Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1900)
- Date
- 1900-06-29
- Page
- Seite 307 (sequence 9)
- Language
- German
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307 gelassen, hatte man ihn bis zu den Oesfnungen geleert, so zog man es wieder auf, und ein garrz ähnliches fensterartiges Viereck findet sich in jeder Abtheilung des Bildes eines Speichers zu Beni Hasan. Der von Pithom war ungemein groß, ltub eine außerordentlich starke Mauer, von welcher ganze Stücke erhalten geblieben sind, umgab ihn. Wenn man nun bedenkt, daß von hier aus die Heere des Pharao oft nach Syrien zu ziehen und dabei unter allen Umständen mehrere Tage lang die Wüste zu passiren hatten, und wenn man ferner durch eine hier entdeckte Inschrift aus der Zeit des Ptolemäus Philadelphus erführt, daß Pithom zu denjenigen Städten gehörte, wohin die Völker des östlichen Afrika ihre Tribute zu bringen hatten, so begreift es sich leicht, welchen Zwecken diese Vorrathshäuser zu dienen hatten. Da sie an der Ostmark des Landes gelegen waren, welche^ stets von raublustigem Schafn-Gesindel (Beduinen) beunruhigt wurde, und da ferner von Heroonpolis, d. i. Pithom, aus, die Flotten anfbrachen, welche das Rothe Meer zu befahren hattet: — dies muß mit der Stätte des heutigen Teil el-Maschuta durch einen Kanal verbunden gewesen sein — begreift es sich leicht, daß es hier an Befestigungen imb einer Garnison nicht gefehlt haben kann. Daß in der Römerzeit ein festes Lager (Ero castra) mit der Stadt verbunden lvar, haben die Ausgrabungen gleichfalls erwiesen. Dlrrch Raville ist also das int hebräischen Bibeltexte erwähnte Vorrathshaus von Pithom und die befestigte Stadt Pithom der Septuaginta wiedergefunden worden; aber eine vorsichtige Kritik kantl doch die Frage nicht umgehen, ob denn die Denkmäler von Tell el-Maschuta nicht nach der Zeit entstanden sind, in der man den Exodus verständigerweise sehen darf. Am besten mit dem biblischen Berichte würde es stintmen, wenn unter denselben Monumente aus der Zeit Ramses H. Vorkommen würden, und solche sind denn auch in der That dort zu Tage gefördert worden, und zwar als die ätteften von allen. Kein früherer König, wohl aber eine Reihe von späteren Pharaonen, tuirb hier genannt, und so darf man vermuthen, daß Pithom erst unter Ramses \L, dem Pharao der Bedrückung. begründet worden sei. Es wäre ja möglich, daß Monumente älterer Herrscher hier einmal gestanden hätten; aber wahrscheinlich ist es nicht, dentt das Existiren eines Ortes an dieser Stätte seht das Vorhandensein eines Süßwasserkanals nothwendig voraus, und nach dem Übereinstimmendelt Zeugttiß der Denkmäler ttnd Klassiker, welche unter dett Thaten des Sesostris alles znsammenfasselt, was von Seti!. und seinem Sohne Ramses II. geleistet ward, ist der den Nil mit dein Rothen Meere verbindende Kattal von Seti I. angelegt und dann wohl von seinem Sohne mit Hilfe der jüdischen Zwangarbeiter vollendet worden. Der Pharao, welcher die nach ihm benannte Ramsesstadt ausbaute, ist auch der Gründer der befestigten Porraths- und Tempelstadt Pithont. Naville fand das große Momtment Ramses JI. von röthlichem Sandsteilt, welches die Aufmerksamkeit der Forschung zuerst auf Tell el-Maschuta gezögert hat, rricht mehr an Ort und Stelle; nmit hatte es in das benachbarte Jsmailije aut Timsah-See gebracht. Der Pharao rvird auf ihm Herr von Theku genannt, tmb hinter diesem Namen steht das Deterinirtativzeichert des Pfahles, rvelches lehrt, daß wir es