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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-07-06 · Heft 27 (6.7.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 27 (6.7.1900)
Date
1900-07-06
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Geburtstag Samuel David Luzzattos, dessen unsterbliche Verdienste um die Wissenschaft des Iudenthums es allen Freunden dieser Wissenschaft zur heiligen Pflicht machen, diesen Tag in dankbarer Erinnerung an das Schaffen und Wirken des großen Meisters auf vielen Gebieterl unseres Schristthums feierlich zu begehen. Der geschäftsführellde Außschntz des Verbands der jüdischen Litteratur-Vereine glaubt aber das Andenken dieses Mannes nicht besser würdigen zu können, als durch die Herausgabe eines Luzzatto-Gedenkbuches, das verschiedene Beiträge namhafter Gelehrter, wie Bacher, Berliner, Bloch, Brann. Bernfeld, Kayserling n. A. enthalten und sänuntlichen Vertiuen in einer Anzahl von Exemplaren zum 22. August gratis überroiesen werden soll. Die nöthigen Mittel, um die durch die Herallsgabe eines solchen Gedenkbuches entstehenden Ausgaben bestreiten zu können, werden die größeren Vereine für jüdische Geschichte und Litteratllr in Deutschlalid aufbringen. 8. Berlin, 1. Juli. Die für den 6. Juli in Aussicht genommene Einführung des Rabbiners Dr. Blumenthal ist mit Rücksicht daraus, daß der Vorsitzellde des Gemeindevorstandes sowie dessen beide Stellvertreter verreist resp. krank sind ulld auch die Mitglieder der Repräsentanz zullleist nicht nrehr in Berlin weilen, bis nach den Ferien verschoben worden. Dessenungeachtet findet die Antritt spredigt am Sonnabend, den 7. Juli in der Neuen Synagoge statt. Berlin, 1. Jnli. Hiesige Blätter berichten über eine Premiere im „Neuen Theater", die für uns in manchen Beziehungen von Interesse ist. Es handelt sich llämlich um die erste Aufführuilg einer einaktigen K omödie von Ludwig Wolff, „Die M o ll d s ch ei n s o n a t e" m der das Heirathsvermitteluugswesen in jüdischen Kreisen ill greller Weise beleuchtet wird. Zwei jllnge ßeitte lassen sich durch Vermittler zwei Mädchen besorgen. Es handelt sich um fünfzehntausend und Zwanzigtansend Mitgift. Nun irrt sich aber der eiile der beiden Bewerber in den Mädchen. Er muß durchaus zwanzigtausend Gulden haben, billiger kann er es llicht machen; unterdessen hat er aber aus Versehen der von Fünfzehntausend schon einen Antrag gemacht. Die höchst bedauerliche Verlvechslung wird zum Glück lloch wieder gut gemacht, indem der Strallskh einfach all Isidors und Isidor all Stranskys Stelle tritt. Der christliche Referent der „V.-Z." schreibt über das Stück: „Mir erschien es wesentlich als absichtlich übertriebeiles Zerrbild, illdessen versicherten einige jüdische Herren, daß es für beschränkte Kreise auch als reine Milieuschilderung zutreffe." Das Versöhnliche liegt für diesen Referenten darill, daß der Verfasser ohne Zweifel selbst ein Jude ist. Nun denn, für uns liegt gerade in diesem Umstande das nicht Versöhnliche, denn wi<meinen, daß ein Jude unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen, wo das von allen Seitell in der uuerhörtesten Weise angegriffene Judenthum sich in einer schwierigen Defeusivstellung befindet, durchaus nicht das Recht hat. seine Bekenutniß- und feine Stammesgenossenschaft dem Spott und Gelächter der Theaterbesucher Preis zu geben, und zwar in diesem Falle um so weniger, als die geschilderten Verhältnisse auch in manchem anderen Milieu wiederkehren und keilleswegs nur in jüdischen Kreisen vorhanden sind. B. Berlin, 1. Juli. In der Konitzer Affäre stützen sich die Beschuldigungen der Antisemiten gegen die Juden wesentlich auf eine Anzahl falscher Aussagen. Eillige Zeugen, der Arbeiter Maßloff und die Frau Rotz siild wegen falscher Zeugeneide ullter dem Verdachte des Meineides verhaftet, aber es ist sicher, daß die Zahl der wirklich geschworenen Meineide in dieser Affäre noch viel größer ist. Um den Eindruck, den die Entlarvung der genannten falschen Zeugen in der Oeffentlichkeit gemacht hat, abznschwächen, behaupten die Antisemiten in der von ihnen verfaßten und verbreiteten Schrift, die unter dem Namen des Fleischermeisters Hoffmalln erschienen ist, daß