Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1900)
- Date
- 1900-07-13
- Page
- Seite 334 (sequence 12)
- Language
- German
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334 kreisen, aber auch der ausschließliche Umgang und Verkehr mit Nichtisraeliten, von dem so manche Dame magnetisirt ist und sich dessen nicht genug rühmt, zu Wege gebracht, daß sich unsere Töchter den: Judenthum entfremden. Soll da nicht ein edler Frauenbund thätig eingreisen, wo es gilt, die Keime des Idealen — und dazu gehört doch unstreitig die Treue zur Väterreligion — in die empfänglichen Herzen der weiblichen Jugend zu pflanzen? Fort also mit dem Vorurtheil gegen die Jüdin als Erzieherin! Freilich müßte diese eine begeisterte Vertreterin ihrer Religion sein, um Begeisterung für dieselbe zu erwecken; lernen müßte sie von der christlichen Kollegin, mit gewissem Stolze ihren Glauben zu bekennen und eifrig für ihn bei ihren jüdischen Zöglingen zu propagiren. Auch das letztere aber dürfte eine Gesammtheit leichter erzielen als vereinzelte Vorstellungen oder Mahnungen. Noch eines: Bis vor kurzem begegnete man vielfach der Meinung, die Jüdinnen wollen nicht arbeiten; sie sind als Dienstboten eutioeder 31t schwach oder sie lieben die Bequemlichkeit, oder aber, sie fühlen sich zu kollegial, schwesterlich und ebenbürtig ihren Herrinnen und Arbeitgeberinlien. Ob ein Körnlein Wahrheit iu dieser Behauptung liegt? Möglich. Aber vermöchten nicht vereinte erziehlich einwirkende Fraiienhände auch hierin Wandel zu schaffen? Mali geht jetzt daran, die Ferienkolonien, die sich als segeilsreiche Veranstaltungen der Neuzeit erwieseli haben, durch sogenannte Hospize für schwache, leidende israelitische Kinder zu ergülizen. Auch hier wird eine partielle Hilfe unmöglich das schaffen, was den vereinten Kräften der gesummten Frauenwelt ohlie zu große Opfer möglich wäre. Es war vor etwa zwei Jahren, als ich nach der Besichtiglmg des Mädchenwaisenhauses in Ems in Gegenwart einiger Kollegen, darunter Oberrabbiner Ury-Straßburg, Kirchenrath Dr. Kroner-Stuttgart, Dr. Frank-Köln, ferner der Herren Konsul Simon-Hannover und Eugell Rosenstiel-Berlin sowie einiger hervorragender Damen alls Frankfurt a. M. auf die Wichtigkeit einer Centralis ati on der hum allen jü di schell Frauen - Bestrebung en hingewiesen habe. Seit da- Ulals ist die Frage aktueller geworden, seit damals haben uns auch die Leistullgen der allgemeinen deutschen Frauenbewegung auf Grund und infolge ihrer Centralisation belehrt, daß der Grundsatz unserer Solidarität: „Alle Israeliten bürgen für einander", llicht nur als Motto der allgemeinen israelitischen Allianz seine Giltigkeit hat, sondern auch ganz besonders in der beregten Angelegenheit unserer Frairenfrage. Nach den obigen Ansführungell dürfte es an der Zeit sein, die Gesammtheit der israelitischen Frauenwelt für die Idee solidarischen, einheitlichen Zusammenwirkens 311 gewinnen, alle im deutschen Baterlande mit Intelligenz, Wohlhabenheit und dem warmen Gefühle für die Ehre des Judenthums und seiner Bekelllierilinell begabten und ausgerüsteten Frauen zu veranlassen, einen d en t sch -isra el itisch elt Frau enbu nd zu begründen zur Wahrung aller Jllteresseu ihrer arbeitenden Glaubensschwestern. Ohne beit findigen, organisatorischen Talenten unserer gebildeten Frauenwelt in