Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 entscheiden, welche Stoffe beim Uebersetzen zu berücksichtigen wären. Je nachdem die Entscheidung in dieser Frage gesäüt würde, ob nänllich nur Stoffe aus dem Gottesdienste oder ans der Bibel übersetzt würden, lvurde sich der Anfangsunterricht verschieden gestalten. Der Vortragende stellte sich ans den Standpunkt, daß es zwar theoretisch wünschenswerth wäre, nur biblische Stoffe zu übersetzen, daß dem aber in der Praxis zu große Schwierigkeiten im Wege ständen. Er schlug deshalb vor. zwischen der Fibel und dem Siddur bezw. der Bibel eine Zwischenstufe einznschieben, ans welcher nur leichte biblische Erzählllngeu übersetzt lverden sollen. Zur Vorbereitlmg und zur Erleichterung des Uebersetznngs-Unterrichts schlug er vor, daß in den Leseübnngen der Fibel möglichst in Gruppen geordnete Wörter ans dem späteren Uebersetzungsstoff Vorkommen sollen, die als Vokabeln eingeprägt lverden sollen. Hierdurch sollen auch die hauptsächlichsten grammatischen Formen veranschaulicht und eingeprägt lverden. Eine liach diesen Grundsätzen bearbeitete Fibel sei nach der Kenntnis; des Vortragenden nocb nicht vorhanden, trotzdem in mancher sich heachtenslverthe Ansätze dazu vorfänden. — Nach Schluff des Referats wachte der Vorsitzelide, Herr Auerbach, einige geschäftliche Mittheilungen, zuni Theil vertraulicher Natur, die zu einer längeren Debatte Alllaß gaben. Da inzwischen die Zeit scholl weit vorgeschritten war, muffte die Diskussion über das Referat auf die nächste Sitzung verschoben lverden. g^j) Berlin, 17. Juni. Ein jüdischer Lehrer Sp. in einer jüdischen Schule hatte für sich das S t e u e r p r j v i l e g i n in der B e a in te n bei der Heraliziehung zur G e ul e i u d e - E i ll k o m m e ll st e n e r beansprucht. Rachdeln der Magistrat den Eillspruch abgelviesen hatte, erhob Sp. Klage im Verwaltnngsstreltverfahren. Der Kreisansschnff und Bezirksausschust entschiedell jedoch zu Ungunsten des Lehrers, indeln angenommen wurde, das; das Steuerprivileginm nur den Lehrern an christlichen Schlllell zukonnne. Das Oberverwaltungsgericht vernichtete aber die Vorentscheidungell ulld wies die Sache all ben Bezirksausschuff zur anderweiten Elltscheidlillg zurück und machte gelteild, das Stenerprivilegiunl komme allen Lehrern an öffentlichen Schulell zu; demllach stehe auch bem Kläger das Slenerprivilegium zu, wenn er all einer jüdischen Elenlentarschnle beschäftigt sei, die zll den öffeiltlichen Schuleil gehöre. Der Bezirksausschuff erkannte darauf zll Gunsten des beregteil Lehrers und das Oberverlvaltnngsgericht tvies die Revisioll des Magistrats als unbegründet ab. Berlin, 15. Juni. Der Verein für A r b e i t s n a ch w e i s hat seit Anfang des Jahres bis Ende Mai, also in fünf Monaten, 522 Personen in dauernde Stellung linb 136 in vorübergehende Beschäftigllng lmtergebracht. Von ersteren waren lnäillllich 339, weiblich 183, verheirathet 83, llllverheirathet 439. Es stammtell 118 Persoilell ans Berlin, 276 aus bem Königreich Preuffen, 22 aus dem übrigell Delltschlaild, 71 alis Oesterreich-Ungarll, 28 aus Rußland, 6 aus deul übrigen Europa, 