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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-08 · Heft 23 (8.6.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 23 (8.6.1900)
Date
1900-06-08
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 am besten ans der Aufzählung der zur Feier erschienenen Deputationen hervorgehen. Am frühen Morgen überraschte den Jubilar das Personal durch Darbringung eines Ständchens und Gesänge, welche von einem Mannergesangverein ausgesührt wurden. Bemerkenswerth ist, daß mit nur wenigen Ausnahmen das Personal mit seinen! Arbeitgeber alt geworden ist; ein Arbeiter ist fast 40 Jahre in der Fabrik beschäftigt, kein einziger der übrigen unter 20 Jahre in seiner Stellung. Als erste Deputation erschien alsdann der Dorotheenstädtische Bezirksverein, in dessen Vorstand der Gefeierte über 30 Jahre das Amt eines Schatzmeisters versieht. Die Abordnung unter Führung von Professor Schwalbe in Vertretung des behinderten Stadtverordneten Dr. Hermes überreichte ein prächtiges Blumenarrangement, und Professor Schwalbe würdigte in längerer Ansprache die dein Verein und dem Gemeinwohl gewidmeten groben Verdienste Adlers. Alsdann überbrachte im Anstrage des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Professor Philippson eine kostbare Adresse. Es erschienen ferner Abordnungen vom Verein selbständiger jüdischer Handwerker unter Führung von Herrn Herz, Verein zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler unter Leitung von Rechtsanwalt Holz, Verein zur Förderung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate, vom Personal der Fabrik, der Baukommission der jüdischen Gemeinde, vertreten durch ihren Dezernenten Herrn Netter, der Veranlagnngskonnnission, vertreten durch Herrn S o l in i tz, vom Verein der Stipendiaten des Vereins zur Förderung der Handwerke. Sehr zahlreich gingen ferner Glückwünsche und Depeschen ein, u. a. von Geheimrath Lazarus, der mit dem Jubilar lange Zeit im Vorstand des D.-J. G.-B. thätig gewesen ist, vorn Verein der Schlesier, vom Brüderverein, vom Magine Reim. In besonders wirksanier Weise feiert die Adresse des D.-J. G.-B. die hervorragenden Verdienste Adlers speziell auf dem Gebiete der Ausbreitung und Förderung des Handwerks unter den Juden, eine Aufgabe, für die der Jubilar der rechte Mann ist. das vorbildliche Muster der dem rechten Handwerksmaune eigenen Tugenden: Sachkunde, Hingabe der ganzen Persönlichkeit an den Beruf, Schlichtheit \n\b jenes bescheidene Selbstgefühl des Mannes, der allein eigenem Fleiße und dem Segen Gottes alles, was er ist und vermag, zu danken hat. Hunderte von jungen und älteren Glaubensgenossen sind, wie die Adresse ausführt, von dein Jubilar den körperlich uiid moralisch wenig fördersainen Beriifen, für die sie, einer durch die tausendjährige Unterdrückung geschaffenen Tradition folgend, bestinnnt waren, entrissen itnb auf dem ungewohnten Wege des Handwerks geleitet und bewacht worden mit einer Fürsorge, die von inniger Menschenliebe und von vielfältiger Erfahrung dessen, rvas Noth thut, zeugt. Begeisterung für die große Sache war es, die die des Handwerkszeugs gewohnte Hand mit gutem Gelingen die Feder führen ließ, und das Herz war es, das dein Munde Beredsamkeit gab, wenn es galt, vor aller Welt den Preis der Hände Arbeit zu verkünden. In der Adresse wird dem Wunsche, dem wir uns von ganzen! Herzen anschließen, Ausdruck gegeben, daß es dein Jubilar, gestützt auf den festen Stab seines Gottvertrauens, vergönnt sein rnöge. noch eine weite Wegstrecke rüstig und den Nachstrebenden ein treuer Führer weiter zu wandeln. L2 Berlin, 1. Juni. Professor Dr. Moritz Loew. dessen Hinscheiden nur bereits gemeldet haben, war von Fach Astronom. 1841 zu Mako in Ungarn geboren, machte er von 1861 bis 1864 seine Studien in Leipzig und Wien und promovirte 1867 in Budapest zürn Doktor. Er war in der Folge zuerst Assistent an der Sternwarte zu Leipzig. 1883 trat er mit dein Titel als Professor in die Stelle eines Sektionschefs beim preußischen geodätischen Institut ein. Bon Loews Veröffentlichungen sind zu nennen: „Elemente der Planeten", „Einfluß der verbesserten Sternörter auf die Polhöhen der Gradmessung in Ostpreußen", „Polhöhe von Helgoland", „Zur Theorie der Passageinstrnmente im ersten Vertikal", „Astronomisch-geodätische Ortsbestimmungen im Harz". „Polhöhebestinunungen im Harzgebirge, ansgeführt 1887—1891". y. Posen, 1. Juni. Eine Versammlung der Rabbiner unserer Provinz hat am 23. und 24. v. M. hier stattgefunden, uni über die Ertheilnng des jüdischen Religionsunterrichts zu berathen. Die Tagesordnung lautete wie folgt: 1. Gesichtspunkte für den Religionsunterricht, a) in organisirten Religionsschnlen, b) in staatlichen oder städtischen Anstalten, <•) für solchen, der von einzelnen Kultnsbeamten des Ortes, ck) für solchen, der durch auswärtige Lehrer oder Wanderlehrer ertheilt wird 2. Inspektion des Religionsunterrichts. 