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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-29 · Heft 26 (29.6.1900) · p. Seite 308

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 26 (29.6.1900)
Date
1900-06-29
Page
Seite 308 (sequence 10)
Language
German
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sagte nur Erfindung. Die Fabel von einem Ehebündniß zwischen ihm und Bilqis beruht auf der Verwechselung ihrer Person mit der Königin Kandake voll Meroö, welche Alexander der Große zur Gemahlin genonuilen haben soll. Der Koran erwähnt lmr beit Besuch der Bilqis am Hofe Salomos; auch der jüdische Geschichtsschreiber Josephns giebt die Erzählung ihrer Begegnung mit Salomo ganz in derselben Weise wieder wie das betreffende Kapitel im ersten Blich der Könige. Die Thatsache dieser Forschungs- und Huldiguugsreise scheint demnach allein festzustehen. Es ist ans den biblischen Geschichtsaufzeichnungen bekannt, daß Salomo eine große Vorliebe für die Töchter freiilder Völker hegte, mit denen er seinen Harem anfüllte, daß er sich u. A. mit einer ägyptischen Königstochter vermählte und später in seinem hohen Alter eilte Menge Ausländerinnen zu Kebsweibern nahm, die ihn zur Götzenanbetung verleiteten. Diese zahlreichen Verbindungen ihres ruhmreichen Königs mit Heidinnen uild sein unwürdiger Lebensabschluß erschienen den Späteren anstößig und ärgerlich h. Rabbi Samuel ben Nachmani hat deshalb versucht, die Königin von Saba aus der Geschichte Salomos einfach auszuinerzen. Scholl damals griff man also zu dem bequemen Auskunftsinittel des Totschlveigens unliebsamer Geschehnisse in hohen Kreisen, oder auch der Fälschung oder Erfindung voll Thatsachen. Der große Herrscher und Philosoph Salonlo, der Stolz des Volkes Israel, sollte möglichst rein gewaschen werden, also mußte wieder dem Weibe die Schuld zugeschoben werden! Spätere koranische und rabbinische Schriften brachten übereinstilllmend die Behauptung auf, daß die Königin Bilqis kein lvirkliches Weib, sondern eine Teufelin gewesen sei, ein buhlerisches und mordendes Gespenst, welches als Kennzeichen seiner Herkunft Eselshlife und mit Eselshaaren bedeckte Beine gehabt habe. Die Berichte über das Auftreten der Königin von Saba am Hofe Salomos sind derartig, daß sie hier nicht wiedergegeben werden können. Leider hat der Verfasser des Textbuches zu Goldmarks Oper „Die Königin von Saba" für gut befunden, sich an diese Ueberlieferungen zu halten, und die edle, erhabene Frau als Buhlerin zu zeichneil. Freilich, das Pikante ist ja stets ein wirksames Zugmittel für Bühuenwerke. Warum aber zetert man eigentlich über Voltaire, weil er die poetische Gestalt der Jungfrau von Orleans in seiner „Pucelle" verhöhnt und mit Schmutz beworfen hat? Wie echt weiblich, wie liebenswürdig, wie bescheiden ist das Benehmen der königlichen Frau in der Bibel geschildert! Sie war von Wissensdurst erfüllt; die wenigen dürftigen Kenntnisse, lvelche ihre Erziehung ihr gewährt, genügten ihrem regen Geiste nicht; da sllchte sie den Mann auf, von dem sie gehört hatte, daß alle Welt ihn ob seiner Weisheit und Erfahrung anstaunte. Und Salomo, obgleich er sicherlich lveit größeres Wohlgefallen an seinen unwissenden Weibern fand als an seiner klugen, interessanten Partnerin, fertigte sie dennoch nicht mit faden Schmeichelreden ab, sondern gab ihr Rede und Antwort auf alle ihre