Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1900)
- Date
- 1900-06-08
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 Unterrichts, erstattete Herr Rabbiner Dr. Fehler-Halle Bericht über den Befund des in Bitterseld und Wittenberg ertheilten Religionsunterrichts. Betreffs der von ihm hierbei geäußerten Wünsche ersuchte der Vorsitzende heu Redner, die in einem Expose dem geschästssührendeu Ausschüsse unterbreiten zu wollen, was der Herr Rabbiner zusagte. Der Etat lvurde in Einnahme und Ausgabe mit M. 1755 bewilligt. Hierauf fcmb die Verathnng der eingegangenen Anträge statt. 1. Antrag Stendal: Wie ist die Möglichkeit zu schaffen, kleinen Gemeinden die Wohlthat >iner guten Predigt zn verschaffen? Herr Meher-Stendal begründet den Antrag; auch Rabbiner Dr. Feßler sprach sich mit Elltschiedenheit dahin aus. daß alle Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um in kleinen Gemeinden beispielsweise am Sonntag in Verbindung mit der Inspektion eine sogcriannte Erbaunngsstuude zur Erweckung des religiösen Interesses eiuzurichten. 2. Antrag Tangermünde: alljährlich einmal den Religionsunterricht in den Verbandsgemeinden inspizireu \\\ lassen, winde von Herrn Berllhard-Taugerntüude zurückgezogen, da der Verbandsansschnß bereits mit der Jnspizirung begonnen hat.!. Antrag Schönebeck, beim D. I. G. B. vorstellig zu werden, daß an den jüdischen Lehrcrseminarien die Zöglinge llicht nur in den Elemeutar- 'ächern. sondern auch für den Kultusbeamtendienst ausgebildet werden. Herr Marknse-Schönebeck begründete den Antrag. Derselbe wurde anzenommeu. 4. Antrag Halle, Gewährung von Beiträgen zürn Religionsunterricht in Zeitz. Merseburg und Zahna, ward angenommen. Alsdann erstatteten die Revisoren Bericht über die Rechnungslegung. Dieselbell beantragteil Entlastung, die auch ausgesprochen lvurde. Nachdem das Protokoll verlesen lvorden, schloß der Vorsitzeilde die Versammlung. M. Hameln, 1. Juni. Zll Ailsallg dieses Monats starb hier der nlch der, Lesern dieser Zeitung durch feine „Nigunim mikkol liaschouali“ nicht unbekannte Herr Hermann Ovpenhei m e r. Derelbe eiltstalnmte einer alteingesessenen hiesigell Falllilie ulld war Verleger bedeutender niusikalischer Werke, namentlich der Kirchenuiusik (Becker) und hunloristischer Vorträge für Hochzeiten. Es ist bezeichnend, daß obige „Nigunim" anläßlich der hiesigell Shnagogeueinweihung (1879) den Grundstein zu seinenl jetzigen bedelltellden Verlag legten. Bei seillem Leichenbegällgniß betheiligten sich alle Schichtell der Stadt, ohlle Rücksicht auf Stand und Bekenntrliß. — Bei der letzten Vorstandslvahl wurde Herr C. Michaelis wiederum als erster Vorsteher gewählt. der diesen Posten uuullterbrochen seit 30 Jahren bekleidet. M. Hamburg, 1. Juni. Um das Andenken des verstorberleil Herrn D. Wormser zu ehrerl. hat sich eille Anzahl eheulnliger Schüler solvie sollstiger angesehener Genleilldemitglieder vereillt und beschlossen, eille neue Wohlthätigkeitsstiftung zll gründen. Die Erträgnisse dieser Stistllng sollen im Siillle des Verewigten obdachlosen Glaubensgenossen zu giltr kommen. — Die kürzlich verstorbenen Gemeinde- Mitglieder, die Herren B e n j a lll i n S i m o n und I s. H e h ru a n n Hab eil in ihren jetzt publizirten Testalllenten außer dem Waisenhallse. denl Altenheim auch sonstigen Wohlthätigkeitsillstitlltioilen der Gemeinde namhafte Beträge zugewendet. Herr Js. Heilllaun hat allch lmfevcr Nachbargellleinde Walldsbek, woselbst er früher sein Domizil hatte, eine größere ©imune testirt. — Herr B. Benjamin, Kantor lind Kultusbeamte der Gemeindesynagoge auf den Kohlhöfen, begillg fein 25jähriges Amtsjllbiläuni. Als Muster eines Pflichttreuen Beamten 'waltete er llach dem Vorbild seilles unvergeßlichen Vaters seit Juni 1875 seines Amtes, die Achtullg seiner Kollegen sowohl. solvie aller Derer, die ihm nahe stehen, genießend. An seillem Ehrentage wurden ihm viele Ovationen dargebracht. Ein Festgottesdienst bei Gelegenheit des Schacharithgebetes in der Gemeindeshnagoge leitete die Feier ein. jni Hanse lvurde es von Besuchern llicht leer, zahlreiche sinnige Geschenke ehrtell den Jllbilar. