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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-18 · Heft 20 (18.5.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Hochrgarm. Itr. 20. Berlin. 18.«« 1900 Weiketge gur „Allgemeinen Zeitung des ZuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. tt. Berlin, 14. Mai. Die Frage der Taufen von Inden hat in der letzten Sitzung der Repräsentanten wieder einmal eine nicht unbedeutende Rolle gespielt, und insbesondere ist von mehreren Seiten ans die Zahl der getanften Eltern jüdischer Kinder hingeiviesen worden. Bisher haben aber immer die genauen Allgaben darüber gefehlt; darum ist es freudig zu begrüßen, daß die eben jetzt erschienene kirchliche Statistik Deutschlands uns gestattet, diese Frage ziemlich genau zu beantlvorten. Bisher hat nian, abgesehen voll einzelnen Ziffern, sicheres nur über die Nebertritte zllm Protestantismus in den altprenßischen Provinzen gewußt, die neue Statistik erlveitert unsere Kenntnisse durch Angaben ans fast allen deutschen Ländern, nur Baden fehlt noch. Ferner fehlen immer noch die Nebertritte zlir katholischen Kirche imb zu den protestantischen Sektell, doch sind beide Positionen llieht allzngrosi in Anrechnung zu briugelt. Wir lassen jetzt die Ziffern folgen für den Zeitraum von 1889—1897 ulld fügen die Ziffern der jndischeli Bevötkerullg in beu betreffenden Provinzelt nach der Zählung voll 1890 hinzu. Provillz I irdische Seelen. Taufen voll Inden. Ostpreußen .... 14 411 249 Westprellßetl . . . 20 288 59 Berlin . >'<; 152 1087 Brandenburg . . . 18 894 188 Pommern .... 12 24r> *8 Posen. 44 84V 85 Schlesien. 47 498 406 Sachsen. 7 949 155 Westfalen .... 19 859 51 Nheinprovinz . . . 47 284 179 Hessen-Nassau . . . 45 725 211 Hannover .... 15 064 98 Schleswig-Holstein 8 762 55 Preuhell tut ganzen . 882 414 2 751 Bauern. 58 885 111 Sachsell. 9 868 222 Württemberg . . . 11 .887 57 Hessen . 25 520 76 Mecklenburg-Schwerin 2 182 81 Mecklenburg-Strelit; 489 1 Weimar. 1 290 81 Oldenburg .... 1 481) 9 Braun schweig . . . 1 685 14 Allhalt. 1 580 19 Meiningen ....! 461 7 Al teil bürg .... 62 1 Gondershausen . . 147 >) Rudolstadt .... 81 0 Reuß ä. L. 288 1 Neuß j. L. Coburg-Gotha . . . - 7 Lippe. 989 5 Schaumburg . . . 860 2 Waldeck. 696 8 Lübeck. 654 6 Bremen. 784 9.7 Hamburg .... 17 877 812 Elsaß-Lothringen . . 84 645 24 Summa 567 884 8 784 Da diese Gesamnltziffer von 8784 Taufen sich auf nenn Jahre vertheilt, so haben lvir als Durchschnitt 415 pro Jahr, wozu aber noch die Taufen gerechnet lverdeil müssell. welche erstens in Baden die protestantische Kirche, zlveitens iu ganz Deutschland die katholische Kirche, drittens in ganz Deutschland die aiibereu christlichen Sektell vollzogen habell. Dallaeh läßt sich mit billiger Wahrscheinlichkeit eine Schätzung voll 800 Seelen pro Jahr alluehmen. welche die jüdische Religion alljährlich in Deutschland all das Christenthum abgiebt. Dabei silld die flittbertaitfeit mit eiligerechilet, aber freilich die Talifen voll Kinderil alls Mischeheil noch llicht. Am schlimmstell steht in Bezug auf die Nebertritte deln Ailschein liach Brenlell, doch ist hier die Zahl im ganzen zll gerillg, ulu daralls Schlüffe zieheil zu können. Rächstdem ist Sachsell, sowohl das Königreich als die Provinz Sachsen, lllld die thüringischell Fürstenthümer derjenige Theil Deutschlands, lvo im Verhält niß zur Seelell.zahl der Jlldell die meiften Taufen vorkonnnell. In Sachsen traten pro Jahr über auf 10000 Juden 26, tu Berlin dagegen, das ja auch schon ililgüllftig gentlg steht, alls 10000 Judell pro Jahr um- 18. In Hamburg ist diese Ziffer 19. ill Hessen-Nassau (Frankfurt» 5, in Schlesien iBreslan) 9, cmx lliedrigsten in den Provinzen Posen, Westprenßen itnb in Elsaß-Lothringen. Allerdings komnlt hierbei ill Betracht, daß ill btefeit stark katholischen Provinzen wohl mehr Jlldeil ztnn Katholizismlis übergetretetl sein nlögen. 