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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-25 · Heft 21 (25.5.1900) · p. Seite 248

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 21 (25.5.1900)
Date
1900-05-25
Page
Seite 248 (sequence 10)
Language
German
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248 Schale zu (oubmi . . . Das süs;este und angenehmste Gefühl auf Erde, das ich habe, ist solche Freunde zu besitzen; lasse Dich daher nicht irre machen durch »»»ich und in nur. Mag uh auch zuweilen nicht der sein, der ich war und sein sollte, so bewahre Du mir dennoch Deine Freundschaft, stärke, ermüthige mich, weise mich zurecht und sei mein Freund .... Aber auch der Freund Geiger liest es nicht an ermnthigenden Worten dem Freunde Frensdorff gegenüber fehlen. So schreibt er am 17. September 1834: Mein sehr lieber Frensdorff! ... Du magst Dich wohl jetzt in dein Bonn, das uns ein so lieber Vereiniguugsort war. recht einsam fühlen und ich fürchte, es mochte Dich manchmal eine ernste Stimmung befallen, die die Zukunft mit einem düstern Schleier umhüllt; aber mein Freund, uht den schönsten Schatz in sich trägt, wer nicht dem wesenlosen änstern Gepränge, sondern innerer »nahrhaft menschlicher Selbstveredlnng nachstrebt, de»»» ist stets eine frohe, heitere Zukunft offen, und da darf man hinzusetzen: tf'nb TDDPI FpDl* Stehst Du ja noch ganz frei da im Leben, ungebunden durch Bande, die Dir eine Sorge für Andere cmferlegten, getragen durch die fdiöufte sittliche Kraft und genügsam in Wünschen und Anforderungen und — was wahrlich das Bedeutendste ist — einig mit und in Dir selbst, ein Glück, das nicht Jeden» zn Theil worden. Wer wollte wohl auf lauter Freuden rechne»» im Leben? Und allerdings kam» es Dir nicht verborgen bleiben, das; gerade Deiire Religionsa»»sicht Dir manche knminervolle Ersahrling machen »oerde, denn ieh de»»ke, die Zeit »vird ihr immer entgegcnzulvirken suchen; so »vird Dir and) mancher innere Kampf hierdlireh noch besehiede»» »verden, aber die feste Grundlage, die D»» auster dieser religiösen Meinung in Dir »»ährest, sie, die gar oft und bei den Meiste»» im Aeusterei» aufgeht, sie steht höher »»»»d sicherer da »»»»d sie macht eben Freude am Kampfe, »veil soeben die Würde des Charakters um so »nehr gehoben »vird .... Glicht feiten bespricht Geiger die Meinuugsverschiedenheiteu in den religiöse»» Anschauungen mit Frensdorff; aber stets geschieht dies mit der vollen Würdigung und Achtung vor Verehrung vor dem Freunde. So schreibt er am 8. September 1833 all Frensdorff: Du mein sehr Lieber, siehst mit einer gelvissen Bangigkeit in die Zuklinst. n»»d warum dies?-Woher diese betrübenden Anssichte»!, »voher l»nr die leiseste Ahnung, dast Du Dei»»en» Stande untreu »verdeu »vürdest? — — Das; Du niemals eine theologische Stelle bekleide»» »virst. bewahre der Himmel, eine solche Bli»»dheit traue ich »»»»seren» Zeitalter »»icht zu, »»ei»», eine»» solche»» Verl»»st »vird die jüdische Theologie nicht erleide»» sollen! Eines schi»»»mert mir durch manche Stelle»» Deines Brieses buvcf), rvas Dir vorzüglich Ilnrnhe verursacht zu haben scheint, es ist der fortschreitende Zeitgeist, der mit Deinen Anficlitei» im Widerspruch zu sein scheint. U»»d »vie sollte ich dem Freuride verarge»,, dem sein Glaube nicht etivas Aensterliches, sondern die tiefste Ueberze»»gn»»g. der i»»nerste Born des Lebe»»s ist, daß er mit Mistmuth auf diese Zeit hinbliekt, die seinem Glauben nicht die schönsten Seiten abgewinnt, »ve»»i» selbst die ihm lieben Freunde, die er aus vollen» Herze»» achtet, oft ein seh»»ödes Wort dagegen aussprechei». Geiger verstand rmd ehrte seine Freunde und würdigte das ideale ernste Streben, von deur sie erfüllt waren, »venu ^auch ihr religiöser Standpunkt dem seinigen diametral entgegengesetzt war. Dies zeigt sich bei Frensdorff und besonders bei S. N. Hirsch. Ich äußerte einmal dem seligen Jsaac Hirsch gegenüber die Manchem vielleicht seltsam klingende Behauptung, dast es