Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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4 um* alle anfjubviuflenben Mittel fitv deren Unterstützung luTtur ubeu mußten. Denn obgleich in Konstantinopel eine unverhältnißmäßig zahlreichere sephardische Gemeinde existirt. die eine gröbere Anzahl von wohlhabenden. auch reichen Mitgliedern zahlt, so sind es doch wegen der von jener Seite beobachteten kühlen Zurückhaltung immer wieder wir Aschkenasin, geivesen, denen es mit zwingender Nothwendigkeit oblag, unseren bedrängten Glaubensgenossen, sei es mit Unterstützung für ihren Ansenthalt in Konstantin opel oder für ihre Weiterreise zu Hilfe zu kommen. So ist es nun gekommen. das; lvir nur ausschließlich, um der Armenpflege 311 genügen, uns die höchsten direkten und indirekten Steuer;; auserlegen mußten, ohne jemals hiervoll etlvas für unsere Synagogenbedürsnisse oder gar für einen Tempelbau entbehren zu können. Unter diesen Umftäubeu glauben lvir eilte gewisse Berechtigung zu habeil, uns in Verfolg des genannten Zweckes au uilsere Glaubensgenossen voll allßerhatb 31t lueubeu und um ihren Beistand auznsuchen. llNl so Nlehr, da es sich hier neben dem eigentlichen Tempelbau allch um eill mit demselben aus gleichem Terraiu zu erriehtelldeu Asyl für anhangslose altersschwache Mellschell handelt, die sich zum größten Theil ans hier zurückgebliebenen Flüchtlingen ails Nllßtalld und Rumänien znsalilmensetzeu. liis dat (jui cilo dat soll sich allch hier bewähren. Wir bitten darum die edlen Spender unter unseren Glaubellsgenossen sowohl als allch ans anderen Kreisen, ihre Thätigkeit für nllseren Ziveck recht bald zu entfalte,! imb diesen Aufruf nebst Sannnelliste in ihrer Mitte zirkuliren imb den Ertrag uns lnöglichst schllell zukonlmen zu lassen. Gelder föniieu so,oohl an das k. k. österreichisch-ungarische Generatkonslllat hier, als auch an den Unterzeichneten Präsidellten ulld an die einzelnen Mitglieder der Baukonnnission adressirt werden. Alle einlanfenden Beträge lverden in uiehreren Zeitungen qnittirt werden. Konstautinopel. im Jänner 1900. Dr. D. Hofslnanll. Präsident. S. Springer. Sekretär. Die Bankonllnission: Isidor Bannlgarten. Iacglles Braunstein. Nathan Darr, Hermann David. I. N. Friedmann, Leon Goldstein. Wolf Grünberg. Adolf Hester. Friedrich Husserl, Jacques Reisfeld, Leo,; Rosenlhal. Pkpi Nosellthal, Jacob Schapirer und Abr. Trel." Der Ausruf verdient aus beu angesührten Gründen jede Unterstützung. Amerika. C. H. New Bork, im Mai. Dr. A brahan, Ja c obi, Professor an denr Medical College in New-Pork, feierte an, 6. Mai seinen siebzigsten Geburtstag, bei welche,n Anlässe ih,n zu Ehren ein Bankett gegeben lvurde, an dem die hervorragendsten Persönlichkeiten Nelv-Porks theilrlahlnen ul,d bei lvelchem Karl Schurz die Festrede hielt. Jacobi, ans Hartnul in Westfaleil gebürtig, ist einer der hervorragendsten Kliniker Alnerikas auf den, Gebiete der Kinderheilkunde. — Felix Adler hat in einer Synagoge des russischen Viertels eine Ansprache gehalten, in welcher er für die Bekänlpfnng der Prostitution eintrat. Es war, wie er sagte, zum ersten Male seit 27 Jahren, daß er in einer Synagoge sprach. Von Nah und Fern. — An, 17. starb hier im 36. Lebensjahre Dr. med. Oswald S. Stein, der in ärztlichen Kreisen durch seine Beiträge zur Verwendllng der Snggestioll und des Hhpnotislnus zu Heilzwecken bekannt geworden ist. Stein hatte sich mit diesen, Sondergebiete in der medizinischen Klinik in Nancy unter Bernhein, vertraut gemacht. Er übte seit 1880 hier in, Norden der Stadt die Praxis aus. — In Pase - w a l k hielt an, 12. d. Herr Rabbiner Dr. E. Finkel seine Antrittsrede. — Jl, Oster 0 de a. H. ist am Io. d. der durch seine Schulbücher für den hebräischel. Unterricht bekannte Religionslehrer Israel Wiesen im 65. Lebensjahre nach längerem Leiden gestorben. — Zun, Ehrenbürger der Stadt Münsterberg ist der Rittergutsbesitzer Jlllins Schottländer in Breslau, ein geborener Münsterberger, ernannt worden. — In I n 0 w razla w feierte am 17. d. das C. A rr erba ch'sche Ehepaar das Fest seiner goldenen Hochzeit. Zahlreiche Blumenspenden und eine Fülle von Briefen und Telegrammen legten Zeugniß ab von der Verehrung, die das greise, rüstige Ehepaar bei Allen, die ihm näher stehen, genießt. Eine Deputation überbrachte die Glückwünsche des Vorschnßvereills. in dem der Jubelgreis das A,nt eines Kontroleurs versieht, der lange Jahre Syndikus der Gemeinde und jetzt noch Vorsteher des Beth-ha-Midrasch-Vereins ist. Die Herren Rabbiner Dr. Kohn und Bamberger feierten den Jubilar in Ansprachen. — In der letzten Sitzung des gesannnten Centralkomitees für den Hospitalban