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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-29 · Heft 26 (29.6.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 S. Berlin, 22. Juni. Herr Isidor S ü ß m a n 11, der Vorsteher des Eüreaus der Armenkommission der hiesigen jüdischen Gemeinde, feierte am 20. d. M. sein fnnfuildzwanzigjähriges Amtsjubiläum. Dem verdienten Beamteil, der sich durch seine liebevolle Theilnahme für alle Hilfesuchenden, durch seine emsige Arbeitskraft und große Pflichttreue die Anerkennung und Zuneigung weiter Kreise erworben hat. wurden aus diesem Anlaß zahlreiche Ehruugeil dargebracht. Die Kollegen des Büreans der Armeukommission entsandteil eine Deputation mtb ließen den Jubilar eine Ehrengabe überreichen; die Beamten der übrigen Gemeindebüreaus hatten Herrn Kassenkontroleur Simon mit der Führung einer Abordnung betraut, der nach einer warmeinpfnndenen Ansprache ein Geschenk überreichte. Um ll1/* Uhr wurde alsdann der Jubilar mit seiner Gattin aus der Wohnung abgeholt uub nach dem Sitzungssaal der 5li*menfommiffiou geleitet. Hier hatten sich inzwischen die Mitglieder der Armeukommission und die Kollegen des Jubilars versannnelt. Jll sehr anerkenlleuden Worten gedachte der Vorsitzende der Armeukommission, Herr M a r t i n S i m o n, der treuen Arbeit und gewissenhaften Pflichterfüllung des Jubilars und überreichte ihln eine Ehrengabe. Der Gemeindevorstand ließ in eitler Elückwtlnschadresse, welche ebenfalls Herr Simoll überbrachte, für das langjährige hingebende Wirken des treuen Beamten unter gleichzeitiger Ueberweisung einer Ehrengabe danken. In der Adresse lvird in herzlichen Worten zum Ausdruck gebracht, daß der Jubilar allzeit mit Erfolg bestrebt gewesen sei, nicht nur die ihln gestellte Aufgabe ztl erfüllen, joubeni auch verstanden habe, in den Geist jener heiligen Liebesthätigkeit einzudringen, bei bereit Ausübung er dem Vorstande füttftmdzlvattzig Jahre hindtlrch eilt einsichtsvoller Helfer gewesen sei. Rühmend wird ferner der Milde und Fretlndlichkeit gedacht, mit derer seines Amtes gewaltet, tntd seiner Berufspflicht, tvelche er in schöner Hartnottie mit der Menschenpflicht verbtntdett. Namens der Fürsorgekommission ehrte Rechtsanwalt Lilienthal den Jttbilar durch eine Ansprache. Den Abschluß des schönen Festes bildete eilt gentüthliches Zusammensein der Kollegen in der Wohuullg des Jubilars. Begrüßnngstelegramme und Glückivnnschbriese früherer Mitglieder der Armenkonlntission sonne ehemaliger Kollegen lvaren in großer Zahl eingelansett. Mögen dem treuen Beamtett noch viele Jahre — er befindet sich im 65. Lebensjahre — in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Regsanikeit beschiedeti seilt! n. Dessau, 26. Juni. Unter großen Ehrungen verabschiedete sich gesterti uttser tiach Datizig berufene Latidesrabbiner Dr. Max Freu denth al. Nachdem derselbe bereits am Freitag auf Schloß Ballenstädt von dem Herzog intd der Herzogin von Anhalt in längerer Audienz etnpfangen tvorden lvar, lvobei ihttt in Anerkennung seiner litterarischen und geistlichen Thätigkeit seitens des erlauchten Landesfürsten der Orden für Kuilst und Wissenschaft huldvollst verliehen wurde, gab auch die Gemeittde Dessau dem Scheidenden zahlreiche Beweise wärmster Sympathie und Freundschaft. — Eine