Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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4 Friedhosserhalters ist. — König Alex a n b c v voll Ser die n hat den Bndapester Vizekonsul Soma Weist, der sich sowohl in dieser Eigenschaft wie als Leiter des Handelsmnsenms um die Hebung des serbischen Handels verdient geinacht hat, znni Konsul ernannt. - Frail D. Schulz hat 100 000 Kronen der Fogarascher Knltnsgemeinde für wohlthätige Zlvecke testirt. — Dr. Nathan Schlesinger, Vorsteher der L. Szt. Mikloscher Kultllsgemeinde wurde zum öffentlichen Notar in NOztahegh ernannt. — Der jüdische L a u d e s - S t i p e n d i u nl - verein bewilligte Hörern der hiesigen Hochschulen Stipendien im Betrage von 13 000 Kronen. Rußland. l.. I'. Odessa, <'>. Mai. Wie die „Odessaer Neuigkeiten" berichten, hat am 1. d. M. in Nikolajew eine provisorische Zusammenk u n f t der Rabbiner des C h e r s o n e r Go n v e r ll e m e u t s auf Initiative des Hanptkolonialrabbiners Dr. M. L.Kreps stattgefunden. In dieser Versammlung lvurde ein ausfi'ihrliches Memoire ausgearbeitet, ob es jetzt zweckmäßig und nothwendig wäre, einen allgemeinen russischen Nabbinerkongres; einznbernfen. Diese Denkschrift wird im Anstrage des Ministers des Inneren ausgearbeitet, der persönlich diesen Anstrag Herrn Kreps ertheilte, wub wird sodann dem Departement der geistlichen Angelegenheiten vorgestellt lverden. In der Koliferellz wurden alle jene Fragen besprochen, die zur Bellrtheilnng dem allgemeinen russischen Nabbinerkongres; vorgelegt werden. — Die hiesigen Zeitungen bringen folgende Depesche ans St. Petersburg: Im Ministerium der Landwirthschaft lvird jetzt die Frage über Vergrößerung der Zahl der Schulen in den jüdischen landrvirthschastlichen Kolonien des Chersoner nild Jekaterinoslalver Gouvernements ventilirt. Früher dachte man daran, blos kleine landwirthschastliche Schulen, d. h. niedriger Stufe zu errichten, darin wurde das Projekt verworfen. Statt dieser Schulen lverden. aller Wahrscheinlichkeit nach. Elementarschulen in denjenigen Kolonien, lvo solche noch nicht besteherr, errichtet. — In Lodz ist einer der größten Fabrikanten, Herr I s r a e l P o s ll a rr s k h inr 66. Lebensjahre gestorben. Irr den Fabriken des Verblichenen sind mehr als 6000 Arbeiter beschäftigt. Wir haben Posnanskp seit vielen Jahren persönlich gekannt. Er war ein ^rstt lmuJe man im vollsten Sinne des Wortes. In seinen jrurgeri Jahren arbeitete er in dem großen Geschäft von Scheibler in Lodz. Dann rnachte er sich selbstärrdig. nnb vorn Glücke begünstigt brachte er es zrr großem Vermögen. Trotz seines Reichthums war er ein sehr bescheidener und schlichter Alaun, der nicht gleich vielen Anderen mit seinem Gelbe groß that. Ter Verewigte lvar ein sehr kluger irnd praktischer Alaun; er rvar auch sehr rvohlthätig und hat unter anderen das jüdische Hospital in Lodz begründet. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die dortigen jüdischen und christlichen wohlthätigen Anstalten in seinem Testamente mit bedeutenden Lmminen bedacht. Er hatte Zeit seines Lebens ein warmsühlendes Herz für seine schwergeprüften Glaubensgenossen, und widmete seiner Gemeinde viel Zeit und Mühe. Möge sein Andenken gesegnet bleiben . — Die H n n g e r s n o t h in Be st a r a b i e n sowohl, als im Ehersoner Gouvernement, nimmt immer größere Dimensionen an. Dank der unermüdlichen Energie des gelehrten Rechtsanwaltes Morgulies lvllrde hier ein Komitee ins Leben gerufen und wurden bereits hier solvohl, als in den übrigen Ortschaften Rußlands bedeutende Sunnneu gesammelt. Aber trotz allem ist die Roth noch sehr groß, und man bedarf großer Summen, um das Elend der Tausende non Menschen zu lindern. Bis zur nächsten Ernte, also bis zum Monat August muß für diese große Zahl von Unglücklichen gesorgt lverden. Wie gesagt, Odessa solvohl als die übrigen russischen Städte thun was nur ulögtich ist. um der Hungersnoth zu steuern, aber alle diese Mittel reichen nicht aus. Wir sind überzeugt, daß unsere ausländischen Glaubensgenossen, nachdem sie die trostlose Lage ihrer russischen Brüder erfahren, das ihrige beitragen lverdeil, den Hungernden zu helfen. Wenn man die Berichte in den russischen jüdischen Zeitungen liest, so stockt eineni das Blut in den Adern. Ganze Distrikte und Provinzen nagen am Hungertuche.In Folge davon herrschen epidemische Krankheiten. . . . Die Roth und das Elend ist herzzerreißend; nur rasche llnd ergiebige Spenden können Helsen. Amerika. C. 