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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-22 · Heft 25 (22.6.1900) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 25 (22.6.1900)
Date
1900-06-22
Page
Seite 291 (sequence 5)
Language
German
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2äi Sympathie für die Konitzer Exzedercker: keinem Zweifel unterliegt." Diese Erklärungen nationalliberaler Blätter sind natürlich für uns in diesem Augenblick von ganz besonderem Interesse. * In den süddeutschen Parlamenten herrscht eine wärmere Temperatur für die Inden als in den nord- und mitteldeutschen. Das kann inan auch aus den Verhandlungen im Finanzausschuß der zweiten bayerischen Kammer über die Aufwendungen für den israelitischen Kultus mit Genugthumig entnehmen. Für diesen Zweck wurden wie früher a) zur Aufbesserung der Rabbiner 12,000 Mark, 1>) zur Fürsorge für dienstunfähige Rabbiner und deren Relikten 2000 Mark gefordert. — Dazil kamen nun zwei Petitionen 1. der Verwaltung des israelitischen Lehrervereins für Bayern um einen Zuschuß zur Unterstütznngsstiftung genannten Vereins, 2. des israelitischen Religionslehrers A. Morgenroth in Burgebrach und Genossen um Gewährung einer Gehaltszulage an die israelitischen Religionslehrer auf dem Laude und in kleineren Städten. — Referent Dr. Schädler (Centr.) legte die Petitionen, welche schon da gewesen seien, ihrem wesentlichen Inhalte nach dar, fand berücksichtigenswerthe Momente darin und verlangte zunächst Aufklärung. — Kultusminister Dr. v. Landmann gab diese Erklärung ab: Das letzte Mal sei die erste Petition zur Keuntniß- :m£)n:e hinübergegebeu worden. Aus prinzipiellen Gründen sollte über beide Petitionen zur Tagesordnung übergegangen Werder:, da das Bedürfniß für die öffentlicher: Kirchengesellschaften nicht befriedigt werden könne;tnb eine Rechtspflicht nicht bestehe. — Korreferent Lerno war mit dem Standpunkte des Ministers einverstanden. — Referent Dr. Schädler aber wollte sich der ersteren Petition gegenüber nicht ganz ablehnend Verhalten; jedoch wegen der Gründe des Ministers beantragte er, die erstere Petition zur Kenntnißrahme zu übergeben, über die zweite Uebergang zur Tagesordnung zu beschließe::. — Abgeordneter Jos. Wagner nahm sich der Petitionen an. Wenn auch eine Rechtspflicht nicht bestehe, so werden doch auch für den katholischen und protestantischen Kultus fakultative Zuschüsse geleistet, zu welchen alle Steuerzahler beitragen müssen. Ein Bedürfniß bestehe auch hier, und es sei billig, für die Petenten etwas zu thun. — Minister Dr. v. Landmaun entgegnete hierauf: Den Erwägungen des Vorredners sei durch Einsetzung einer Butgetposition Rechnung getragen. Das Einzige, was man thun könnte, wäre, daß man dem Unterstützuilgsverein jenen Betrag, welcher von den 12000 Mark erspart wird, zuweist, insofern hätte er gegen die Ileberweisuug zur Keuntnißnahme keine Erinnerung. Doch habe die Sache Schwierigkeiten, weil iit dem Unterstützungsvereiu nicht blos Religionslehrer, sondern auch Volksschullehrer sich befinden. — Die beider: Postulate Werder: genehmigt; erstere Petition wurde zur Kenntnißuahme Übergebell, über letztere lvllrde zur Tagesordnllng übergegangen. Gegen die Juden erhob sich keine Stinime. * Alle Versuche, den Antisemrtismus in Ungarn wieder einzuführen, schlagen gründlich fehl. Auch in dieser Woche hat das Abgeordnetenhaus das wieder einmal gründlich bewiesen. Der Millifterpräsident Koloman Szell beantwortete eine Jllterpellatior: des geistlichen Oberhauptes der antisemitischklerikalen Volkspartei, Johann Molnarüber einen protestantischen Kircheriban in