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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-08 · Heft 23 (8.6.1900) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 23 (8.6.1900)
Date
1900-06-08
Page
Seite 269 (sequence 7)
Language
German
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269 n, 6. Juni. mein intert Schreiben: ter dem Titel ht nur lebhaft , daß infolge lssion entfacht »rfasserin, der lhafter Weise ) auch noch neu ich theilruch noch als e Eltern aufi Ehe zu Dev* i# und wird auf hin, bafe de. doch das achenden Ehe \ eine schließt ieue Mädchen lsrau werden, fraglos ist sie ist oft verwelchen Ehen ein fein emhlungen von ß immer an rnders wenn >ten werden; Gatten. Tie * zu können! rer und der einander gehr. wenn die r besitzt! Wie zupassen. sich Folge jener triefe an die scheint; und ie Forderung lng zu gebenewiesen habe, Berufszweige en annimmt, s. Zt. nicht ten und Erdie meinigen men, daß in en mich seit icht nur zunur zahlende thätige Mit- Gedanke der irchaus keine an leitender legenheit, in eim als die rt zu finden; rr in Danzig " und dürste rrlahmt sein.!. zu nennen, Aochum einen eS daher nur land jüdische Frauen als Vorstandsdamen wirken/ und nicht bestrebt sind, oder die Macht besitzen, ihre Mitschwestern in ihren: Sinne zu regerer Theiluahme an den Interessen für Frauenwohl zu beeiustussen. Hier in Breslau und auch in Berlin herrscht das beste Einvernehmen in den Frauenvereinen zwischen den Mitgliedern der verschiedenen Staude und Konfessionen; da sitzt neben der christlichen Professors-, Lehrer- oder Beamtenfrau die jüdische Kaufmannsgattin, die Lehrerin und weibliche Angestellte, sie alle fühlen sich „ein einig Volk von Schwestern", empfinden mit Genugthuung im Dienste der Frauenfrage zum allgemeinen Besten je nach ihren Kräften zu wirken, und sie alle diskutieren über das, was ihren Mitschwesteru frommt. Seien wir froh, daß wir nicht gezwungen sind, auch hier, wie auf anderen Gebieten Sondervereinignngen jüdischer Frauen zu bilden, seien wir gerecht, mildem wir stets in Dankbarkeit eingedenk bleiben, daß christliche Frauen vorbildlich uns die Anregung zu Gründungen gegeben haben, die jüdische Frauen in jüngster Zeit in Gestalt von Instituten zur Heranbildung jüdischerKrankenpflegerinnen, „Israelisscheu Lehrerinnenheimen" u. s. w. ins Leben treten ließen! Und so betrachte ich es mindestens als kein Unglück, daß die jüdischen Frauen unter den Trägerinnen der Frauenbewegung nicht für jüdische Sonderiuteressen eingetreten finb. Wohl sind Jüdinnen als Telephon- und Telegraphenbeamtinnen, als Angestellte der verschiedenen Behörde:: nur in Ausnahmefätten zu finden, diese Stellen find zumeist nur den Töchtern von Beamten zugänglich. Hier in Breslau kenne ich eine jüdische junge Dame, die seit einigen Jahren an der Schlesischen Altersversicherungsanstalt in befriedigender Stellung wirkt, und auch im städtischen Bibliothekdienst sind jüdische junge Mädchen beschäftigt. Was würden hier Petitionen, die auf Anregung dieser Damen von den von ihnen geleiteten Vereinen ausgingen, nutzen? Wie über so viele andere, von autorativer Seite gestützte, würden die Behörden auch darüber zur Tagesordnung übergehen. Daß in Fällen, wo es dringend noththut, alle Frauen auch im Interesse der jüdischen Damen einig zusammen stehen, das hat die Berliner Petition in Sachen der städtischen jüdischen Lehrerinnen genugsam bewiesen! Durch das, was die jüdischen Führerinnen der Frauenbewegung im allgemeinen Interesse, in: Interesse der gesa:nmten Frauenwelt geleistet haben, daß sie allen ihren Mitschwestern Wege zur Erwerbsthätigkeit erschlossen, gebahnt und geebnet haben, haben sie sich ein unbestreitbares Verdienst erworben und ihren Glaubensgenossinnen damit mehr genützt, als sie ihnen hätten nützen können, wären sie einseitig und doch zwecklos für diese eingetreten. Schwer ist schon der Kampf der christlichen Frau im Erwerbsleben, uoch bei weitem schwerer der der jüdischen Frau; aber wo das Streben aller Frauen dahin gehl, dem Manne gleich gestellt zu werden, muß besonders die jüdische Frau stets der Kämpfe eingedenk sein, die der jüdische Mann in seinen: Berufsleben zu bestehen hat. Wohl muß auch sie streben, die Zustände bessern zu helfen, aber vorerst heißt es, sich in gegebene Zustände fügen, in der zuversichtlichen Hoffnung aus kommende günstigere, daß in nicht zu ferner Zeit den Juden, ob Mann ob Weib, mehr und mehr Berufszweige eröffnet werden dürften! Jedenfalls geht ein frischer Zug durch die jüdische Frauenwelt; „es erwachen die Geister", und allmälig wird es mehr Licht. Regina N e i s s e r. Daß der jüdische Mittelstand, denn nur dieser kann bei der Ausrottung der Frage in Betracht kommen, die Tochter zumeist für die Ehe erzog und noch erzieht, ist eine betrübende Thatsache; ich weiß auch aus eigener Beobachtung, daß durch die leider zu oft beschleunigte und leiustfertige Wahl der