Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-18 · Heft 20 (18.5.1900) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228386--56466-3292771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 gehalten, daß sie zn fortwährenden Streitigkeiten Anlaß geben würden. Namentlich aber würden durch die Anträge die Grundlage der Kasse, um sie vom Delegirtentage festgelegt wurde, vollständig nmgestürzt. Dazu komme lloch ein äußeres Mvlllent: Die Annahme der Allträge ivürde das Jnslebentreten der Kasse auf nnbestimmte Zeit verschieben. Und Eile thut noth, darum rneine er, daß die Kasse möglichst bald in Wirksamkeit treten solle; sollte sich im Laufe der Zeit eine Aenderung der Satzungen als nothwendig erweisen, so würde mall die gebotenen Anregungen, die von deni lebhaften Eifer des ostpreußischell Vereins für die allgenieine Sache Zeilgen, gern in Erwäguilg ziehen. Deshalb bitte er, sich damit einverstanden evflären zu wollen, daß der gegenlvärtige Zeitpunkt für die Aenderung der Statuten ungeeignet sei, daß aber später, falls die Nothwendigkeit sich herausstelle, auf die Anregling thunlichst eingegangen werden solle. Jedenfalls feien die Anträge als schätzbares Material dem Kllratorilnn der Kasse zu überweisen. — III der all das Referat sich anschließellden Diskllssion traten alle Redner den Ausführungen des Referenten bei. — Gegen ll1^ Uhr schloß der Vorsitzellde die Versaulmlung. u. Berlin, 14. Mai. Im Verein ehenlaliger Schüler der Kn a bell schule der Jüdisch eil Gemeinde zu Berlin hielt Herr Sanitätsrath Dr. Lazarlls vor außerordentlich stark besuchter Versalimllllng vor Herrell itnb Damen einen lehrreichen und interessanten Vortrag über das Thema: „Was ist Krankenpflege?" Der Vortragende führte Ullgefähr Folgelldes aus: Gegellüber der Gesundheitspflege, für lvelche der Staat eigelle Gesetze gegeben habe, die schon tu der Schule gelehrt lverdell lllld die sich die Anerkennullg, eill eigener Zweig der medizillischen Wissenschaft zu sein, errungell hat, liege es mit der Krankeilpflege lloch sehr im Argeil. Jede Frall glaube die gegebelle Pflegerin des Kranken in der Fanlilie zu fein, gerade so, wie sie im Hausstände für das leibliche Wohl der einzelnen Familienmitglieder Sorge trage. Gewiß sei zur Ausübung der Sorge für den Krankell die allergrößte werkthätige Nächstenliebe nothwendig, so wie sie eine Mutter für ihr Kind, eine Schwester für den Bruder empfillde, aber die Krankenpflege erheische neben dem guten Willen auch ein großes Maß voll Köilnen, mld es sei sehr traurig, wie der Mallgel gerade an dem letzteren durch Aberglaube und. was lloch schlimmer ist, durch ein immer nlehr sich breit nrachendes Knrpfuscherthum ersetzt werde. Aber selbst luemi auch dem Arzte, deul berufenen Helfer in der Krankheit, die Fürsorge für ben Kranken anvertraut werde, so fönne man voll diesem allch llicht mehr vertallgell, als daß er den richtigeil Heilplan angiebt llnd überwacht, die Ausführullg feiner Anordnungen, die Hilfeleistungen, die der Kranke in jeder Minllte erheischt, setze sich zllsnnnllen ans einer Reihe voll technischell Fertigkeiten, die erlernt sein müßten. Herr Sanitätsrath Dr. Lazarlls erläutert biefen Satz an Beispielen ulld läßt sich zll biefent Zweck auf die nothwendige Einrichtung eines brauchbaren Krankenzimmers ein. bespricht auch den Inhalt eines sachgemäßell Berichts, lvie