Mörk, und der Kultusminister Dr. Wlassics die tendenziöse Anfrage desselben Abgeordneter: über die Zertrümmerung des Kreuzes auf dell ungarischerr Kronemblerneu im neuerbauten Universitätsgebäude, was in Wort und Schrift von den Antisemiten den Juden zur Last gelegt wurde. Jll beiden Antworten begegnete der Führer der Volkspartei der schroffsten Zurückweisilng seiner Tendenzen, der antisemitischen Agitation auf die Beine zu helfen. Das Abgeordnetenhaus begleitete die Ausführungen beider Minister mit Applaussalven und jubelte dem Minister Wlassies zu, als er die Bestrebungen der klerikal-antiseniitischen Volkspartei als ein großes, unverzeihliches Verbrechen bezeichnete. Schulter an Schulter werden Regierung und Parlament — sagte der Minister — dagegen känipserr, daß der Geist der Unduldsamkeit und der konfessionellell Engherzigkeit irr das Volk getragerr werde ltnb daß er neben anderen Parteiungen auch noch korlfessionell geschieden werden soll. Wenigstens die Zukunft müsse von diesem Uebel befreit werden, bamit die künftige Jugend glücklicher sei als die jetzige, die unter dieser Strömung zu leiden hat. Das ganze Haus, mit Ausnahme natürlich der katholischen Volkspartei, nahni die Antwort des Ministers mit wahrhaft frenetischem Beifall zur Kenntriiß. Der fromme Abt Johann Molnnr aber entschuldigte sich sodann, inderu er erklärte, daß ihm nur all der Wahrung der katholischen Interessen gelegen sei und ihm alles Andere näher gestanden hätte als die Entfesselung von Leidenschaften!! * Angesichts der immer weitere Kreise ziehellderl und nunmehr arlch auf die Hauptstadt sich erstreckenderr Answanderungsbewegullg unter den rumänischen Judeil hat sich nun auch die Staatsbehörde veranlaßt gesehen, aus ihrer bisher beobachteten Unthütigkeit herauszutreten. Was die Gründe der Auswanderung anbelangt, so sind diese außer in der durch die Krisis verschuldeter: Geschäfts- und Arbeitslosigkeit auch in den: Umstande zu suchen, daß durch die seit einiger: Jahren mit großem Eifer durchgeführte Allsweisung der nicht naturalisirten Juden aus den Landgemeinden Rumäniens, namentlich in der Moldau, sehr viele Israeliten, die früher bei landwirthschaftlichen Betriebszweige!: oder auch als Dorskrämer einen Erwerb gefunden hatten, in die Städte gedrängt worden sirrd, wo sie infolge Arbeitsmangels zirr Vernrehrnug des ohnedies sehr zahlreichen israelitischen Proletariats beigetragen haben. Dazu kam noch im Jahr der Krisis und der allgen:einen Erwerbsstockung die Gründung nationalistischer rumällischer Gewerbevereille, deren oberster Zweck in der Ausschließung aller Fremden, also auch der nicht naturalisirten Juden von allen Gemeinden-, Distrikts- und Staatsarbeiten besteht. Bedenkt man nun, daß in manchen Städten der oberer: Moldau der Prozentsatz der israelitischen Bevölkerung den: der christlicher: rrahe kornrnt, ja letzteren hier und da sogar übersteigt, so kanr: man sich wohl eine Vorstellung vor: derr: rrusäglicher: Elend machen, das diesen Winter über rrnter der armen, zurrleist ans Bauhandwerkern besteherrden israelitischen Bevölkerung der Moldau geherrscht hat. Don dort ist auch die erste Anregung zur Auswanderurlg arlsgeganger:, rvelche Bewegung bei den: allerckhalben zahlreichen israelitischen Proletariat der rrunärüscheu Städte sich rasch über das ganze Land ausgedehnt hat. Auch die Bemühungen der Regierung, dem Treiben der häufig nur auf ihren eigenen Vortheil bedachten Auswanderungsagercken Eir:halt zu thun, rverder: die Auswanderungsbewegung nicht zun: Stillstarrd bringen. Die Roth ist eben zu groß r:nd

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