Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-08 · Heft 23 (8.6.1900) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 23 (8.6.1900)
Date
1900-06-08
Page
Seite 271 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228389--56522-3292830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

271 " daraus? : gerühmt ten Gebete „Darauf/ g erlassene ir Freitag dergegeben Mark, für Dabei verlgang des tub Wür h gefördert g, die den er Gestalt eil vielfach sehe Gebete iner Iran wll fertige der Oberte und die gleich dem kann zur auf dem v herrscht, kann heu* rden? Er zur Hand: ' orthodor,;ster! Das t durchweg zelten, sind lnd dahin Oderrat!) j'en Macht, rr, da wo r reichlich, rfdrängen. Weise der rers seiner wird nielu tlslmterricht schichte und ern daß die lernen; er t heilt wird, rd dazu beug für die ernnng der ch das Verdes Gebetiß in dein l Schulen, mdere he- 1 Hebräisch Richtung.;en wollte Zahl von zenstunden Hebräisch gelernt, sondern auch von Solchen, die bis 31t ihrem 18. oder 20. Jahre weit intensiveren hebräischen Unterricht — sogar im Talmud bei nnbezweifelt orthodoxen Lehrern — genossen haben, ja gerade die des Hebräischen Kundigerr am allermeisten, an dem altherkömmlichen Gottesdienst und Gebetbuch Ansstellnngeir zu machen haben. „Vor Allein" aber hat der verehrte Herr bei seinem Verbesserungsvorschlag das weibliche Geschlecht ganz anher Acht gelassen, voll dessen religiöser Erziehnng doch die religiöse Haltung der künftigen Geschlechter ganz vorwiegend abhüngen wird. Einen so tiefen und weiten Blick bekundet der badische Rabbiner, der die oberste badische Religionsbehörde meistern will! Natürlich versteht der Oberrath auch von dem Wesen ulld Zweck einer Enquete ganz ulld gar nichts. „Ueberhaupt," so belehrt ihn der badische Rabbiner, „mrlsi der Gedanke einer solchen Umfrage als gällzlich verfehlt bezeichnet werden, wo es sich im wesentlichen um Empfindungen handelt." Der Herr weis; also nicht, lvie sehr man im praktischen Leben mit den Elllpfilldrlngen des Volkes, sogar mit ganz grundlosen und verkehrten, 31t rechnen hat. Ueberdies ist gerade durch die den! einzelnen Fragen hinzugefügten Probebeantworlungen darauf l hingewiesen, daß es nicht genüge zu sagen: dieser Gottesdienst! macht einen erbaulichen, jener einen weniger erbaulichen Eindruck, sonderrr das; die diese Eindrücke hervorrufenden Thatsachen irnd Vorgänge anzngebeil feien. Auch voll den Persönlichkeiten, an die die oberräthliche Ulnfrage gerichtet ivorden ist, hat unser Rabbiner eilte recht schmeichelhafte Meinung: es finb „Leute, die gewöhnlich bei ihren! ausschließlich ans das Materielle gerichteten Streben für derartige Dinge überhaupt nur ein lninilnales Verständnis; besitzen." Mit Verlaub, gestrenger Herr! Zur Aeußeruug fiud überhaupt nur solche, vorzugsweise der jüngeren — also für die künftige Entwickelung maßgebenden - Generation angehörende Männer und Frauen veranlaßt worden, bei welchen nach ihrer Herkunft und religiösen Erziehung besonderes Verständnis; für die in Betracht konnnenden Fragen vorausgesetzt loerden konnte und von denen zumeist auch bekannt ist, daß sie regelmäßig um kirchlichen Leben theilnehmen, also zll den konservativeren Elementen gehören. Auch auf orthodoxe Persönlichkeiten hat sich die Erhebung erstreckt, und es sind gerade auch von solchen Aenßerungen eingelanferl, die Beachtung vcr-! dienen und gewiß finden loerden, obgleich die orthodoxen Kreise J von den auf Gebetbuch lmd Gottesdienst bezüglichen Arbeiteil des Oberraths gar nicht berührt worden, da derselbe dabei lediglich diejenigen Gemeinden im Auge hat, in denen schon jetzt reformirter Gottesdienst eingeführt ist. Und auch in solchen Gemeinden wird, wenrl dereinst die Gemeindeorgane die Einführung des vom Oberrath herausgegebenen Gebetbuchs beschließen sollten, jeden! Einzelnen überlassen bleiben, ob er dieses oder irgend ein anderes benntzell will. Uebrigens liegt die Schaffung des von den! badischen