Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- Seite 227 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Meppen 1× ep/1045166
- Rheine 1× ep/1045541
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227 Legden: Salonton Josephs. Vechta: Moses Meyer. Cloppenburg: Meyer Jacobs. Borchorst: Abraham Jsaac. Billerbeck'): Samuel Marcus. Num. 60. Den wird auch noch zu Borcken der Jude Hertz Leffman zum Pedellen geduldet. Vhrkundlich untengedruckten Hochfürstl. Jnsiegels. (L. S.) Folgende seynd zwartt im Haubt-Gelaidt nicht mit begriffen, sollen jedoch denen darinne vorgeschriebetten Punkten und Clausulen sich allerdings gemäß verhalten, und biß zu ihrem Absterben im Lande an noch geduldet urrd tolerirt, keinesweges aber nach eitts oder anderen Abgattg, an deren statt newe Gelaidter gesucht werden: Lazarus Joseph in Freckenhorst. Israel Jsaac in Borchorst. Abraham Levi in Stromberg. Scundton Ansei in Ochrup. Jacob Joseph in Bockholt. Abraham Jsaac in Meppen. Moyses Ratan in Vechte. Jsaac Magnus in Dülmen. Meyer Berntz in Gronaw. .Salonton Moyses in Telgte. David Ausei in Rheine. Ahron Salonton in Harsewinckel. Mongettus Heymatt in Schöppingen. Joseph Salomon nt Herberen. Fivelman Moyses in Halteren. Wittibe Salomons in Beckumb. Wittibe Abrahams in Beckumb. Wittibe Hertz Levi nt Warendorff. Wittibe Jacob Leffntanns in Ahauß. Wittibe Abrahams in Sendenhorst. Uhrkundtlich hierunten gesetzten Hochfürstl. Jttsiegels. Muttster ben 12. Jan 1720. (L. S.) EUILLETON In der Kinderstube. ^lus de» Erinnerungen eines hebräischen Schriftstellers. Mitgetheilt von N. Braini». II. #eute kam ich in die Stube meiner Kinder und belauschte ihre Unterhaltungen, und siehe da, auch sie philvsophirten! Es ivar alsv eitel, als ich wühnte, daß die Kleinen sich des Lebens freuten, ahne zu grübeln. Ihre Reden belehrten mich, daß auch sie keine ungetrübte Freude mehr kennen; auch in ihrer kleinen Welt giebt eS Kummer und Trübsal. Auch sie werden schon von Fragen und Räthseln beunruhigt. Lastet sein Fluch auch schon auf euch? Ist es die Bürde seines geistigen Erbtheils, welche eure Lockenköpschen bedrückt, ohne daß ihr es ahnt? Ich setzte mich in ihreri Kreis und bemühte mich, eine fröhliche Miene zu zeigen und ihren Sinn von den thörichten Grübeleien abzulenken, aber es gelang mir nicht. „Papa, Papa," fragt mein Sohn Moses: „Was thnt Gott im Himmel den ganzen Tag? Wer hat Gott erschaffen? Hast du schon Gott gesehen? Könnte ich ihn auch ernmal sehen und mit ihm sprechen?" Der kleine Fragesteller runzelt seine schöne Stirn und seine glänzenden Aeuglein bohren sich die meinen hinein, welche ihn erstaunt anblicken. Noch bevor ich eine Antwort finde bestürmt mich Rebekka mit einer Frage: „Papa, Papa, warum sterben die Menschen? Warum müssen auch die Vögelchen sterben? Warum leben sie nicht lange, lange, tausend Jahre? Warum kommt Gott nicht zu uns hernieder, damit wir ihn sehen und mit ihm reden könnten?" „Ich inöchre gern einmal mit Gott sprechen," sagt Moses sehnsuchtsvoll, „ich möchte gern seine große Stimme vernehmen." „Papa, was machen die Seelen nach dem Tode?" fragt die Aelteste. Ich versuche meinen Kindern in ihrer Sprache eine ihrem Fassungsvermögen angeinessene Antwort zu geben: Gott ist im All und das All ist seiner voll, wir hören und sehen ihn in allen Erscheinungen der Natur, in uns selber und an allem was uns umgiebt. Doch gleich tauchten neue Fragen auf. „Sag', Papa, warum verfolgt mich der Lehrer in der Schule? Etwa, weil ich Jüdin bin?" fragt Rebekka. „Was kümmert es die Lehrer und Lehrerinnen, daß wir Jüdinnen sind?" sagt die Aeltere. „Wir sind doch beide die besten Schülerinnen, jede in ihrer Klasse. Wenn Keine was zu antworte» weiß, fragt man uns, und ivir antivorten immer. Vielleicht sind sie böse, daß wir immer zu antivorten wissen. Aber sag' selber, sind wir daran schuld? Oder zürnen sie uns, weil wir nicht an ihrem Religionsunterricht theilnehmen?" Meine Mädchen hatten Thränen in den Augen. Ein leichter Schatten huschte über die kleinen Gesichter und verdunkelte die strahlende Kindlichkeit. Ich gab mir Mühe, den Verdacht zu zerstreuen, daß die Lehrer einen grundlosen Hatz wider die jüdischen Schüler im Herzen hegten. Doch immer versuchte ich dem Ganzen eine scherzhafte Seite abzugewinnen und durch Neckereien den Sinn der Kleinen aufzuheitern. „Nein, nein, Papa!" wiederholte die Aelteste beharrlich. „Ich irre mich nicht, ich fühle recht wohl, daß der Lehrer die wenigen jüdischen Schülerinnen nicht leiden mag. Das sagt mir jeder Blick, jedes Wort und jede Bewegung von ihm." „Sie hat Recht, Papa," bestätigte Rebekka. „Die christlichen Schülerinnen werden immer vorgezogen, und wenn eine von ihnen was anstiftet, werden wir jedesmal zum Opfer . . . Ich mache mir freilich nichts daraus, ich weine nicht, denn ich weiß, daß ich unschuldig bin und daß es keine Sunde ist, Jüdin zu sein .... Im Gegentheil, ich freue mich, daß ich für andere leide, ich mag lieber, daß man mich schlägt, als andere .... Ach Papa, ich kann nicht zusehen, wenn man Mädchen schlägt... ich kann nicht zusehen, wenn Mädchen weinen, das Herz thut mir so weh dabei, Papa. Aber warum machen die Lehrer einen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Kindern? Warum sehen sie uns mit so bösen Angen an? Haben wir ihnen denn etwas zu Leid gethan?" Sie drückt das Köpfchen an meine Brust und schmiegt sich an mich, als wollte sie bei mir Entschädigung finden für den Mangel an Liebe und Freundlichkeit, den sie in der Schule verspürt. Das kleine Wesen fühlte unbenmßt ein Bedürfnis; nach lieben, weichen, kosenden Worten, gleichivie eine Blume nach Licht und Luft sich sehnt. „Weißt Du was, Papa", rief Mirjam plötzlich mit munterer Stimme, „unsere Lehrer sind schlechte Menschen oder Tölpel." „Was sprichst Du Mirjam," rief die andere, entsetzt auffahrend „darf man seine Lehrer beschimpfen? Das ist ja eine schreckliche Sünde . . . Nicht wahr Papa?" Ein gewisses schmerzliches Staunen uialte sich auf ihrem Gesichtchen, während die Aeltere nicht aufhörte, die Lehrer zu verspotten, indem sie ihre Stimmen, Bewegungen und ihren Gang auf eine sehr komische Weise nachahmte. h S. 8 des Orig.