Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1900)
- Date
- 1900-06-15
- Page
- Seite 287 (sequence 13)
- Language
- German
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hat, kann das Welt- Mosigkeit, umlg auch ießt sogar chen einer Vernunft n und abm Grund- Geschlecht c da, wie ae Todr n e i n e sonder n arstellung lebte an- Schuldlgetrübtes n; eine mmeltern Unser geistigen in solches u Freude und Vervachsenen erlangen ibendigen mit der 't, worin hnell das vermögen ^sprachen aus nicht ten Tod t sterben chöpfung metji’eu, »wie über »üre dies Mehrung dmarkten ohne den ohne Ab- Der Tod lrbeit im uch, das id edelste lienschen-? LVIl-l-LI-OU wm i Nie TscherKejsenbraut. Eine Erzählung vo» I. Herzberg-Broinberg. IV. einer bei den damaligen Juden in den polnischen Landen nicht gewöhnlicheil profanen Bildung besaß Bornheim bedeutende talmndische Kenntnisse, wodurch er in den Augen seiner Glaubensgenossen als besonders schätzensioerth galt, so daß man mit Vorliebe sein entscheidendes Wort erbat, ivenn es galt, eine religionsgesetzliche Frage zu lösen. Zur Erforschung des Religionsgesetzes vermißte er jedoch ühmerzlich eineir würdigen Genossen, mit dein er hatte seine Gedanken anstauschen können. Sv hatte er denn schon frühzeitig seine geistvolle und hochbegabte Tochter Esther init den Schaßen des Talmud bekannt gemacht und sie nach und nach befähigt, ihm ans den verborgensten Pfaden des talmudischeil Gebietes folgen zu können, und es waren für ihn die schönsten Stunden seines bereinsamleii Lebens gewesen, wenn er nach des Tages Mühen mit seinem Kinde sich vereinte, um in den erhabenen Geist des Talmud sich zu vertiefen, de»l Lehren und Mahnungen der Alten zu lauschen und die verschiedensten Meinungen und Gegenineinnngen zu vernehmen. Esther hatte von Anfang an gar seltenen Eifer gezeigt und überwand die mannigfachen Schwierigkeiten, so daß ihr bald die gehaltvollsten Traktate geläufig waren. Die verschiedensten Erklärungen und Kommentare waren ihr wohl bekannt, sv daß sie im Stande gewesen wäre, in Behinderung des Vaters selbständig eine Entscheidung zu treffen. Diese Thatsache versetzte alle Glaubensgenossen weit und breit in höchste Verwunderung, denn wo war jemals ein jüdisches Mädchen zu finden gewesen, das solch seltene Fähigkeiten aufzuiveiserl hatte? — Bornheim pflegte allabendlich trotz der Sorgen, die ihn erfüllten, in Gemeinschaft mit Esther zu „lernen".') Auch heute war er im Begriffe gewesen, einen Abschnitt zu behandeln. Doch fehlte ihm hierzu die Lust. Die bange« Sorgen ließen ihn nicht zu einem klaren Gedanken kommen. Ihn erfüllte nur das peinigende Gefühl der Unsicherheit betreffs der Zukunft seines Kindes. Was sollte aus diesem werden, wenn er plötzlich ihm entrissen werden sollte? Ohne Schutz und Beistand würde es einsam und verlassen dastehen. Daher war seit einigen Tage« ein Projekt in ihm gereift, das er so bald wie möglich seiner Verwirklichung entgegen führen wollte. Die Anregung hierzu hatte ihm vor kurzem sein Geschäftssrennd Joseph Mendel gegeben, der ihm vorgeschlagen hatte, seinem Sohne Moses die Esther zum Weibe zu geben. Born- Heim war diesem Vorschläge durchaus nicht abgeneigt, denn der Spritfabrikant Mendel galt als wohlhabender Mann, und dessen Sohn Moses ivar, wenn auch keineswegs ein Adonis, so doch ein tüchtiger Kaufmann, der im