Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 263 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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263; frommes dem Tode det." Kopfnicken 'em Kopf : zitternde, müber beaber, als n Blick in geordnet einere he mchtfchim richtend, Freunde. Stunden vertiefte, ns. Wenn, ist meines die Well durfte ick r, als ob Herr, diese in lichten; ehemals efen, aber eindfchaft, .her nack :'s ist NUN »berufene die Klaus : ein, das terbrechen lisseuhafte e er mn Ausdruck ter ihren! nt dieser' er diesen! »etretet es ebe, dar' rrste, den: - er birgt. mretz derr rach oben mmer zrr chwarzen! slicht nur rsterlädeu Nenschen- :s Tscher- :, weißen Kleide. Doch nur die Kleidung beider Gestalten war zu schauen; statt des Gesichts sah man bei dem Weibe einen duftigen weißen Schleier, bei dem Tscherkessen ein in lose Falten gelegtes, schwarzseiderres Tuch, auf das eine Uniformmütze gestülpt war. Ueber dern Schleier der weiblicherr Gestalt lag ein verwelkter Myrthenkranz.- Den alten Schammes durchrieselte ein kalter Schauer beim Anblicke dessen, was sich hier seinen Augen darbot, und er beeilte sich, das Zimmer zu schließen und zu Esther zurückzukehren. Bei seiner Rückkehr rief sie ihm entgegen: „Nun, Schammes, habt Ihr Euch das Zimmer angesehen und das, was es birgt?" — „Ja," entgegnete der alte Manu bebend, „doch was soll dies alles bedeuten?" — „Zunächst höret meinen Wunsch," erwiderte Esther, „beit ich als zweiten und letzten vor Euch ausspreche; dann sollt Ihr Aufklärung über alles erhalten. Ich verlange aber, daß alles genau so ausgeführt werde, wie ich es fordere. Ich wünsche, daß man mich im Tode mit jenem Kleide und Schleier schmücke und mir auch den welken Myrthenkranz aufs Haupt setze. Lebend durste ich mich nicht öffentlich mit ihnen schmücken, so mögen sie denn den toten Körper vor aller Welt Zieren. Aber auch jene Uniform lege man neben mich in den Sarg!" — „Die Uniform?" fragte erstaunt der Schammes. „Ja, auch im Tode will ich mich von ihr nicht trennen, denn sie ist das theure Andenken an einen heißgeliebten Mann. Der grausame Tod trennte uns einst, jetzt wird er uns wieder vereinen! Meinem leiblichen Auge war der Geliebte entrückt, doch mein Geist erschaute ihn täglich in seiner lieblichen Gestalt. Unsere Seelen hatten sich eng verbunden, ich war und ich bin seine Braut, und bald, bald werden wir uns in den ewigen Gefilden der Seligkeit vermählen!"- „Weiß denn die Welt," fuhr die Sprechende nach einer Weile, traumverloren ins Weite blickend, fort, „was mich bisher bekümmert hat? Kennen wohl die Menschen mein Leid und Trübsal seit vielen Jahrzehnten?" — Und Esther erzählte nun dem alten Schammes mit schwacher Stimme ihre Liebesgeschichte, offenbarte ihm ihre Herzensgeheirnnisie. Und der Schammes, der mit zunehmender Spannung den Worten der Erzählenden geraume Zeit gelauscht, unterließ es nicht, den Bewohnern der Judenstraße, sowie allen, die es sonst hören wollten, das Vernommene in Verbindung mit dem, was ihm selbst schon bekannt war, wieder zu erzählen. Vernehmen auch wir jetzt die Geschichte der Tscherkessenbraut. (Fortsetzung folgt.) Besuch bei einer Hundertjährigen. Von Lina Morgenstern. (A^i^achdem durch die Tageszeitungen bekannt geworden, daß eine frühere Köchin, die unverheirathete Friederike Wolfs, ihren hundertsten Geburtstag am 12. Mai gefeiert habe, nachdem sie bis zum 75. Lebensjahr, treu ihrem Beruf, sich im Hausdienst das tägliche Brod erworben, seitdem aber einsam auf sich angewiesen ein ärmliches Dasein