hier mit einem vorzüglich von Nichtägyptern bervohnten Orte zu thun hadert. Urbilder moderner Franencharaktere im alten Testament. Vorr Gertrrrd Gräfin Bülow von Denrrewih. IH. us Arahia Felix, dein glücklichen oder reichert Arabien, entnehme ich das Zweite Beispiel einer emanziprrten Fran des altert Testaments: die Königin von Saba. Diese Gestalt ist von einem beinahe ebenso dichten Mytherrschleier umhüllt rvie diejenige der Eva; sie tritt nur in dürftigett Umrissen auf die Bildfläche in jener bekannten Erzählung, daß sie arts Weiler Ferne mit großem Gefolge und kostbaren Geschettkett trach Jerusalem gewatrdert sei, nnt die urterhörte Prachterttfaltmtg am Hofe des Kötrigs Salomo zu sehen und seine vielgerühmte Weisheit kennen zu lernen. Sie war feilte Lichtbringerin, aber eilt e Lichtsucheri rt, und als solche eine ungewöhnliche weibliche Erscheinung ztr ihrer Zeit und in ihrent Vvlkest. Sie wird Bilgis genarmt; ihre Resideriz soll Saba, eigentlich Scheba, eitle Stadt im südwestlichen Arabien gewesett seirt. In altert arabischen, israelitischen ttnd äthiopischer! Chroniken findert sich viele wunderbare Artgaben über ihre Abkunft, ihren Lebenslanf, ihre Thaten ttnd ihre Beziehungert zu Salomo. Aber die Chrortisten stimrnen nur irr wenigen Purtkten überein und bringen nichts Genusses vor; es steht nicht einmal fest, ob sie eines Herrschers oder eines Vasallerr Tochter gewesen ist. Nach arabrschen Quellen soll sie von einem menschlichen Vater und einer geisterhaften Mutter abstcunmerr und, ähnlich wie Romulns und Remus, von einer Geisteramme in Gestalt einer Hürrdin genährt worden fein.-) Eirt anderer Chronist giebt an, daß sie im verschwiegenen Harem erzogen wurde und Unterricht in Lesen rrnd Schreiben erhielt. Nach dem Tode ihres Vaters nahm sie die Throrrfolge für sich ttt Anspruch und forderte seine Unterthanen zur Huldigung ans. Eirt Theil leistete sie willig, ein anderer zog es vor, einen Marin, den Sohn von ihres Vaters Bruder, zürn Könige zrr rnachen. Dieser war ein gewältthätiger Wüstling, der aller: ihm erreichbaren schönerr Häuptlingsurrd Fürstentöchtern rrachstellte, so arrch endlich seiner Base Bilgis. Diese girrg zum Schein auf seine Anträge ein und beschied ihrr zrr sich in ihr Schloß, rvo sie ihrr meuchlings tödten ließ. Ein dritter Chronist macht sie zrr-einer gemeinerr, berechnenden Gattenrrrörderin; nachderrr sie sich durch di« Vermählung mit einem Feinde ihres Vaters Ruhe vor seinen kriegerischer! Angriffen verschafft, habe sie ihrt durch Gift aus dem Wege räurrten lassen. Arabische und äthiopische Sagen berichten dann, daß Salomo einen besseren Erfolg als Bewerber bei der stolzen Königin gehabt habe; doch dies ist wie alles früher Gest Gustav Rösch: Die Königin von Saba als Königin Bilgis. Eiire Studie. st Sie soll eine „Ginneh", d. i. ein weiblicher Halbdämon gervesen seilt. Nach den Mythen aus dieser und rroch früherer Zeit waren die Girnren ein halbmenschliches, dämonenhaftes Volk, rvelches unter beit Menschen lebte und sich mit ihnen vermischte. Das Weib des Kain z. B., welches nicht vorr Adam und Eva abstanlmte. lvar ein solches Wesen, mtb unter den „Töchtern der Mellschen", rvelche vor der Sündflnth die „Söhne Gottes" durch ihre Schönheit berückten imb zur Verbindung mit ihnen verleiteten, sind wohl auch derartige rälhselhafte Geschöpfe gedacht. 1. Mose, Kapitel G, Vers 1 bis 4. Die Dämonologie des jüdischen Volkes hat vieles alls derjenigen der Aegypter ltub Araber ausgenommen.