nur einen Zeitgenossen gegeben hätte, der seinen Vater, S. N. Hirsch, »virklich verstanden hätte. Lächelnd fragte er mich, wer »vohl dieser Zeitgenosse wäre. Ieh antwortete ihm: sein »größter Gegner: Abraham Geiger. Daraus erwiderte er mir: Ein anderer war es nicht und konnte es nicht sein. Bezeichnend hierfür sind die Worte, welche Geiger a»i Frensdorff schrieb, als ihm die Jggerot Zalbn von» Verfasser selbst zugeschickt »vorden . . . „Nun aber ein »virkliel» mich erhebendes Ereignist! Hirsch hat mir seine iYHJSK zugesendct und auf einem cingeklebie Zettclchen sich als Verfasser genannt. Du gla»»bst »»ieht, »velche Freude mir diese Zusendung gernacht! Der geachtete Freund, der die Verschiedenheit der Ar,sichten kennt und so kräftig entschieden die seine vertritt, jede andere bekämpft, »veist »nich doch anzuerkennen; siehe, »nein Lieber, das ist ein Urtheil. das mich in »»»einen eigenen Augen erhebt. — Ick» habe an ihn schon geschrieben, ich habe eine heftige Wehmnth dabei empfunden, ich konnte ihn» nicht mit der Freude entgegentretei», die Freundschaft, ganz gleiche Neberzeugnng und der Kampf für dasselbe G»»t nach allen seine»» Ei»»zelheiten getvährt; aber ich bin ihr»» mit Offenheit entgegengetreten, und der Ziviespalt. der in mir stattsand. ihut sieh auch in meinen Aeusteruugen kund. Es ist traurig, dast Menschen, die, das darf ich »vohl sagen, ein gleich gutes »rnd ernstes Streben habe»», so getrennt sei»» müssen" .... (Wiesbaden 28 I 36). Und das Leben hatte die drei Freunde. die einst tu 33mm in jugendlicher Begeisterung und inniger Freundschaft znsammenhielten, in späteren Jahren auch wirklich von einander »getrennt. Ein Jeder von ihnen erfaßte beu Geist und die Form des Judenthnms von einem andern Standpunkte ans; jedoch alle drei Bonner Freunde haben Geisteswerke geschaffen, ein Jeder auf seinem Wissensgebiete und in seinen» Berufs- und Wirkungskreise, die für die Nachwelt ein ewig sprudelnder Born wurden, aus dem das fromme und religiöse Gemüth Erhebung und Stärkung gewonnen und der wissensdnrstige Geist Belehrung und fördernde Anregung erhalten. »AM Aas Iudenlhum in der Musik in» 19. Jahrhundert. Von Dr. Adolph K o h u t. II. f elix Mendelssohn-Bartholdh, der Enkel Moses Mendelssohns, wird zwar von de»! Antisemiten gleichsam als urechter Arier in der Musik reklamirt, aber er konnte »veder in seinem Aensteren noch in seinen Kompositionen seine ursprüngliche Abstammung verleugnen; auch sind »vir derAnsicht, dast das Taufwasser noch kei»»eswegs »genügt, um die ursprüngliche Individualität, namentlich eines Tonkünstlers, plötzlich in Frage zu stellen, geschweige denn in das Gegentheil zu verkehren. Dieser so vielseitige Meister hat bind) zahlreiche und mannigfaltige Kompositionen aufs neue bewiesen, »velche Fülle von »nnsikalischem Talent dem jüdischen Stamme eigen ist. Jener Sturm und Drang, jenes Ge»vitter der Leidenschaft, die sich in den Opernschöpfungen der früher genannten „ragenden Geister" der Musik vorfinden, hatten sich bei ihm zur »vohlthuenden Harmonie verklärt. Bezeichnend für ihn und seine Abstammung ist es, das; er mit Vorliebe Oratorien schuf und es in ihnen zn einer seltenen Meisterschaft brachte; wir nennen nur seine herrlichen Oratorien „Paulus" und „Elias", die sich denjenigen eines Haydn und Händel würdig an die Seite stelle»! können. Außerdem schrieb er noch ein unvollendetes Oratorium „Christus". Wundervoll ist bekanntlich seine Musik zn den Psalinen, und seine Hymnen, Motetten, Cantaten und Lobgesänge legen ein beredtes Zeugnist von dem religiösen Empfinden dieses tiefsinnigen Tonheros ab. Trotz der Angriffe, »velche von einer gelvissen Coterie nach seinem Tode gegen seine Schule gemacht wurden, »velche hauptsächlich das überwiegend Sentimentale in seiner Melodik trafen, gehört er doch zn den »größten musikalischen Tale»»ten aller Zeiten. Seine Koim Positionen beherrschen säst alle Fächer, denn neben Oratorien

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