Abordnung von Schülern überbrachte im Auftrag der Religionsschule dem verehrten Lehrerein schönes Silberschreibzeug; der Vorstand der Gemeinde überreichte einen kostbaren Tafel-Aufsatz, wobei Konimerzienrath Sonnenthal in warmen Worteli für die Zeit des Segens und des Friedens dankte, welche die Alntsthätigkeit des Herrn Landesrabbiiters der Gemeinde gebracht. Am Nachmittag hielt Dr. Freudetithal im dichtgefnllten Gotteshause seine Abschiedspredigt, in tvelcher derselbe in erfctiütternben Worten nochmals die Lehren zusammenfaßte, die er in den verflossenen sieben Jahren so ost verkündet hatte. Mit dem itinigsten Dattke füralle Liebe und Treue schloß die alle Hörer tief ergreifende Rede. Am Gottesdienst nahmen auch Vertreter der Landgemeinden, und als Abgesandter der Laltdesbehörden Regieruilgspräsident Mertens theil. -- Zu einer Feier herzlicher Harmonie gestaltete sich auch die Abettds im Festsaal des Kaiserhof stattgesundene Abschiedsfeier der Anhaltloge für ihren langjährigen Mitarbeiter und einstmaligen Präsidenten. Hier überreichten zunächst die Damen unter einer poetischen Altsprache dem scheidenden Führer einen duftenden Strauß. Hierauf ergriff der Präsident der Loge, Herr O. Rosenbaum, das Wort zur Festrede, die in ihrer Wirkung so nachhaltig war, daß das Auge schließlich nur thränenumflorten Blicken der Theilnehmer begegnete; am Schluß überreichte der Redner dem scheidenden Getiosseu im Namen der Anhaltloge eine kostbare Adresse. An den Festakt schloß sich ein Festdiner an, tvelches bei zahlreichen Trinksprüchen die Theilnehiner lange zusammenhielt. Während dieser Feier war ein Telegramm der Baronin von Cohn- Oppenheim eingetrofsen, worin dieselbe ihrer Aittheiltiahnie an dem Feste der Loge und ihrem Bedauern über den Fortgang des verdienstvollen Seelsorgers Ausdruck gab. Dr. M. Frendenthal hat durch seine Persönlichkeit, feine Alntsthätigkeit und seine litterarischen Leisttlngen sich ittnerhalb mtd außerhalb seiner Gemeinde ein gesegitetes Andettken gesichert, und die itlnigsten Segenswünsche begleiten ihn in seilte neue Stellung. in. Hamburg, 18. Juni. Die Theresien-Stiftu ng zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten hielt ihre diesjährige Generalversatnntlung im Hotel „Continental" ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung lvies der Vorsitzeitde daraus hin, daß der Vereitl durch das Hiltscheiden des langjährigeit Vorstandsmitgliedes, Herrn Max Magttus, einen schweren Verlust erlitten habe. Der Verstorbene, der seit Gründung dem Vorstande augehörte, tvar stets darauf bedacht, seine ganze Arbeitskraft in den Dienst der guten Sache zu stellell und so viel wie möglich für Ausbreitllng der Vereiusthätigkeit zu sorgen. Die Versammlung ehrt in üblicher Weise das Andenken des Verblichenett. Dem erstatteten Jahresbericht ist zu etcktlehmen, daß auch im verflossenen Jahre durch Vermittelung der Theresienstiftung 31 Personen die ihnen ärztlicherseits vorgeschriebene Kur zur Herstellung ihrer Gesundheit gebrauchen konllteu. Die 31 Personell vertheilten sich auf die Badeörter Pyrmont, Karlsbad. Etns, Nauheim u. s w. Laut Dekret der Justizkomtnission des Senats hat auch die Theresiell-Stiftung die Rechtsfähigkeit erworben und tvurde beschlossen, die Eilitragung in das Vereinsregister des hiesigen