Gatten viel Unglück hervorgerufen wird, sei es. daß der vor dem geschäftlichen Zusammenbruch stehende oder in der Ehe enttäuschte Mauu seine Familie nächtlicherweile verläßt und diese der Gnade seiner Schwiegereltern oder edler Menschen oder der Gemeinde preisgiebt; sei es. daß die Familie mit ihm der einen oder anderen Partei der Eltern zur Last fällt. Jndeß, das ist das Schlimmste noch nicht. Humanitäre Institutionen und edle Menschen bringen gern Opfer, u:n unverschuldet oder durch ungünstige Zeitverhältnisse ins Elend Gerathene vor dem Aeutzersten zu bewahren: Erziehungsanstalten und Waisenhäuser nehnien bereitwillig erziehnngslose Kinder auf. Hier kann eben noch geholfen werden. Die traurigste Erscheinung der Gegenwart aber ist, daß so viele der für die Ehe erzogenen Töchter ohne Bedenken sich Andersgläubigen verbünden und hierdurch Schaden anrichten, der nicht ausgeglichen werden kann, Linen Mischmasch Hervorrufen, der den zur Erhaltung deS Judenthums Berufenen bedenklich wird. Im Osten Deutschlands — ich mag die Gegend nicht genauer fkizziren — ist :::an besonders tolerant in diesem Punkte. Und dabei verschlägts nicht, daß all zu oft das „dicke Ende" folgt; nur versorgt sollen und wollen unsere Mädchen sein. Die jüdischen jungen Leute überlegen zu lange, sind zu wählerisch. Um ihnen nun zu zeigen, daß es auch ohne sie geht, verlassen sie das Elternhaus — doch nein! das begünstigt ja ihre Absicht — verlassen sie ihren Glauben und schädigen ihn aufs Empfindlichste, weil sie ihn an der Wurzel treffen. Wie kommt es nun, daß die in Rede stehenden Töchter fast ausschließlich für die Ehe erzogen werden? Etwa aus Scheu vor der Arbeit? Keineswegs! Die Mädchen werden getreu nach den: salomonischen „Rezept zur Erlangung einer tüchtigen Hausfrau" herangebildet, und dieses Rezept verlangt Arbeit. Ja, der Mädchen, die eine Mischehe eingehen, wartet zumeist ein gut Stück häuslicher Arbeit. Es ist also nicht die Scheu vor der Arbeit im allgemeinen, sondern „falscher Stolz" und „falsche Sch am", die die Arbeit im öffentlichen Leben für etwas Unwürdiges hält. In der westlichen Hälfte Deutschlands habe ich sattsam erlebt, daß die Eltern ihre Töchter lieber alte Jungfern werden lassen, eher mit ihnen ein kärgliches Dasein fristen, als daß sie sich entschließen würden, sie für einen bestinnnten Beruf ansbilden zu lassen. Schneiderin? Das ist nicht fein genug; auch würde das arme Kind das ewige Sitzen nicht aushalten. Und dann: bei Frau N. N. nähen gehen? Wie würde die uns über die Achsel ansehen! Unser guter Ruf! Diese Schande! Gärtnerin, Photographin? So etwas „Neumodisches " können wir nicht rnitmachen; überdies würde unsere Tochter an: Sabbath arbeiten müssen. Krankenpflegerin? Geziemt sich das für unseren Stand? Für ein jüdisch Kind so etwas klösterliches? Wo ich autastete, welchen Beruf ich vorschlug. überall gab's Einwände. Einwände, die sammt und sonders der Furcht entstiegen, es könnte bei den Bekannten der Verdacht erweckt werden, als seien sie nicht in der Lage, ihre Kinder zu ernähren; es könnte der Nachbar 3i oder V oder Z ungünstig über ihre Lage denken, sie gesellschaftlich umgehen. Dieser „falsche Stolz", diese „falsche Schau:", die ich bis zum Ueberdruß habe kosten müsse::, sind die Ursache, weshalb die Mädchen nur für die Ehe erzogen werden. „Von allen Fehlern und Untugenden der Kinder sollen Eltern und Lehrer zuerst den Grund in sich suchen" sagt ein bedeutender Pädagoge; deshalb soll es nur auch nicht beikomme::, die Schuld für diese Mißstände den Eltern allein anfbürden zu wollen: auch die Schule ist an ihnen nicht ganz unbetheiligt. Anstatt die Mädchen aufs eingehendste mit der Vorschrift über „Tewilas kelim" oder mit dem „Fleischsalzen" vertraut zu machen, anstatt sie „beispielsweise mit peinlich-genauer Instruktion über das „Challonehrnen" zu versehen, könnte die Schule etwas besseres thun. Ja, ich bin der Meinung, daß sich bei der Besprechung der letztgenannten Observanz ein Einfluß nach der „ethischen" Seite hin üben läßt. Das „Challonehmen" soll das Opfer der Bodenerzeugnisse versinnbildlichen. Gar leicht ist da ein Fingerzeig ans die ackerbautreibenden Juden des Alterthurns möglich, ein Hinweis auf die hohe Bedeutung, den Werth der Arbeit, wie ihn Bibel, Talmud und die Weisen Israels, die neben der Verbreitung der Gotteslehre ihr Handwerk geübt, zum Ausdruck zu bringen. Da ist die Schilderung am Platze, nvie unsere Ahnen nach und nach von der segenbringenden, den „Bürger zierenden" Arbeit ferngehalten wurden, wie aber der Kampf ums Dasein und der Kampf mit nuferen Feinden heute zur Arbeit drängt. Adam und Eva sollten den Garten Gottes bearbeiten; Mosis Gebot: sechs Tage sollst du arbeiten, erstreckt sich nicht nur auf das männliche Geschlecht; Beim Bau der Stiftshütte haben die Frauen außerordentliches durch die Teppichwirkerei geleistet: i!

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