Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- Seite 220 (sequence 6)
- Language
- German
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220 einem vom Kreisgerichte delegirten Untersuchungsrichter, zwei Aerzten und zwei Gendarmen bestehend, an den Ort. Das erschlagene Mädchen wurde zweimal exhumirt, und bald hierauf wurde der Bruder resp. Sohn der Ermordeten verhaftet, gekettet und dem Rzeszöwer Kreisgerichte eingeliesert. Hundert und mehr sogar Juden sind null aber bereit, zu beeideil. daß der Sohll anl 14. d. M., am Tage des Mordes, von —111/4 Uhr in Thczyn in der Shilagoge war. lvährend der Mord zwischen 10—11 Uln* 2Vi» Kiloliieter lveit voll Tpczyn verübt wurde uub die Erschlagenen vor 10 Uhr von Christen noch lebendig gesehen lvurden!" Es ist überflüssig, zu dieser Meldung etwas hinzuzufügen. In Rimes, der altberühmten französischen Stadt, ist im katholischen „Clairon du Midi" ein „Aufruf ar: die Katholiken" ergangen, aus dem die „Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung" die nachstehenden „milderer:" Stellen mittheilt: „Die Protestanten sind überall, an allen Ecken zeigen sie ihre häßliche Fratze. Dralls los! Los aus die gemeinen Söhne Luthers. Zeigen nur, katholische und königstreue Bürger von Nimes, daß unsere voll jeher gläubige Stadt, ihren alteil Prinzivieil treu, die katholische und royalistische bleibt, dem Papst und denl Köllig ergebell. Errvachet alle. Ihr Katholiken, auch die Ihr bis jetzt geschlafen habt, lilld kämpfet mit uns. um endgiltig die Protestallteil aus allen unseren Verwalturlgen zu vertreiben, diese feigen, sektirerischell Protestailtell, denell jeder ins Angesicht spucken muß! Hinaus mit dieser hungrigen Gesellschaft voll Plünderern! Ihr ehrlichen Leute, aufrichtig königstrell, laßt uns unsere herrliche Religion und llllsere Redlichkeit dem hugenottischen Lug uild Trug gegenüber Hochhalten! Der Protestantismus verdirbt und vergiftet alles, zertreten lvir ihil wie Ungeziefer. Mit Schmutz werde er beworfen uild erdrosselt! Wir lvolleu leben, lvir Katholischen, ohne diese Judasse, ohne diesen Auslvurs der Menschheit; s i e sind s ch w a tz i g e I u d e n und M ä d ch e ll s ch ä n d e r. Krieg dieseil Freimaurern, diesell Heuchleril, diesen Gotrestellgllern! Vorwärts, ihr Pioniere Roms, auf zum Sturm gegen die verrätherische reformirte Religion." Aus Rumänien liegt eine Meldung vor, die manches erklärt, was wir in den letzten Monaten von dort gehört haben. Ter „große Rath" der „Antisemiten-Allianz", die am 8. Dezember 1895 in Bukarest begründet wurde und in ihren Statuten beit Paragraph (84) hat: „Die rumänische Allianz wird in gemeinschaftlichem Akkord mit allen ausländischen Antisemiten-Alliauzen wirken," dieser große Rath hat — man höre und staune -- seinen Sitz im rumänischen Kultusministerinm. Drei Minister, der Kultusminister Dr. Jstrate, der Minister der öffentlichen Bauten, Johann Gradistianu, der Domüneumiuister Fleva, der Präsident sonne zwei Vizepräsidenten -der Kammer und der Bürgermeister von Bukarest sind Mitglieder dieses großer: Rathes! Keine noch so schändliche Autisemitenzeitung ist entstanden, ohne von der Regierung suboentionirt zu feilt; hohe und niedere Beamte in aller: Verwaltungszweigen sind gezwungen, die antisemitischen Blätter zu abonniren, und der große Rath, in welchem drei Minister und die leitenden Dignitäre des Parlamentes sitzen, ist der eigentliche, direkte Protektor dieser Blätter! Mit Recht wird zu dieser: Nachrichten bemerkt: Jetzt rvie niemals liegt es in Härrder: der großer: Finanzhäuser, sich die Frage zu stellen, ob fie nicht ein Verbrecher: gegen die Humanität verüben, den Autisernitenstaat Rurnänien von der drohender: wirthschaftlichen Vasallitüt zu retten, rrachdeu: sie ans schuldbarste Weise Rumänien im Jahre 1878 