Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1900)
- Date
- 1900-06-01
- Page
- Seite 261 (sequence 11)
- Language
- German
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261 1782 gestattete er dem Moses zwar die Fertigstellung jenes einen Schiffes, da ihm solche schon von dem Admiralitätskolleg in Königsberg erlaubt worden sei; künftighin sei aber keinem Zuden ein Schiffbar! ohne besondere Erlanbniß des Generaldirektoriums (Ministerimrrs) freizugeben. In der That, als Moses im Oktober 1782 mit Hinweis auf das viele Holz, das er noch besitze, um die Erlanbniß nachsuchte, ein zweites Schiff;u darren, wurde er abschlägig beschiederr, da solches „zunr Nachtheil der Rhederei der christlichen Kausleute diene." Also oas Recht des Stärkeren wurde hier im Namerr des Staates geübt, dessen Aufgabe doch gleiches Recht für Alle sein sollte! Es wurde wirklich noch dreißig Jahre lang den Königsderger Juden nicht allein der Bau, sondern auch die Veroeudung vonSchifferr ans eigene Rechnung konseqrrent unmöglich gemacht, selbst unter den Regierungerr der weniger vorurtheilsollen Könige Friedrich Wilhelm II. urrd III. Theils sprach marr ne lieberrswürdige Ansicht aus (1800): „Durch die bisher unerhörte urrd ungewöhnliche Einmischung jüdischer Theilhaber in ine so wichtige Branche von Geschäften" werde das Ansehen der preußischen Schiffe im Auslande vermindert werden (!). Theils aber kam ein königliches Reskript vorn 17. Juli 1801 zu dem Zchliisie: Das Recht, Rhederei für eigerre Rechnung zu treiben, gehöre zu den rrnbeweglicherr Gütern, und diese für eigerre «Rechnung zrr erwerben, stehe derr Juderr nicht ohne ausdrückiche Konzession zrr! Erst als das alte Preußen irr derr beispiellosen Niederlagen per Jahre 1806 und 1807 zusammerrgebrochen war, gewährte ms bekannte Inden-Edikt vom 11. März 1811 den Jsraeliterr Preußens in diesern roie irr allen anderen Zweigen des Gewerbes und Handels die Gleichstellung mit ihren christlichen Mitbürgern. Jas Iudenthum in der Musik im 19. Jahrhundert. Von Dr. Adolph Ko Hut. 8 111. nter derr italienischen Komponisten der Gegenwart, welche durch ihren Melodienreichthrrnr rrnd die Eigenart ihres Schaffens die Aufmerksamkeit aller Kunstfreunde rricht nur in ihrem Vaterlandesorrderrr auch weit über >ie Grenzen desselben hinaus auf sich gelenkt haben, und dererr Epern auch in Deutschland vielfach gegeben werden, nennen oir vor allem den Baron Alberto Franchetti, einen verhältnißrräßig rroch jungen, jüdischen Komponisten von großer Zuunft. Seine Oper „Asrael" z. B. wurde in Berlin, Dresderr, Hamburg und anderen Städten mit besonders großenr Erfolg rufgeführt. Merkwürdigerweise hatte auch für Franchetti der eligiöse Stoff, den er musikalisch illustrirte, einen besonderen ^eiz. Der Held seines Librettos „Asrael" ist ein gefallener Engel, ein Dämon, der sich nach seiner himmlischen Gattin Nephta" sehnt, urrd der von Beelzebub Urlaub erhält, nochmals zur Erde zrr gehen. Seine Oper ist voll von schwebenden Engeln, singenden Evangelisten, heiligen Märtyrern und oosaunenden Erzengeln. Was die Musik des Komponisten betrifft, so zeugt sie von dem starken Talente, der Melodienfreudigkeit und dem Geschmack des Meisters, dessen Musikmalerei großen Stils wohl Wagner als Vorbild anerkennt, ihn aber nicht blos nachahmt, sondern mit eigenen Ideen verbindet. Namentlich das Inferno, die