1 aus Palästina. Allfferdem wurden solcheil Frauell, lvelche nur im Hause Arbeit erhalten köllilen, leihweise Rähmaschillerl überlassen lind so der selbstthätige Erlverb ermöglicht. Das Blirearl wird dlirchschllittlich von 60 Persoilen am Tage besllcht. All' diese Lelite bitten lnn Rath in Bezug ans Arbeit, Unterklinft, Essen rc. Der Vereiil fonnte allen diesen Ailforderililgen nilr dadurch gerecht werden, daff das Vorstandsmitglied. Herr Jlia Ber, seine ganze Arbeitskraft in ben Dienst der Menschenliebe stellt und täglich während der Geschäftszeit illl Bureau anmefenb ist. Q. Briefen i. Wesipr., 14. Jlmi. Gestern Abend starb hier die Wittwe des mehr als 50 Jahre Hierselbst beamtet gelveselleil Rabbi ll e r s Gortakowsk i. Sie erreichte ein Alter von 103 Jahren! Jnl Jahre 1797 geborerl. fonnte sie auf drei Jahrhunderte schallen. Bis vor etlva fünf Jahren erfreute sie sich eitler kräftigell Gesuildheit ulld besllchte alltäglich die Shnagoge zur Allsübung ihres Morgengebetes. Voll dieser Zelt all war sie bettlägerig infolge eiiles Fuffleidens. Ihre geistige Frische aber hat sie sich bis zum letzten Athemzuge bewahrt. Ihr ältester Sohll, in 21 iiftraticn lebend, ist jetzt 85 Jahre alt. Vier ©enemttoneu, Kinder, Enkel, Urenkel linb auch drei Urnrenkel. trauern um die Dahingeschiedene, lvelche noch vor etlva einem halben Jahre eigenhändig einen Brief all einen ihrer Söhne schrieb. Chemnitz, 18. Juni. Der Verwaltungs-Bericht des Vorstandes der hiesigen israelitischen Gemeinde für das Jahr 1899 bezeichllet dieses gleichsam als ein Festjahr; denll in demselben wurde der Shnagogellball vollendet unb unser eigenes herrliches Gotteshalls feiner heiligen Bestimmung übergeben. Der Shllagogenball ist ein Markstein in der Geschichte unserer Gemeinde, welche anl Schlüsse des Jahrhunderts ca. 25 Jahre besteht. Ullsere Gemeinde ulllsaffte im Jahre 1899 ca. 1000 Seelen, die Allzahl der selbstündigeil Haushaltungen betrug 230 Ulld diejenigen der steuerzahlelldeil Mitglieder 340 von lvelcheil 12 auswärts wohnhaft (freiwillige Mitglieder) waren. An läßlich der in Gegenwart des Königs am 22. Juni ftattcjefunbenen Enthüllung desKaiser Wilhelm - Denlnlals Hierselbst lvllrden der Rabbiner ulld der Vorsteher unserer Gemeinde durch Einladungen ausgezeichnet. Rabbiner Dr. Mühlfelder ulld HerrMax Bergmann nahlnen all der Feier theil. Am 13. Novelllber lvlirde ans dem Friedhof ein Akt der Rohheit verübt, illdem ein Erbbegräblliff beschädigt, sowie zlvei Grabdellkmäler niebev geworfen wurden. Der Thäter wurde voll der Straskammer des Landgerichts ivegell Hausfriedellsbruchs ltnb Friedhofschäildullg mit Gefängniff bestraft. Die Stelluilg des Lehrers ulld Sekretärs S. Soulmerseld ist voll den Gemeindekollegien zll einer lebensläilglichen nnb pensionsberechtigten gestaltet worden. Alu 1. Januar traten die Herren Cantor Nathan Goldberg, Organist Oskar Philipp Voigt lind Haus meister F. W. Tischelldorf in ihre Aeulter. Die Stellullg eines Diri genten des Shnagogeu - Chores lvllrde Herrn Isidor Goldberg übertragen. Am 7. März lvurde unsere nach dem preisgekrönten Entwurf, des Herrn Architekt W. Bürger zu Chemnitz