ihn die pflegende Persoll denl Arzte abzllstatten habe. Die Bedelltnilg dieses Berichtes ist eine besoilders große und luaßgebende für beit ganzen Heilplan. So sei dieser Berns als eill besonders hoher zu betrachten, Ulld es sei wohl verständlicher, daß Mitglieder der gebildetsten Stände sich demselben widmeteil. So erforderlich der guteWille, wärmste und treueste Nächstenliebe, das Gefühl des illneren Berufes zur Krankellpflege sei, so nothwendig sei eine weitgehende Alisbildung, Erfahrung und Beherrschung vieler Fertigkeiterl. Wer von diesem Gesichtspullkt aus Krankenpflege übe, denl können die Krailken beruhigt anvertraut lverden. Großer Beifall lohnte beit Redner. Dell zweiten Theil des Abends füllten limsikalische Vorträge der Daulen Hanllelnallu ulld Goldstrom, der Herren Hartmann und Konservat.-Dir. Baer (Klavier Nellfeld) aus. Die llächste lloch zu veröffentlichellde Sitzung wird einen Vortrag des Herrn Direktor Dr. Holznlanll bringen. ^1. Pli. Berlin, 14. Mai. Ihren hundertjährigen Geburtstag begiilg anl 12. d. Mts. Frl. Friederike Wolf, Schwerinstraße 7, ill geradezu bewunderuswerther geistiger lllld körperlicher Frische. Die Gemeinde, der „Jsraelitifche Frauenverein" lllld etliche Privatpersonell erfreuten die rüstige Jubilarin durch Spenden malllligsacher Art. Die Nachbarn fühlten sich mitgeehrt lmd betrachteteil das alte Fräulein mit ehrfurchtsvollem Stolz. Sie empfing die Besucherinnen in selbstgeplätteter lveißer Blllse, an der Brust einen Maiblllmenstrauß; benn sie wäscht lllld scheuert alleill, ol)ne jegliche Hilfe, lvie sie auch Kohlen und Holz sich heranfholt. Seit 70 Jahren ist sie Berliner Bürgerin, Ulld 25 Jahre lang wohnt sie in dem engen Stübchen, das von Sallberkeit strahlt. Bis zn der Zeit war sie als Köchill thätig, wie sie mit kräftigem Lachen sagte, „als mich keiner mehr mochte, zog ich hierher. Jetzt bin ich frei und habe mein Milchtig und mein Fleischtig lind mein Jonteftig." Rührelld und erhebend lvar das Bild, das sich uns bot: ein fröhlicher Wille zum Leben, der die Attersmisären verachtet. neben tiefer Demnth und Ergebung ill den göttlichen Willen, lvenil er sie abberusen lvürde „zur Heimkehr". © Danzig, 14. Mai. Der Bericht über die Thätigkeit des Verba ll d e s der W est p re li ß i s ch e ll S y ll a g o g ell - G em e i n d ell int Verbandsjahre 1899—1900 ist diesmal sehr iilteressant. Von den in Westpreußen vorhaildenen 55 Shnagogen-Gemeilldell gehören 41 denl Verbarlde an, währeild 14 demselben bis jetzt serngeblieben sind. Eiile erfreuliche Zunahme hat die Zahl der persönlichen Mitglieder erfahren, indem dieselbe voll 169 auf 220 gestiegen ist. In ben 12 Gemeinden, in denen Rabbiner allgestettt sind, welche die Religionsschulen selbst leiten resp. überwachen, sind 936 schlllpflichtige Kinder vorhanden. In 42 Orten mit jüdischen Gemeinden resp. Filial-Gemeillden sind 1088 schlllpflichtige Kinder, so daß es sich für den Verband um ben Unterricht voll 2024 Kindern handelt. Spricht scholl diese Zahl allein für die eminente Wichtigkeit der Aufgabe, die sich der Verband gestellt hat, ilämlich diesen Ullterricht zu fontvoltren, zll verbessern, wo nöthig zusubvelltionireu, lllld wo er überhaupt fehlt, eiuzurichtell, so befestigt sich diese Ueberzellgnilg ulehr ttnb mehr, wenn man die eingegangeneil Revisionsberichte anfmerksaln verfolgt uub studirt. Keine