Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1900)
- Date
- 1900-05-11
- Page
- Seite 219 (sequence 5)
- Language
- German
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•219 ltäten aus Und selbst von anti- )ie größten er unverwordeu, austraten, sind von xistenz von vrdes mit Autoritäten lütten — Anspruch :den w i r Es ist also zu Stande sich eine isch gelten Geist, der inkonunen. >erg-Lottin doch noch ratsbürger , nicht mit giften der stiker und lösten des den Nachcanlaffung ort irgend )ächtigung auch noch;der gegen 't bekannt, denen es läre! Sie , um aus n Zauberhnhunderl ne Schrift feit: „Wir nmnißvol! ren. Wi' beweisen, laubt es herzigens rpellanteu i, 8. Mai. eue Mel t, daß es lweit der " gezeich- > zwar in Zur Lage der dortigen Juden bringt das „Kouitzer Tageblatt" folgendes Stimmungsbild: „Während es sich bei den bisherigen Ausschreitungen zumeist nur um Unbesonnenheiten und Flegeleien halbwüchsiger Burschen handelt, betheiligt sich vorzugsweise das reise Alter an einem anderen Unfug, der weniger geräuschvoll anftritt. aber ui» so gefährlicher ans unser öffentliches Leben und um so verderblicher auf die Volksseele einwirkt. Wir meinen die Verdächtigungen und Verleumdungen der mit der Verfolgung des Verbrechens betraute» Beamten. Man beschränkt sich dabei nicht aus Allgemeinheiten, sondern es werden bestimmte Verdächtigungen gegen die einzelnen betheiligten Beamten verbreitet und theilweise durch die albernsten Lügen zu stützen gesucht. Größere Unruhen fanden wieder i» Vaudsbnrg statt, veranlaßt durch einen von dem Bürgermeister Pieper gegen die „Hep-Hep"-Ruse gerichteten Aufruf, in dem gesagt war, daß nur „verdorbener Pöbel" an derartige»! Verhalten Wohlgesallcn finden könne. Es wurde eine Bürgerwehr zur Ausrechterhaltung der Ordnung ins Leben gerufen. Dem Bürgermeister sowie sämmtlichen Juden wurden die Fensterscheiben eiu» geworfen." Wie andere Blätter melden, dauern die Denunziationen und auch Vernehmungen von Juden in dieser Angelegenheit noch fort. Es sind da unter Anderen auch Schächter Rosenbanm und Händler Jonas in Czersk vernommen worden, die angeblich am 4. März, acht Tage vor dem Mord, in Könitz gewesen sein sollen. Rosenbanm stellte diesen Besuch in Abrede, während der Bahnhofsvorstand Drescher bekundete, persönlich dem Rvsenbailiu die Fahrkarte verkauft zu haben. Der im Ort stationirte Gendarm sagte im Gegensatz hierzu überaus, daß seines Wissens Rosenbanm zu jener Zeit krank gewesen und erst am 8. März ansgegangen sei! Antisemitische Blätter glaubten den Juden auch daraus chnen Vorwurf machen zu können, daß sie, obwohl der Verdacht, daß bei diesem Morde Juden die Hand im Spiele haben, „durchaus nicht aus der Luft gegriffen" sei, nicht aus ihren reichen Mitteln eine hohe Belohnung für die Ergreifung der Dhäter ausgesetzt haben. Das agrarische „Berl. Blatt" (1./5.) schrieb sogar noch um einige Töne ordinärer unter der Spitzoiarke: „Ja Bauer, das ist auch ganz was anderes": „Um die Mörder des Gymnasiasten Winter ansfindig zu machen, dafür habe» die Juden bekanntlich n i d) t einen Pfennig hergegeben, obwohl — wenn die Inden thatsächlich unschuldig an der Mordthat wären — die schleunige Ergreifung des Thäters in ihrem eigenen allergrößten Interesse liegen würde. Aber zu der ausgesetzten Belohnung für die Ausfindigmachung der Menschenschlächter hat eben seiner der Hebräer beigetragen." Die würdigen Blätter haben sich ganz unnöthig erregt. Die Vertretung des Gemeiudetages des Verbandes der westvreußischen Shnagogerlgemeinden hat schon vor vielen Wochen der Syuagogengemeinde in Könitz erhebliche Geldmittel zur Erhöhung der auf die Ermittelung des Mörders ausgesetzten Belohnung zur Versügung gestellt. Die Synagogeugemeinde in Könitz hat jedoch geglaubt, von diesem Anerbieten keinen Gebrauch machen zu sollen, lveil ihr bereits von jüdischer Seite nicht weniger als 4000 Mark und von judenfreundlicher Seite 1000 Mark zu diesem