Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 der Anstalt unterrichten außer dem Direktor noch elf Lehrer und zwei Lehrerinnen. — Der erste Bericht über die israelitische Religionsschule zn M e m e l, erstattet vom Direktor Rabb. Dr. Carlebach, bringt zunächst einen sehr interessanten Beitrag von dein früheren Rabbiner der Gemeinde Tr. Nülf über die Geschichte der Inden in Memel. Die Religionsschnle ist vierklassig, die Privatreligionsschnle ist zehnklassig. Sie wird von 143 Zöglingen besucht. — Der 5,7. Jahresbericht der Gemeinde-Neligionsnnterrichtsanstalt zn Breslau, erstattet von Rabb. Dr. Gnttmann. bringt eine Ansprache lum Geiger über die Frage, ob ein Privatunterricht in den Gegenständen der jüdischen Religionslehre als ein angemessener Ersah für den Besuch der Religionssehnte zn betrachten sei. in dankenslverthe Erinnerung. Die Zahl der Schüler betrug 506, (318 Knaben und 188 Mädchen), eine zweite Abtheilnng wurde in der Oder-Vorstadt begründet, die von 54 Kindern besucht wird. An der Anstalt unterrichten anßer dem Dirigenten 6 Lehrer. — Der 50. Jahresbericht der Religions - Ilnterrichtsanstalt I der Shnagogengemeinde Breslau, erstattet von Rabb. Dr. Nosenlhal, enthält einen werthvollen Aufsatz über die Methodik des Unterrichts in hebräischer Grammatik aus der Unterstufe der Religionsschnle von Dr. Max Doktor. Die Schülerzahl beträgt 876 (231 Knaben, 145 Mädchen) in r> Knaben - und 5 Mädchenklassen. An der Anstalt unterrichten anher dem Dirigenten 6 Lehrer. — Der 33. Bericht über den Religionsunterricht derSynagogengemeindezu K ö n ig s berg i.Pr., erstattet von Rabb. Dr. Vogestein, reserirt sehr eingehend über die Reorganisation des Religionsunterrichts, der an fünf Lehranstalten und an der Religionsschnle an 365 Schülern (233 Knaben und 133 Mädchen) ertheilt lvird. Dem lesenswerthen Programm ist auch der 27. Rechenschaftsbericht des gedeihlich wirkenden Bekteidnngsvereins für arme Zöglinge der Religionsschnle beigelegt. — Der Bericht über die Samsonschnle in W o lf e n büttel erstattet von Direktor Prof. Ludwig Tachan, konstatirt die fortdauernde Blüthe der Anstalt, die von 156 Schülern besucht lvird. Die Wittwen- und Waisenkasse der Samsonschnle hat auch in diesem Jahre nenuenswerthe Zusendungen erhalten. — Das Programm der israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a. M., erstattet von Rabb. Dr. Horovitz. berichtet, dah in den verschiedenen Anstalten derselben 559 Schüler und Schülerinnen von 11 Lehrern und 3 Lehrerinnen unterrichtet lverden. Der Wirkungskreis erstreckt sich auf 2 Privatschnleu, 3 Gpmnasien, 1 Oberrealschule und 1 Vorbereitnngsfchule für den rabbinischen Beruf, die 10 Schüler hat, und an der 3 Lehrer amtireu. Berlin, 27. April. Am Sonntag ist hier der junge Gelehrte Dr. Louis Bein nach schweren Leiden im 43. Lebensjahre gestorben. Derselbe hat sich durch nationalökonomische Forschungen einen Namen , gemacht. Er wurde 1857 hier als Sproh einer alten Berliner Familie geboren. Litterarisch trat Bein zuerst 1880 hervor. Sein Erstlingswerk handelt über „Die Anwendung einiger nationalökonomischen Grundbegriffe". Bein übt darin insbesondere an den einschlägigen Darlegungen in den deutschen Lehrbüchern der Laudwirthschaft Kritik. Er zeigt, dah die volkswirthschaftlichen Auseinaudersetznugen, insbesondere diejenigen über Grund- und Kernfragen der Nationalökonomie, durchaus unzureichend sind. In seinen eigenen Anschaunugen über Agrarivesen und Agrarpolitik schließt sich Bein Rodbertns an. In den