höllischen Tänze, sind geistvoll und originell, sowie die sphärische Musik im Himmel mit Orgel und Harfe oder n capella. Bedeutsam war auch seine Festoper „Colombo", welche im Carlo-Felice-Theater zu Genua ihre Premiere erlebte und namentlich in Italien ganz außerordentlich gefiel. Franchetti hatte sich vor allem bemüht, Anklünge an die „Afrikanerin", die bis jetzt als das Muster einer an Bord eines vorwärts treibenden Schiffes spielenden Oper galt, peinlichst zu vermeiden. Der Glanzpunkt der Oper ist jene Szene, wo Columbus auf der Schiffsbrücke erscheint, und, ohne sich um die Aufrührer zu kümmern, unverwandt den Himmel betrachtet, bis plötzlich ein Kanonenschuß auf der Caravelle, dem sofort die Kanonen der beiden anderen Schiffe antworten, das lang ersehnte Land anküudigt. Kolumbus stößt einen Freudenschrei aus, und der stürmische Chor der Rebellen verwandelt sich in einen großen, erhabenen Dankhymnus. In diese Szene hat der Komponist des „Asrael" die ganze Kraft des musikalischeil Ausdrucks gelegt, über den er verfügt. Von den namhafteren Komponisten der Gegellwart, deren Schöpfungen die Beachtung der Zeitgenossen fanden, imt> die entweder auf der Bühne oder im Konzertsaal wiederholt aufgeführt wurden, seien hier nur einige wenige genannt. Ein interessanter Komponist ist der in Wien geborene Adalbert von Goldschmidt, der sich namentlich durch seine 1875 in Berlin aufgeführte Cantate „Die sieben Todsünden", Text von Robert Hamerling, und die 1884 in Leipzig zllm ersten Male gegebene Oper „Helianthus" einen geachteten Namen erworben hat. Einer der geistvollsten und vielseitigsten Komponisten der Gegenwart ist der am 23. August 1854 zu Breslau als Sohn polnischer Eltern geborene und in Berlin lebende Moritz Moszkowski. Obschon er auch als Pianist bedeutend ist und auf zahlreichen Konzertreisen in Polen, Frankreich und Belgien und vielen anderen deutschen Städten wahrhafte Triumphe errungen hat, so liegt doch der Schwerpunkt seines Könnens tu der Komposition. Gegen 50 Werke hat dieser Tonschöpfer bisher erscheinen lassen. Ganz besonders bekannt wurden die „Spanischen Tänze", die symphonische Dichtung „Jeanne d'Are", zwei Orchestersuiten, von denen die eine ihm die Ernenuullg zum Ehrenmitglied der Londoner Philharmonie einbrachte, zwei Charakterstücke „Aus aller Herren Länder" für Orchester oder Pianoforte zu vier Händen, ettt Konzert für Violine urid eine Ballade für Violine mit Orchester-Begleitung. Von seinen Liedern werden am meisten „Mädchenaugen" und „Schlaflied" gesungen; auch schuf er eine große Oper „Boabdil". Für seine Beliebtheit als Komponist spricht schon der Umstand, daß sich selten ein Konzertprogramm findet, auf dem sein Name fehlt. Friedrich Gernsheim, der am 17. Juli des nächsten Jahres seinen 60jährigen Geburtstag feiert, hat sich als Dirigent des Sternffchen Gesangvereins und des Sternffchen Konservatoriums, sowie als Konzertleiter in den weitesten Kreisen bekannt gemacht; doch besteht seine Bedeutung vorwiegend in der Komposition. Er veröffentlichte Klavier-Streich-Quartette und -Quintette, Trios für Pianoforte, Violine und Violoncell, Lieder, Phantasiestücke uub Konzerte für Violine und Orchester, Symphonien, Ouvertüren, Chorwerke, Klavierwerke, Liederweisen für Solostimmen mit Chor- und Klavierbegleitung u\ Alle seine Kompositionen lassen eine ausgeprägte Individualität