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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-15 · Heft 24 (15.6.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 der Stadt, Dr. Lewandoivsky im Norden Berlins eine ausgedehnte Praxis. Zuletzt waren sie im Westen ansässig. Beide Verstorbene nahmen Lebhaften Antheil an den Bestrebungen zur Wahrung und Hebung der ärztlichen Standesinteresseu. Sie standen geraume Zeit nlit an leitender Stelle im ärztlichen Vereinswesen und zählten zu den ältesten Mitgliedern der Aerztekamnrer für Berlin-Brandenburg. L., ein Neffe unseres großen Synagogenkomponisten, war vor acht Wochen zunl Vorsteher-Stellvertreter der jüdischen Gemeinde gewählt worden. Beide Aerzte wurden am 8. d. M. nebeneiuder beerdigt. Die Tranerfeier für Sanitätsrath Lewandowsky fand um 1 Uhr statt. Unter den vielen Kränzen, die seinen Sarg bedeckten, waren Widmungen der Aerztekammer Berlin-Brandenburg, von den Aerzten der ersten Universitätsklinik, dein Standesverein West, voll der Physiologischen Gesellschaft ll. s. w. Der Vorsitzende der Aerztekarnmer, Geh. Sanitätsrath Dr. Becher, überbrachte für beide Verstorbene die Kränze der Aerztekarnmer persönlich. Mit ihn; erschienen um 3 Uhr zur Trauerseier für Sanitätsrath Lissa niit Kranzspenden eine Abordnung des Vereills der Armenärzte, dessen Vorsitzender er ebenfalls war, des Standesvereins der Friedrichstadt, der Armendirektion, zahlreiche Aerzte der Friedrichstadt mld viele Bürger, die in dem Verstorbenen ihren Hallsarzt verlorerl. Der Synagogeuchor sang bei beiden Feiern. Die Gedächtllißrede hielt beidell Verstorbenen Rabbiner Dr. Weisse. — Am 10. d. M. ist hier ferner der Sanitätsrath Dr. Moritz Plvllski llach längereil Leidell gestorben. Plonski war seit 1856 Arzt. Er hatte zumal in frühereil Jahrerl eine allsgedehnte Praxis und zählte Zll den bekannteren hiesigen Aerzten. Wahrend des größeren Theiles feiner ärztlichen Schaffellszeit war er im Centrlim Berlins allgesessen. Ill be» letzten Jahren hatte er im Westen der Stadt seinen Wirkungskreis. Die Beerdigung fand am 13. d. M. von der Leichenhalle in Weißensee aus statt. - Am 12. d. M. ist als ein Opfer seines Berufes der praktische Arzt Dr. Friedrich Nub instein im 37. Lebensjahre gestorben. Er hatte sich bei der Behandlung eines Knaben eine Blutvergiftung zugezogen. R.. der aus Stettin stamnlte und sich erst vor Kurzem verheirathet hat, war auch als Schriftsteller eifrig thätig. Unser Blatt hat wiederholt werthvolle Beiträge aus seiner Feder gebracht. Friede seinem Geiste! £2 Berlin, 13. Juni. „Der Bltttmord in Könitz" — mit dieser Ankündigung war für gestern Abelid eine Versammlung des Wahlvereins Berlin der antisemitischen „Deutsch-sozialen Reform- Partei" in der Tonhalle angekündigt, um wiederum aus den Vorgängen in Könitz Kapital für ihre Politischen Zwecke zu schlagen. Wie die antisemitischen Blätter gestern Abend mittheilteu, ist die Abhaltung dieser Versammlung, nachdem die polizeiliche Genehmigung bereits ertheilt lvar, in letzter Stunde noch auf Verfügung des Polizeipräsidenten „aus ordn ungs- und s i ch erh ei tsp olizeili ch en Gr ü n d e u gemäß 8 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts" untersagt worden. Dieser Paragraph des Allgemeinen Landrechts lautet: „Die nöthigen Anstalten zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwehr der dem Publiko oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahren zu treffen ist das Amt der Polizei." §2 Berlin, 10. Juni. Auch heute haben wir einige Nachträge zu der nunmehr abgeschlossenen Saison der Litteraturverein e zu liefern. In dem jungen Verein zu Bonn sprachen im Monat April: Rabbiner Dr. Cohn über Aumuth und Würde der hebräischen Sprache; Redakteur B r i s ch - Mülheim a. Rh.: Ein Gang durch die alten Judenviertel zu Bonn und Köln; Dr. med. Edelstein aus Beuel b. Bolin über: Jüdische Aerzte in ihrer Bedeutung für Wissenschaft und Kunst. In Frankfurt a. M. hielt Rabbiner Dr. Werner- München einen Vortrag über: Spinoza in Wahrheit und Dichtung; in M ü h l h a u s e n i. E. Dr. Schüler- Hegenheim über die hebräische Sprache. Ein neuer Verein wurde in Bamberg begründet, dem sofort 130 Mitglieder beitraten. Auch in Koburg hat der Verein Fidelitas die Pflege der jüdischen Litteratnr durch Veranstaltung von Vorträgen beschlossen. Rabbiner Dr. Eckstein-Bamberg hat dort bereits den ersten Vortrag über Apologie des Talnmd gehalten. Der Verein in Essen hat am 25. vorigen Monats sein fünfjähriges Stiftungsfest im Anschluß an die Generalversammlung gefeiert. Das Programm bestand aus Liedern, Deklamationen und einer Festrede des sehr rührigen Vorsitzenden Rabbiner Dr. Samuel über das Wiedererwachen der jüdischen Wissenschaft zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Besonderes Interesse erregten