und unter dessen Leitung erbaute Synagoge, der Stolz unserer Gemeillde und eine Zierde unserer Stadt, eiugelveiht nnb ihrer gottesdienstlichen Bestimmung übergeben Die Synagoge umfaßt im ganzen (ohne Chor-Raum und Betsaali 685 Sitzplätze, und zwar 403 Männer- und 282 Frauen - Plätze. Um die Heranwachsende Jugend für den öffentlichen Gottesdienst vorzn bereiten ulld mit demselben vertrallt zu machen, wurde die Jnstitutiou des Jugeudgottesdieustes geschaffen. Die Schnlerzahl der Religiousschule betrug im Schuljahre 1898/99 170 (83 Knaben nnb 87 Mädchen! Das Lehrerkollegium bestand aus bem Schulleiter Dr. Mühl selber und deu Lehrern S. Sommerfeld und N. Goldberg. Der Vorstaild nnferev Gemeillde lvar im Jahre 1899 folgendermaßen zusammengesetzt: Herr Max Bergmann, Vorsitzender, Herr Bernhard Kupferberg, stellvertr. Borsitzeilder, Herr Theodor Waugenheim, Schriftführer, Herr Markus Berllsteill, stellvertr. Schriftführer, Herr Willy Lippmann, Kassircr Herr L. I. Joachimsthal, stellvertr. Kassirer. Die Einnahmen bei Gemeinde betrugen Mark 38 746.87. die Ausgaben Mark 32 869,90. F. Dessau, 19. Jiuli. Unseren! scheidenden Landesrabbiner Dr. Max Freud enthal ist vom Herzog Friedrich von Anhalt bei Verdienstorden für Wissenschaft und Kunst verliehen worden. — Frau Baronin voll Cohn-Oppenheim hat der Stadt Dessau di'. Snmine von 1 Million Mark als Stiftung für lvohlthätige Zwecke aller Art an Personen ohne Unterschied des Glaubens überwiesen. Das Kuratorium der Stiftung besteht satzungsgemäß aus Vertretern' aller Konfessionen. i'. Hannover, 8. Juni. Am 6. und 7. Juni fand hier im Restaurant „Börse" die 36. Versanunlung des Vereins jüdische i Sei) rer tu der Provinz H annove r statt. Auf der gut besuchter! Versammlung, welcher die drei Herren Laudrabbiner und Herr Senn uardirektor Kuoller beiwohnten, konnten fast alle Punkte der Tages orduung eingehende Erledigung finden. Die warmen Begrüffungslvorte des Vorsitzenden klangen in ein begeistertes Hoch auf unseren Laudesherrn aus. Bei der Vorstandswahl lvurde unser allbewührter Herr Blumenfeld-Adelebsen wiedergewählt, ebenso als Rechnungsführer Herr Stern -Hildesheiru und als Schriftführer die Herren Meyer-Hannover und Waller-Moringen. Durch den Vortrag des Kollegen Nagel-Diepholz über „die AusstellungsverhÜltnisse der jüdischen Lehrer in der Provinz Hannover" entspauu sich eine sehr lebhafte Debatte, die sich dahin klärte, daff sich sofort eine Konliuission bildete, die über eventuelle Maßnahmen berathen wird. Große Aufmerksamkeit widmete man deul mit Beifall aufgenommeneu Vortrag des Kollegen Katz-Dransfeld. Sehr eingehend referirte er über das Verbandsthema : „Soll die systematische Religivnslehre in der Volks- und Religionsschnle als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden V' Schließlich soll noch erwähnt lverden, daß die Abänderungsvorschläge des ostpreußischen Vereins zu den Satzungen der Pensions-, Wittweu- und Waisenkasse des Verbandes, dent Vorschlag des Referenten Bachrach-Hameln gemäß, abgelehnt wurden. y. Dortmund, 11. Juni. Erlauben Sie, daß ich Ihren kurzen Bericht über die Einweihung der neuen Synagoge nach