Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1900)
- Date
- 1900-05-18
- Page
- Seite 240 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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240 zusühren, so ntufe man den Eltern in der That den Vorwurf machen, daß sie immer erst die Aufforderung der Vorgesetzten Behörden zur Ertheilung des jüdischell Religionsunterrichts abwarten, und erst daraus Hill den Austritt bewirken, weil bislang für sie noch kein „plausibler Grund" dazu vorhanden gelvesen. Meiller bescheidenerl Allsicht nach müßten deshalb alle Gemeinden danach streben, daß diejelligell Killder jüdischen Glaubens, welche die christlichell höheren oder Bürgerschulen besucheli, lvo sie sich, lvie allgemein üblich, bei ihrer Aufnahme über ihre Konfession auszuweisen habell, ohlle weiteres voil den leitelld en Schuldirektoren ailgehaltell werden sollten, d. h. voll aultslvegell sich sofort darüber auszllloeiserl, ob sie nun auch in ihrer Konfession Religionsunterricht empfaugeu habell oder empfangeil werden, dalnit solche Killder llicht religioilslos bleiben. Wissen nun aber die jüdischell Eltern, daß von ihnen dieser Nachlveis schon bei der Aufnahme ihrer Kinder in christliche Schulen zll erbringen ist, so liegt die Sache wesentlich günstiger für die jüdischen Schulorgane, und sie werdell fortan nicht mehr als „Denunzianten" beschinlpft. Wollen trotzdem jüdische Elterll ihre Killder all dem christlichell Religionsunterricht Ailtheit nehmell lasseil, so mögen sie dieses, lvenn auch betrübende Experiment, lvagerl, das ist ja leider llicht zn verhüten. Wellll hier llicht baldigst Wandel geschaffell lvird, so werden die Austritte aus denl Illdenthlun mehr und mehr zunehmeil, beim es ist eine befanute Thatsache, daß viele jüdische Eltern wohl den Muth habell, die jüdische Autorität für sich lind ihre Killder llicht nnerfenneii zli wollen, während sie viel zu feige silld, beu winzigsten Anordnungen von christlicher Seite 311 begegnen. Zurückkommend auf ben Fall in Hannover, so bedarf es wohl fnum des Nachweises, daß die betx'effeubeu Eltern gar keine blasse! Ahnung voll deln haben, was bem Kinde in der chistlichen Religionsstlntde gelehrt worden ist; aber das ist solchell Elterli allch ganz gleichgiltig; es sollte ja mtr „ihr höchstes Ziel" erreicht werden das Kind vor allen Dingen denl Judenthlinl so lauge zll entfvembeu bis die Tradition aus „seiile Weise" zu Grabe getragen, uild damit die schon seit Jahr llnd Tag ersehilteu Wüllsche endlich erreicht lverden fomiteu. Uild zuletzt wird bann tu die Welt posaunt, llur durch die Jntoleranz der jüdischen Schlllbehordeil oder des Rabbiners hat mall lllls alls denl Judenthum gedrängt! Glailbe dieses, lver's vermag. v. 4v Sehr geehrter Herr Redakteur! ^Mu der jüugsteil Numnler Ihrer geschätztell Zeitmlg brlllgeil Sie <33 auch einen Bericht über die stattgesulldelle Generalversammlung des „Israelitischen Wohlthütigkeitsunb Beerdiglillgs-Bereills" Hierselbst. In dieser BersamllUlg wurde auch die bereits tm Sprechsaal der Nr. 49 vom Jahre 1899 in Ihrer Zeitung äugeregle Frage gestreift, wie der Unsitte zll ftenevn ist, die Särge der Berstorbenell mit kostbaren Kränzen. Palmen re. zu schmücken. Anlaß zur Debatte war der Vorfall, daß bei einer jüllgst stattgehabteil Beerdignilg der Gattill eines sehr angesehenen Gcnleilldelllitglledes die Uebersendung von Btlimeil durch eine Spende bei der Kasse des oben genannten Vereins voll verschiedenell hiesigen Familien abgelöst und diese Nanlell dalln in den hiesigen Zeitungen Seitens des Vorstandes veröffeiltlicht wurden. Nicht gefallen hat die Foru» der Veröffentlichllng und der Vorstand hat dieses auch selbst zugegeben, er wollte aber nllr die Sache anregen und zur Nachachtung empfehlen. Dagegen lvareu alle Nedller darill eillig, daß „die jetzt moderil gewordene Uebertreibung uild Nachäffung der Gebräuche Andersgläubiger im höchsten Grade unjüdisch und verlverflich ist" und daß Nemedur geschaffell werden lnllß. 