Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 welches mit P orträt-A eh n lichtest die Zuge des Dahingeschiedeueu lviedergieht. Noch ist .zu erwähnen, daß von Prinzessin Ludwig, der Protektorin des Vereins, nachstehendes Telegramm eingelaufeil ist: „An der Feier nehme ich im Geiste innigen Antheil." Oesterreich - Ungarn. LH Wien, 21. Mai. Anläßlich des 70. Geburtstages Carl Goldmark's hat das-Kuratorium des jüdischen Mnsenms au den Jubilar eine schlvungvolle Adresse gerichtet, in der daraus hingewiesen wird, wie der berühmte Komponist es mit hoher Meisterschast stets verstanden hat, als treuer Sohn unseres Stammes nationale Klänge anzuschlagen, herrliche historische Erinnerungen aus unserer Geschichte in seinen Opern zu erwecken. Die Adresse feiert den Mann, der, auf einer so hohen Stufe der Kunst stehend, den Jllden nicht verleugnet, imb der den jüdischen Namen ans dein Gebiete der Musik zu hohen Ehren gebracht. Auch sonst war der berühmte Musiker Gegenstand zahlreicher begeisterter Ovationen. Die k. k. Hofoper feierte den 18. Mai durch eine Aufführung von Goldmarks Meisterwerk „Die Königin von Saba", und in das buen reliro, wo Goldmark sich zurückgezogen, gelangten mündliche uub schriftliche Glückwünsche aus allen Welttheileii. Der Komponist erhielt u. a. auch ein Porträt der Königin von Rumänien mit herzlicher Widmung zugesandt. — In Angelegenheit des vor einigen Monaten ans Krakau in ein Kloster gewaltsam gebrachten jüdischen Mädchens Miehaliua Araten richtete im Abgeordnetenhause Dr. Kronawetter eine Allsrage all die Regierung, lvorin die Leidensgeschichte des unglücklichen Vaters erzählt und die Regierung gefragt lvird, ob etlva jenes Gesetz, wonach Personen unter 24 Jahren der väterlichen Gelvalt unterstehen, in Galizien außer Kraft getretell sei ulld ob die Regierung das Ihrige dazll beitragen lverde, daß die Worte: „All der Sehlvelle des Klosters hört die Staatsgewalt ans" nicht zur Wahrheit werde. Herr Israel Araten lveilt neuerdings in Wiell, um zll wiederholten Malell das Einschreitell der Eentralbehörden zu erbitten. Alll 27. Mai d. I. vollendet Michalilla , Araten das 14. Lebensjahr itnb es besteht, nach Ällalogie früherer! Fälle, die Gefahr, daß sie nach vollzogener Taufe über Anordnung des Pnpitlargerichtes der väterlichen Gelvalt entzogen wird. Vor bem Preisgerichte in Wadorvice fanb gesterri die Appellverhandlung gegen dell Bürgermeister voll Kenty, Franz Zajonezek, statt, welcher im Frauenkloster in Kenty zur Allsforschlllig der Michalilla Araten eine Revision vorgeuommen hatte unb ivegeil Hausfriedeusbrnrhes vonl Bezirksgerichte in Kellty zli zehrt Tagen Arrest verurtheilt rvorden ivar. Das Appellgericht hat das erstgerichtliche Nrtheii als unbegründet arrfgehoben lind ben allgeklagteir Bürgermeister frei gesprochen. — Der Prozeß gegeil Leopold H i ls n e r. welcher am 12. Juli vor dem Kreisgerichte Pisek begillllt, wird eilte noch längere Dauer haben als der Kuttenberger Prozeß. Es sind zur Durchführung vorläufig zehn Tage in Aussicht gellvlnmell, da diesmal gegeil hundert Zeugeil geführt lverdell. Das lleue Zengenmaterial wurde durch den Uutersnchungsrichter, Gerichtssekretär Dr. Glossauer in Kuttenberg, der nach dem Gerichtsadjuukten Baudisch die Untersuchung übernahm, lll Polna soivie in Klein-Wisnitz, denl Heimathsorte der Hruza, zil Tage gefördert. Die lleue Verhaudluilg lvird auf Grilud der Kuttenberger Anklageschrift durchgeführt lverden.—In U ll g a r i s eh - H r a d i s ch llmrdell die Herausgeber des antisemitischen Blattes „Moravsky Obzor" pl Arreststrafen verurtheilt, weil sie während der Dauer des Polnaer Prozesses die Bevölkerung dlirch agitatorische Artikel aufreizteu. — Der Kaiser hat denl Hofnnb Gerichtsadvokateu Dr. Heillrich Steger dell Titel eines Regieruugsrathes verliehen. Dr. S. Frankfurter, Skriptor an der Universität, wurde zlim favvefponbivenben Btitglied des österreichischell archäologischen Instituts ernannt. R Bttdchpest, 20. Mai. Im Sinne des Gesetzartikels über die Ergänzung der S e e l s v r g e rb ez ü g e hat das Kultusinld Ullterrichtsministerium für mehrere Rabbiner der orthodoxen und neologen Kultusgemeinden 7000 Krollen angelviesen. — Delll soeben erschiellenen Berichte der Pest er Kn ltusgeme i nd e entnehmen wir folgende Daten: Im vergangenen Jahre nahmen anl Religiollsnnterricht 21000 Schüler theil, voll dell nrehr als 7000 die Mittelschulen besuchten. Die Lehranstalten der Kultusgemeinde waren von 1056 Schülern besucht. Voll 94 Lehrkräften silld 45 nnv provisorisch angestellt. Im Matrikelamte wurden 2043 Cirircumsionen allgenletdet; ill 37 Fällen wurde sie umgangen, Zum Judenthume