die melodramatischen Vorträge aus den hebräischen Melodien Byrons. Ueber die Thätigkeit des Essener Vereins ans dem Gebiete der Vortragscyklen werden wir zu Beginn der nächsten Vortrags-Saison ausführlicher berichten. Berlin, 6. Juni. Der „Esra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien," hielt gestern seine Jahres-Versammlung ab, in welcher das hiesige und die auswärtigen Zweig-Conlites durch nahezu vierzig Delegirte vertreten waren. Der Vorsitzende. Herr M. Dorn, begrüßte die Erschienenen, lvidmete dem Heimgegangenen Mitgliede Dr. Israel Hildesheimer s. A. pietätvollherzliche Worte des Nachrufs und erstattete sodann den Bericht über die Entwickelung und die Wirksamkeit des Vereins im abgelanfenen Jahre, welches abermals ein erfreuliches Wachsthnm und dadurch eineSteigernng derLeistungen anfweist. Die Mitgliederzahl ist von 3200 anf4005 gestiegen (311 denen im Jahre 1900 fernere 201 hinzilkanien); die Jahreseinnahnien haben die Höhe von 16213 Mark erreicht. Der „Esra" ist nunmehr der größte jüdische Verein in Deutschland (seine Mitglieder vertheilen sich über 266 Gemeinden), ein wohlthnendes Zeugniß. daß die Kolonisation Palästinas in immer lveiteren Kreisen Gönner und Freunde findet. Verausgabt wurden 16100 Maik, namentlich sür die Kolonie „Machanajim", daneben auch für die Arbeiter-Ansiedelung „Esra" (bei Nechowoth). Nachdem sodann der Kassenbericht im Einzelnen zur Verlesung gelaugt und dem Schatzmeister Deeharge ertheilt worben, berichtete Professor Dr. Marburg über seine Wahrnehmungen in deu kürzlich von ihm besuchten palästinensischen Kolonien, wobei er namentlich die überraschenden Erfolge in „Machanajim", den Fleiß und die Tüchtigkeit der dort Augesiedelten, wie das verheißungsvolle Gedeihen ihrer Arbeit rühmte. Hierauf referirte Dr. Hirsch Hildesheimer über die am 26. und 27. März in Frankfurt a. M. stattgehabte Konferenz der Palästina-Vereine, ihre Veranlassung und ihre Ergebnisse. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen des Central-Komitees lvurdeu die ausscheidenden Mitglieder, die Herren Moritz Dorn (Vorsitzender), N. I. Anders, Dr. Hirsch Hildesheimer und Professor Dr. Leopold Landau wieder-, Herr Dr. Moritz Sobernheim ueugewählt, zu Revisoren die Herren M. Apolant und E. Philippsborn ernannt. Der vorgerückten Stunde wegen wurde die Berathuug des veränderten Statuten-Entwurfs vertagt und hieraus die Versammlung geschlossen.— Ein außergewöhnlicher Erfolg lvar das Sommersest, welches der Verein „Esra" am 7. Juni in dem großen Garten der Brauerei Friedrichshain veranstaltet hat. Vorzügliches Wetter, welches sich den ganzen Tag hielt, begünstigte das Fest (ganz gegen die Traditionen des „Esra") und lockte zahlreichen Besuch hinaus. Mehr als 2000 Personen mögen anwesend gewesen sein. Konzert, Tanz, Kinderbelustigllngen ic. sorgten für die Unterhaltungen der Gäste, während diejenigen, die sich unterrichten wollten, in der von der Jmportgesellschaft Palästina eingerichteten Ausstellung Gelegenheit fanden, die Erfolge der Kolonien zu studiren, auch ihren Wein zu Prokuren. Kp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Kantor Cohn in Liegnitz ist zum Kultusbeamten in Kreuz bürg gewählt worden. — Der langjährige Stadtverordnete und spätere Magistratsschöffe A. H. Uuger in Schildberg ist im Alter von 72Jahren gestorben. — Der Rentier Nathan Cohn in Thorn beging neulich unter reger Theilnahme der dortigen Bevölkerung seinen 70. Geburtstag. Cohn ist seit vielen Jahren Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums daselbst. — Die Vertretung der Shuagogengemeiude Ostrolvo hat den Umbau ihrer Badeanstalt mit Einrichtung von Brauseaulagen beschlossen. — Die Syuagogengemeinde in Kempen hat die Kantoren Gawitz-Schildberg und Wittenberg in Borek zu ihren Kultusbeamten geivählt. — Die Königliche Regierung zu Posen hat den Beschluß des Schulvorstandes in Ostrolvo, den jüdischen Lehrern daselbst die neunmaligen Alterszulagen von 150 Mark auf 175 Mark zu erhöhen, genehmigt. — Die Synagogengemeindevertretung in Jnowrazlaw hat beschlossen, das Gehalt des dortigen Rabbiners auf 5000 Mark zu erhöhen. — Kantor Lemke in Mixstadt ist als solcher in die Gemeinde Jarotschin berufen worden. — Das Abraham Ran'sche Ehepaar in Graube nz feierte jüngst das Fest der goldenen Hochzeit. — Zn Vorstandsmitgliedern der Synagogengemeinde Kosten sind die Herren Rechtsanwalt Pinner und Kaufmann S. Goldschmidt gewählt worden. — Kaitowitz O.-S., 12. Juni. Am 6. d. M. fand zu Myslowitz in Muhles Hotel eine Sitzung des ob er schlesischen Rabbiner" Verbandes statt. Nach verschiedenen den Verband betreffenden Mittheilungen (Dr. Cohn-Kattowitz) wurde als Ort der nächsten Versammlung Tarnowitz bestimmt. Hierauf wurde die Vertretung durch

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