1* Für die Ablösung dllrch Spenden sprachen sich alle alls, doch sollen die Atomen der Spell der nicht mehr veröffentlicht, sollderil den Leidtrageildell direkt nlitgetheilt oder un Jahresbericht veröffeiltlicht lverden; ebenso soll auch den sänuntlichen Mitgliederrl der hiesigen; Genleiilde voll diesen Beschlüssen Kenntniß gegebell lverden mit dem j Ersuchell, die Beerdigungen nach altjüdischer Sitte schnillcklos und einfach vorzunehmeu und voll Kränzen und 23lnmen abzllsehell. „Im Tode sind nur ja Alle gleich, darum sei für Reich imb Arm kein Unterschied" sagte tveffeub unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Vvgelstein; mögen feine Worte Beherzigung finden. Stettin, 22. April. Ihr sehr ergebener Leop. Weilt. Löbliche Redaktion! Öj(ii Nlllluner 14 Ihres Blattes lesen lvir einen Ausruf vonl Bürgernleister Kornhaber in Borhslaw über die traurigen Zustände unserer armen Glaubensbrüder, welche im bllchstäblichen Silllle des Wortes gänzlich dem Hungertode Preis gegebell silld, lueun nicht rasche Abhilfe geleistet wird. Wellil mm wirklich für unsere armen Glaubensgenossen in Boryslaw schllelle Hilfe geschafft werden soll, so erlallbe id) mir eine Idee tu Vorschlag zu bringen, die rasche Hilfe bringen fcuut und auch durchführbar ist. Vor Allem müssen die Vorstände der Großgenteindell. wie z. B. Berliil. Wieil, Pest re. in enge Fühlung treten, ein Komitee bilden und eine Deplitatioll möge bei den Millionären Rothschild Guttmann rc. vorsprechen, damit dieselben die llothweildige Summe sür nufere armen Glanbensbrüder einsiweilell bloß Vorstrecken mögen, um rasche Abhilfe leisten zu fönuen. Wellll dies einmal geschehen ist, so soll eilt Eirknlar allsgesetzt unb eilt Salllmetbogel, bei gelegt lverden. Die Vorstände der Großgemeinden sollen gehalteil sein, dieses Cirkular an alle Vorställdc der Provillzgemeindeil einzllschickell, lind mail kann mit Sicherheit der angenehmen Hoffnung Nanm geben, daß sich lvohl selbst der Aermste in uusernl wohlthätigen Judenthlun llicht atlsschließetl wird, eine kleine Gabe 311 diesenl Zwecke beizusteuern. Das eiagelansene Geld wird dem gewählten Konlitee eingesendet lllld denen, die es vorgestreckl, rückerstattet. Nur so lväre es tuöglich, unseren arutell Glaubensbrüdern rasche Hilfe zu leisten. Hochachtullgsvoll Budapest, 8. April. Siegluulld Lauser. Sehr geehrter Herr Redakteur! f ank der tiebellswürdigell Verwendung der Herren Rabbilter Dr. Munk uub Dr. Vogelstein haben mehrere hiesige jüdische Mitbürger Spendeil sür die hungerndell Jlldell in Bessarabien dllrch mich, in Sulunla 633 Mark, cm das Koniitee in Odessa eingesaudt iAdr.: Samuel Barbasch. Odessa). Es lväre wüuschenswerth, lveuil allch anderswo unsere Glaubensbrüder mit ihren Spenden sich an diesem Hilfswerk betheiligen würden. Die Gelder lverdell die Qenannten Herren Rabbiner hier die Güte habell, entgegenzunehmell; auch der Unterzeichnete ist bereit, dieselben all das Konlitee zll befördern. Kölligsberg i. Pr., 22. April. Hochachtungsvoll M. L. S a m b urskh. & Hochwohlgeboren beehre ich mich ganz ergebenst zur Berichtifluiifl mitzutheilell. daß ich p rotest all t isch er Geistlicher bin und als evangelischer Hausgeistlicher am Zuchthause Ebrach wirke. Ebrach, 7. 5. 1900. Hochachtullgsvoll Dr. Iaeger, Pfarrer. * Äjn Nr. 12 der A. Z. d. I. sagt Hr. Dr. Lichtenstein: „Der. Jude hat ein Herz voll Liebe unb Milde." Wie reimt sich hiermit die Thatsache, daß die gralleuhasteste aller Thierquälereien, die Vivisektion, alls jüdischer Seite so viele Vertheidiger fflidet? Ich kenne keinen jüdischen Gelehrten, der sie bekämpft, lvähreild ihre sittliche uild allch wissenschaftliche Verlverfllchkeit von einzelnen christlichell Sachverständigen dargethan worden ist. Vielleicht haben Sie die Güte, durch Vervsfentlichung dieser Zuschrift dazu anzuregen, daß die auf bem Boden voll Sprüche 12. 10 stehenden und darum die Vivisektioll bekämpfeudeu medizinischen Leser der A. Z. d. I. mit einer Aeußeruug an die Oestetltlichkeit treten. Sehr dailkellswerth lväre allch eine ,Sammlung von thierfreundlichen Allssprücheu lutd Erzählungetl aus dem umfangreichen Schriftthlllll Israels. Ich denke z. B. all die in meinem ,,Kreuzzng" (2. Allst. S. 114) mitgetheilte Allekdote, die Jehuda Hannasi betrifft. Fr i e d e u a u, 29. März 1900. Hochachtungsvoll W. Becker, Prediger. (Das Indenthnul braucht seilte Gebote, die Schonung und ben Schutz der Thiere betr. llicht erst 311 verbreiten. Sie liegen in der heiligen Schrift offen 311 Tage. Talmud und Midrasch habell sie vielfach noch erweitert uttd durch echt humane Erzählllllgeu bestätigt. Die Frage der Vivisektion hat damit aber absolut tlichts zu tijun. Die Red.) Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Vauchwitz in Berlin.