Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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-i Wiramra- Mt. 24. Gerlin, 15. Zum 1900. Weikrge zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 10. Juni. Der Rest der Arbeiten der Repräsen, ianten - Versammlung gelangt in friedlicher Weise zur Erledigung. Zn der heutigen Sitzung theilte der Vorsitzende vor Eintritt in die Tagesordnung mit, daß Kommerzienrath Friedländer und Stadtrath Dr. Weigert beurlaubt sind, an Stelle des letzteren, der längere Zeit den Berathungen fernzubleiben gedenkt, ist Herr Adolf Mayer unberufen worden. Alsdann giebt er der Versammlung von dem Ableben des erst jüngst in den Vorstand gewählten Sanitätsrathes Dr. Hermann Lewaudowsky Kenntniß und bittet, die Neuwahl sofort in die Wege zu leiten. Die Punkte 2—6 der Tagesordnung beziehen sich auf Bewilligung von Subventionen an verschiedene R e l i g i o n s v e r e i n e. Hierzu liegt ein Antrag Geiger vor, die Berathung über diese anszusetzeu und das Material dem Schul- und Talmud-Thoravorstande zu näherer Prüfung zu überweisen. Als Motiv wird von denl Antragsteller allgeführt, daß, wenn die Prüfung der Anträge feine genauere sei. die Gefahr vorliege, daß all unwürdige Institutionen Geld gegeben lverde. Die Jllspektion ivürde sich nach der Ergänzung des Talmud-Thoravorstandes als sehr leicht ergeben. Der Antrag führt eine lällgere Debatte herbei, an der sich außer dem Referellten Leonhard Sachs iloch die Herren N. A. Lilienthal, Professor Blaschke und Lewin, R.-A. Dr. Simon betheiligten. Bei der Abstilumung gelangt der Antrag Blaschke mit 7 gegen 4 Stimmen zur Annahme, in die Berathung einzutreten und das Akteilmaterial denl Schul- und Talmud-Thoravorstande zur Kenlltnißllahlue zu überweisen. Es werden dann die 6 Positiollen debattelos bewilligt, und zwar an den israelitischen Brüderverein in Rixdorf 1000 Mark jährliche Subvention und einmalig 500 Mark zu den Kosten der Einrichtullg des Betlokals, an ben Religionsverein Gesuudbrunne n 850 Mark jährlich und ein Beitrag von 600 Mark zu den Kosten der Einrichtung eilles Betlokals. Hier ist ill der Kasse ein Fehlbetrag von 750 Mark vorhandeil, Ulld der sehr vorsichtig aufgestellte Etat weist ein Defizit von 80O Mark auf. Diese Subvention wird voraussichtlich nicht lnehr lange bewilligt werden, da ja von der Gemeinde selbst die Einrichtullg einer Schule in der dortigen Gegend in Aussicht genommen worden ist. Dem Religionsverein N'w eh - s ch a l o m werden 450 Mark jährlich und ein Beitrag von 50 Mark für Lehrbücher bewilligt. Die letzte Position wurde deshalb bewilligt, weil sich bei der Inspektion herausstellte, daß erst das fünfte oder sechste Kind ein Religionsbuch zur Stelle hatte. Der i sr a e l i t i s ch e il V e r e i n i g u ll g i n F r i e d r i ch s b er g, die eillen wohlgeordneten guten Gottesdienst nach dem Ritus der Kaiserstraßen- Syllagoge unterhält, und 29 Kindern Unterricht ertheilen läßt, werden 1000 Mark jährlich und der vereinigten S ch o ch a r e h a t o w und B'ne Brith Gemeinde eine jährliche Subvention von 2000 Mark ulld ein einmaliger Beitrag voll 700 Mark als Abfindungssumme für eiilen Mühleilbesitzer gewährt, dessen ill der Nähe befindliche Schneidemühle die Veranstaltung des Gottesdienstes unnlöglich Nlachte. — Eine lällgere Debatte schloß sich an die Vorlage betreffend die Subventioil an den Verein für jüdische Geschichte und Li tteratur. Wie der Referellt, Herr Leonhard Sachs, mittheilte, lvaren voll denl Vereill 1000 Mark erfordert worden, die Kommission hat 800 Mark bewilligt, und zwar 500Mark als jährliche Subvention ulld 300 Mark für die vom Verein eingerichteten Fortbildungskurse. Namens der Kommission befürwortet der Referent die Annahme der Vorlage. Professor Blaschke plaidirt dafür, die verlangten 300 Mark zu bewilligen, aber den Zusatz fortzulassen „für jüdische Lehrerinnen". Das würde lveder den Intentionen entsprechen, welche der Verein hätte noch denjenigeil, welche die Versammlung mit der Sllbvention verbinde. Es sei bereits der Beschluß gefaßt, den Gemeindevorstand zu ersuchen, Veranstaltungen zu treffen, welche den Lehrerinnen Gelegenheit geben sollen, sich die Kenntllisse anzueignen, welche