geringe Aufgabe ist es, der sich die Rabbiner Westpreußens unterzogen habell. Die zn revidirendell 42 Schulen fönueii nicht gleichmäßig, sondern müssen mach ihrer geographischell Lage auf die eillzelnell Revisoren vertheilt lverden, und so kommt es. daß auf einzelile Herrell nur eine oder zwei Schuleil, auf andere deren sechs eiltfallen. In diesem Jahre sind 26 Revisionsberichte eingegangen, von denen 6 aus Rabbiner-Gemeinden 514 Kinder betreffen, während 20 sich auf auswärtige Inspektionen beziehen mld 494 Kinder umfassen. Einer Aureglmg des D. I. G. B. folgend, haben die Rabbiner gelegentlich der Revisionen, lvo es augiitg. Predigteil resp. Ansprachen gehaltell. Die Angelegerlheit des Waisenhauses hat leider seit deul letzten Gemeindetage keine wesentlichen Fortschritte gemacht, da erst aln 19. März die Lachmanu'sche Stistllng für biefen Zweck die Genehmigung der Regierung erhalten hat. Es folgte noch Bericht über die Neligionsschnl-Jnspektionen, über die Kassenverhältnisse mld das Mitglieder-Berzeichniß des unter Leitlmg des vortrefflichell G. Davidsohn hier stehenden Verbandes. 1. Stettin, 13. Mai. Am 3. d. M. waren 25 Jahre seit der Einweihllng der hiesigen Shilagoge verflossen. Zllr Feier des Tages saild am 6. d. M. ein Festgottesdienst statt, der sehr zahlreich voll Damen itnb Herrell besucht war. Herr Dr. Vogelstein, unser verehrter Rabbiner, hielt die Festrede lUld sprach, wie ja inlmer, formvollendet und llleisterhaft; nur hätten wir es gern gesehell, memi er auch derer in seiner Rede gedacht hätte, die vor 25 Jahrell schon als Dlepräfeutauten der Gemeinde wirkten und bis heute noch thätig sind, ilämlich der Herren Berllh. Cohll lllld Heymann Lelvin, solvie des Herril M. Hohenstein sen., der allerdillgs seit zwei Jahren ans dem Kollegium allsgeschieden. Ulld da es doch eiile Gedenkfeier lvar. so wäre es vielleicht richtig gelvesell. außer deln bamaltgeu Rabbiner auch die Männer zll ilennen. die damals ben Vorstalld bildeten und voll denen hellte keiner »lehr nllter den Lebendell lveilt. Daß weder der Lebenden noch der Todten ummntlid) gedacht wurde, hat Verlvullderullg erregt. — Seit 25 Jahrell waltet Herr Musikdirektor Lehnlann seines Aultes als Organist und Chordirigeut, als Anerkennung für treue Pflichterfüllllug widmeteil ihm die Geineindebehörden eiile Ehreligabe ulld der Vorstand überbrachte ihlll solche mit vielen Glückwünschen; Herr Kantor Sarasohn aber erfreute ben Jubilar am Morgen des Tages mit den Damell des Chors durch eill Ständchen. — Der 46. Jahresbericht des von dem Rabbiner Dr. Meisel s. A. ins Leben gerufenen hiesigen „Israelitischen Wa isell h a lises " zeigt an, daß die Anstalt am 1. April d. I. ill das neue Heim, Passanerstraße 1, nbergesiedelt ist. dessen helle, gesunde und luftige Räume allseitige Anerkennung finden mld auch verdiellell. Bei der Neneillrichtnllg der Wohnullg solvie überhaupt bei Beanssichtignng des Hallswesens ist der Vorstand voll ben Ehrenmüttern —- Frau Henriette Lisser, Frau Minna Lelvin, Frall Sophie Loildon, Frall Anlalie Kocheim — und auch von Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein lvie immer treulich unterstützt worden. Es befinden sich jetzt 6 Kllaben in der Anstalt, die sämmtlich die Barnimschllle besuchen; ihre Zellgnisse waren gut, ihr Gesundheitszustand

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.