Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1900)
- Date
- 1900-07-06
- Page
- Seite 321 (sequence 11)
- Language
- German
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321 Durch die geographische Bestimmung dieser Exodusstation fällt auf den Weg, den die ausziehenden Juden genommen, neues Licht, und der Auastasi VI genannte Papyrus lehrt, was Navilles Ausgrabungen bestätigen, daß Theku-t eine feste Stadt war. Es heißt dort in einem Dekret des Pharao wörtlich: „Wir haben geduldet, daß die Tribus der Schasu von Atlun (Beduinen von Edvnl?) überschreiten die Festung des Königs Merenptah von (bei) Theku, um sich nach den Teichen von Pithvm. des Königs Merenptah von Theku zu begeben, lim sich zu nähren und ihre Heerden zu nähren, auf der großen Domäne des Pharao rc." Aus dieser Notiz geht nicht nur hervor, daß Pithom-Succoth befestigt war, sondern auch, daß der Nachfolger Ramses' II., Merenptah, der Pharao des Auszuges, von dem sich bei Tel! el-Maschuta keine Denkmäler gefunden haben, diese Grenzstation, in deren Nähe noch manche stehende Wasser flutheil, nach seineru Rainen benennen ließ. Er scheint wenig vorsichtig gehandelt oder dem Druck der Nothwendigkeit nachgegeben zn haben, als er Beduinen gestattete, ihr Vieh in einer von semitischen Elementen überfüllten Provinz zn hüte». Wenn es noch in seiner Hand lag, die Schasu einzulassen, so war er doch nicht stark genug lnn dem Auszuge der Hebräer zu wehren, welche auf ihrer ersten Wanderstation Vorräthe genug gefunden und sich ihrer bemächtigt haben werden. Gerüstet zogen die Söhne Israels aus dem Lande Aegypten. 2. Mos. 13, 18. „Mit aufgehobener Hand" rc. 2. Mos. 14, 8. Sollte es ein Zufall sein, daß, je mehr Denkmäler aus jener Zeit ans Licht gezogen werden, desto reichere Bestätigungen für die Historicität des Aufenthaltes der Juden in Aegypten der Forschung entgegenkommen? Darf man nicht an die oben angeführte Stelle aus dem Papyrus Anastasi VI denken, wenn wir 2. Mos. 12, 37 und 38 lesen: „Und so zogen die Söhne Israels aus von Ramses nach Succoth bei 600 000 Mann zn Fuß, die Männer ohne die Kinder. Auch eine Menge Fremde zog mit ihnen, und Schafe uiid Rinder, und sehr viel Vieh." Unter diesen Fremden haben wir gewiß jene Scharen zu verstehen, welche mit Erlaubniß des Pharao ihre Heerden neben denen der Hebräer weideten, und so bestätigt der schriftliche Nachlaß der Aegypter auch diese Angabe der Bibel, die wir für historisch halten, obgleich sich in uiiinittelbarer Verbindung mit ihr Zahlen finden, welche sich in keiner Weise mit der Wanderung durch die Sinai-Halbinsel vereinigen lassen und der legendarischen Uebertreibung den Ursprung verdauken. Diese beiden Verse sind charakteristisch für die gesannnte biblische Erzählung vom Aufenthalte der Juden in Aegypten und dem Exodus. Die Grundlage ist geschichtlich, und zwar hier der Zug von Ramses nach Succoth (Theku-t) und der Anschluß von anderen Nichtägyptern an die Auswanderer; aber in jedem Theil der später in eins zusannnengearbeiteten Tradition mischt sich leicht und gern das Ungeheuerliche und Wunderbare, womit die Ueberlieferung unter einem phantasievollen Volke die schlichte Begebenheit zu vergrößern und auszuschmücken trachtet. Nach Merenptah und dem Auszuge treten innere Unruhen in Aegypten ein, Ramses III. weiß