11. Rew-Uork, Ende April. Am 30. März starb in Chikagv I a k o b R o s e n b e r g, 1810 in Baiern geboren. Er hinterließ letztwilllg etlva 50 000 Dollars verschiedenen jüdischen Wohlthütigkeitsanstalten. — Am 16. April starb daselbst der hervorragende Architekt Dankmar Adler, der Sohn des im Jahre 1892 verstorbenen Rabbines Liebniann Adler, bekannt durch sein Erbauungsbuch Zeenali tmb Reönah. Dankmar Adler war 1844 in Lengefeld geboren, kam als Kind nach Amerika, machte den Bürgerkrieg mit und liest sich dann in Chikagv als Architekt nieder, lvo er einige der hervorragendsten Bauten anssührte. Er nahm auch eifrigen Antheil au den Angelegenheiten des Indenthnms. Von Nah und Fern. — Der Kcnser von Oesterreich verlieh dem Chefredakteur des Berliner Börsen - Couriers" Dr. I. Landau das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und dem Direktor der Elektrizitätsgesellschast Rathenau die Eiserne Krone dritte Klasse. — Die Königl. Akademie der Wissenschaften hat Herrn Professor Dr. L. Cohn in Breslau zu einer Reise nach Italien zum Zweck der Vergleichung von Handschristen Philo's 850 Mark bewilligt. — Am 1. d. starb hier im Alter von 57 Jahren der praktische Arzt Dr. Albert Ahronheim. der seit 1866 hier den ärztlichen Berus ansübte. Er hatte, lange Zeit im Norden Berlins ansässig, in seinem Bezirke und. darüber hinaus eine ausgedehnte Praxis. In früheren Jahren beschäftigte er sich insbesondere mit der Anwendung der mechanischen Heilmethoden, lvie der Orthopädie. Er wirkte anch als Lehrer innerhalb des Verbandes der Heilgehilfen und im Verein für wissenschaftlich-chirurgische Vorträge. — Dr. Emil Silberstein von der Lehranstalt sür die Wissenschaft des Indenthnms ist einstimmig zum Rabbiner in Stargard in Pommern an Stelle des am 1. Oktober d. Js. ans dem Amte scheidenden Dr. Wolfsohn gewählt worden. — In Marktbreit i. 99. hat der Magistrat beschlossen, dein pensionirten Rabbiner jährlich 400 Mark Pensionszuschnst aus Gemeindemitteln zu bewilligen. — Die erste Preisaufgabe der medizinischen Fakultät Strastburg: „Die Indikationen und Kontraindikationen der operativen Behandlung der hochgradigen Kurzsichtigkeit" wurde von dem Kandidaten Herrn Emil Levi aus Stuttgart gelöst und mit dem vollen Preise (600 Mark) ausgezeichnet. — Der Dichter M. Woog ist im Alter von 66 Jahren im israelitischen Spital zu Mülhausen gestorben. Er war von Hegenheim gebürtig und schrieb seine zahlreichen und sehr geschätzten Werke in elsässisch-jüdischem Dialekt. Woog war seit langen Jahren erblindet; vor etwa zwei Jahren liest er sich in dos jüdische Spital ansnehmen, dem er auch damals als Entschädigung sein kleines Vermögen vermachte. „Jewish - Chronicle" verwechselt ihn mit dem bekanilten Pariser «Seminarlehrer Lazare Wogne, der längst todt ist! — In Bndapest har der Staatsanwalt anläßlich einer Schwurgerichtsverhandlung gegen eine des Kindesinordes angeklagte Jüdin sämmtliche jüdischen Geschworenen zurückgewiesen. Man bringt dies damit in Zusammenhang, daß vor kurzem zwei des Kindesmordes angeklagte Jüdinnen von den Geschworenen freigesprochen wurden. — Dr. Markns Ehrenpreis, Bezirksrabbiner in Djakovar, wurde von den Delegirten des bulgarischen Landeskongresses in Sofia, zunr Landesrabbiner für Bulgarien gewählt. — Dr. A. Kaminka, Oberrabbiner in Es sek, hat sein Amt niedergelegt und lebt jetzt mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt in Wien. — Aus Alllast der Eröffnung des neuen Knnstpalastes in Paris ist der Generalinspektor der Museen des Landes. R. Marx, zum Offizier und der zlveite Direktor des Bureaus der Künste, I. CH. E. Berr de Turigue znm Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — Sümmtliche jüdischen Angelegenheiten in Rußland, die zur Zeit im Polizei-Departement des Ministeriums konzentrirt sind, werden, lvie verlautet, demnächst zur Kenntlich des Ministeriums des Innern überführt lverden. in dein eine besondere Abtheilung zur Behandlung dieser Allgelegenheiten creirt wird. - Der Senat in Petersburg hat verfügt, daß beu jüdischen Schriftsetzern, welche Nachweisen, daß sie solche sind, das Wohllrecht in ganz Rußland zllsteht. In Sebastopol wurde die jüdische Farnilie R a ch n m Gurowits ch , Mann imb Frau, Sohn von 17 und Tochter von 10 Jahren, ermordet; voll den Mördern fehlt iloch jede Spur. Der Sohll kouute noch vor seillein Tode, als er schwer verletzt ausgesunden lvurde, die zwei Worte sagen: „zwei Russen". Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.