aus seiner politischen Vasallität zu befreien beitrugen. Der russische Minister des Innern hat vor Kurzem emc Verfügung erlassen, durch welche allen Juden, außer den jenigen, welche eine besondere ministerielle Erlaubnis erlangerr verboten rvird, innerhalb eines Zwischenraumes von 40 Wersi (etwa ebenso viel Kilometer) von der deutschen oder dev österreichischen Grenze ansässig zu sein. Die Verordnung tritt, wie die „Schles. Ztg." berichtet, nach eitler kurzen Gnadenfriß in Kraft und soll mit aller Strenge durchgeführt werden. Dev Grund für diese Vorschrift soll in den: Bestreben zu suche: sein, dem systematischen u::d in ungeheurem Umfange betrie denen Schmuggel zu steuern, der in den letzten Jahren an de: ganzen westlichen Grenze des russischen Reiches stärker als jc zu Tage getreten ist. Die Juden seien zum größten Theildie Seele des Schmuggelgeschäfts, den Rest des Geschäftbesorgten die Grenzbeamten. Die Regierung habe sich deshalb veranlaßt gesehen, diese Ausuahmemaßregeln zu ergreifen, lvo gewöhnliche Mittel nicht ausreichen. Wen:: das angeführte Blatt meint, daß hier eine neu. Ausnahmeumßregel borliegt, so ist es in: Jrrthum. Von u her ist den Jude:: in Rußland das Wohnen in den Grenz distrikten verboten gewesen. Es kann sich wohl nur um ein« erneute Einschärfung eines in der letzten Zeit vielleicht uülde gehandhabten Gesetzes handeln. Was aber den Schmuggel anbelangt, so nässen alle Betheiligten sehr genau, daß nich: die Juden zum größten Theile die Seele des SchmuggelgeschäsE find. Und daß sie von den übrigen Grenzbewohnern durc! eine spezielle Veranlagung zum Schmuggel unterschiede:! wären, ist schwerlich zu erweisen. Vierte ordentliche Generalversammlung des Rheinischen Raddiner-Uerlrandes. Köln. 22. April. ii derselben waren erschienen die Herren Rabbiner Dr. D> Auerbach-Elberfeld, Cohn-Bonn. David-Düsseldorf, Frank-Köln Jaulns-Aachen, Rosenthal-Köln, Samnel-Essen und der neu beigetretene Kollege Grabowski-Barmen; sein Ansbleiben hatte iv einem Begrüßungstelegranun entschuldigt Kollege Horowitz-Krefeld In seinem einleitenden Jahresbericht hob der bisherige Vorsitzende Kollege Auerbach hervor, daß diesmal der erste greifbare Erfolg de: Bestrebungen des Verbandes zu verzeichnen gewesen sei: Die Bc gründung des Rheinischen Gemeinde-Verbandes. Er gedenkt ferne, seiner Theilnahme an der Sitzung des Centralausschusses des Verbände der Rabbiner Deutschlands als Delegirter am 27. Dezember 1899 ii Berlin, über deren Verlauf ein Bericht als Manuskript gedruckt ir und bei den Anwesenden behufs Kenntnißnahnie zirknlirt; er leg: endlich einen Briefwechsel mit dem ehemaligen Verein israelitische Lehrer in Rheinland und Westfalen (Sitz Köln) vor, in welchem sie: dieser gegen den Passus unseres vorjährigen Berichts, wonach er (bcv Verein) durch seine Sammlungen der Unterstützungskasse des israelitische! Lehrervereins in Essen „Abbruch thne" verwahrt; erstgenannter Kölne Verein hat sich inzwischen mit der Unterstütznngskasse vereinigt. Ncw Darlegung der Kassenverhältnisse des Verbandes legt Kollege Auerbach den Vorsitz nieder, der auf Kollege Frank-Köln übergeht; mit diesem lnlden die Kollegen Auerbach und Samuel den Vorstand für das Iah: 1900/1901. Einstimmig wird Kollege Frank auch als Delegirter 3m!1 Een tralausschuß des deutschen Rabbinerverbandes nominirt. Hieran' nimmt Kollege Auerbach das Wort zu eingehenderem Bericht über den Rheinischen Gemeindeverband ans dessen Gründung neben dem deutsch israelitischen Gemeindebund, vorzüglich der Rheinische Nabbinerverbaud hingewirkt hat. Zlveimal hat Referent als damaliger Vorsitzender die Kollegen zu Vorbesprechungen nach Köln eingeladen, um über die Stellungnahme der Rabbiner, unsere Anträge u. s. w. schlüssig zu werden. Die konstituirende Versammlung fand am 5. November 1899