2/D Berlin, 17. Mai. Heute feiert die altrenommirte jüdische Bllchhalldtliilg M. Poppe lau er hier das Fest ihres vierzigjährigen Bestehens. Zn diesenl Alllaß ist aus dem Nachlasse des Begründers der Firma ein Werk: Mebo ha-Talnnid erschienell, das die Erinnerung all Dr. Moritz Povpelaner, der das Geschäft am 10. Mai 1860 (Lag be-Omrr 5620) begründet hat. Die Poppelatlersche Buchhandlung hat sich in diesem langen Zeitratnu immer attf gleicher Höhe erhalten lind um die Verbreitung der jüdischen Wissenschaft allsehnliche Verdienste erworben. Hoffentlich ist es denl netten kenntnißreichen itnb rührigen Besitzer, Herrn Jakob Sällger beschieden, die alte Firma zu lleuer Blüthe zu bringen ulld ill bent alten Neltommee zll erhalten! Die bisherigen Erfolge berechtigeil zu dieser Hoffnung.!. Berlin, 18. Mai. Die „Wissenschaftliche V ere i ll igu ll g jüdischer S ch ll l m ä ti n e v z ll Berlill" hielt ihre ordentliche Viotlatssitzllllg am 5. d. AI. unter Leitung ihres Vorsitzelldell, Herrn Auerbach, ab. Der Vorsitzende brachte zu lebhafter Freude der Versammlung einen Brief des Herril Direktor Dr. Adler-Frankfurt a. M. zur Verlesllng, ill beut dieser seiner unverminderten Theilnahtne für die Bestrebullgen der Vereinigung, der er immer besonders zugethan gewesen sei, Ausdruck gab; sodamt lnachte er auf die am 24. d. M. ill Luckenwalde stattfilldende Provinzialversammlnng aufmerksam ulld forderte zll reger Betheiligung an derselben auf. Alsdann ertheilte er Herrn Dr. Tiegel das Wort zll einem kurzell Referat über die ostpreußischen Aliträge zum Statllt der Pellsions-, Wittwell- und Waisenkasse des Verbandes. Nachdem Referent einen kurzen Rückblick alls die Entstehung der Kasse und die bisherige Arbeit des Knratorilllns der» selben gelvorfetl, erklärte er, diesen Anträgell nicht zustimlnell zll können. Zunächst könne er llicht auerfenuen, daß die Kasse eilte Centralkasse hi dem Sinne seilt solle, daß sie eilt Konkurrenzunternehmen gegen die bestehendetl Proviltzialbezw. Bezirkskassen bilde, zumal seinerzeit in der Delegirtenverfammlung darauf hingewiesen worden sei, daß die Kasse nicht au die Glaubensgenossen in denjenigetl Städten herantreteu werde, ails benen erfahrtlugsgellläß die Spenden für die Provillzialkassen fließetl. Sodanll aber sei es nndenkbar, daß die Kasse für die Gesammtlehrerschaft eintreteii fömie, weil dazu ein vielfach größerer Grundfonds itothwelldig sei, als er der Kasse in der Gegenwart zttr Verfügung stehe. Sollte sich aber der Grundfonds so allßerordetltlich vermehren, daß die Gesammtlehrerschaft der Kasse betheiligt werden finute, so werde die Kasse durch die erheblicheil Leistnllgen, zu beiteu sie durch ihre Satzungen verpflichtet sei, in weit höherem Maße der Lehrerschaft bienen als die Provinzialkassen. Deren Leistungen infolge des eillgeführteil Qnotenspftems stets schwankend seien. Auch feien einzelne Paragraphen der Vorschläge so unbestimmt

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