sich zwar mit Glück gegen die Völkerschaften, welche das Nilthal von Westen, Osten und Norden her angreifen, zu vertheidigen, aber seine Truppen können Asien nicht halten. Seine schwachen Nachfolger sinken zu elenden Werkzeugen der Anionspriester herab, und als diese sich endlich des Thrones bemächtigten, fehlt ihnen die Thatkraft, Aegyptens Macht nach außen hin zu bethätigen. Das 22. Herrscherhaus der Bubastiden, welches aus Libyen zu stammen scheint, nahm einen kräftigen Anlauf, und sein erster König Scheschonq, den die Bibel Sisaq nennt, unternahm im 5. Jahre des Rehabeam einen Beutezug nach Syrien. Dabei eroberte er Jerusalem, „und nahm die Schätze des Hauses Jehovahs und die Schätze des Königshauses, und alles nahm er, und nahm die goldenen Schilde, welche Salomo gemacht." 1. Kön. 14, 26. Das älteste Denkmal nach dem Ramses II., welches Naville fand, trügt den Namen dieses Scheschonq. Natürlich, denn erst unter ihm hatte Pithom-Thekn-t wieder seine Bedeutung zu bewähren, das Heer zu verproviantiren und ihm den Rücken zu decken. Aus der 22. Dynastie stammt auch die Statue (Naophorus von rothem Granit) des 'Anch-renp-nefer, welcher erster Stellvertreter (Lugar teniente) oder Wekil des Königs gewesen war und außer anderen, auch richterlichen Aemtern dem eines Statthalters des Gebietes nicht nur von Succoth. sondern auch der Landschaft 'An vorgestanden hatte, in der jenes lag und von der wir oben gehandelt haben. Die schwarze Granitstatue des 'Aak, welcher einen seltsamen priesterlichen Titel führt, bietet für unsere Frage einiges Interesse. weil der hohe Beamte, für den sie hergestellt ward, und welcher erster Prophet, das heißt Oberpriester des Gottes Tum von Theku-t (Succoth) genannt wird, zu gleicher Zeit „erster Prophet des Sopt, Herrn des Ostens" gewesen war, und diese Landschaft gleich ist dem 22. unterägyptischen Nomos, deren mit dem Gau selbst gleichnamige Hauptstadt altägyptisch Gesem hieß. Wie aus dem ägyptischen Ortsnamen Gesem das hebräische Gosen oder nach der Schreibung des Artapanus bei Eusebius Kaisan werden konnte, ist jedem Kenner der semitischen Sprachen verständlich. Unser 'Aak, der erste Prophet des Sopt, des Gottes der Landschaft Gosen, war also zu gleicher Zeit Oberpriester des Tum-Tempels von Pithom. Urbilder moderner Frauencharaktere im alten Testament. Von Gertrud Gräfin Bulow von Dennewitz. IV. in Grabmal hat das Volk der Sabäer seiner großen Herrscherin nicht gesetzt; aber einen tausendfach höheren Werth als ein steinernes Denkmal hat jener Ausspruch Christi, der die heidnische Lichtsucherin seinen von religiösem Hochmuth aufgeblasenen Volksgenossen als Vorbild preist: „Die Königin von Mittag wird auferstehen am jüngsten Gericht mit diesenr Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, Salomos Weisheit zu hören; und siehe, hier ist mehr denn Salomo" h. Es ist gewiß eine hohe Seltenheit, daß ein christlicher Kanzelredner einmal diesen bedeutenden Frauencharakter zum Gegenstände einer besonderen Predigt gemacht hat. Ich war daher mit hoher Befriedigung erfüllt, als ich unter den „Tiieological fragments*4 betitelten Aufzeichnungen der Mrs. Jameson die Wiedergabe der Predigt eines englischen Geistlichen aus den vierziger Jahren fand, der die Königin von Saba als l) Matthäus, Kapitel 12, Vers 42.