Fragen^). Und sie dankte ihm für den geistigen Genuß, bekannte freudig, daß ihre Erwartungen um vieles übertroffen worden wären und erflehte beim Scheiden den Segen seines Gottes auf ihn und sein Volk herab. y Josephns ging sogar so weit, ihn der Uebertretung des mosaischen Gesetzes zu zeihen, wozu er indessen nach der Stelle im 5. Buch Mose Kapitel 21, Vers 11—13 nicht berechtigt war. "> 2. Chro». Kap. 9, V. 2. Es sind indessen noch andere spätere Traditionell vorhanden, welche der Köiligin von Saba auch als Regentin Gerechtigkeit widerfahren laffen. In einem'' Buche fand ich einmal die Behauptung ausgesprochen, daß die berühmten Machthaber und Machthaberinnen im Alterthum nur zu herrschen, aber nicht zu regiere»! wußten. Die Königin Bilqis scheint eine bemerkenswerthe Ausnahme hiervon gemacht zu haben. Wenn übelwollende Chronisten ihren Charakter und ihre Person verunglimpfen, so sprechen ihr dagegen die wohlwollenden unbedingt den Ruhm einer guten Regentin zll. In dreifacher Hinsicht hat sie eine hervorragende Thätigkeit entwickelt: erstens als Kriegsheldin, indem sie nach einer südarabischeil Ueberlieferung Chaldäa unterjochte llud die Macht des sabäischen Reiches zu hoher Blüthe brachte; zweitens als religiöse Reformatorin, indem sie an Stelle der Religion ihrer Vorfahren den Sonnendienst einführte; drittens als Beschützerin der Baukuilst. Auf diesem Gebiete werde»! ihre Leistungen einstiininig anerkannt, von welchen noch heute bestehende Spuren Zeugniß ablegen. Großartige alte Hoch- und Wasserbauten in Jemen werden ihr zugeschrieben, besonders ein elliptischer Te»lpelba»l nordivestlich von Mareb, der einstigen Hauptstadt der Sabäer; dann die Anlage des Dammes daselbst und zweier Gärten, die von Quellen bewässert wurden, lvelche am aufgebauten Damm einporsprudelten; ein Wunderwerk, ähnlich den hängenden Gärten der Semiramis.h Das Iudenthum in der Musik im 19. Jahrhundert. Vo» Dr. Adolph Ko Hut. VI. ie die Geige, so hat auch das Cello zahlreiche namhafte Virtuosen jüdischer Abstammung beziehungsweise Glaubens aufzuiveisen. Ich führe nur einige an: David Popper, geboren 18. Juni 1846 in Prag, jetzt Lehrer an der Landesakademie in Budapest, einen der größten Meister auf seinem Jnstrunient, welcher auch eine Anzahl Violanell-Kompositionen geschrieben hat, die häufig in Konzerten gespielt werden. Sehr bekannt und geschätzt ist der Violanellist Heinrich Grünfeld, gleichfalls ein Oesterreicher, geboren am 21. April 1855 in Prag und seit vielen Jahren in Berlin lebend. Seit 1886 ist er Hofviolanellist des deutschen Kaisers. Mit Scharwenka und Hollaender in Berli»» gründete er die Trio- Abonnementskonzerte. Eiu vorzüglicher Cellist war der im vorigeil Jahre gestorbene Philipp Roth, geboren am 25. Oktober 1853 in ') Es kommt in der Sagengeschichte Vorderasiens mehr als eine zur Halbgöttin erhobene fürstliche Frauengestalt vor, welche als Kriegsheldin und Banmeisterin berühnit geworden; so die Schwiegertochter des assyrischen Königs Beins, des in der Bibel erwähnten Sonnengottes Bel; und vorAlleil die berühmte Königin der Assyrer, Semiramis. Alle in den verschiedenen Ueberlieferungen erwähnten Umstände ihres Lebens und Handelns stiinnien so genau mit denen der Königin von Saba überein, daß man Beide für identisch halten könnte. — Gust. Rösch, a. a. O.

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