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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-15 · Heft 24 (15.6.1900) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 24 (15.6.1900)
Date
1900-06-15
Page
Seite 288 (sequence 14)
Language
German
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288 borgen und wohl versorgt wissen. Ich bin schwach, und wer weiß, wie lange zu leben mir die Vorsehung noch beschieden hat. So höre denn, woran ich nicht heute erst, sondern schon seit geraumer Zeit gedacht habe." Bornheim hielt jetzt eine Weile inne, überlegend, auf welche Art und Weise er nunmehr seinem verständigen Töchterlein seinen Vorschlag klarlegen solle. Denn Esther war ein gar unschuldiges „jüdisch Kind", das einzig allein seine ihm zugewiesenen Pflichten kannte und getreulich bethätigte, und dessen Herz von sündigen Regungen ganz unberührt geblieben ist. Sie war bei dem bescheidenen und zurückgezogenen Leben, das sie führte, mit Männern noch nicht in nähere Berührung gekommen. Hatte sie doch selbst aus den Religionsschriften ersehen, als welch kostbaren Schmuck zu allen Zeiten die weibliche Tugend „Zinns", d. h. weibliche Zurückgezogenheit galt, und diese Tugend zu erfüllen, hielt sie als vornehmste Pflicht. Endlich fuhr der Vater fort: „Kennst Du den Moses Mendel?" „Du meinst den Sohn unseres Spritlieferanten Josef Mendel?" „Jawohl, mein Kind," bestätigte Bornheim. „Ich kenne Moses Mendel nur flüchtig," entgegnete Esther, „ich sah ihn mit seinem auffallend semmelblonden Haar mehrmals eifrig vor der Schänke hantiren." „Nun, wie ich sehe, ist er Dir nicht so ganz fremd/' sprach Aron. „Sieh, Esther," fuhr er dann zögernd fort, „mein sehnlicher Wunsch ist, daß Du Dir einen Mann erwählest . . . Bei diesen Worten erröthete Esther tief, und züchtig das Antlitz zur Seite wendend, flüsterte sie: „Aber Vater!" .... „Kind, vertraue mir, und laß in diesem Augenblicke ab von Deiner sonst so löblichen Zurückhaltung. Es gilt jetzt Dein ferneres Lebensglück, und da müssen gewisse Rücksichten fallen." „Aber Vater, ich bin noch so sehr jung und fühle mich so unaussprechlich glücklich an Deiner Seite." „Ich weiß es, gutes Kind," erwiderte Bornheim, „aber ich werde doch nicht ewig leben, und da ist es meine Pflicht, an Deine Zukunft zu denken. Mein Wunsch ist nur, Du möchtest Moses Mendel die Hand zum Ehebunde reichen. Ich glaube, er ist Deiner würdig und hoffe, daß Du gewillt sein wirst, meinem Wunsche zu willfahren." Esther war bei diesen Worten wieder tief erröthet. Jetzt aber blickte sie dem Vater fest in die Augen und sprach: „Ich bitte Dich, lieber Vater, laß es heute genug sein. Verlange nicht jetzt von mir ein bindendes Versprechen. Wenn auch allezeit Deine Wünsche nur als Befehle galten, so wirst Du mir doch in diesem Falle eine kurze Bedenkzeit gewähren." „Gewiß mein Kind," entgegnete Bornheim, der erfreut war, von seinem Kinde keine direkte Absage erhalten zu haben. Dann erhob er sich mit den Worten: „Nun, Estherleben, wollen wir noch einige Stunden zu ruhen versuchen. Wer weiß, was der morgende Tag bringen wird?" Bei diesen letzten Worten lagerten sich wieder tiefe Sorgefalten auf Arons Stirne. Eben wollte er seinem Schlafgemache zuschreiten, da drang ein sonderbares Geräusch an sein Ühr, und er fragte, sich an seine Tochter wendend: „Horch, vernimmst Du nichts? Sollte die furchtbare Katastrophe schon so nahe bevorstehen?" — Erschreckt und zitternd war Esther zum Vater geeilt, dessen Arm sie'erfaßte. Sie war sonst stets ein muthiges Mädchen gewesen. Hatte sie doch mit den halbtrunkenen Polen in dev