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 5. Juni. Auch das Ergebnis; der ferneren Wahlen ill den Gemeinderath ist ein solches, über das zu berichten schmerzlich ist, da dasselbe auf fast allen Linien den Sieg der jetzt herrschenden Parteien bedeutet. — Aus Rumänien ausgewauderte Inden haben vor eilligell Tagen die österreichische Grelize bei Serath passirt; sie gehen zu Fuß llach Hamburg, von lvo sie sich eillschiffell. Die österreichischen Behörden legten den bedauernswertheu Flüchtlingen nichts ill dell Weg Ulld liefen sie allstandslos Passiren. Mögen sie in der Ferne das Glück und die Ruhe finden, die die Heimath ihneil versagt! — In (5 z e r n o lv i tz bei K a ,n e n i tz in B ö l) ln e n fand eine Gerichtsverhandlung statt, lvelche für die Veranstalter eilles nnglaublich rohen alltisemitischell Scherzes ernste Folgen hatte. Jln Willter amüsirte sich eine dortige Gesellschaft damit, die Hinrichtung Hülsllers. des angeblichen Polllaer Mörders, zu spielen. Der Darsteller des Hülsner wurde derart bearbeitet, daß er erst llach zwei Stundell wieder zum Leben gebracht werden konllte. Er erhielt eine Kehlkopsverletzung, lvelche ihll sür immer der Stimme beraubte. Derjenige. der damals den Scharfrichter spielte, wurde zu vier Monaten Gesünglliß verurtheilt. — Aus Galizien meldet man bezugnehmend auf dcm in Ihrem geschätzten Blatte vorkommenden Bericht ill Allgelegenheit der Verhaftung des Sohlles respektive Bruders, der am erstell Tage des Pessachfestes in Hermailow bei Thczyu ermordeten zwei Frauen, daß der unschuldige, in Untersuchungshaft fünf Wochen tailg internirte Salzmann am 10. v. M. aus der Haft freigelassell wurde. — Rabbiner Dr. Bergmann in Loschitz ist eiustimlnig zum Rabbiller in Friedes - Mi st e k geivählt worden. — Die Staatsanwaltschaft verfolgt steckbrieflich den wegen ansehnlicher Veruntreullllgerl von Gemeindegeldern uild sonstiger Betrugsfakten flüchtig gewordenen Bürgermeister von Altenmarkt im Triestinnythale. K a r l H a b e r f e l l ll e r , einem unverfälschten Arier und strammell Antisemiten. — b. Budapest, 6. Jlllli. Die „Corr. Hllllg." berichtet über eine Denkschrift, die Zeugnis; dafür ablegt, daß es trotz aller Versuche bisher llicht nur llicht gelungen ist, die K o n fe s s i v il e u in Ungarn zll verhetzell. daß diese vielmehr ill Frieden uub Liebe neben und miteinauder leben können, wenn man sie um* tu Frieden läßt. Die Gellieillde Erzsebetfalva in der 9tähe von Budapest zählt 20 000 Einwohner, darunter sind 14 000 römisch-katholisch, der Rest Lutheraner, Reformirte und Jllden. Diese vier Konfessionen (eben so sehr in Frieden nebelt- und miteinander, daß sie sich sogar zilsammengethan haben, llm genteillschaftlich vier Kirchen, mtd zwar sür jede der vier Konfessionen je eilte, zu batten lind das sür die Kircheubanten nothlveildige Geld gemeinschaftlich anfzubringen. In einer Denkschrift lvetldet sie sich an die Negieumg lind „all alle jene, dettetl es schtver ans der Seele lastet, daß 20 000 Men schell in der unmittelbaren Nähe der Hatlptsiadt kein Gotteshalls besitzen." Es ist nämlich die Ausgabe, von Kirchenbauloosen geplant. Es sollen 1 250 000 Loose zu 1 Krone ansgegeben werden. Der Reinertrag dieser Lotterie ist nach Abzug der Gewittnste und Kosten mit 350000 Kronen allgenommen, lind für dieses Geld soll eine römisch-katholische, eine lutherische, eine kolvinische Kirche und ein israelitischer Tempel gebaut werden. So luie das auf diese Weise beschaffte Geld gemeinschaftlich seinem Zwecke zngeführt wird, so geschieht auch seilte Beschaffung gemeinschaftlich. Die Denkschrift ist voll den Vorständen aller vier Neligionsgellossenschaften unterschriebell. Interessant ist die nachfolgende Nebeneinanderstettung derjenigen Personell, lvelche die Sache unterstützen. Das Schriftstück zeigt neben den Millistern Wtassies (Kath.) tutd Hegedues (Protest.) zahlreiche Magnaten utld Reichstagsabgeorditete aller Konfessionell, neben dem Budapester Oberbürgermeister Marklls den Präsidenten Sigmund Kohner der Budapester Jsraelitetlgemeillde ltstv. Vertreten ist aber auch die Geistlichkeit. Hier stehen neben einander auf demselben Gesuche die katholischetl Bischöfe Paul Szmrecsanhi nitd Johann Jvankovics. die reformirten Bischöfe Aertalan Klill und Franz Gynratz, den protestalltischen Senior Datliel Bachüt und bcu Blldapester Oberrabbiller Dr. Sauluel Kohn. Sie alle haben sich vereiiligt ztl dem Werke, dessen Unterstützung sie gemeinschaftlich von dem Ministerpräsidenten Koloman Szell und dem Finanzminister Ladislaus Lnkacs sich erbitten und voraussichtlich auch erhalten werden. In der hauptstädtischen Bevölkerung hat dieses Zusammengehen der vier Konfessionen einen derart guten Eindruck gemacht, daß der größte Theil der Loose bereits gezeichltet ist, noch ehe die Erlaubnis; zur Ausgabe erlheilt ist. Rußland. L. T. Odesta, 1. Ill ui. In der letzten Nmilmer des „Woschvd" finben wir folgende Korrespolldeltz atts dem kleinen Orte Dobrolvelitschka (Chersoner Gouvernement) von dcm dortigen Korrespondenten Bell-Zioll: „Am 28. April lvar bei mts auf der Durchreise Se. Emillenz der E r z b i f ch o f v o n Chers o n und Odessa. I ll st i tt e. Eine Deplltatiotl der lokalen jüdischen Gemeinde begrüßte ihn mit Brod und Salz. Als aber ein Mitglied der Deputation sich an beu Erzbischof mit beu Worten wendete: „Ew. Eminenz! Die Dobrowelitscher jüdische