Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1900)
- Date
- 1900-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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64. 3ol,rg«ng. «r. 21. CS£ttt£Gerlm. 25. Mai i960 Werkcrge zur ,Allgemeinen Zeitung des Zuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 20. Mai. Die heutige N e pr ä s e n t a ll t en vers a m m - lauft, in der nur unwesentliche Vorlagen zur Berathung standen, nahm nur kurze Zeit in Anspruch. Znm geschäftlichen Theil berichtete der Vorsitzende Louis Sachs, dast all Stelle des beurlaubten Jnstizraths Apolant, der länger als vier Wochen sortzubleiben gedenkt, Herr Beuas Levl) eillberufen ist; Herr Leonhard Sachs hat für 3Vs Wocheil Urlaub genommen. Herr Netter ist znm Vorsitzenden der Komnlissioll für die baulichen Angelegenheiten ernannt worden. All Stelle des in die Deputation für die Talmud-Thora abgeordneten Professor Baginsky wird Geheimrath Blumenthal. der sich freiwillig zur Uebernahme dieses Amtes meldet, gewählt. — Eine Znlveudullg von Daniel Israel ulld Sara Wlllsf in Höhe von 13 500 Mark, und zlvar 4500 Mark zu Gnnsten der Armeukommission und 9000 Mark für die Altersverforgungsanstalt. wird debattelos angenommen. Ohne Erörterung werden ferner 200 Mark für die Anlegung einer Telephonzelle in der Hanptkasse der jüdischen Gemeillde und 700 Mark für eine bauliche Neparatllr in der Neuen Synagoge beivilligt. Bei der Vorlage betreffend Bewilligung eines Beitrages voll 500 Mark zur Entsendung von 15 Zöglingen des II. Waisenhauses iPankow) nach Kolberg lvird die Höhe der Allsgabe unter Geltendlnachung der unentgeltlichen Aufnahme der Zöglinge in das dortige Knrhospital bemällgelt. der Protest gegen die Annahme der Vorlage liach kurzer Debatte aber zurückgezogen, nachdem Landgerichtsrath Löwe und der Dezernent des Vorstandes, Herr Mecklenburg, berichtigend mittheilen, das; die Aufnahme keine freie sei. — Die Bewilligung einer Ausgabe von 4500 Mark für einen An ball an die Leichenhalle des Friedhofs in Weistensee wird ausgesetzt liub zunächst vom Vorstand die Einreichung einer Zeichnung und eines spezifizirtell Kostenanschlages gefordert. Der Anbau ist zur Eillrichtullg eines Obdnktionsraumes bestimmt. — Es folgte dann die Berathung der 'Satzungen für die K o nl m i s s i o ll z n r U n t er st ü tz u ng d n rch r ei se n - der Inden. Die Kommission ist llach einem Beschlust der Repräsentantelwersanlnilung vom Jahre 1898 selbständig gestaltet lvordell, lvährend sie früher unter Leitung des jüdischen Krankenhauses stand. Die einzelnen Paragraphen gelangten mit nur unwesentlichen redaktionellen Aendernngen in der ersten Lesung zur Annahme. Für die sofort allgeschlossene zlveite Lesung wurde eu bloc Annahme beantragt und gellehmigt, und damit die Vorlage verabschiedet. Die Vorlage betreffend die Erbeillsetzllng der jüdischell Gemeinde tu den Nachlast der Wittwe Augustine Gillet wurde auf Antrag des Vorsitzenden in die geheinle Sitzung verlegt. Jll der Letzteren standen noch zwei Belvilligllllgen. zlvei Nenaustettungen, die Berlängernllg einer Allstellllllg eines dirigirelldell Arztes des Krankenhauses und Anträge voll Mitgliedern der Versammlllug betreffend die Verhältnisse des Kraukeuhanses zur Diskussion. 8. Berlin, 20. Mai. Heute Vormittag fand ill dem dichtgesüllten Gotteshaus der neuen Synagoge die E i il s e g n ll n g s f e i e r von 14 Konfirmandinnell statt. Nabbiller Dr. Nos en zweig leitete den religiösen Akt. Nach dem Einleitnngsgesange des Chores jJesaias 59,21) ergriff Dr. Roseilzweig das Wort zu einer Predigt, der er die Worte des Psalmisten: „Freuet euch, die ihr hier gerecht seid in dem Ewige»» und dailket seinem heiligen Namen" zu Grlmde legte. In warmen und eilldlingtichell Worten legte er den Koufirmandinnen Glaubenstreue und Glanbensbewusttsein alls Herz. Der Glaube an Gott gebe Nutze ill den Sorgen des Lebens, er sei der Trost, wenn alles andere lvallke und lveiche. Aus dem Glauben keime nicht nur Kraft, sondern Reichthum, imb nur der sei reich, der ausharre, dielveil er zufrieden sei. der imlner so viel habe, daß er auch Anderen geben könne. Nach der Rede legten die Konfirmandinnen ihr Glanbensbekenntllist ab und trugen die von ihnen selbstgewählten Bibelsprüche