Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1900)
- Date
- 1900-07-13
- Page
- Seite 330 (sequence 8)
- Language
- German
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330 zeugung aus: die deutschen öffentlichen Erziehnngsschulen jeder Art, die höheren wie die Volksschulen, sind, soweit sie nicht stiftungsmüßig der jüdischen Kultusgemeinschaft angehören, oder wie in Baden durch besonderes Gesetz einen konfessionslosen Charakter zugesprochen erhalten haben, nach positivem und natürlichem Rechte christliche Schulen und müssen gemäß der Entwickelung des deutschen Volkes und der christlichen Kirche einen konfessionellen Charakter trageil, d. h. ein glaubens- und gewissenseiuiges Lehrerkollegium haben. Auch das Recht der konfessionellen Minderheit unter den Schülern wird am wirksamsten nicht durch Mischung des Lehrerkollegiums, sondern durch Austellllug eines tüchtigen Religiouslehrers ihres Bekenntnisses gesichert. Jüdische Lehrer sind, abgesehen vom jüdischell Religionslehrer, der aber nur Religionslehrer sein darf, an den deutschen öffentlichen Erziehungsschulen jeder Art, den höheren wie den Volksschulen, unzulässig." Ob diese Resolution von Zange ausging, rvird am Ende seines Schriftcheus, lvo sie eben gewissermaßen dessen Facit zieht, nicht eigens gesagt, doch ist es zu vermuthen, schorr weil sie das einzige logische Ergebniß seines Schulkongreß-Vortrags und der Druckform desselben, d. h. des vorliegellden Heftes, darstellt. Mit ihren Forderungen und den Voraussetzungen Zange^s auf denen sie fußen, muß sich also eine sachliche Kritik abfiuden. Blinder Eifer schadet nur, und die vo.n Zange vorgebrachteri unumstößlichen Thatsachen einfach ableugnen, hätte auch für den eingefleischtesten Jndenrechtler keinen Zweck. Vorerst muß ein rein persönliches Vorkommniß abgemacht werden, das zweifelsohne Zange zur Abfassung feiner Schrift angespornt hat, oblvohl es aus seinen Blättern nirgends erwähnt wird und auch zwischen den Zeilen blos für den Eingeweihten hervorschimmert. Der jetzige Gymnasialoberlehrer Dr. Albert Pick in Meseritz war bis 1896 lvissenschaftlicher Lehrer an der Höheren Handelsschule zu Erfurt und trat da an das unter Zange's Leitung stehende dasige Realgymnasium als Oberlehrer über. Anläßlich dieses Eintritts fand es Zange angebracht, öffentlich vor Lehrerkollegium und Schülerschaft sein Befremden und Bedauern über die Aufnahme eines Israeliten in die ihm unterstehende Körperschaft auszusprechell, worauf Pick, nur diese unerquickliche Situation »licht eiuwnrzeln zu lassen, sich gar bald um die natürlich leicht gewährte Versetzung bewarb. Von dieser Aufsehen erregenden Affäre scheinen einige Tropfen hier durchgesickert zu sein, überall jedoch ohne Namens-, Ortsu. a. Angaben. „Wir haben's erlebt!" ruft Zange mit Abscheu einige Male aus, wo er Vorkounnnisse erwähnt, ein Jude im höheren Lehramt habe sich darauf eingelassen „gar an der gemeinsamen christlichen Morgenandacht mit theilzunehmen, das christliche Gesangbuch in der Hand, als ov er mitsänge, geschweige, daß er sich annlaßte, die christliche Morgenalldacht, wenn's darauf anküme, selber leiten zu wollen, da er ja dann alttestamentliche Texte zur Verlesung wühlen kölme." Dieser Passus bezieht sich doch zlveifellos auf Ereignisse jener fatalen Kollsliktsperiode, da der in seiner Gewissensüberzengung beschwerte Direktor Dr. Zange und der ordnungsmäßig derselben Anstalt überwiesene Oberlehrer Dr. Pick neben einander wirkten. Mall wird es Letzterem gewiß nicht verdenken köllnen, wenll er diese Dinge am liebsten aus seiner ulld der Menschen Erinnerung verwischen, arn