übrigen „sein Blatt Gemara" lernen konnte, somit auch auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete seiner Tochter völlig ebenbürtig war. Die verschiei) d. h. dos Religionsgesetz erforschen. densten Erwägungen durchkreuzten Bvrnheims Hirn, aber kein Wort kam schon seit einer geraumen Weile über seine sonst so beredten Lippen. Mit wachsender Unruhe schaute daher Esther auf den Vater, und es drängte sich die ängstliche Frage über ihre Lippen: „Sag' Vaterleben, was quält Dich so sehr? Bist nicht recht gesund?" Bei den ersten Tonen, die Aron von den rosigen Lippen seiner Tochter vernahm, zuckte er zusammen. Eiligst bemühte er sich, die Stirnfalten zu glätten, und sich zu einem Lächeln zwingend, zu erwidern: „Mir fehlt nichts, Kindleben!" „Soll ich der Kascha austrage», daß sie Dir einen stärkenden Trunk bereite?" fuhr Esther fort, die Hand des Vaters erfassend und sie streichelnd. „Nein, Esther, laß das!" entgegnete Aron abwehrend, „wir wollen die treue Kascha in ihrem Schlafe nicht störe». Hat sie doch tags über genug zu schaffen, sv daß wir ihr gerne die wenigen Stunden der Ruhe gönnen sollten." „Lieber Vater," fuhr jetzt Esther fort, „die Kascha klagte heute wieder über ihren Brnder Stanislaus, der seine arme, alte Mutter verlassen will, um zu den Sensenmännern überzugehen." „War Stanislaus heute hier?" fragte Bornheim. „Nein," erwiderte Esther. „Das bewundere ich. Hoffentlich wird er morgen kommen, dann werde ich ihm einmal gehörig den Kopf waschen und ihn fragen, was ihn all die Sachen da draußen angehen." „Das wird Dir wenig nützen, lieber Vater," erwiderte Esther, „ja, ich glaube sogar, daß Dir dies auch nicht mehr möglich sein wird. Wenigstens erklärte Stanislaus gestern, in den nächsten Tagen seien die Preußen zu erwarten, und dann wolle er mit dreinschlagen, und koste es ihm seiir Leben. Da er nun heute nicht erschienen ist, so ist er zweifellos schon gegangen." Aron Bornheim antwortete nichts, offenbar legte er der eben besprochenen Angelegenheit keine besondere Bedeutung bei. Er war wieder in tiefes Sinnen versunken, und die Tochter wagte es nicht, die unheimliche, bedrückende Stille zu unterbrechen. Da erfaßte Aron plötzlich die Hände seiner Tochter, zog diese an sich heran und schaute ihr liebevoll und feuchten Blickes in die dunklen Angen. Dan» sprach er mit zitternder Stimme: „Liebes Kind, laß mich jetzt ein ernstes Wort mit Dir reden. Du fragtest mich soeben, was mich quäle? Nicht ist es etwa ein körperliches Gebrechen, das mich so mißstimmt, vielmehr ist es die Sorge um Deine Zukunft, Kindleben. Du weißt, in welch schrecklichen Zeiten wir jetzt leben. Die gegenwärtigen Zustände bilden erst die Einleitung entsetzlichen Ereignissen. Denn daß der wieder angefachte Aufstand ein schlimmes Ende nehmen werde, ist ganz zweifellos. Wie aber auch der Ausgang sich gestalten möge, immer werden wir Juden schlimm daran sein. Ist schon der ob seiner Niederlage ergrimmte Pole gefährlich, so ist es der siegestrunkene noch viel mehr. Der erstere ivill und muß in Ermangelung eines anderen Opfers an dem Juden all seinen verhalteneil Zorn und Haß auslassen, während der letztere in seinem Siegesräusche nild in seiner Zerstörungswuth zuerst den Juden sich erwählt, um seinen wilden Leidenschaften fröhnen zu können. In diesen schweren Zeiten möchte ich Dich, liebes Kind, ge-