in Jerusalem wurde Distriktsrabbiner Nathan Bamberger in W ü r z b n r g als Mitglied des Kountees an Stelle seines jüngst verstorbenen Bruders, des Distriktsrabbiners M. L. Bamberger irr Kissingen gelvählt. — Im Alter von 66 Jahren verschied in St ras; bürg am 7. d. der frühere Vorstand der israelitischen Gemeinde und Mitglied des israelitischen Konsistoriums Leopold Bauer. — Rabbiner Dr. Dreyfns in Brumath i. E. ist seitens des israelitischen Konsistoriunis zum Rabbiner in Saargeni ün d ernannt worden. — In Paris hat das bürgerliche Gericht die große Drnckerei Paul Dupont zur Bezahllmg von zusammen etwa 32 000 Franken Buße, Kosten und Schadenersatz an 52 jüdische Geschäftsleute vernrtheilt, die in, „Antijnif" mit Na,neu und Wohnnngsangabe behllfs geschäftlicher Aechtling aufgesührt lvqren. Paul Dupont hatte den „Antijuis" gedruckt, jedoch diese Thatsache zu verheimlichen gesucht. — Die.lexvisl, Colonization Association in Paris hat eillen großen Prozeß gegen die englische Regierung verloren. Es handelte sich um die Erbschaftssteuer aus der Verlassenschaft des Baron Hirsch. Obwohl die Gesellschaft geltend machte, daß der Sternpel bereits in Frankreich und zum Theil in Oesterreich bezahlt worden ist, wurde sie doch von der ersten Instanz zur Zahlung von 25 Millionen Mark vernrtheilt. die in die Kasse der englischen Regierung fließen.— Die Genleindevertretung vor, Algier hat sich den schlechten Witz geleistet, ihren durchgegangenen eheinaligen Führer Max Rögiszum Maire von Algier zu wählen. Nogis lvird aber wohl nicht zurückkounnen, um nicht wegen verschiedener Strasthaten verfolgt zu werden, mithin die Wahl umsonst ist. Als Symptom der dortigen Zustände hat sie aber innnerhin eine gewisse Bedeutung. — Ein Sohn des Rabbiners Dr. Wolf in Gothenbllrg, der außerordentliche Beamte Dr. j,lr. H. Wolfs, ist zum Advokatsfiskal in der Flotte erilannt lvorden. Herr Wolfs war schon früher Vizedistriktsrichter und Bearnter in der Marineverwaltnng. — In London ist der älteste Kllltusbeamte, Rev. S. M. Go llancz in, 80. Lebensjahre gestorben. Er war ein frommer und allgelnein geachteter Mal,,,. Einer feiner Söhne, Dr. Hermann Gollancz. ist Prediger der Bayswater Synagoge und ein anderer Sohn, Israel Gollancz, ist al, der Universität in Stellung als Prüfnngskommissar. — Fräulein Annie Landau in London, die seit einen, Jahre als Oberlehrern, an der Evelina de Rothschild Mädchenschule il, Jerusalem snnktionirt, ist zur Directrice derselben ernannt lvorden. — In Lodz lvurde ein Verein gegründet, jüdische Weber für die lnechanischen Betriebe vorzubereitel,. Hundert mechanische Stühle wurden bereits montirt m,d konnnen in fünf Wochen in Betrieb. Antheilsscheine ans 40000 Rubel sind gezeichnet. — Am 7. d. Mts. wurden in Lolldon die neuen Räume des „Jews Kollege" mit großem Pomp durch Sir Charles Samuel, den, sie lvesentlich zu danken sind, denn er hat den größten Theil der nöthigeu Gelder aufgebracht, eröffnet. Der Oberrabbiner Dr. Adler hielt die eigentliche Festrede. — „Jewisli World“ bringt ans dem Manchester Guardian die Nachricht, daß Lord Roberts in einem Briefe an ein ai,gesehenes Mitglied der Gen,eil,de von Manchester die Tüchtigkeit der jüdischen Soldaten in, Kanipfe sehr belobt haben soll. Speziell erwähnt ist der Oberst Harris, der für seinen Antheil au der Vertheidignng vol, Kimberley von Lord Roberts zur spezieller, Auszeichnung vorgeschlagei, sein soll. Es würde interessant sein, hierüber näheres 31t erfahren. — Die russische Regierung hat 60 000 Rubel belvilligt für die Errichtung einer Ackerba,»schule in, Gonvernernent Cherson in Novo-Poltawsk. Die neue Schule ist auch für die jüdischen Kolonie!, bestinnnt. — Die Odessaer Kommission der historisch-litterarischen Abtheilnng der „Gesellschaft zur Förderung der Bildung unter den Juden Rußlands," hat das ausgezeichnete Werk von Professor Lazarus „Die Ethik des Judenthun,s" il,s Russische übertragen. In nächster Zeit soll die Nebersetzung zun, Druck gelangen. — In Philadelphia feierte die jüdische Gen,einde einen jüdischen Offizier, der sich im Kampfe auf den Philippinen ausgezeichnet hat. Kapitän Louis Ost he im trat im Alter von 18 Jahre in die Militärakademie in Ne,v-Port ein. 1883 wurde er Lieutenant in dem dritten Artillerie-Regiment und bei Ausbruch des Krieges mit Spanien gehörte er zu beu Truppen, die nach den Philippinen geschickt wurden. Er befehligte eine Zeitlang die Artillerie il, Jlo-Jlo und zeichnete sich bei den dortigen Kämpfen so ans, daß er vor dem Feind zun, Kapitän befördert wurde. Druck und von Verlag Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion : Max Bauchwitz in Berlin.