Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-18 · Heft 20 (18.5.1900) · p. Seite 233

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
Seite 233 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228386--56457-3292762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

233 und cjeifti] hoffentlic, bebauevlii, traurigen sstockunge i denen ele tnelmel] nter sehr zn sungswor?sen Zeiten l, und ha. Wunsch iii; Glaubens nheit; eir wn beide! ruft, wenn ngeu ittn lich, aber rd peinlich s vermög t, nwchei gehaltene', ltisemitisc! t oerblüsi üß, wessen Lisenbahn t Liedcher teristik der nder zun le itt baai\ ix“ zeigen außen tun Händlers >as Schill auch ab ädchen?rmiethen bzuliefern chchen da diesbezüg lnich noci bei einein Verlassen Dn noc! t, daß e ies nieder ächen, di mv nun einmal leben, kann auch dem Bestell ein Fehler unter* aufen, und darum ist, wie schon gesagt, manches nicht zu erwandern. Wir nlöchten jedoch bei dieser Gelegenheit der Meinung lusdruck zu verleihen uns erlauben, weil wir für Frieden sind?ub den auf gewaltsame Weise herbeigeführten Unfrieden tief eklagen, daß alle im öffentliche!, Leben stehenden Personen, -lamentlich Geistliche, Lehrer und Andere — rühmliche, uns ekanute Ausnahmen seien hier ausdrücklich hervorgehoben — ei etwas gutem Willen viel zur Belehrung und Aufklärung md somit zur Beruhigung der aufgehetzten und irregeleiteten Rassen beitragen könnten, und sollten es die hierzu Berufenen, aran nicht fehlen lassen, um für Groß ulld Klein nützlich und wttgefällig zu wirken, für loahre Nächstenliebe, Duldsamkeit lud Frieden. Glücklicherweise fehlt es au loyal benfenben Männern auch uer nicht, die in ulleigennützigster, logischer Weise das Märchen om ytituallnord zu loiderlegen suchen, — so traurig es auch ist, aß ma,l zu Beginn des 20. Jahrhunderts dieses leidige Thema ,lls diskutabel betrachtet, um so erquickender aber ist der das ulukle Gewölk durchbrechellde Sonnenstrahl — mld direkt der indirekt zur Anfklärullg beitragen. Hierfür ein erfreuliches Beispiel. Da konlUlt jüngst der mir befreundete Schlachthausmspektor mit seinen Freunden am Stammtisch zusammen und 'egeguet im Laufe der Unterhaltung bei den sollst ihm Gleichgesinnten der zum Ueberdruß gehörten Ansicht vom sog. Ritualnord; natürlich in jener lllitdel, Fornl, „. . . . llicht alle ^udeu, aber eine Sekte existirt, die solches thut oder thuu Illlß k.“ — Mein alles auf die Wagschale der Logik legende Freund R. erlviedert den Zweifelnden ganz richtig: Mit denl Moment, hi jene angebliche Sekte diese Norm annimmt, durch solche cheußliche That dem Herrn ein wohlgefälliges Opfer 511 bringen, cheidet sie ja eo ipso aus dem Judellthume, das doch gebietet Du sollst nicht tödten", ans; wie könnte man mit gutem Gewissen, falls dieses Ullglaubliche wahr sein würde, das Jrdeuthnm als solches hierfür verantloortlich machen?! sicherlich existiert so etwas nicht." Ehre dem freien, selbsttändigen Mamle. Ob die Herren nach dieser vorurtheilsreien Darleguilg überzeugt waren, läßt sich nicht mit Betimmtheit behaupten, ist aber anznuehinen, da sie schwiegen and nichts erwiedern konnten. Nicht schließell wollen loir diesen Bericht, ohne zu erlvähllen, oaß es auch in Westpreußen, mit Ausnahme jener Eingallgs gekennzeichneten Hetzblätter, noch eine loyale, vorurtheilsfreie Presse giebt, wenll auch lllanche Lokalblätter sich nur „neutral" 'erhalten, die viel zur Steuer der Wahrheit, zllr Volksaufklärung und Beruhigung der Geruüther beiträgt. il. das anti kung thur affizirtc Brief aus Oesterreich. ftigerlveii eu Aeuße eses Jgnv kein Klage tu welche! Ende April 1900. ex Bedeutung des Parlamentarismus für einen Staat nach der Menge der Parlamente bemißt, wird ^0 sicherlich unser