friste, beschloß der Berliner Hausfrauenverein, der Jubilarin auch eine Freude zu bereiten durch monatliche Unterstützung aus der Lina Morgenstern-Stiftung. Schon zur Feier des Geburtstages der Veteranin waren drei Herren zu einem Komitee zusammengetreten, die eine Geldfammlung mit Erfolg veranstaltet und Fräulein Wolff mitgetheilt hatten, daß sie nun von diesen: kleinen Kapital je nach Bedürfniß Beträge erheben könne. Bis dahin nämlich war die Greisin nur auf die Unterstützung der jüdischen Gemeinde angewiesen, die ihr feit billigen Jahren monatlich 25 Mark gab. An: Hunrnelfahrtstage begab ich mich mit Frau Baumeister Klara Rudloff zu der Hundertjährigen. „Eine Treppe auf dem Hofe links wohnt Fräulein Wolff", erhielten wir auf unsere Frage im Hause Schwerinstraße 7 zur Antwort. Auf unser Klopfen an der Thür öffnete eine Frau von untersetzter kleiner Gestalt und gutmüthigem Gesicht, die wir höchstens für eine Siebenzigjährige gehalteir hätten. „Meine Damen, welch' unerwarteter Besuch. Bitte, treten Sie näher und entschuldigen Sie, wie ich und mein Stübcheil aussehen, aber bei diesem strömenden Reger: habe ich Niemand erwartet. Ich war eben beim Aufräumen." — Wir traten durch ein dunkles kleines Entree, das zur Küche mit blinkendem Geschirr ar: den Wär:den eingerichtet war, in ein Stübchen, so errg, daß, als ich auf dem alten kleinen Sopha Platz nahm — und Friederike Wolff auf ihrem Bett — unsere Kniee ar:eü:ander stießen r:nd Frau Baumeister Rudloff mit ihrem Stuhl den Gang versperrte. Am geöffneten Fenster prar:gten aber die blühenden Pflanzen auf dem Blumenbrett — die noch vom Geburtstage her dem kleinen, mit den lwthwendigsten Möbeln ausgestatteten Raum ein freundliches Ansehen gaben. Nachdem wir unsere Namen und den Zweck unseres Besuches genannt und die freundliche Greisin ihre Freude und ihren Dank geäußert, erzählte sie auf unsere Bitte mit kräftiger Stimme, lebhaften Geberden, untermischt mit humoristischen Bemerkungen, über die wir ebenso wie über ihre drastischen Darstellungen herzlich lachen mußten, aus ihrem Leben. Unser Erstaunen wuchs, als die Alte, ohne zu ermüden, wohl eine ganze Stunde erzählte, manchmal ganz dramatisch werdend. Ich berichte das, was im allgemeinen interessiren dürfte. „Ich bin im Herzogthun: Posen 1800 geboren. Mein Großvater war ein großer Schlächter, er starb, als ich vier Jahre alt war. Mein Vater bekam das Geschäft. Ich hatte viele Geschwister, und ich war die älteste, aber von Lernen war keine Rede. Ich verstehe heut noch nicht zu lesen und zu schreiben, denn ich hatte später auch keine Lust, es zu lernen." „So lassen Sie sich wohl manchmal vorlesen," unterbrach ich sie. „Nein", antwortete Friederike, „was geht mich an, was in der Welt vorgeht. Ich habe immer im Leben n:eine Arbeit gehabt und mich dabei zufrieden gefühlt! — Meine Eltern waren sehr wohlthätig, und für Arme gab es bei uns immer Freitisch! — Dann kam eine traurige Zeit. Ulster Haus brannte in einer Nacht ab. Meine Mutter war gerade Wöchnerin, man entriß sie mit ihrem Kindlein dem Feuertode, unb auch wir wurden im Hemde aus den: brennenden Hause gebracht. Von Versicherung war damals keine Rede. Wir verloren alles Hab u::d Gut. Seit der Zeit herrschte bei uns Armuth, ich und n:eine Geschwister mußten a::s Brotverdieuen denken. — Als ich zwanzig Jahre alt :var, sagte n:ein Vater, „Du mußt in der: Dienst gehen, wir können Dich nicht weiter erhalten." Gelernt hatte ich nichts, als von meiner Mutter wirthschafte:: und gut kochen. So vermiethete ich mich nach Bromberg und nach