Amtsgerichtes zu bewirken. — A u s d e m Jahresbericht des Vereins zur Speisung hülfsbedürftiger israelitischer K i tt d e r ist zn entnehmen. daß der Vereitl auch im verflossenen Jahre einer großen Anzahl von hülfsbedürstigen Kittdern die Wohlthat eines warmeil nahrhaften Mittag esseits ztl Theil werden ließ. Die Zahl der verpflegten Kitlder variirte im Jahre 1899 zwischen 110—125 täglich, und es tourdeil im Ganzen 31.570 Portiorlen gegeil 28,905 im Jahre 1898 vertheilt. Trotzdem deln Verein voll der dentsch-israelitischell Genleillde eitle Subvention von 1000 Mark gelvährt wurde, ist eill Defizit von 1204 Mark zu konstatiren. Der Vorsitzende belnerkte hierzu, daß die Vertvaltutlg bis jetzt das Prinzip verfolgt habe, alle bei ihr eingehenden Gesllche um Verabfolgung voll Mittagessell zn genehmigen.'; falls detn Vereitl jedoch llicht größere Mittel zur Verfügung gestellt lverden, sieht der Vorstand sich zu feinem Bedauern genöthigt, die Vereiusthätigkeit einzlischrällken. 0 Krefeld, 25. Juni. Der unter dein Vorsitze des Oberrabbiners Herril Dr. Horowitz stehende Verein zur Förderung uttd Unterstützung des S ch u l w e s e ll s u ll d des H a ll d w e r k s u n t e r d e n I s r a e l i t e ll des K r e f e l d e r R a b b i n a t s s p r e n g e l s veröffentlicht seinen jüngsten Jahresbericht. Vom heutigen Vorsitzenden vor ungefähr 25 Jahren gegründet, hat der Verein seine doppelte Aufgabe: Förderung des Religionsunterrichts in kleinen leistungsuttfähigen Gemeinden — wenn sie auch nicht deul diesseitigeil Sprengel angehören und Unterstützung uild Hebung des Hatldwerks unter den Jsraeliteil voll uttd ganz erfüllt. Währelld der Verein nämlich Allfangs nur die Förderung des Religionsuilterrichts bezweckte, hat er itn Jahre 1880 itlsofern feine Ziele erweitert, als er auch die Hebuilg und Unterstützung des Handwerks unter den Israeliten in den Bereich seiner Thätigkeit zog und letzteres gerade zu seiner Hauptaufgabe lllachte. Hierdurch solltell herrscheilde Vorurtheile zerstrellt, liebetwollende entwaffnet und Uebelberathene eines Besseren belehrt werden. Ursprütlglich wären utlsere Glaubensgenossen fast ausschließlich Ackerbauer und Handwerker gelvesen. Nur die Ungunst späterer Zeiten der vielhllildertjährige Druck, der auf ihllen gelastet urld sie von allen Erwerbsztveigen. besonders vorn Handwerk, ausschloß, habe sie dem Handel, den allein nlan ihnetl offen ließ, zugeführt. Darum thue es Noth, alles aufzubieten, das Haildwerk unter den Israeliten nloralisch und materiell zu fördern, den Uebelberathenen die Ueberzeugung bei zubringell, daß das Handwerk auch jetzt noch einen goldenen Boden habe utld jeder solide Arbeiter sein Leben begründen könne. Von dieseul Streben geleitet, habe der Verein seine Thätigkeit begonnett. Wohl wäreil ihm Atlfangs nicht wenig Vorurtheile und andere Hemnlnisse eiltgegengetreten, aber allmälig habe sich doch diese so zeitgemäße Idee Bahn gebrochen und die Jnanspruchnahnle des Vereills in erfreulicher Weise stetig zugenommeu. Durch seine Hilfe wären bis jetzt 47 Lehrlinge untergebracht und ausgebildet worden, die den verfchiedeilartigsten Berusszweigen angehörteu. Mehreren Gesellen waren theils zur weiteren Ausbildung, theils zur selbst-

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