Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-04 · Heft 18 (4.5.1900) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228384--56425-3292728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

3 Herrn Seminarlehrer A. Levy ertheilten Unterrichtsstunden übernahm. Sonstige Verändernngen sind im Lehrkörper nid)t eingetreten. — Es ist nnglaublich, mit welchen Schwierigkeiten mau rechnen muß, jüdische Kinder dem Religionsunterrichte zuznführen. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann mußte die Hilfe der Negierung anrnsen. mit ein hiesiges Gemeindemitglied zu bewegen, seinem Kinde Religionsunterricht ertheilen zu lassen. Die Entscheidung der Königlichen Negierung dürfte vielleicht weitere Kreise interessiren, sie soll deshalb wörtlich folgen: „Auf die von dem Schulvorstande an den Magistrat gerichtete, von diesem an uns weitergegebene Eingabe, theilen wir Ihnen mit. das; auch wir den X. N. für verpflichtet halten, seine 9V* Jahre alte schulpflichtige Tochter in der jüdischen Religion gemäß den Vorschriften der Schulordnung vom 5. Februar 1854 unterrichten zu lassen. Da X. X. Mitglied der Synagogengemeinde ist. muß er als Angehöriger der israelitischen Religion angesehen lverden und unterliegt somit dem Schnlzwange des 8 1 der Schulordnung. Dem gegenüber ist seine Angabe, das; er Ausländer (Engländer) sei und einer Religion überhaupt nicht angehöre, belanglos. Dadurch, das; X. X. Tochter an dem Unterrichte in der Neligionsgeschichte an einer höheren Töchterschule theilnimmt, wird der Vorschrift des Unterrichts in der jüdischen Religion nicht genügt. Der Schulvorstand wird demgemäß angewiesen, dem X. X. anfzngeben, das; er seine Tochter in der jüdischen Religion in der Neligi onsschule oder durch einen der zu gelassenen Privatlehrer unterrichten läßt. Sollte er dieser Aufforderung nicht Nachkommen, so ist nach dem im § 22 der Schulordnung getroffenen Bestimmungen ungesäumt zu verfahren." Diese Entscheidung dürfte für ähnliche Fälle als Fingerzeig dienen. M. Hamburg, 22 April. Herr Sigism n n d Weil, Mitglied der Verioaltung des Tempelverbandes, hat zum Andenken an seine kürzlich verstorbene Gattin vierzehn Wohlthätigkeitsinstitnten namhafte Summen zugewendet. Herr Weil hat durch diesen Akt der Humanität seiner Gattin, ivelche sich bei Lebzeiten durch ihren Wohlthätigkeitssinn anszeichnete, ein bleibendes Denkmal gesetzt. — Herr Musikdirektor Wilhelm Leit, eine im Musikleben Hamburgs bekannte und sehrbeliebte Persönlichkeit, beging in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Dem Jubilar wurden an seinem Ehrentage viele Ovationen bereitet, schon in früher Morgenstunde brachte die Kapelle unseres Stadttheaters ein Ständchen, von nah und fern liefen Glückwunschtelegramme und Ehrengeschenke ein, besonders erfreut wurde der alte Herr, durch ein Glückwunschschreiben seiner eheinaligen Schülerin, der berühmten Friederike Großmann, Gräfin Porkesch Osten, ivelche ihrem alten Lehrer in herzlichster Weise Glück ivünschte. t. Brakel (Kr. Höxter), 22. April. Frau Alex. Flechtheim. Helene geborene Würzburger, schied am letzten Mittivoch nach zwölfjährigen mit seltener Geduld ertragenen Leiden infolge der vor wenigen Tagen hinzutretenden Influenza im Alter von kaum 53 Jahren ans diesem Leben. Von weit und breit waren Verwandte und Freunde heute hier zusammengeströmt, um die edle Frau auf ihrem letzten Gange zu begleiten. Frau Flechtheim war eine wahrhaft seltene Erscheinung. eine tief angelegte Natur, von seltener Charaktergröße und ausgezeichneter Begabung. Sie war ein dichterisch veranlagtes Gemüih und hat Gedanken und Empfindungen in sinnige Verse gekleidet. in Tagebuchblüttern hinterlasseu. die ein beredtes Zeugnis sür die tiefempfundene Lebensauffassung der teuren Entschlafenen ablegen und theilweise von allgemeinem Werthe sind. Zahlreiche gute Menschen — Christen wie Inden — beklagen den Heimgang ihrer besten Freundin. Sie war eine ausgezeichnete, brave Jüdin und hat als solche Freundschaft mit jedem guten Menschen gehegt und.gepflegt (ohne Unterschied der Konfession), der ihre Freundschaft suchte. „Ein edler Mensch zieht edle Menschen au!" Auch im Wohlthnn war sie groß. Wir lverden ihrer nie vergessen! A Köln, 25. April. Die Generalversammlung des Vorstandes des hier bestehenden jüdischen Krankenpflegeri n ne nvereins fand hier vor einiger Zeit statt. Der Vorsitzende. Herr Dr. Auerbach, stattete einen längeren, eingehenden Bericht ab über die bisherige Thätigkeit der Leitung sowohl, ivie auch des sich allgemeiner Sympathien erfreuenden Instituts selbst. Die betreffenden Damen, die sich diesem heiligen Berufe zum Wohle der leidenden Menschheit gewidmet haben, erfüllen ihre schwierige