Rabbiner gefürchteten Gebetbuches noch in weitem Felde. Schon Jahre lang beschäftigen sich die theologischen Mitglieder des Oberraths zunächst mit der Durchsicht des hebräischen Textes von Siddur und Machsor; wann sie damit zu Ende sein werden irnd lvie alsdann das Plenum des Oberraths sich zu den Ergebnissen stellen wird, weiß noch Niemand. Mit der besondere Schlvierigkeitell bietenden deutschen Uebertragung, die dem hebräischen Texte beigegeberr loerden soll, sind sie bis dahin überhaupt noch nicht befaßt worden. Sind alle Vorstadien glücklich durchlaufen, wird erst noch der Entwurf des neuen Gebetbuches der öffentlich eit Beurtheilnttg unterbreitet werden, liitb unser Rabbiner wird sich dann um das Werk wirklich verdient machen, wenn er alle Schwächen desselben schonungslos ausdeckt — je schneidiger, desto daukeuswerther. Erst lvenn alle wesentlichen Anstände beseitigt scheillen, lvird der Oberrath wagen dürfen, das Werk vor die Synode zu brillgen, wo ja der badische Rabbiner oder seine Gesinnungsgenossen wiederum es nicht an gründlicher Kritik fehlen lassen loerden. Es lvird sicherlich eine sehr interessante Verhandlung geben. Aber mindestens bis zur übernächsten Synode werden sich die streitfertigen Herren noch geduldet! müssen. Ueber einige minder erhebliche Bemerkungen unseres „badischen Rabiners", lvie z. B. die, daß er die Seelenfeier (Haskomtli nescliomotli), die doch ein Ausfluß der Pietät für die Verstorbenen ist, als Produkt der Angst vor dein Tode hinstellt, wollen wir den Mantel der Nächstenliebe decken. Nun komnten wir aber noch 311 einem Hauptpunkte. Gegen die schlichte Dame A des Fragebogens, die wahrheitsgemäß mittheilt, daß die häufige Wiederholung derselben Gebete in einem Gottesdienste oder an mehreren Tagen desselben Festes ihrer Andacht nicht förderlich sei, führt der hierüber sehr unwirsche Herr Rabbiner den Talmud ins Gefecht, nämlich den Satz der Mischna (Berachoth 28 Ir.) : murin inPan j\s i-p ntnrn Zu diesem Satz, den er also übersetzt: „Wer fein Gebet als etwas Bestimmtes, Festgesetztes betrachtet, dessen Gebet ist kein inniges Flehen", zitiert er die Stelle der Gemara (20!>), die den Ausdruck mit den Worten -QN 12 ennb bw nw bz erläutert. Letzteres giebt unser Rabbiner also wieder: „Wenn er nichts Neues darin sagen kann, lvenn ihln das Gebet immer als dasselbe erscheint, lvenn es nicht der Ausdruck seiner innersten Empfindungen ist." Er unterstellt also als Ausspruch des Talmud: Die Gebete sollen der Form, dem Körper nach immer dieselben sein, aber der Betende rnuß sie jedesmal mit neuem Geist erfüllen — so wie es der geehrte Herr voll unseren Alten rühmt: „Die Gebete waren ihnen nur die Form, in der sie ihre jeweiligen Gefühle zum Ausdruck brachten." Nnn habe ich allerdings in meiner Jugend einen alten, frommen Mann gekannt, der z. B. das Esehu mekomon1) mit größter Andacht betete; er verstand kein Wort davon und eben deshalb war es ihm möglich, „seine jeweiligen Gefühle" hineinzülegen. Unser Rabbiner hat aber sicherlich nicht solche Unwissende, sondern mit vollen! Verständnis; der hebräischen Gebetsworte ausgestattete Beter im Auge. Von diesen kann ich mir aber nicht recht vorstellen, wie sie in ein bestimmt sormuliertes Gebetstück jedeslnal andere Gedanken und Empfindungen hineinlegen sollten. Dem einfachen Manne aus dem Volke kann derartiges gewiß weder zugemuthet noch zugetraut werden. Aber auch der geistig Höherstehende wird ini täglichen Leben nur dann die Möglichkeit haben, momentane subjektive Empfindungen lz. B. Trauer über einen Todesfall, Freude über ein glückliches, Furcht vor einem drohenden Ereigniß) mit einem Gebetstück in Verbindung zu bringen, lvenn dazu besonderer äußerer Anlaß gegeben ist; in der Regel lvird man auch von ihln nicht mehr verlangen können. 0 Talmudische Erörterung darüber, an lvelchen Stellen des Tempels die verschiedenen Opfer zu schlachten waren. I jji i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.