder vier Familien sich vereinigen. Diese Vorkehrung soll wesent, lich die Geld-Schwierigkeiten vermindern. Eine große Anzahl der Flüchtlinge sind, versetzte der Vertreter des Chronicle, Handwerker und manche haben sogar einen gelehrten Beruf. Welche Aussichten würden sie in Kanada haben? Ihre Aussichten würden zu meine»« Bedauern nicht so gut sein. Es würde für Kanada schwer sein, eine große Anzahl von Handwerkern zu gebrauchen, und »vas die gelehrten Berufe anbetrifft, so hat Kanada ein so gutes Erziehungssysteu» »vie irgend ein Land Europas. Es hat keinen Mangel an Vertretern der gelehrten Berufe. Jedoch haben rumänische Juden, »velche geschickt in ihren Berufen und im Besitze einer kleinen Summe sind, um sich eine Zeit lang aufrecht zu erhalte»», dieselben Aussichten wie die Eingeborenen oder irgend ein anderer Einwohner. Aber ich muß »viederholen, daß »vir am »»»eisten Leute wünschen, die sich auf dem Lande niederlassen und daß »vir diese herzlichst bewillkommnen »vürden. Es ist ungeheuer großer Ueberfluß an Land da. Es ist Raum für Millionen und Millionen von Menschen, »velche u»»ter den besten Bedingungen leben könne»', und all dieses Land wartet darauf, in Besitz genommen und bearbeitet zu werden durch passende Leute. Jedoch ist es nöthig zu sagen, daß jede Bewegung runlänischer Juden nach Kanada sorgsam vorbereitet werden u»»»ß. Sie »verden einen Plan oder Entwurf nach Berathung und in Verbindung mit der kanadischen Regierung auszuarbeiten haben. Es wäre durchaus ungünstig, wenn ein «»»geleiteter Ansturm auf Kanada stattfindet. Ich füge hinzu, daß jede Auskunft! m der Office des Oberkommiffars gegeben wird und alle nöthigen Mittheilnngen in gehöriger Weise der kanadischen Regierung gernacht »verden müssen. Nun, hier ist für die Jewish Colonisation Association eine sehr paffende Gelegenheit, mit ihren großen Mitteln Großes zu leisten. £ Die Vorgänge in China lenken die Aufmerksarukeit uatür lich auch auf die dortigen Juden, über welche in den letzten Jahren zwar oft, aber immer sehr verschiedenartige und nicht immer sehr glaubwürdige Mittheilungen zu uns gekommen sind. Außer den aus Europa eingelvanderten befinden sirli I dort noch Juden, die schon seit mehr als 2000 Jahren daselbst leben sollen. Unmittelbar vor Ausbruch der Unruhen beabsichtigte »nan vo»» London eine Mission zu ihnen zu schicken und sich mit ihnen in nähere Verbindung zu setzen. Die jüdische Gemeinde in Schanghai bot ihre Hilfe dazu an, und der Chief Rabbi von England steht an der Spitze des Unternehmens, das hoffentlich nur aufgeschoben, nicht aber aufgehoben ist. Die älteste Kolonie der Juden in China befindet sich in Kai-fäng-fu; außerdem befinden sich Gemeinden in Hongkong

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