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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-22 · Heft 25 (22.6.1900) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
Seite 298 (sequence 12)
Language
German
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L98 Es wird viel vvn der meiiseheinvnrdigen Stellu»^ >zesprvchen, welche dein iveidlichen Geschlecht durch das Christeiith»»i z» Theil geworden sein füll. In der That schien mit diesem der Zeitpunkt der Erlösung des Weibes von Barbarei und geistiger Bedrückung gekvinmen zu sein, das Mittelalter zerstörte aber das ungebahnte Werk, legte das Weib iviedernin in Ketten und Banden und vermehrte ihre Schmach, indem es das bisherige Liistinstrnnient und Lastthier noch mit dem Ehrentitel eines Tenfelsiverkzenges belegte. Man braucht nur an die haßerfüllten Ausfälle der Kircheirväter und an die ruchlose, ungeheuerliche Lästerung zu denken, ivelche die Keherrichter den Herenprozesjen und -Bcrbrennnngen zu Grunde legten.') Aas Indent hum in der Musik im 19. Jahrhundert. Von Dr. Adolph Kohut. V. vorigen Jahre umvbc uns eilt vortrefflicher Pianist und beliebter Kolnpollist, wie Ignaz Moseheles ein Prager, - & nämlich Inli u s Schulhof, durch den Tod entrissen. Zuerst machte er sich durch eine Konzertreise durch Spanien, England, Oesterreich, Deutschland und Rußland als Nirtnos bemerkbar. Später ividmete er sich in Dresden und Berlin ganz und gar der Komposition. Seine Schöpfungen, ausnamslos für Pianosorte, gehören der guten Salonmusik an, d. h. sie verbinden das äußerlich Brillante und Bestechende mit gutem Sah. Zn den Todten des vorigen Jahres zählt auch der Tanzkomponist A n t o n W a l l e rst ein, welcher gegen 600 Nummern leichter Tanzmusik sowie einige Lieder und Bariatiouen für Violine und Orchester herausgab. Ein sehr geschätzter Komponist und Klaviervirtuose ist der am 19. Juli 1861 zu Köln geborene Gustav Lazarus, Lehrer all den Konservatorien Seharlvenkas uub Breslaurs in Berlin. Er hat eine Reihe von Liedern, Duetten, Chören, zwei- und vierhändigen Klavierstücken, Violinsachen ulid Kammermnsikwerken geschrieben, lvelche vielfach Beachtullg fanden. Karl Hehmaull, der am 6. Oktober 1858 als Sohn eines Oberrabbiners in Amsterdam geborene Klaviervirtnos, veröffentlichte auch mehrere Kompositionen, nne „Mummeuy Während die Vertreter der christlichen Kirche den ans Eoa lastenden Fluch bis hente noch nicht ansgehoben haben, zollen die Bekenner des Islam merkunüdigerweise trotz aller ihrer Geringschätzung des Weibes der Urmutter aller Menschen hohe Ehrerbietung. Wenig bekanllt ist in Europa, das; sich bei der alten Stadt Dsrhedda am Rothen Meere ein Grabmal der Eoa befindet, lvelehes voll den ulnhanlmedanisrhell Pilgern auf ihrem Zuge nach Mekka regelmäßig besllcht wird. Es ist ein langansgedehnter, schmaler, ansgeniauerter Nalnn mit einem ullscheillbarell Klippelbau eins rohell Korallensteillen in der Mitte. Da nach der Uebertieferlmg die Allmutter Eoa eine Körperlänge von 500 Fus; gehabt hat, so f onute der Erb all er ihre angeblichen Neberreste ilicht mit einer großen Moschee überdecken nild begllügte sich daher mit einer kleinen. Steinplatten ulld Steilihaufen bezeirlmen die Umrisse ihres Kopfes solvie der übrigen riesenhaften Körpertheile. Das seltsame Grabmal dürfte erst im achten oder neitnteii Jahrhundert entstanden sein. (Ans einem Aufsatz der Münchener Neuesten Nachrichten 1805p schanz", „Elsenspiel", „Ein Klavierkonzert" und