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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-11 · Heft 19 (11.5.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 19 (11.5.1900)
Date
1900-05-11
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Vielen die Frage, welcher Beruf ergriffe»» werden soll, noch nicht entschieden haben. Da wird es den Eltern solcher Kinder gewiß willkommen sein, auf die segensreiche Thätigkeit des hier seit Jahren bestehenden Vereins zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Indtn aufmerksam zu machen. Daß es fast ein soziales Bedürfnis; ist, jüdische Knaben den: ehrenwerthen Handwerkerberuf zuzuführen, den unsere alten Weisen neben ihrem Lehramt wie ein Gebot der Pflicht und Religion ausznüben sich nicht scheuten, ist längst anerkannt worden. Der hiesige Verein trägt den Neigungen und Fähigkeiten der jungen Leute nach Möglichkeit Rechnung, sucht tüchtige Meister aus. die verpflichtet luerben, den Lehrlingen an allen Sabbath- und Festtagen sreizugeben und sorgt bestens sür religiöse Erziehung, körperliche Verpflegung und geistige Fortbildung. Im vergangenen Jahre standen unter der Obhut der Düsseldorfer Abtheilung des Vereins etwa 50 Zöglinge, von denen 10 ihre Lehrzeit beendet haben »uib nunmehr als recht brauchbare Gehilfen thätig und geschätzt sind. Augenblicklich sind im hiesigen LehrlingSheim noch einige Freistellen vorhanden, und es ist daher rathsam, Meldungen um Aufnahme baldigst dem Vorsitzenden des genannten Vereins, Herrn Stadtrath G. Herzfeld, einzureichen. u. Frankfurt rt. M., 4. Mai. Am 24. v. Mts. fand die seierl»che Einführung des Herrn Dr. Salo Adler als Direktor der Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde im Beisein des Vorstandes, des Ausschusses, des Schulrathes. der Kollegen, der Schüler und Schülerinnen mit zahlreich erschienene»» Freunden der Schule statt. Nachdem der Chor der Mädchenschule das Lied „Gott grüße dich" von Abt angestimmt, führte Herr Provinzialschulrath Otto ans Cassel den Direktor in sei»; Amt ein. Nachdem er in rühmender; Worten seines Vorgängers im Amte gedachte, wies er auf Dr. Adlers bisherige erfolgreiche Thätigkeit hin, überreichte ihm die Bestallungsurkunde und verpflichtete ihn Namens der Staatsregierung. Der Präsident des Schulrathes, Herr Anton Hochheimer, begrüßte den neuen Direktor im Namen des Schulrathes. Er hob die segensreiche Wirksamkeit seinerverdienstvollen Vorgänger im Amte hervor, in deren Sinne und Geiste er wirken möge. Herr Direktor Dr. Adler dankte hierauf für das in ihn gesetzte Vertraue»; und führte dann in ausführlicher, eindrucksvoller Rede aus, rvie er schon seit seiner Jugend mit Verehrung zu der Anstalt emporgeblickt, die der deutschen Judenheit so viel Segen gebracht und wie er iinmer im geistigen Zusammenhänge geblieben mit den Männern, die hier gewirkt und mit den Leistungen, die vo»; ihnen ausgingen. Er suhle sich darum an der Stätte seiner neuen Wirksamkeit nicht als Fremder, der einen ihm unbekannten Boden betrete und gelobte seine Kraft in den Dienst einer A»»stalt zu stellen, die noch immer Großes zu leisten berufen sei. Der Chor der Knabenschule schloß mit dem Liede „Preis und Anbetung sei unfern; Gotte" von