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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-18 · Heft 20 (18.5.1900) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 20 (18.5.1900)
Date
1900-05-18
Page
Seite 231 (sequence 5)
Language
German
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231 , 15. Mai. )erg-Lottm ion wegen norde am ktion des rrpellation ik des An- ) die güner konsersich hänslle war es einmal in letzter Zeit sausschnß ll'ickler von igeleiteten Amte als mit. Der m Urtheil loch eine, lgkeitliches den Ans- Reden die nur, meint' mürbe wie thunr und e Zustände mznärgern rrch meine Angezogen; mr geklagt ein Bei- Richtern richtigen ließen in , daß Sie Patrioten l Sie sind der Brust liefe ganze dem, och erden Sie e zu vervird fast t Richtern rer Rede üitachten getroffen ^ung der stellt sei, e herbei- Zmferenz ch einen hin noch einen älteren Beamten, den Kriminalinspektor Braun nach Könitz entsenden. Die Untersuchung ist dadurch erschwert worden, daß erst nach Verlauf von mehreren Wochen ein Krinünalbeaniter zur Ermittelung nach Könitz entsandt wurde, daß mehrere Untersuchungsrichter in der Sache thätig waren und die Spur des Mörders nach Ankunft der Berliner Kriminalbeamten schon sehr verwischt war. Zur Ermittelung des Thäters sind jetzt nicht weniger als 32000 Mark als Belohnung für die Aufdeckung der That ausgesetzt worden. Diese hohe Summe hat dazu oeigetragen, daß auch unberufene Personen ans eigene Faust nach dem Thäter forschen, eine Anzahl von Anzeigen bei den Behörden einlausen und Dinge mit dem Mord in Zusammenhang gebracht werden, die sich bei den Nachforschungen als ganz harmlos Herausstellen. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich bis jetzt bei der Untersuchung dieses mit großer Verschlagenheit ausgeführten Kapitalverbrechens ergeben haben, scheint jetzt begründete Hoffnung vorhanden zu sein, daß der Mord aufgeklärt wird, weil nach den bisherigen Ermittelungen mehrere Personen darum wissen müssen und das Wort „chercliez Ja femme“ auch in diesem Fall wieder zutreffen dürste. Im Interesse der Ermittelungen und mit Rücksicht auf den Gang der Untersuchung kann vorläufig über die Spur, die verfolgt wird, nichts nütgetheilt werden. In Könitz soll die Entlassung des früheren Schächters Fsraelski aus der Untersuchungshaft bevorstehen. Bemerkenswerth bei der ganzen Affäre ist die unglaubliche Geringschätzung, welche die Antisemitenpresse bei diesem Anlässe gegen die Justizbehörden äußert. Wir citiren einige Stellen ins Reden und Artikeln über die Konitzer Affäre: „Dozn kommt die allgemeine Gereiztheit der Bevölkerung, orm mb reich, hock und niedrig gegen die—es muß leider gesagt werden -behördlichen Organe. Das Volk hat kein Vertrauen mehr; u d e n M ä n u e r n , die ü b e r R e ch t und Gerechtigkeit in dieser s ch iv e r e it Mordsache mitzusprecheu habe u." . . . . ,Es müsse auffallen, daß in allen Fällen, lvo die Inden solcher Morde verdächtig seien, die Justiz versage. Den Juden gegenüber habe vre Themis keine Binde vor Augen." (Großer Beifall.) . . . .Alles in allem, kann man den Eindruck nicht los werden, als wenn elbst die oberen, die Untersuchung leitenden Organe nach einer 'estimmten das Judenthum schöner, deu Schablone i rbeiten müssen, rvas auch durch ein Gerücht, das mir eine große Anzahl von Zeugen bestätigt hat, fast an Gewißheit gewinnt; soll voch in einer Gesellschaft selbst von der Frau des Staatsarnvalts von ..einem Druck von oben/' wie auch von einer Aeußerung des Obertaatsanwalts Wulff zu dem Ersten Staatsanwalt Settegast: „Hüten o\t sich, gegen die Juden vorzngehen," ganz öffentlich gesprocherr ein, ja selbst in der Klasse des Sohnes wie der Töchter des Staatsmwatts soll ganz offen darüber gesprochen worden seien, so daß es ilfo doch fast Familiengespräch gewesen sein nruß.".In einer Versammlung berichtet eil, antisemitischer Abgeordneter: „Er habe der Verhandlung in Kleve beigewohut und sei der festen Ueberzeugung, wie t auch gelegentlich einer Vernehrnung als Zeuge in Dortnmnd vor bericht ausgesagt, der Jude Buschoff sei freigesprocherr, weil er freilefpvocfjeu Werder, sollte. Sei es zrr verwundern, wenn das