die Arbeiterbevölkerung der dortigen Gegend noch sehr kirchlich sei ulld llicht zu falschen Eiden neige. Diese Behauptung erfährt erst die richtige Beleuchtung, wenn man weiß, daß der Regierullgsbezirk Marienwerder, zu dem Könitz gehört, einer derjenigen Oberlandesgerichtsbezirke ist, der in ganz Deutschland in Bezug auf Meiileidsverbrecheu am schlechtesten steht. Seit 1882 besteht die Krinlinalstatistik und geht bis zum Jahre 1897; in diesen 16 Jahren stellten sich die Ziffern wie folgt. Der Bezirk Marienwerder hat 1.7 Prozent der Gesammtbevölkerung Deutschlands, demnach hätten von den 13 389 Bestrafungen, die wegen Meineides in ganz Deutschland vorkamen, auf den Bezirk entfallen müssen 228, es waren aber 456. also gerade doppelt so viel. Wegen Falscheides (fahrlässigen Meineides) wurden in ganz Deutschland bestraft 6767 Personen, es hätten also in dem Bezirk sein sollen 115 Bestrafullgell, es ftnb aber 186 Personen wegen dieses Deliktes verurtheilt worden, also ebenfalls viel mehr als der Durchschnitt. Endlich bei dem dritten Delikt dieser Art, Verleitllng zum Meineide, ist die Sache llicht minder klar. Es lvurden in ganz Deutschland verurtheilt 4085 Personell, in Marienwerder hätten es sein sollen 69 Persollen, es sind aber 105, so daß es auch bei diesem Delikt in dem Bezirk Marienwerder höchst ungünstig steht. Man sieht also aus allen diesen Zahlen, daß der Regierungsbezirk Marienwerder eine derjenigen Gegenden in Deutschland ist, in der die meiften Meineide geschworen werden. Das ist auch ein nicht uninteveffanter Zug zur Erklärung der Vorgänge ill Könitz. Lissa, 25. Juni. Am 5. d. M. tagte in Ottos Hotel die 12. Jahresversammlung des V e r ei n s j üd i sch e r L e h r er d erOstp r o v i n z e n. Es waren folgende Städte vertreten: Kosten. Kurnik, Wöllstein, Rogasen, Obornik, Borek, Kolvlar, Czempill, Wongrowitz, Santomischel, Lissa, Gnesen, Schrimm, Kempen, Rawitsch. Schwersenz, Jutroschin, Xions, Samter, Flatow, Schildberg, Gostyn, Fordon, Mur, Goslin, Znin, Schmiegel, Gollub. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Herb st-Lissa, eröffnete die Versammlung durch eine Ansprache, in welcher die Uebersicht über das verflossene Vereinsjahr sowie über die Veränderungen im Personalbestände des Vereins gegeben wurden. Die Ansprache schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Seiterls des D.-J. G.-B. war der Ortsdelegirte, Herr Rabbiner Dr. Bäck, erschienen, die Gemeinde Lissa lvar durch Herrn Rechtsanwalt und Notar Nürnberg vertreten, als Gäste wohnten Herr kölliglicher Gelverbeillspektor Plotke und Herr Rabbiner Dr. Deutsch der Versammlung bei. Zur Tagesordnung übergehend, hielt Herr Hamel-Rawitsch einen Vortrag über das vom Verbände israelitischer Lehrer im deutschen Reiche gestellte Thema: „Soll die systematische Religionslehre in der Volks- und Religionsschule als besonderer Unterrichtsgegellstand behandelt werden?" Da das Thema von Volks- und Religionsschulen spricht, wurde es von dem Referellten, Herrn Hamel-Rawitsch, der Religionslehrer, sowie von Herrn Lach mann, der an einer öffentlichen Schule angestellt ist, in verschiedenartiger Weise behandelt. Die Vorträge fanden allseitig lebhaften Beifall. Die Thesen beider Referate wurden sorgsam mit einander verglichen und These 1 des Lachmann'schen Vortrages mit einer geringen Abänderung angenommen, da sie die erschöpfende Alltwort auf die im Thema gestellte Frage enthält. Demnach ist sowohl in der Volksals auch iu der Religiousschule auf der Oberstufe systematischer Religionsunterricht zu ertheilen. Als Vorort für die nächste Versammlung wurde, nachdem Punkt 4 wegeil Ausbleibens des Referenten von der Tagesordnung abgesetzt wurde, Gnesen gelvühlt. Herr G rünfeld-Schwersenz erstattete den Kassenbericht und erhielt die beantragte Entlastung. Bezüglich der zu gründenden Verbandsschrist erstattete Herr Becker-Wollstein Bericht über das mit dem Verleger Leßmann zu Hamburg getroffene, für die Zwecke des Vereins äußerst vortheilhafte Abkonnnen. Der vorgelegte Kontraktentwurf wurde unter Ausdruck des Dankes für den Berichterstatter gebilligt. Nach Beendigung des geschäftlichen Theiles ver-

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