durch die verschiedenen Gaben des Himmels reich gesegnetes Vaterland für das parlamentarischeste man verzeihe diesen Superlativ Reich von ganz Europa und Umgebung erklären müssen. Wenn in unserem Reichsparlamente, dessen Gebäude jetzt mit den Standbildern einiger griechischer und römischer Geschichtsschreiber und Philosophen geschmückt wurde, Tschechen und Deutsche und Christlich-Soziale und andere Soziale — sozial sind sie alle — hart aneinander gerathen, so daß gelegentlich sogar die Polizei Ordnung machen muß zwischen den streitenden „Bolksmännern" — lachen Sie nicht - und sich hierauf die Thore des griechischen Palastes auf dein Franzensring in Wien schließen, dann geht es in den Landtagen los. Wieder Parlamente in verkleinerter Gestalt. In Prag schlagen sich die Pacaks uub Baxas und Wolfs und Funkes weiter; hier nennt man dies Sprachenkanipf. In Brünn treiben es die <iii ininormn gentium in ähnlicher Weise; nur noch etwas kleinlicher. Die Staatsmänner Mährens heißen: ldies für künftige Geschichtsschreiber) P. Schefzik, Dr. Stransky, Dr. Für, Dr. Prazak, D'Elvert u. s. f.; alle kann ich nicht aufzähleu, ich könnte auch die Bescheidenheit der Herren vielleicht verletzen. Sie haben keine Idee, worüber sich diese Staats- oder Landmänner entrüsten, ereifern, erhitzen fömmt. Die wütheudsten Kümpfe entbrennen in der Brünner Landstube wegen einer tschechischen Realschule oder wegen eines Ausspruches, den ein katholischer Katechet vor 20 Jahren gemacht hat. - Wenn diese Parlamentarier des Landes Mähren die Weltgeschichte nicht aus den Angeln heben, dann geschieht es überhaupt nie mehr. Aber die Brünuer Landstube ziert vorläufig das Bild des Demosthenes noch nicht. Das Wiener Landhaus schmückt auch noch nicht die Statue des Aristides. Dort walten in unumschränkter Herrschaft Schneider, der Landmarschall Gudenus, der Pfaidler Gregorig, der „allverehrte Bürgermeister" und Sozialistentödter Lueger, und ihnen gegenüber stehen der Versicherungsbeamte Noske und der Advokat Dr. Ofner, der einmal Jude gewesen ist. Was sie im Wiener Laudhause treiben? Müßige Frage. Die Juden geben ihnen genug zu lhun. Wozu sind überhaupt die Inden da? Wo gäbe es Antiseiuiten, wenn keine Inden wären? Und wozu feiern wir unser Passah? Sie sagen, dies sei ein Freiheitsfest. Sie irren. Das Passah feiern die Juden, bannt Schneider und Gregorig Rituallnorde konstrniren. Dann kommt Noske und vertheidigt die Juden. Er sagt, schon Päpste hätten den Ritnalmord verurtheilt und behauptet, das ganze wäre ein Märchen. Schneider weiß das besser. Der Mann ist Spezialist in Gasmeffern, Stampiglien und Bestechnngsfragen. Schneider ftubiut Talmud und nebenbei macht er tiefsinnige Forschungen in päpstlichen Bullen und Dekretalien, und so hat er erforscht,- daß alle Päpste, welche gegen den Ritualmord gesprochen und geschrieben haben, von den Juden bestochen wurden, „weil sie Geld 'braucht haben, die Päpste". Beitrag zur Geschichte des Papstthums, geliefert von dem Gasmesserlieseranten Schneider im Jahre des Heiles 1900, das ist also mehr als 700 Jahre nach jenem Jnnocenz IV., welcher in einer Bulle erklärt hatte, der Ritualinord sei eine große Lüge und Dummheit. Schneider weiß das besser. Der Landmarschall Gudenus aber, der sein Haus in Wien an gut zahlende Inden vermiethet, der fromme Gudenus hört zu, wie Päpste beleidigt werden. Und siehe, nun kounnen die Rostes und Ofners und vertheidigen die Päpste, und da giebt es noch Leute, welche nicht glauben wollen, diese Welt sei eine verkehrte. — Der Vollständigkeit halber möchte ich noch anführen, daß wir in Oesterreich noch Parlamente haben, das finb die Delegationen; dort werden den Kriegsministern die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.