mit Innigkeit und Verständlliß vor. Das Schlußwort lvurde voll eitler der Konfirmandinnen in Form eitles Gebets gesprochen. Die Segensertheilnng und abernlaliger Chorgesang lPsalm 115: „Der Herr hat linser gedacht") beenbeteu die würdige und eindrucksvolle Feier. §2 Berlin, 23. Mai. Die Frequenz jüdischer Schüler all den hiesigen Gymnasien. Real- und Töchterschulen lvar im lanfendeu Jahre folgende: Das Sophiellgymnasillm wurde voll 615 Schülern besucht, darlinter 67 jüdische. Luiseu-Gymllasillm 645 Schüler, darullter 38 jüdische, Kölligliches Prinz Hei ll ri chs-Gyllluasium 705. davon 41 jüdisch, Andreas-Realgylllnasium 683, darlinter 80 jüdische. K ö n ig städ t i sches Nealgylilnasiuln 681, darunter 166 jüdische. Französisches Gymnasium 366, darullter 162 jüdische. L ll i s e ll st ä d t i s ch e Oberrealschnle 669, darnliter 53 jüdische, erste Realschule <Alerandrinenstraste) 485. darlinter 41 jüdische. Königlich F r i e d r i ch -Wilhelms- Gymnasinm 1149, darunter 189 jüdische, L e i b ll i tz - Gymnasium 520, darunter 65 jüdische. Achte Realschule 395, darllllter 32 jüdische, Königliches W il Hel m sgy m n a si ll m 836. darunter 415 jüdische, Less i ng- Gylllllasilllll 610, darllllter 13 jüdische, H n m b ol d t-Gymnasinm 412, darnliter 31 jüdische, Askanisches Gylnuasinm 756, darunter 126 jüdische. Ka iserin Ang usta-G y m n a sin in in Charlottenburg 498, darlinter 35 jüdische, H o Heu z o l l e r n sch n le in Schöneberg 562. darullter 35 jüdische, Realschule ill Steglitz 370, darunter 6 jüdische. L o n i se n sch u le 722, darlinter 258 jüdische Schülerinnen. Elisabethschule 633, darunter 97 jüdische. V i kt o ri as ch ll l e 710. darlinter 198 jüdische. Ma r ga re t h e ll sch u l e 694, darlinter 294 jüdische Schülerinnen. Königsberg, 14. Mai. A»u Sonntag fcmb auf dem neuen israelitischen Friedhof die En th üll ung des Den kmals, welches die Synagogengemeillde ihrem verewigten langjährigen Vorsitzenden, Professor Dr. Samuel, an seiner Nllhestätte gesetzt hat, statt. Die graste Versanlmlmlg. die sich an dem reich geschmückten Grabe znsammenfand und zn der neben der Familie und mehreren Universitätskollegen des Todten die angeseheilsten Vertreter der Gemeillde gehörten lvar wiederum ein Belveis für die allgemeine Verehrung, die Professor Samuel im Leben genast. Nach einem Eiugangsgesange. für den sich ein groster Theil der Aktiven des Kölligsberger Sällgervereills unter Leitling des Oberkantors Birnbaum zur Verfügung gestellt hatte, hielt der erste Vorsteher der Synagogeligemeiude, Stadtrath Mauguus, eine Ansprache, in der er das verklärte Bild des Entschlafenen in kurzen aber markigen Strichen treffend schilderte. Jllzlvischell war die Hülle des Molllmiellts gefallen. Das Denklual stellt eineil Obelisken mit Giebelverdachnng ans polirtem schwarzen schlvedischen Granit dar. an den sich ei»r passendes Gitter mit ebenfalls schwarzen polirten Eckpfeilern anschliestt. Der Denkstein trägt folgeube Inschrift: „Professor Dr. Simoll Samnel. geb. 5. Oktober 1833, gestorben 9. Mai 1899. — Alls großem Herzell stammten Deine Worte, Erkenntnist sprachen Deine Lippen lauter aus. — Ihrem langjährigen Vorsitzenden in Dankbarkeit und Verehrung die Shllagogengemeinde Königsberg." Nach der Enthüllung betrat Rabbiller Dr. Vogelstein die Neduerbühlle und hielt eine längere Ansprache, die die wissenschasiliche Bedeutung Samuels mld feine Verdieilste um die Neligionsgemeinde ill tveffeuber Weise schilderte. Die von Oberkantor Birnbaum gefitngene Litlirgie mit» ein Schlnstgefatig des Sängervereins beendeten die ergreifende Feier. — DirschNN, 19. Mai. Der Verein jüdischer Religionslehrer Westprenstens hält seine Generalversclnnnlnng am 5. und 6. Juni hier im Gelneindesitznugszimmer ab. Die Tagesordnung ist folgende: Dienstag. 5. Juni, Nachmittags 3 Uhr: 1. Begrüßung durch den Vorsitzenden. 2. Jahresbericht vom Schriftführer. 3. Kassenbericht vom Rendanten. 4. Beschlustfassnng über die Veränderung der 88 2, 5, 10 und 13 des Vereinsstatuts. 5. Abänderungsvorschläge des ostprenszischen Vereins, betr. die Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes. Referent: Geisenberg-Marienwerder. Mittwoch, 6. Juni, Vormittags 9 Uhr: 1. Verbandsthema: „Soll die systematische Reli-