väterlichen Schänke schon so manchen Strauß auszufechteu ge habt und bisher durch ihr energisches Auftreten sich einen ge wattigen Respekt zu verschaffen gewußt. Heute fehlte die ge wohnte Energie. Die Aufregungen der letzten Tage, sowie namentlich der soeben besprochene Gegenstand, hatten ein? gewisse Nervenabspannung bei ihr hervorgerufen, die erschlaffend auf sie wirkte. In ängstlichem Tone antwortete sie: „Ich höre das Geräusch kämpfender Männer!" — (Fortsetzung folgt.) Litterarische Mittheilungen. — Georg Ebers: Aegyptische Studien und Verwandtes zu seinen- Andenken gesammelt. (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt 1900.) Diesem von Prof. Or. Georg Steindorff herausgegebene Werk wird sicher alle Verehrer des Dichters in hohem Grade fesseln. Noch in seinen letzten Lebenstagen hatte sich Ebers mit dem Gedanken getragen, die zahl' reichen Arbeiten über Aegyptologie in einer Sammlung zu vereinigen. Ein vorzeitiger Tod hinderte ihn an der Ausführung dieses Planes. Nun ist dieser durch die unermüdliche Thätigkeit der Wittwe des Dichters, der langjährigen treuen Beratherin seiner Arbeiten, und durch die Mithilfe des gelehrten Leipziger Aegyptologen zu einer ganz vorzüglichen Ausführung gelangt. Es finden sich in diesem stattlichen Bande die Aufsätze von Ebers, die er mit großer Sach- und Terrainkeuntniß über ägyptologische Funde und Ausgrabungen, über die Kultur und Litteraturgeschichte des alten Aegypten und auch über das neue Aegypten geschrieben hat. Einige sehr hübsche und gemüthvolle biographische Skizzen schließen den Band ab, der sicher einen Stein zu dem Denkmal sügen wird, das sich Ebers durch fast vier Jahrzehnte lange Arbeit in der Wissenschaft und Literatur gesetzt hat. Mit Recht bemerkt Steindorff in der Vorrede zu diesem Bande: „Das Bild des Gelehrten und des Dichters Georg Ebers steht fest. Neben der ernsten Arbeit, der Stndirstube und dem freien poetischen Schaffen hat er wohl einen guten Tyeil seiner Kraft auch darauf verwendet, die wissenschaftlichen Ergebnisse, die von ihm oder anderen Forschern gezeitigt waren, größeren Kreisen der Gebildeten zugänglich zu machen und bei diesen Theilnahme für das Volk und die Kultur am Nil und für die wissenschaftliche Erschließnug des ägyptologischenAlterthums zu erwecken. Unablässig ist er bei der Arbeit gewesen, neues Wissen über das Pharaonenland zu verbreiten und von den Funden, die alljährlich dem Schutt der Städte, Tempel und Gräber eutriffeti worden, zu berichten." Es versteht sich von selbst, daß in einem solchen Werke viel enthalten ist, was für die Geschichte der biblischen Zeit von hohem Werth und für unseren Leserkreis deshalb von besonderem Interesse ist. Mit gütiger Erlaubniß der Wittwe und der Verlagshandlung werden wir auch die für uns interessailteste Arbeit des Werkes, die über die Historizität des Aufenthalts der Juden in Aegypten, die Ebers seiner Zeit für unser Blatt ganz speziell bearbeiten wollte, demnächst zum Abdruck bringen. Das ganze Buch aber können wir unseren Lesern auf das Angelegentlichste empfehlen. Es ist geistvoll, sachgemäß und in der anmuthig liebenswürdigen Fornl gehalteil. welche Georg Ebers allen seinen Schöpfungen, poetischen wie wissenschaftlichen, zu verleihen wußte. Druck und Verlag von Rudolf M o f s e in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.!i4. Iah' Kor 8. B > a n t e n - \n der h Tagesord vath Dr. Zeit den >nn berufe Ableben Dr. Her sofort ii beziehen schiede vor, die Schull weisen, die Prüf an unw würde si leicht ero sich auß N. A. 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