Zutrauen zur Justiz unser solchen Umständen erschüttert werde?" Auch ein antisemitisches Nebentribunal hat sich in Könitz - wie seiner Zeit in Polna — etablirt. Die „Lib. Korresp." chreibt darüber: „Unsere Annahme, daß das demurziatorische Treiber, der arrtisemiifchen Gymnasiallehrer in Konih, die sich ans Anlaß der Ermordung ^es Gymnasiasten Winter die Verbreitring der Ritnalrnordlegende laben besonders angelegen sein lassen, seitens der Aufsichtsbehörden nicht uuberuerkt geblieben ist. wird urrs durch direkte Nachrichten aus «konitz bestätigt. Die Königliche Regierung in Danzig hat einen Intitiar zur Persönlichen Verrrehrnnrrg der Betreffenden nach Könitz entsandt. Wir glauben ferner, in der Annahme nicht seht zrr gehen, daß auf gemeinsame direkte Aruveislnrg ans den, Ministerinru des Inneren und den, Kultttsministeriurrr den Betherligten anßerdern eine nachdrückliche Berrvaru rrng ertheilt worden ist mit Hinweis aus ein irr, Falle der Nichtbeachtlnrg sofort zu gervärtigendes Disziplinarverfahren." Und das sind die staatserhaltenden Elemente! Freilich, wenn einmal die Verurtheilnng eines Inder, oder die Freisprechung eines Antisemiten erfolgt, dann „giebt es noch deutsche Mchter". Sonst nicht. * Das Kapitel über Namensänderung wird wieder vielfach ventilirt. Die „Konservative Korrespondenz", die von Zeit zu Zeit gern in Antisemitismus macht, schreibt darüber Folgendes: „Alles was Schnml, Leoy, Cohn rc. heißt, sucht jetzt seinen Namen loszuwerden, und in jeder Woche fast werden die Träger alter christlicher Namen dadurch überrascht, daß sie irr den Zeitungen lesen, diesem oder jenem jüdischen Mitbürger, der seines Narrrens sich schärnt, sei die Erlaubniß gegeben, sich so wie sie zu belrennen. Irl der Presse rvie il, christlichel, bürgerlichen Kreisen, die iloch auf ihre Namen halten iirld den Familienznsamlnenhallg pflegen, herrscht infolge der Bereitwilligkeit, mit welcher die Behörden deil jüdischen Anliegern entgegenkonlrnen, bereits eine starke Erregullg. Mari fragt sich, ob denn wirklich jeder Träger eirres christlichen Namens dagegell lvehrlos sei, daß plötzlich ein Schnull, Lern, Cohn rc. sich in feinen „Namensvetter" verwandelt. — Es ist also dringend zu wünschen, daß die Sache einmal grlrndsählich geregelt rverdeil möchte; namentlich erwürlscht würde es sein, rnerrn — wie dies srüher geschah — vor Genehmigung der Nanrerisänderullg ein Aufgebot an die rechtnläßigen Träger der in Betracht konlmendell Namen erfolgte, im deren Einwilligung sestzustellerr." So schreibt das parteiamtliche Blatt der Konservativen. Man darf sieh also auf etwas gesaßt machen. Der Sieg der französischen Antisemiten bei den Munizipalwahlen in Paris giebt ihren deutschen Gesinnnugsgenossen neuen Kampfesmnth. Bekanntlich wurden bei den am 7. d. M. vorgenommenen Wahlen in den Gemeinderath der Stadt Paris 52 nationalistische und 20 republikanische Gemeinderäthe gewählt. Bisher zählte der Pariser Gemeinderath blos zwei nationalistische Mitglieder. Aber niehl nur in Paris, sondern, auch in Algier haben die Gemeinde- Wahlen mit dem Siege der Antisemiten geendigt. Kann man sich in Paris damit trösten, daß es die Nationalisten, Bonlangisten k. waren, denen der Sieg gehört, so hat Algier ganz die Liste der reinen Antisenriten von der Spielart Drnmont 'gewählt. Drnmont ist zur Agitation selbst nach Algier gegangen, und obwohl der Empfang sehr kühl war, ist es ihm doch gelungen, schließlich die Volksstirnmung gegen die Juden soweit aufznregen, daß die Liste seiner Anhänger durchgegangen ist. Freilich wars ein Pyrrhussieg! Wann lverden wir endlich in Berlin soiveit sein wie in Paris und Wien, klagt elegisch ein hiesiges Anisemitenblatt. Nun, wir hoffen, daß es in Berlin nie dahin kommen wird. * Die Organisation eines besonderen Departements für alle jüdischen Angelegenheiten in Rußland, das bereits im nächsten Jahre in Thätigteit treten soll erfährt eine verschiedenartige Beurtheilnng. Alle Angelegenheiten, die Juden betreffen, sollen nach und nach ans den verschiedenen Refforts der Staatsverwaltung in das neue Departement übergeführt werden, \ /ili f. \; ■' i

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