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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-13 · Heft 28 (13.7.1900) · p. Seite 335

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 28 (13.7.1900)
Date
1900-07-13
Page
Seite 335 (sequence 13)
Language
German
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335 Eine gut erhaltene lateinische Inskription sagt das Folgende: „Unter unseren siegreichen Herren, den Kaisern Maximianus und Severus, sowie den alleredelsten Cäsaren Maximinus und Constantin waren es von Ero nach Clysma neun Meilen." Don diesem Ero oder Heroonpolis konnten, wie wir sehen werden, Flotten aufbrechen, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sich noch in der Römerzett der Busen von Sues weiter nach Norden erstreckte als heute; keinesfalls aber bis nach Suecoth. Naville behandelt diese Frage Seite 21 und giebt Seite 26 eine kurze Charakteristik des Ptolemäus Philadelphus, denl unsere Inschrift die Entstehung verdankt, sowie seiner vergötterten Schwester und ©attiu Arsinoö. Ferner zeigt er, wie der von ihm übersetzte Text, die Lust nach fremden und neuen Dingen, aus der Ferne stammenden Gegenständen und Nachrichten, welche diesen Monarchen beseelte, sowie seine Liebhaberei für Jagd und ' ausländische Thiere vortrefflich illustrirt; ja, er kann es wahrscheinlich machen, daß der Bericht über eine Expedition nach dem südlicheren Ostafrika, welchen die Tafel von Pithom enthält, sich auf die von Strabo erwähnte Fahrt des Generals Enmedes bezieht, bei welcher der Ort Ptolemais Theron gegründet ward. Bietet es schon Interesse, ein Originaldenkmal über diese merkwürdige Expedition und eine neue Bestätigung der immer bestimmter hervortretenden großen Zuverlässigkeit des Strabo zu besitzen, so sind wir dem Entdecker doch noch mehr für die geographischen Notizen verpflichtet, welche die Tafel von Pithom enthält. Schon auf dem Giebelfelde begegnet uns neben dem Tum von Suceoth ein Osiris von Pikeheret, eines Ortes, welcher auf unserer Inschrift häufig vorkonlint nnb der in der Nähe von Suecoth und unweit des Meeres gelegen haben muß. Wer sollte in ihm nicht gern den Namen jenes Pihachiroth wieder erkennen, über dessen Lage so viel geschrieben und gestritten worden ist? Jetzt kennen wir dieselbe, und zwar ziemlich genau, wenn Navilles Vermuthung, Serapin sei nur der lateinische Name für Pikeheret, sich bestätigen sollte, und wiederum sind wir durch die Denkmäler selbst tu Besitz einer Angabe getreten, welche den biblischen Bericht über den Auszug verständlicher macht und ihn dadurch bestätigt. Brugschs Vorschlag, in dem Schilfmeer, das bte Heere des Pharao verschlang, den Sirbonischen See und nicht das Rothe Meer zu sehen und die Juden von Etham (Chetam)h aus nordwärts statt südwärts abschwenken zu lassen, kommt durch die Bestiutmnng der wahren Position von Pihachiroth völlig zu Fall, und der Verfasser dieser Mittheilungen braucht an der Route, welche er den Auswanderern in seinem „Durch Gosen zum Sinai" angewiesen hat, nur wenig zu ändern. Wir sehen, daß die Naville'schen Grabungen reiche Resultate ergeben haben, unter denen als unumstößlich sicher zu bezeichnen ist, daß an der Stelle des heutigen Tell el-Maschüta eilt Ort mit dem heiligen Namen Pithom und dem profanen Theku-t gelegen war, daß sich daselbst eilt großes und befestigtes Borrathshaus befllnden hat, daß die Landschaft 'An, üt welcher die Apnriu saßen, Gosen mit untfaßte, und daß der erste Pharao, welcher auf den dort gefltndenen Denkuläterrt genannt wird, Ramses II., das heißt derjenige König von Aegypten ist, welchert wir längst als den Pharao der Bey 1868 vom Verfasser in seinem „Aegypten und die Bücher Moses" als das biblische Etham erwiesell. drückuug kennen. Wenn Pikehereth Pihachiroth ist, so lehren sie uns auch die Lage dieses Ortes ungefähr bestimmen. Dieses Blatt erscheint uns als der rechte Platz, die Naville'schen Erwerbtlltgen den Bibelforschern, Historikern und Geographen auf einmal ztlgänglich zu ntachen. Irre ich lticht, so werdell sie manchen Forscher, der sich mit der alttestamentarischen Kritik vertraut geillacht hat, bestimmelt, noch einmal zu prüfen, ob es nicht die Negatiort zu weit treiben heißt, wenn man die biblischen Erzählullgett vom Aufenthalt der Juden in Aegypten und dem Auszuge aus dem Gebiete der Geschichte verbannt. Wer hier Licht finden lvill, für den giebt es nur den einen Weg, die ägyptischen, das sind die einzigen mit den angezweifelten Ereignissen gleichzeitigen Quellen aufmerksam zlt studiren. Wir Habelt aus dent Vertrarttsein mit denselben den Muth geschöpft, mit allem Eifer für die allgemeine Historicität der auf Aegyptelt und die Hebräer bezüglichell Stellen in Geilesis mtb Exodlls einzutreten. EUILLETON Bethulah. Eine Erzählung von I. Zangwill. II. wurde der Unterhaltung von oben nach nuten bald Tro müde, verließ das Fenster und begab mich zu dein Philosophen auf die Veranda, wo ich von ihm über die Bewegung der Chassidinr im achtzehnten Jahrhundert belehrt wurde. Diese sogenannten Erretter, diese Eiferer gegen das vertrocknete Jndenthnm, das unter den Bewohnern der Karpathen unter dem Einfluß von Bescht entstand (Beseht war, >vie mir Aarchi erklärte, aus den Anfangsbuchstaben Baal Schein Tob — der Herr des guten Namens gebildet), zersplitterten sich bald in tausend verschiedene Selten; jede trug den Namen des Wnnderrabbi, zu dem sie schivor und in dessen ausschließlich göttliches Recht (das sind Harchis eigene Worte) sie glaubte. „Aber wir," grinste Harchi, „haben das göttlichste aller Oberhäupter." „Das sagen die andern auch, nicht wahr?" sagte ich. nun auch lachend. „Ja, aber der Zloczczoler Rabbi ist mit dem königlichen Siegel gestempelt. Er behauptet, aus dem Messianischen Sauren zu stammen, ein direkter Abkömmling Davids zu sein, der Sohn von Jischai." Und der Bucklige kicherte nralitiös. „Ich möchte ihn sehen," sagte ich und dankte der Vorsehung, die mir ein neues Interesse in meiner Langeweile gesendet. Jarchi zeigte schweigend mit dem Daumen in die Ebene. „Ihr meint doch nicht, daß er dort im Vorrathshause ist?" Harchi wollte vor Lachen ersticken. „Das? Das ist die Klaus." „Und rvas ist die Klaus?" „Das Stübel der Chassidim." „Dort werden also die Wunder gethan?" „Rein, das ist ihre Synagoge." „O, sie beten dort?" „Beten? Sie betrinken sich dort wie weiland Lvt." Ich kehrte an mein Fenster zurück und blickte neugierig nach der Klaus, und bei näherer Betrachtung fand ich, daß sie

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