allerwenigsten die Diskussion der einschlägigen Gesichtspunkte nur angefacht sehen möchte. Wir wissen auch nicht, ob Pick zu Zange^s Mittheilungeil, die ja doch gleichsam auf seinem Grund und Bodell gewachsen sind, irgendwie Stellung genommen hat. Allerdings hat ihn Zange in loyaler Weise das Schweigen erleichtert, indem er die hier vorgetragenen Anschauungen wesentlich theoretisch ableitete und fast nirgends greifbare Zwischellfälle der Praxis damit verquickte. Aber es wird sich doch bei Gelegenheit einer Erörterullg der Zangeffchen Deduktionen und Thesell ein Eingehell auf kontrollierbare wirkliche Beispiele kaum vermeidell lassen, und, abgesehen vom Mangel mehrerer stoffreicher Fälle, eignet sich dazu der voll Zange selbst in die That nmgesetzte besonders dazu, zumal er zieullich klar liegt. So leid es einem auch da thull mag, die Personalien eilles an und für sich völlig uilschuldigen Marines hereinzuziehen, die Rücksicht auf die Wichtigkeit solcher Erlebnisse für die Allgemeillheit erheischlls, die Eillzelheiten prinzipieller Art sorgsanl unter die Lupe zu nehmen. Und es ist lehrreich, ersprießlich, nöthig, dieses heikle Thema, wie es Zallges Heft knapp und übersichtlich, leidenschaftslos und klar und dennoch mit der Wärme des Glaubens an eine einmal sicher erkannte Nothwendigkeit zur Debatte zu stellen. Der Ausschluß jüdischer Lehrer von den öffentlichen höheren Schulen, wie ihn Zange fordert und allseitig zn uwtivireu strebt, ist eine Lebensfrage für so und so viele Anwärter, die ungeduldig und mißmuthig auf die endliche Erfüllung der erlangten Examens - Qualifikation lauern. Dieser Ausschluß muß ferner jedein höher gebildeten, zumal jedem gelehrter Bildung theilhaftigen Israeliten nahe gehen, da er außer der dadurch grundsätzlich beseitigten Gleichstellung auf einem nur Akademikern zugänglichen Revier auf die anderen hinüberzugreifen und die, heutzutage schon sowieso arg beschränkten Aussichten leidlicher Versorgung noch mehr verringert. Ein solcher Ausschluß sollte aber überhaupt allen Juden ein wichtiger Punkt ihres Nachdenkens werden, sei es, daß einer mit den stärksten Fasern seines Inneren an der angestammten Gemeinschaft hängt und ihn also bei derartigen Themen in erster Linie ideale Beweggründe erfüllen, sei es, daß Jemandes Zusammenhang mit den Genossen des überkommenen Glaubens und letzterem selbst nur äußerlich ist, ihn somit der Angriff auf die Gleichberechtigung blos von der praktischen Seite berührt. Unleugbar gebührt der Zange'schen Schrift eingehende Achtsamkeit, sie beansprucht, ruhig und gelassen erwogen, nicht etwa erbittert, gehässig, kurzab abgekanzelt zu werden. Warum?, dem widmen wir einige Worte in einem zweiten Artikel. Jüdische Parlamentarier. Vo» Dr. S. Car p in. re von der „Allgemeinen Zeitung des Judenthnms" vor emigcn Wochen anläßlich der Wahl des Rechtsanwalts und Notars Eduard Wolf als dritten jüdischen Abgeordneten in das preußische Abgeordnetenhaus bereits kurz gekennzeichnete Bedeutung dieser Thatiache giebt uns Veranlassung, auf den Prozentsatz, den die Juden im parlamentarischen Leben Deutschlands bisher eingenommen haben, etwas näher einzugehen. An und für sich wäre ja für das Judeuthuin die Thatsache ziemlich gleichgültig, ob die Vertretung seiner Interessen soweit sie überhaupt in Betracht kommen, im Parlament durch Juden oder Nichtjuden erfolgt. Nachdem aber Her geo Agi den dur wui sche sche fett« mit krei frei wal scho Hi den gen ein, ftafc Ed, fall not: als er l ivo: den krei geo für ein, tag aut eig, ver erf> uni La Fa' Fr, sch, Pa Le Dr mc Dt ftni hat ttni sei, hvs Wi ist, schi spe inr wä so Pr