sie später als Religionslehrerinnen verwerthen sollen. In den Fortbilduugskursen des Vereins fehle die praktische Uebung der theoretischen Kenntnisse und hierfür könne nur die Gemeinde Sorge tragell. Die Kurse würden übrigens nicht nur von Lehrerinnen besucht, sondern auch von anderen Damen und Herrell. Professor Lewin legt ben Gedanken nahe, die jüdischen Lehrerinilen als Hospitanten zu dem Unterricht in den Gerneindeschulen zuzulassen, um sie dort die Art des Unterrichts keilnen zu lehren. Die Gemeilldeverwaltung würde dann auch wissen, was die betreffenden Damen lernen, während ihr heute jeder Einflllß entzogen sei auf das, was in ben Unterrichtskursen des Vereins gelehrt werde. Rechtsanwalt Liliellthal führt aus, daß der Beitrag von 300 Mark nur ein vorübergehender sei, da die Vereillskurse fortfallen würden, wenn erst die Gemeinde für deren Einrichtung Sorge getragell hätte. Die Verdienste des Vereills seien bekannt und ein neues Verdienst sei es gewesell, daß der Vereill diese Kurse eingerichtet hätte, die bisher vollständig gefehlt hätten. Die positiven Kenntnisse könllell den Lehrerinnen nicht dadurch beigebracht werden, daß man ihilen die Erlaublliß, an dem Religionsunterricht ill den Gellleiudeschulell theilzunehmeil, zubilligt. Herr Benas Levy ist der Ansicht, daß der Vereill diese Erhöhung petitionixt hätte, um den Etat balailzirell zu köllnen. An den Kursen hätten anfallgs nieift Lehrerinnen theilgenommen, jetzt würden dieselben allerdings auch von anderen besucht. Die Kurse seien viel größer geworden als es der Verein Hütte voraussehen können. Er beantrage, die Subventioil ohne jede Eillschrällkung zu genehmigen. Professor Blaschke glaubt, daß man heute lloch nicht entscheiden köllne, ob der Verein seine Kurse nach Einrichtling derselben seitens der Gemeillde ausgeben werde. Für die praktische Ausbildung der Lehrerinnen reiche der Vorschlag Lewins nicht aus. Die praktische und theoretische Ausbildung nlüsse Hand in Hand gehen. Die Kllrse erforderten nlindestens einell Kostellailswalld von 1000 Mark, und der erbetene Beitrag hierzu sei minimal. Aber selbst, wenn der Zuschuß iloch höher wäre, würde er doch der Ausführung der Kurse freie Halld laffen wollen, abgesehen davoll, daß es sehr schwer sei. einem festorganisirten Verein, der genau wisse, was er wolle, ins Wort zu reden. Nach dem befürwortenden Schlilßwort des Refereiltell getaugt die Vorlage gemäß dem Alltrage der Subventionskommission zur Allllahme. Die erforderten 800 Mark ohne lveiterell Zusatz zu bewilligen, wurde gegen die Stimme des Alltragstellers abgelehnt. — Ohne Debatte wurden alsdann bewilligt 400 Mark als Extra- Subvention an die jüdische Religiollsgemeillde ill C h a r l o t t e u b u r g, 230.50 Mark zur Herstellung voll Doppelfensteril in der Buchhalterei, 1000 Mark zur Reparatur des Flißbodens in der Synagoge Lindenstraße, 1022,45 Mark für Beleuchtungskörper im Vorderhause Lntzowstraße 16, ulld eildlich die Genehliligullg zur Erneueruug des Kontraktes für die Miethullg des Saales Beuthstraße 20 znln Zwecke festgottesdienstlicher Veranstaltullgen ertheilt. Die Vorlage, 4500 Mark für die Errichtllllg eilles Ob d llkti o n srau nl es auf dem Friedhofe in Weißensee ist iilzwischen vom Ausschuß III zurückgelangt und an ben Ausschuß I verwiesen worden. Die Vorlage scheint bisher wenig Frellttde gefitnben zu haben, und mall hofft, es werde ihr im Ausschuß I ein günstigeres Schicksal beschieden sein. Trotz der driuglichell Vorstellungell seitens des Dezerlleilten des Gemeindevorstalldes. der die Nothwendigkeit der in Rede stehellden Einrichtung betonte, willigte die Versammlung mit großer Mehrheit ill eine Vertagllng und überwies die Vorlage gellläß dem Ausschußantrage an dem Ausschuß I. £2 Berlin, 10. Juni. Die Berliner Aerzteschaft hat den Tod zweier älteren und bekannter Mitglieder zu beklagell. Attl 6. d. M. starb hier nach kurzem Leiden Sallitütsrath Dr. Her m a n n L e lv a n - dowsky, und anl Tage zuvor verschied inl Ostseebad Herillgsdorf unerwartet Sallitütsrath Dr. Arnold Lissa. Dr. Lissa. der im 58. Lebensjahre stand, betrieb seit 1866 hier die ärztliche Praxis. Dr. Lewandowsky war seit 1867 Arzt. Dr. Lissa hatte früher im Süden