über traten 35 Nichtjuden uub 19 Persollen uahmell abermals dell jüdischen Glauben ail. 148 Jllden sind zll anderen Religionen übergetreteil. An dell hohen Feiertagen mußten »lehr als hlmdert Nothbethäuser eingerichtet lverden. Für die Ausgabell der Kultusgemnnden silld für das lausende Jahr 1 067 255 Kronen präliulinirt wordell. — S i glu li lld Oser, Lehrerall der Uebungsschnle der jüdischell Lehrerprüparaildie, der vergarigenen Monat sein fünfzigjähriges Lehrerjubilälnu feierte, ist durch Verteihllng des gotdellell Verdiellstkrenzes ausgezeichnet worden. — Daß der jüligst verstorbeile Maler Michael Munkaesy Jude gelveseil, wurde schon vor nlehreren Jahrell zllerst vernlllthlich voll alltisenlitischer Seite behauptet; ill Wirklichkeit gehörte er eitler alten christlichen Familie all. — Beruh ard Mnnkarsi, Schulinspektor der hiesigen israelitischell Gelueinde ulld Mitglied der Ungarischen Akadelllie der Wissenschaften, erhielt mit einer Philologischen Arbeit einen von der Akademie ausgeschriebenen Preis. — Prof. Mvr. Rethh wurde zum ordentlichell Mitglied unb der Historiker Eduard Wertheiluer, ein geborener Budapester, 311111 korrespoildirendeu Mitgliede der Nngarischell Akademie der Wissellschasten gewählt. Knßtaud. L. T. Odessa, 8. Mai. Dieser Tage fand in Otikolajelv die Provisorische Versammlung der Rabbiner des Chersoner Gouvernements behufs Einberufung eines allgemeinen rllssischeu Rabbinerkongresses statt. An dieser Konferenz betheiligteli sich 25 Rabbiner, die alls fast allen Städten, des südlichen Rußlands kamen. Den Vorsitz führte der Hanptkolouialrabbiner des Chersoner Gouvernements M. L. Kreps. der den Versammelten über den Auftrag, der ihm vom Minister des Innern 311 Theil wurde, nämlich ein Memorandnln über den Kongreß auszuurbeiten, berichtete. Die Versarumlung erachtete es für sehr wünschenswerth und zeitgemäß, die Erlaubnis', nachzusuchen, einen allgellleillrllssischell Rabbinerkongreß zu uevanftalten. uub erörterte jene Fragen, die demselben vorgelegt lverden sotten. Als Materialien znm Programm für die Arbeiten dieser Zusammenkunft bienten die schriftlichen Vorschläge vieler Rabbiner nnb eine ganze Reihe von Doklimenteu, die Herr Kreps gesammelt hatte. Das Programm des projektirten Kongresses ist rill ziemlich großes und enthält viele wichtige > Fragen, die die Wirksamkeit der Rabbiner in Rußland, ihre Erileunung. i die Verbesserung des Systems der Registrirung der Matrikel und i dergleicheil mehr, behalldetll. Die Konferenz fügte bevfeIben noch einige j andere Vorlagen bei. Zur Ausarbeitung dieser Beschlüsse und der! Redaktioll der Deilkschrift, die denl Departement der geistlichen An-! gelegenheiteu vorgestetlt sein lvird, ist eine besondere Kommission aus j vier Stadtuub zwei geistlichen Rabbinern mit Herrll Kreps an der Spitze gewählt worden. Das Projekt dieses Memorandums lvird zuvörderst zur Begutachtung dem Kowilaer, Wilnaer. Rigaer unb Brest-Litewsker, wie cmbereu befamiteu Rabbinern vorgetegt lverdell. Türkei. ) Konstantinopel, im Mai. Es geht uils ein Ausruf der deutsch-israelitischen Kliltus gelllei nd e aus der türkischen Hauptstadt zu, denl lvir Folgendes entnehmen: „Seit Jahren liegt das dringliche Bedürfnis; in unserer Gemeinde vor, an Stelle unseres baufälligen Gotteshauses ein neues zu errichten. Aber leider mußten wir dieses Unternehmt! wegen Mangel ail llöthigen Mitteln immer wieder für eine von uns erhoffte spätere günstigere Zeit hinausschieben. Sv kam es n uu, daß das alte Gebäude immer baufälliger lind schließlich gallz unbenutzbar wurde, so daß es in den letzten Feiertageil geradezu lebensgefährlich war. den Gottesdienst darin abzuhalteu. Wohl oder übel saheil lvir uns also gezlvllllgell zu einem Neubau zu schreiten. Obgleich unsere ©emeiitbe zum größten Theil sich aus mehr oder lvelliger armen Handwerkern zusammeusetzt unb lvir nur sehr wenige auch nur eiuigermaßen begüterte Mitglieder ill unserer Milte zählen, so hätten lvir es doch immerhin bei der großeil Opferwilligkeit auch des Geringsten unter uns im Laufe der Zeit vermocht, den nöthigen Baufond aufzutreiben, ulld lvir wären gewiß scholl im Besitze eines ben Verhältnissen angemessenen Gotteshauses. Aber leider bedillgt es die Lage von Konstalltillopet als Zwischeustatioll zlvischell Südrnßlalld und Rumänien einerseits und Palästina, Aegypten mld Marseille andererseits, daß wir im Allgemeinen schon seit Menschengedeukeu, gallz besonders aber seit der ungünstigen Wendung in Rußland und Rumänien in deu achtziger Jahren von unseren elenden mld in diesen ungastllcheu Säubern ihres alten Heims beraubten Glaubensgenossen derartig überlaufen wurden, daß