Zwecke übersandt waren, und sie diese '>000 Mark der zuständigen Behörde übermittelt hatte. Dadurch war es möglich, die ausgesetzte Belohnung, welche Anfangs nur etwas über 1000 Mark betrug, auf über 6000 Mark zu erhöhen. Aus dem Kreise Schlochau lvird gemeldet, daß es in Peterswalde zu Ausschreitungen gekommen ist. Bei dem jüdischen Händler Lewinski wurde Hochzeit gefeiert. Als die Leute sahen, daß dort Wein getrunken wurde, fragten einige, ob es auch Blut von Winter sei. Darauf sollen nun von jüdischer Seite böse Worte gefallen sein. Die Folge war ein Steiubombardement auf das Haus, auch wurde der Laden aufgerissen und allerlei zerstört. Als ein heiterer Abschluß zu diesen traurigen Betrachtungen mag der Ausfall der Landtagswahl im Konitzer Kreise gelten. Unter Ausnutzung der Mordaffäre bemühten sich nämlich die Antisemiten noch in letzter Stunde, Liebermanu v. Sonnenberg als Kandidaten einzuschieben. Zuerst trat Rittergutsbesitzer Schrader-Zechlau zivei Tage vor der Wahl in einem Flugblatt, das an alle christlichen Wähler versandt wurde, mit diesem Vorschlag hervor. Da aber Herr Schräder öfters und gern von sich reden macht, so betrachtete man anfänglich die Sache als schlechten Scherz. Doch die Antisemiten machten Ernst. Am Wahltage und am Vorabend desselben lvurde eine rührige Agitation veranstaltet, eine Versammlung abgehalten, die aukommenden Wahlmänner auf dem Bahnhof und vor dem Wahllokal mit Flugblättern überschüttet. In dem Flugblatte war die „herzliche Bitte an die Wahlmänner aller Parteien" gerichtet, durch die Wahl des Herrn v. Liebermanu doch dazu beitragen zu helfen, daß der schreckliche Mord in Könitz nicht wie andere Blntmorde in den letzten Jahren unentdeckt und uugesühnt bleiben möge. Selbst die Polen wurden mit dem Hinweise auf den Mord des polnischen Knaben Chbulla m Sturz von den alldeutschen Antisemiten zur Bundesgenossenschaft aufgefordert. Und das Resultat all dieser Bemühungen: Herr v. Liebermann erhielt ganze zwei Stimmen (!!), nämlich die der Herren, die seinen Namen ausgestellt hatten! * Wir haben bereits kurz mitgetheilt, daß der oberste Gerichtshof in Wien das Urtheil des Kuttenberger Gerichts in dem Polnaer Mordprozeß kassirt hat. Wie jetzt bekannt ivird, geht das Gutachten der Prager medizinischen Fakultät, ans welches der oberste Gerichtshof die Kassirung des Urtheils stützt, dahin, es sei ausgeschlossen, daß der Agnes Hruza Blut zum Zlvecke irgend einer Verwendung entzogen worden sei. Das Blut des Körpers sei vielmehr in Kleidern, Haaren, in der Blutlache sowie im Körper selbst aufgesunden worden. Das Gutachten bezeichnet die That als sexuellen Mord! Besäßen die deutschen Antisemiten wirklich den sittlichen Ernst, den sie Anderen so angelegentlich empfehlen, so müßte ihnen dieses Urtheil der czechischen Fakultät in Prag, in der kein Jude, wohl aber sehr viele ihrer Gesinnungsgenossen sitzen, eine ernste Warnung sein, ihr gefährliches Treiben nicht mehr sortznsetzen. ' * Trotz aller dieser Vorgänge ist die allgemeine Lage doch noch immer eine sehr günstige zu nennen im Verhältniß zu anderen Ländern, z. B. zu Oesterreich, wo auch das Unerhörteste Ereigniß wird. Insbesondere zeichnete sich in dieser Beziehung Galizien aus. Auch die folgende Mittheilung ist ein neues Zeugniß dafür: „Am ersten Tage des Pessachfestes, d. i. am 14. vorige» Monats, Vormittags zwischen 10—11 Uhr, wurden in einem ca. 2U> Kilometer von Tyczin entfernten Wirthshanse zwei Personen, und -war eine alte Jüdin von über 60 Jahren und ihre Tochter, ein schon älteres Fräulein, in grauenhafter, haarsträubender Art ermordet und beraubt. Beide sind einfach durch den resp. die Mörder zerstückelt worden, und zwar war der Kopf der alten Jüdin in zwei Theile gespalten, während der Kops und die Schultern des Mädchens ganz dnrchgcschniiten, gefunden wurden; an Beiden sind ferner Hände und Finger abgehackt. Bald darauf kam eine Komniission vom Gericht in Rzeszöw, aus