Mission mit aufopfernder Liebe; auch wurde bei Krankheitsfällen in hiesiger Gemeinde mehrfach von ihrer Hilfe und Pflege Gebrauch gemacht. Als erivähnensiverth sei hier hervorgehoben, das; einem hiesigen in der Geschäftswelt bekannten Herrn. Leonhard Tietz, Inhaber vieler Waarenhänser. vor einiger Zeit ein Kind schlver erkrankt war und eine jüdische Krankenschivester dasselbe Tag und Nacht beaufsichtigte und pflegte. Ans Dankbarkeit gegen Gott für glückliche Errettung ans großer Gefahr und Beweis der Anerkennung für geleistete Dienste spendete Herr Tietz 5000 Mark zu dem Pensionsfonds des obigen Vereins. Auch eine christliche Dame hat jüngst dem jüdischen Acht hier eine Schenkung von Ot>OO Mark gemacht. (sms, 20. April. Nach dem elften und zwölften Bericht der „ E m s e r Hei l g u e l l e" (Majne hajeschnoh), Unterstütznugs - Verein für arme jüdische Kurbedürstige (Jahr 1898 und 1899) erhielten im Sommer 1898 22. im Sommer 1899 19 Patienten zum Theit vollständige Freikur. theils freie ärztliche Behänd lnng. Bäder n. s. w., größeren odergeringeren Beitrag zur Pension. Leider sind die Einnahmen um die Hälfte im Vergleich zu den früheren Jahren znrückgegangen, und dementsprechend mußten auch die Ausgaben, d. h. die Unterstützungen, eingeschränkt werden. Wenn nun dessen wahrhaft edle Bestrebungen nicht die Anerkennung gesunden, die sie verdienen, so liegt dieses wohl an dem Mangel eines eigenen Anstaltsgebäudes, das der Vorstand jetzt mit allem Eifer begründen will. Die Einnahmen betrugen 1504 resp. 1600 Mark, die Ausgaben 1395 resp. 1482 Mark. Der Vermögensbestand 7352 Mark. Ter Verein verdient die ivärmste Unterstützung. — Frankfurt a. M., 24. April. Der fünfte Jahresbericht des Vereins „Kindergarten für Israeliten" verlveist mit Genngthuung auf eine stetige Entivickelung des Kindergartens und darf von einer gedeihlichen Wirksamkeit mit großer Befriedigung sprechen. Ju der Generalversammlung vom 25. Januar v. I. nnirde der Rechenschastsbericht über das Jahr 1898 verlesen, nach welchem die Einnahmen 10 385,15 Mark, die Ausgaben 9606.64 Mark betrugen. Die Anzahl der Zöglinge betrug 60 und die tägliche Dnrchschnittsziffer des Besuchs 50. Die in eigene Regie genommene Beköstigung der Kinder hat sich sehr gut bewährt; die Kinder gedeihen sichtlich unter dem Einfluß der ihnen gelieferten Kost. Am Schlüsse der letzten Generalversammlung wurden die statutenmäßig auszuscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren A. Meyer. Prof. Dr. Snlzbach, Rechtsanwalt A.Fuld. Dr. Levi, Dr. Mehler wiedergewählt. Im Jahre 1899 betrugen die Einnahmen 22 378,18 Mark, die Ausgaben 21220,42 Mark. Die verstorbene Frau Baronin M. von Hirsch-Gereuth hat der Anstalt die hochherzige Gabe von 10 000 Mark zngewendet. Rechtsanwalt Plolke hat die Bilder der sel. Frau Baronin und ihres Gemahls der Anstalt verehrt, die nun das Sitzungszimmer des Kindergartens zieren. Der Verein beginnt das Jahr 1900 mit einem Kassasaldo von 1157,76 Mark und 714 Mitgliedern mit einem Beitrage von 5147 Mark. Als Vermögen-Bestand liegen bei der Frankfurter Bank in Papieren 34 000 Mark. Die Verwaltung besteht aus den Herren Aron Meyer. Vorsitzender; Professor Dr. M. Snlzbach. stellvertretender Vorsitzender; Rechtsanwalt Adolf Fnld, Schriftführer: Jacob E. Schwarzschild, Gegenschreiber; Sally Löwenick, Oekonom; Leo Holzmann. Kassirer; Eduard Cohen, Beisitzer. Dr. med. Gustav Levi, Dr. med. Heinr. Mayer. Dr. med. Lndw. Mehler, ärztliche Mitglieder der Verwaltung. Oesterreich - Ungarn. £3 Wie»», 30. April. Vor einigen Tagen ivnrde der Kaufmann Herr Israel A raten aus Krakau, der Vater der im Kloster zmückgehalteueu minderjährigen Michalina Araten, vom Kaiser empfangen. Herr Araten überreichte ein Majestätsgesuch und richtete folgende Bitte an den Monarchen: „Majestät, mein Kind ist mir entrissen, es wird von Ort zu Ort geführt. Von dem Vaterherzen. der Gerechtigkeit nud Herzensgute Eurer Majestät erflehe ich Hilfe! Wenn Eure Majestät die Guade haben wollten, den Wunsch ausznsprechen, daß mir mein Kind wiedergegeben werde, so erhoffe ich hiervon die einzige Rettung und werde bis an mein Lebensende für das Heil Eurer Majestät beten." Der Kaiser erwiderte darauf: „Ich bin über die Angelegenheit einigermaßen informirt. werde Mich aber noch weiter informiren. Die Behörden haben doch das Erforderliche gethan?" Herr Araten entgegnete: „Der Jnstizminister hat sehr bestimmte Weisungen gegeben, die zugreifende Hand wird aber vermißt." Der Kaiser fragte sodann Herrn Araten. ob er eine Vermuthung über den gegenivärtigen Aufenthalt seiner Tochter habe, worauf Herr Araten entgegnete. er glaube bestimmt, daß sich dieselbe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.