3. Wanderpredigten. 4. Ausbildung von Kultnsbeamten. 5. Anbahnung von Beziehungen zwischen den beiden Gemeindeverbänden der Provinz. 6. Verabredung, betreffend gleichzeitige talniudische oder andere wissenschaftliche Studien und den Austausch der Ergebnisse auf brieflichem Wege odererneuten Zusammenkünften. Ein Bericht über die Versammlung wird!vohl noch erscheinen. 0 Schlimm, 2. Juni. Der Bericht über die rituelle Verpflegung der jüdischen Insassen des L a n d a r rn e n h a u s e s Hierselbst, in der Zeit vom 1. Mai 1899 bis znm 30. April 1900 meldet, daß 51/2 Monate hindurch je 4 Personen und 61/2 Monate je 3 Personen verpflegt wurden. Die Einnahmen betrugen 877,20 Mk.. die Ausgaben 853,90 Mk. Den Spendern spricht Rabbiner Dr. Barnberger zum Schlüsse für die Förderung des verdienstlichen Werkes seinen Dank aus. indem er gleichzeitig um Uebermittelung von Beiträgen pro 1900/1901 ersucht. Diese Landarmen sind unglückliche Menschen, die in hohem Grade unser Wohlwollen beanspruchen können. 11. N. Breslau, 2. Juni. Die, wie Ihnen bereits bekannt, vor längerer Zeit von berufener Seite gegebene Anregung, hier ebenfalls einen Verein „Israelitisches Lehreriunenheim" ins Leben zu rufen, hat in den weitesten Kreisen unserer Glaubensgenossen die lebhafteste Theilnahtne gefunden, die sich bethätigte, als eine stattliche Anzahl schon namhafte Beiträge zeichnete, noch ehe sich der Verein konstituirte. Gestern Abend fand eine Versammlung statt, in welcher die Gründung des Vereins beschlossen wurde. Nachdem Frau Hedwig Manasse die Anwesenden begrüßt hatte, legte Herr Professor Badt in warmen, beredten Worten noch einmal Zweck und Ziel des zu gründenden Vereins klar. Hierauf erfolgte die entgiltige Feststellung der Satzungen, indem der bereits vorhandene Entwurf vielfach verbessert wurde. Hiernach werden als ordentliche Mitglieder in den Verein Lehrerinnen und Erzieherinnen jüdischen Glaubens ausgenommen, lvelche aus Schlesien stammen oder dort wirken, die Befähigung für den Unterricht Nachweisen und 4 Mk. jährlichen oder einen einmaligen Beitrag von 150 M. zahlen. Wohlthäter wird, wer 3000 Mk., Stifter, wer 10000 Mk. einlnaligen Beitrag zahlt. In den Vorstand wurden gewählt: Professor Dr. Badt, Dr. n,ed. S. Freudenthal, Lehrerin Luise Freyhan. Rabbiner Dr. Gnttmaim, Frau Herrmann Hamburger, Dr. jur. Georg Heimann, Rentiere Rosalie Hirschel, Schulvorsteherin Elise Höniger, Fräulein Regina Landsberg, Frau Direktor Manasse, Frau Rechtsanwalt Ollendorf Fräulein Urbach, Fräulein Stiebet, Bankier Albert Holz, Frau Anna Leipziger, als Rechnungsrevisoren Kaufmann Max Königsberger und Kaufmann Rosengarten. — Am 30. vorigen Monats ist hier Frau Professor Mar ie Grätz, die Wittwe des jüdischen Historikers, im 74. Lebensjahre nach langen Leiden gestorben. Sie war ihrem Gatten eine treue und unermüdliche Genossin; eine Frau von großen Gaben des Geistes und des Gemüths. Ihr Andenken bleibe in Ehren! ■4- Magdeburg, 1. Juni. Der Shnagogen-Geweinde-Verband der Provinz Sachsen hielt am 20. v. M. hier einen Gemein de tag ab. Als Delegirte ihrer Genleiuden waren anwesend die Herren Marknse- Schönebeck, Redelmeier-Halberstadt. Krojanker-Burg, Meyer-Stendal. Blumeuthal-Egelu, Bernhard-Tangermünde, Sernau-Halle, Hirsch-Halle. Rabbiner Dr.Feßler-Halle. S.Siuger-Magdeburg. Rechtsanwalt Lichtwitz- Magdeburg. außerdem Herr Sudheim-Aschersleben sowie eine Anzahl außerordentlicher Mitglieder. Herr Singer eröffnete die Versammlung und erstattete Bericht über die bisherige Thätigkeit des Verbandes, hebt hervor, daß in den Gemeinden Burg, Nenhaldensleben. Tangermünde und Wernigerode Religionsunterricht eingerichtet worden ist und daß eine solche Einrichtung in Merseburg, Zeitz und Zahna demnächst getroffen werden wird. Im Laufe des Geschäftsjahres haben vier Sitzungen des engeren Ausschusses stattgefunden. Der Vorsitzende dankte den Herren Rabbinern für ihee bisherige Mühewaltung, insbesondere dem anwesenden Herrn Rabbiner Dr. Feßler-Halle für seine besondere Bemühung wegen Beitritts noch fernstehender Gemeinden zu unserem Verbände und schloß mit dem Wunsche, daß der Verband sich weiter segensreich entwickeln möge. Hieraus folgte der Kassenbericht, der von Rechtsanwalt Lichtwitz erstattet wurde. Zn Revisoren wurden gewählt die Herren Markuse-Schönebeck und Bernhard-Tangermün de. Es erfolgte nun die Festsetzung des Hauhaltsplans pro 1900,1901. Der vorn geschäftssührenden Ausschuß entworfene Haushaltsplan liegt zur Berathung vor. Die Positionen unter Einnahine wurden bewilligt. Bei Position 5 unter Ausgabe: für Inspektion des Religions-

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