Beziehung auf die Punkte der Ausführung ulid praktischen Verwirklichung unserer Ideen, der Grnppirung der Arbeit, der Organisation des Ganzen und Einzelnen irgendwie vorgreifen zil wollen, möchte ich nur auf die Art und Weise der Genesis und des Bestandes jenes großen Werkes Hinweisen, das die allgemeine deutsche Frauenvereilligung in ihrer Centralleitung hervorgebracht hat. Möge diese Anregung zu baldiger Vereinigung der auserlesenen Kräfte unserer deutsch-israelitischen Frauenwelt zum Zwecke der Hebung und gedeihlichen Fortentwickelung aller Frauenarbeit, zur Beseitigung so mancher Mängel ulld Schäden und Ausfüllung fühlbarer Lücken führen und einen einflußreichen religiös-humanen Gesammtwillen schaffen, der rathelld, stützend und helfend das Heil und die Wohlfahrt der Einzelnen, der Besonderheiten von Personen, Institutionen und Arbeitsgruppen begründete! Me Historrcitat des Aufenthaltes der Juden in Aegypten. Aus dem Nachlasse von Georg Ebers. IV. er dreimal auf einem Kalksteinblocke, welchen Naville weiter entdeckte, wiederkehrende Königsname ist leider unlesbar, das Bild dieses Pharao blieb aber erhalten. Einmal wird er dargestellt, wie er mit Bogen und Keule in der Hand ins Feld ziehen will, einmal mit dem Gefangenen am Schopfe, das heißt nach vollendeter Ueberwältigung seines Gegners. Die spärlichen Fragmente zweier Statuen von weißem Kalkstein, einen Mann und ein Weib darstellend, welche bestimmt waren, einander als Pendants gegenüberzustehetl, würden llicht der Erwähnung werth sein, wenn die erhaltenen drei Jnschriftzeileu auf denr Rücken des Mannes Navilles Ansicht, daß Tell el-Maschüta Pithom ulld keineswegs Ramses sei, nicht endgiltig bestätigt hätten. Denr Vorsteher des Speichers und des Tenlpels des Tum voll Succoth, Namens Pa-mes(?)- Jsis, welchen diese Bildsäule darstellt, wird von der Göttin Hathor gewährt, daß sein Name im Heiligthume des Tlun, des „großen lebendigen Gottes von Theku-t", dauerhaft fortbestehe. Wie dem Tum von Succoth, so diente er auch der Hathor von 'An, jenes größeren Bezirkes, beit wir schon lange als Heimath der 'Apuriu kennell. Diese Fragmente stammen aus der 26. Dynastie, wie durch zwei kleinere inr gleichen Stil, lvelche sich im Besitze des Herrn Paponot befinden, erwiesen wird. Das nun folgende Monuulent, eine Steintafel mit rundem Giebelfelde und 28 Zeilen in Hieroglyphenschrift, ist 4 Fuß 3 Zoll hoch und 3 Fuß 2 Zoll breit und von solcher Wichtigkeit nicht nur für die alttestamentarische Forschung, sondern auch für die Geographie mrd Geschichte der hellenistischen Zeit, daß sie recht wohl verdiente, uebeil der Tafel von Rosette und von Tanis die voll Pithonl genalint zu werden. Sie wird gegenwärtig im Museum von Bulaq (bei Kairo) kollservirt, ulld ihr Entdecker hat sie llicht nur in brauchbarer Weise publizirt, sondern auch, was lesbar auf ihr war, übersetzt. Dies ist wegen der Flüchtigkeit, mit der viele Zeilen in beit Stein gemeißelt sind, keine leichte Aufgabe gewesen, aber Navilles Scharfsinn hat sich auch hier bewährt. Um den vollen Werth dieses Monumentes zu verstehen, muß bemerkt werden, daß Naville auch lateinische Inschriften gefunden hat, aus denen mit Sicherheit hervorgeht, daß die römische Militärkolonie, welche sich an das ältere Succoth schloß, Ero, Erocastra und auf griechisch Heroonpolis hieß.