Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1900)
- Date
- 1900-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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64. Jahrgang. Ar. 25. Berlin, 22. Juni 1900 Der Gerneindebote. Weitage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 18. Juni. Soeben hat der Deutsch-Israelitische Gemeindebund einen N a ch t r a g z u m S t a t i st i s ch e n Jahrbuch für das Jahr 1899 erscheillen lassen. Nebelt den zahlreichell inzwischen nothwendig gewordenen Abänderungen früherer Angaben enthält der Band auch diesmal wieder eine Reihe wichtiger Verfügungen in Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden. Besondere Anerkennung verdienen die in dein Bande enthaltenen, sehr sorgfältig aufgestellten statistischen Uebersickten; diese betreffen die Betheiligung der Juden am höheren Schulwesen, ilisbesoudere die Anzahl der in Preußen wirkenden jüdischeil Oberlehrer und Lehramtskandidaten, sowie die Schülerfrequenz an höheren Lehranstalten. Eine weitere Uebersicht enthält die Statistik über Beiträge der Behörden für jüdische Volksschulen. Sehr werthvoll ist auch die allgemeine Uebersichtstabelle über die statistischen Verhältnisse der Genieindeil. Schulen lind Beamten im Jahre 1899. Als besondere Beilage ist beigegeben eine von Herrn Waisenhausinspektor Adolf Peritz zu Königsberg ausgearbeitete Uebersicht der in Deutschland bestehenden Hilfs- und Unterstützungskasfen für jüdische Lehrer und Kultusbeamte, welche für die Entscheidung in dieser sehr wichtigen Frage das nothwendige Material klar und übersichtlich zusammenstellt. — Unter dem Datum vom 12. Juni traf heute beim Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde eine Mittheilung des Königlichen Polizei-Präsidiunls ein, wonach des Königs Majestät mittelst Allerhöchsten Erlasses vorn 15. v. M. die Genehmigung zur Annahme der Reirtier Ludwig Meher'fchen TerrainscheukunginWeißensee ertheilt hat. Die Arbeiten zur Begründung der ersten jüdischen Arbeiterkolonie in Deutschland können nunmehr rüstigen Fortgang nehmen. 2/^ Berlin, 17. Juni. Kuppeln und Thürme bilden die Zierde einer Stadt. Aber das bedingt auch, daß sie gut inr Stande gehalten werden. Leider befindet sich von den wenigen Kuppeln, die Berlin besitzt, eine in sehr häßlichem Zustande, und zwar jene der Synagoge in d er Ora ni en b u rger Straße. Der V. Z. schreibt man darüber: Das schöne Gotteshaus ist nach Knoblauchs Entwürfen zuerst von diesem, dann unter Stüler in den Jahren 1859—1866 durch Hähnel ausgeführt worden. Die in Schmiedeeisen aufgeführte Hauptkuppel wurde mit getriebenen Zinkblechen bedeckt und diese theilweise vergoldet. Gerade die Vergoldung hob die Wirkung der Kuppel ungemein, wie sie überhaupt das gesummte Bauwerk nach oben hin zu einem feierlich-prächtigen Abschluß brachte. Und nun ist diese Vergoldung völlig verschwunden, denn Wind und Wetter sind nicht wirkungslos geblieben. In nüchternem Grau ragt die Kuppel schmucklos empor und verunziert die ganze Architektur, deren maurischer Charakter doch gerade in Gold und Farben ein Hauptelement der Stimmung sucht. Auch die beiden kleinen Vorderkuppeln haben gleichfalls ihre theilweise Vergoldung schon längst eingebüßt. Sicherlich dürfte es endlich an der Zeit sein, den Kuppeln ihre Vergoldung zurückzugeben und hiermit dem trefflichen Bauwerk seine volle Wirkung wieder auf eine Reihe von Jahren zu sichern. Am besten wäre es allerdings, wenn man gründlich Vorgehen und die Zinkbekleidung der Kuppeln durch eine solche von Kupferplatten ersetzen würde. Die Kupferbedachungen patiniren in Berlin, wie viele Beispiele zeigen, im Gegensätze zu unseren Bronzedenkmälern sehrschnell, so daß die Kuppeln bereits in wenigen Jahren in schönem Grün prangen würden. Das lebende Element der Farbe käme dann allerdings in anderer Weise zur Geltung, als der Schöpfer des Baues geplant hatte. Uebrigens mag noch hinzugefügt werden, daß sich auch die Backsteine der Front der Synagoge in ihrer feinen Färbung nicht wetterbeständig gezeigt habeil, so daß viel von dem Reiz der früher so prächtigen Fassade verloren gegangen ist. r. Berlin, 18. Juni. Die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues ullter den Juden im preußischen Staate, gegründet 1812, hielt am 17. d. M. in Anwesenheit sämnitlicher Vorstandsmitglieder ihre erste Sitzung nach der am 27. Mai er. stattgefuildenen Generalversammlung ab. Die in dieser angeregten Frage, ob der Religionsunterricht für die Lehrlinge wie bisher am Sonntag Nachmittag von 3—5 Uhr oder an einem anderen Tage stattfinden solle, wird demnächst unter Zuziehung der beiden Lehrer. Herren Heskel und Weber, weiter berathen werden. — Der Vorsitzende, Herr Lesser, machte Mittheilung, daß von der hiesigen jüdischen Gemeinde das antheilige Stistungskapital von 9000 Mark aus der „Daniel Israel und Sara Wul'schen Nachlaßmasse" nunmehr nach testamentarischer Bestimmung an die Gesellschaft ausgezahlt und vom Rendanten, Herrn Sigmund Pincus, zinsbar angelegt worden ist. — Dem Täschner und Lederarbeiter-Gesellen Abrahamsohn, welcher von 1896—1899 unter der Obhut unserer Gesellschaft bei Herrn C. Zender in der Lehre war, sind nach Beibringung guter Schul- und Lehrzeugnifse des betreffenden Inspektors nach einstimmigem Beschluß des Vorstandes die einjährigen Zinsen aus der Bodenstein-Fraenkel-Stiftllng in Höhe voll 380 Mark zuerkannt worden. Dieser Betrag wird in einem Sparkassenbuch angelegt und dem Prämiirteu statutarisch erst nach 5 Jahren ausgezahlt, sofern derselbe beim Handwerk geblieben ist. Aus der Josef-Lachmalln-Stiftung sind einem Halldwerksmeister 300 Mark Betriebsmittel. unter Beobachtung der Stiftungsbestimmung, gewährt, worden. — Zwei neue Lehrlinge sind bei zwei tüchtigen Herrenschlleideru in die Lehre gegeben. — Neun andere Gesuche von Lehrlingen sind zilr Recherche den Inspektoren überwiesen werden. — Alle Gesuche und Anmeldungen silld au den Vorsitzenden Herrn Leopold Lesser, Oranienburgerstraße 73, zu richten. Die Lehrlillge haben den Lehrvertrag ulld Schulzeugnisse mit einzureichen. Anfnahmebedingullgen sind: Besuch der Fortbildungs- und Religiollsschule, und wo es möglich, Einschreibung in die Jnnungsrolle. ££2 Berlin, 17. Juni. Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hielt seine Generalversammlung am 24. vorigen Monats in Luckenwalde ab. An Stelle des ersten Vorsitzenden, Herrn Dr. Fiegel-Berlin. der am Erscheinen verhindert war, übernahm der stellvertretende Vorsitzende, Herr Heiderseld-Schwiebus, die Leitung der Versammlung. Nach der Berichterstattung über das verflossene Vereinsjahr und ordnullgsmäßiger Entlastung des Schatzmeisters wurde zunächst Herr Tichauer-Berlin ail Stelle des Herrn Remack, der sein Amt niedergelegt hatte, zum ersten Schriftführer gewählt und die übrigen Vorstandsnütglieder durch Zuruf wiedergewählt. Aus Alltrag des Herrll Heidenfeld wurde der frühere Vorsitzende des Vereins, Herr Direktor Dr. Adler-Frankfurt a. M.. zum Ehrenmitglied ernannt. Für den abwesenden Herrn Dr. Fiegel hielt alsdann Herr Hanff-Berlin das Referat über die ostpreußischen Abändernngsvor. schlüge zu den Satzungen der Pensions-, Wittweuulld Waisenkasse des Verbandes. Nach eingehender Diskussion nahm der Verein die bereits mitgetheilte Resolution an. — Das Referat über das Verbandsthema: „Soll die systematische Religionslehre in ben Volks- und Religionsschulen als besonderer Unterrichtsgegenstand behandelt werden?" hielt Herr Tichauer. Nach längerer Debatte einigte sich die Versammlung auf die Resollltion Hauff: „Die systernatische Religionslehre ist ill der Religionsschule ein besonderer Unterrichtsgegenftand. In der Volksschule ist sie als solcher nur unter besonders güllstigen Verhältnissen zu behandeln." Die übrigen Punkte der Tagesordnung fandeil schllelle Erledigung, uild so hatten die Theilnehmer an der Versammlung noch Zeit, sich voll der anstrengenden Sitzung in der Umgegend voll Luckenwalde 311 erholen, ehe sie voni Dampfroß nach allen Richtnllgen entführt wurden. Tichauer, Schriftführer. F. Berlin, 18. Juni. Die „ Wisse nschaftlicheVereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt ihre Monatssitzung am 9. d. M. im Vereinslokal ab. Ill derselben hielt Herr Hirschfeld ein Referat „über das Uebersetzen ans dem Hebräischen auf der Unterstufe". Der Vortragende führte aus. daß es schwierig sei zu