Ehr. H. Rink die bedeutsame Feier, die einen Markstein in der Geschichte der Schule bildet. Ä. Mülhausen, 29. April. Die Jsra elitische Ge»verbeschule des Oberelsaß versendet ihren Bericht über das Rechnungsjahr 1899. Seit der Gründung dieser Schule im Jahre 1842 haben mehrere Hundert dem Elende und dem Müßiggänge entrissene junge Leute der Anstalt a»»gehört, un; die verschiedensten Handwerke zu erlernen. Nach »venigen Jahren finb sie fleißige und intelligente Arbeiter und selbst Meister geworden, die ihrerseits wieder Zöglinge unserer Anstalt beschäftigen. Lang ist die Liste ausgebildeter Arbeiter- Meister und Arbeitgeber, die ihre Stellung diesem Hause, welches ihr Ernährer und Bild»»er gewesen ist, verdanken. Die Schule zählte in diesem Jahre 43 Schüler, rvelche sich auf folgende Berufsarten vertheilen: 6 Tapezierer. 5 Schneider, 5 Holzbildhauer, 4 Buchbinder. 3 Kürschner, Mützenmacher, 3 Zeich»;er, 3 Blechschmiede, 3 Schlosser. 2 Uhrmacher und Optiker, 2 Sattler. 1 Bürstenbinder. 1 Hemdenrnacher, 1 Elektrotechniker, 1 Lithograph, 1 Buchdrucker, 1 Drahtrveber, 1 Schüler. 14 derselben haben dieses Jahr die Schule verlassen. Sie sind mit den notwendigen Kenntnissen ausgerüstet, verdienen alle auf ehrliche Weise ihr Brod, und wir hoffen, daß sie dereinst aus. gebildete Arbeiter werden. Dadurch sind also wiederZsc» viele junge Leute dem Bettelstab und de»n Kleinhandel entzogen »vorde»;. Sie sind durch die gleiche Zahl junger Lehrlinge infolge der Zulassungsprüfung ersetzt worden. Auch diesmal ist nur Lobenswerthes über das Betragen, den. Fleiß und die Fortschritte der Zöglinge sowohl in der Werkstätte als in der Schule, nritzutheilen. Vier Schüler erhielten bei dem Wettbewerb in; Figuren- und Ornamentzeichnen Auszeichnungen. 14 Schüler erhielten Preise bei der Ausstellung, die i»n vorigen Jahre in Straßburg stattfand. Die Einnahmen belaufen sich auf Mark 19102,60, die Ausgaben auf Mark 14 844,36, Saldo in der Kasse Mark 4 258,24. Dieser Restbestand dient dazu, die Ausgaben bis zur uächsten Einkassirung zn bestreiten. Die Mark 14 844,36, in »velchen die außerordentlichen Ausgaben für größere Reparaturen, für Kost und Unterstützungen mit einbegriffen sind, vertheilen sich bei den 43 in; Jahre 1899 anwesenden Zöglingen auf 14 800 Tage. Das »nacht pro Tag für jeden Schüler Mark 1,01 sür Kost, Kleidung, Unterricht u. s. w. Der Verwaltungsrath besteht aus den Herren Lazare Lantz, Präsident, Heinrich Wallach. Vizepräsident. Gaston Lantz Schatzmeister, Julius Bernheim, Schriftführer, Heinrich Lion, Vcr- »valter, Blum, Rabbiner, Dr. Samuel, Arzt, A. Gimpel, Direktor a. D. B. Moch, Direktor. Alfred Bernheim, Carl Bloch, Marcus Cahen, Leo Dreyfus, Abraharn Haas, C»nil Lantz, Mathias Pattegah, Julius Wolfs. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 7. Mai. Wie ich Ihne» jüngst berichtet habe, hatte der Le»»»berger Kaufmann Ar aten eine Audienz bein;KaiserFra»;z Josef, in welcher der unglückliche Mann sehr huldvoll empfangen wurde; gleich »;ach der Audienz hatte der Direktor der kaiserlichen Kabinetskanzlei eine Konfere»»z mit dem Ministerpräsidenten, um sich im Aufträge des Kaisers über die trotz der behördlichen Maßnahmen noch immer andauernde Verlvahrung der Tochter Aratens in» Kloster zu erkn»;dige»l. Nun dürfte vielleicht doch Licht in die Sache kommen! — Die Polnaer Affäre soll, Prager Berichten z»»folge, vor dem Kreisgerichte in Chrudin zur Verhandlm»g gelangen. Weiteren Mittheilungen zufolge hat der Kassationshof das Urtheil des Kuttenberger Schlvurgerichts gegen Leopold Hilsner aus dem Grunde aufgehobe»;, »veil dem Anträge der Vertheidigung auf Einholung eines Fakultätsgutachtens vorn Sch»v»»rgerichte nicht entsprochen wurde. — Der Unterrichtsminister hat die Zulassnrrg des Magisters der Pharmacie, Dr. Ignatz Lemberg er, zun; Privatdozenten an der Universität in Krakau bestätigt. — In Auspitz in Mähren ist in; hohen Alter von 91 Jahre»» der ehemalige Religionslehrer in Olrnütz, Herr Markus Hertzka, verschiede»». Derselbe hat sich durch eine Arbeit über die Lexikographie des Talm»»d „Dibre Chaehamim" (Wie»», 1864) bekannt gemacht. Er war der Lehrer des Redakteurs dieses Blattes. Friede seinen» Andenken! — Es ist gewiß i»»teressant, daß der bekannte Sänger Max Dawison bei seiner Uebersiedelung von Prag nach Hamburg von de»» tschechischen Knnstfreunden in hohem Grade ausgezeichnet wurde und eine begeisterte Adresse mit einem großen Lorbeerkranz.- „Dem Meistersänger — hie tschechischen Wagnerianer" erhalten hat. Dalvison ist ein Soh»» des früheren Kantors in Beuthen O.-S. B, Budapest, 2. Mai. Ein sich seit Jahren hinziehe»»der Kompetenzstreit wurde dieser Tage vom Ministerin»»; für innere Angelegenheiten endgültig zur Entscheidung gebracht. In» Jahre 1890 erhielt die Bndapester orthodoxe Chewra-Kadischa von der Stadtbehörde die Bewilligung, eine»; eigenen Friedhof zu errichten. Diese Bewilligung »var an die Bedingung geknüpft, daß nur die Mitglieder dieses Vereins, und ztvar nur aus den Bezirken IV—IX in dem Friedhofe der Orthodoxen begrabe»» »verden dürfen. Vor kurzem ist die orthodoxe Ch.-K. u»n Belvilligung zur Vergrößerung ihres Friedhofes und un; Aushebung der erwähnten Beschränkung eingeschrittei». Gleichzeitig bat sie, die irdischen Ueberreste der im alten jüdischen Friedhose begrabe»;en orthodoxen Inden exhumiren zu dürfen. Die Stadtbehörde faßte den Beschluß, das Ansuchen zu erfüllen. Das Ministerium fürinnere Angelegenheiten annullirte mm den Beschluß der Stadtbehörde u»»d hat das Ansuchen der orthodoxen Ch.-K. abgewiesen. Der Minister motivirt den ablehnenden Bescheid folgendermaßen: Die Verhältnisse, welche seinen Vorgänger im Jahre 1890 belvogen, die erwähnten Vorbehalte zu machen, walten heute t»i höhere»;» Maße ob als je. Die Pester (alte) Chewra-Kadischa hat ihre ganze Gestion auf die Grundlage gestellt, daß der heilige Verein sämmtliche in Budapest verstorbenen Israeliten beerdigt. Nur auf dieser Grundlage kann sie ihre großen hrnnanirären und kulturellen Aufgaben erfüllen, »velchen sie einen Jahresaufwand von 400000 Kronen »vidmet. Es ist absolut nicht räthlich, den heiligen Verein in seiner Humanitären und wohlthätigen Aktion zu lährnen, was z»veifellos der Fall wäre, wenn der Wirkungskreis des orthodoxen Vereins erweitert würde. Die Exhumirung betreffend, erklärt der Minister, daß dies ein ausschließliches Recht des

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