mehrere andere. Und Hermann Levi, der Sohn des Rabbiners in Gießen, der bekannte Hoskapellmeister in München und berühmte Dirigent der Parzival-Aufführnngen in Bayreuth, hat gleichfalls manche hübsche Komposition geschaffen. Martin Röder, der ein sehr buntes und bewegtes Leben führte und als Kapellmeister in Italien sowohl wie in England thätig war, komponirte Opern, Mysterien, Symphonien. Konzertouvertüren, Quintette, Streiehguartette, Sonaten, Klavierstücke und Lieder. Seine Kompositionen zeugen van gesunder Begabung und solidem Können. Unsere Gallerie berühmter oder doch ausgezeichneter jüdischer Komponisten des 19. Jahrhunderls lvolleu lvir mit einigen Worten über den am :i<s. Januar 1800 verstorbenen Ob ert aut older jüdischen Gemeinde Wiens, Sal o in o u S ll lze r, beschließen. Der im hohen Greisenalter verblichene Altmeister der österreichischen synagogalen Bcusik, ivar in erster Linie ein meisterhafter Säuger. In seinem Nachruf, den Jellinek un Teiupel der innerem Stadt Wieil am 20. Januar des genannten Jahres hielt, sagte dieser von dieser Stimme Salzers n. a.: „Sie entzückte, überwältigte, begeisterte, öffnete die Pforten des Himmels, drang in die Tiefen der Seele, entlockte den Augen Thränen der Freude, der Trauer und der Nene, ihr lauschten zwei Generationen ergriffen und hingerissen. Ter Jüngling und der Greis, der Mann und das Weib, der Laie und der Künstler, der Fürst uub der Unterthan, der Jude wie der Nichtjude: Was er sah, das sah er vor sich in lebendigen Gestalten, das umschwebte seinen Geist, er vergas; seine Umgebung, Zeit und Raum und seine dichterische Phantasie versetzte ihn in eine andere Welt. Er dichtete in Klängen und Gesängen und wo seine Seele voll war, das drückte er durch die Macht und die Mannigfaltigkeit des Gesanges aus." Salomou Sulzer gab auch eine Sammlung gottesdienstlicher Gesänge, unter dem Titel ..hdiir Zion’*, heraus. Auch sein Sohn, Julius Sulzer, welcher als Kapellmeister am Burgtheater in Wien thätig war und in der Blüthe seines Lebens dahinging, war ein ausgezeichneter Musiker. Er komponirte u. a. die Opern „Johanna von Neapel" und „Michel der Brahe", die überall beifällig ausgenommen wurden. Noch reicher wie auf dem Gebiete der Komposition zeigen sich die jüdischen Talente auf demjenigen des Birtuvseuthums. Mau kann füglich behaupten, ohne auch nur im mindesten zu übertreiben, daß die namhaftesten Jnstrumentalisten dieses Jahrhunderts jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung waren. Ich müßte nicht einen Aufsatz, sondern eiu ganzes Buch schreiben, wollte ich alle die hervorragenden Virtuosen und Birtnosinnen aus den verschiedenen Instrumenten, lvelche durch ihr Spiel das Publikum von fünf Welttheiten entzückten, hier wenn auch nur flüchtig, rharakterisiren; es bleibt mir schon ans Raumrücksichten nichts anderes übrig, als nur die bedeutendsten und interessantesten Typen, jene Musikheroen, welche sich einen bleibenden Namen in der Kunstgeschichte erworben haben, aufznzählen. Beginnen wir mit den Geigern, so muß in erster Linie der „Köllig der Geiger", der Ungar Joseph Joachim, genannt werden. Der jetzt 69 jährige klassische Violinist begeistert seine Zuhörer schon seit einem Menschenalter, denn mit 7 Jahren bereits trat das am 8. Juni 1831 zn Kittsee bei Preß bürg geborene rnusikalische Wunderkind öffentlich ans, und seitdem war er fortwährend ein Gegenstand der öffentlichen Anfmerk-

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