nächsten Jahren wandte Bein seine Arbeit auf die Durchforschung der Industrie des sächsischen Vogtlandes. Das daraus hervorgegangene zlveibändige Werk „Die Industrie des sächsischen Vogtlandes" (1884—86) fand Anerkennung. Ein längeres Siechthum begrenzte vorzeitig Beins wissenschaftliche Thätigkeit. Die Beerdigung fand am Mittlvoch in Weihensee statt. K. Atts Westpretttzerr, im April. Der Magistratsbeigeordnete. Fabrikbesitzer S. F ab i a u in Tnchel. blickt in diesem Jahre aus eine 25 jährige ununterbrochene ehrenamtliche Thätigkeit in den städtischen Körperschaften zurück. Von 1875 bis 1892 wirkte er als Stadtverordneter und von diesem Zeitpunkte ab als Magistratsmitglied und unbesoldeter Beigeordneter. Herr Fabian ist auch Kreistagsabgeordneter und gehört seit der Gründung der Kreissparkasse im Jahre 1876 dem Sparkassenknratorinm an. — Für das von der vor drei Jahren in Elbing ins Leben gerufene Hanshaltiingsschnle „Marienheim" zn erbauende eigene Hans gewährte Herr Kommerzienrath Löser in Berlin ein zinsfreies Darlehen von 5000 Mk. — Kürzlich feierte Kaufmann Bl n m en st ei n in Culm, Westpr., das 20jährige Jubiläum als Dirigent der Culmer Liedertafel. Die Sänger brachten dem Jubilar ein Ständchen. Der Vorsitzende, Apothekenbesitzer Kobes überreichte Herrn Blumenstein eine Ehrenurkunde, laut ivelcher Herr Blnmenstein in Anbetracht der großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitglied ernannt lvird. Außerdem Undmete der Verein dem Jubilar ein kostbares silbernes Service. — Der jüngfin Langfnhr bei Danzig verstorbene Kaufmann Julius Meher bestimmte sein 650000 Mark betragendes Vermögen zu einer Stistnng für arme Handiverker. Stipendien lverden in Jahresbeträgen von je 180 Mark gezahlt. — Die infolge der Konitzer Mordaffäre hervorgernfenen argen Ausschreitungen gegen jüdische Bürger treiben ihre Blüthen in ganz Westpreußen und breiten sich bis in die Danziger Gegend hinauf ans; so fanden neulich auch in Bahrend und Schön eck große Unruhen und Tumulte statt. Das Hans des Kantors in Bahrend wurde von einem Pöbelhansen umringt und die Beivohner stark bedroht. In dem bis dahin ruhigen Städtchen Schöneck kani es diese Woche an mehreren Abenden zu bedrohlichen Ausschreitungen; abgesehen von wüstem Geschrei und Scknnährufen artete der Tumult auch in Steinwürfen gegen Personen und Zerbrechen von Schaufenstern aus. so daß die israelitischen Bürger in große Aufregung geriethen. Jedoch gelang es in allen Fällen den energisch vorgehenden Gendarmen und Polizeibeaniten die Ruhe lvieder herzustellen nud die Rädelsführer zu verhaften und zur Bestrafung anzuzeigen. Jeder verhaftete Exzedent wurde mit einer Strafe von 30 Mark oder 10 Tagen Gefängniß belegt. Zur Ermittelung Derjenigen, welche Schaufenster zertrümmert, wurde von der Polizeibehörde eine Belohnung ausgesetzt und wird von derselben in lobenswerther Weise nichts versäumt, ivas zur Unterdrückung der Unruhen zu geschehen hat. Dessau, 1. Mai. Im hohen Alter von 88 Jahren ist heute hier der B a r o n Moritz v. Cohn, Exzellenz, nach kurzem Leiden gestorben. Erlvar, wie bekannt, der Bermögensverwalter des Kaisers Wilhelm I. und nimmt in der Lebensgeschichte des hochseligen Kaisers einen nicht univichtigen Platz ein. Von dem Jahre 1848 an bis zn dem im Jahre 1888 erfolgten Tode des Kaisers, also volle 40 Jahre, erfreute sich der ebenso vorsichtige wie geschäftsklnge Finanzmauu des unbedingtesten Vertrauens seines hohen Auftraggebers. Es lvird erzählt, daß der Dessaner Bankier dem Prinzen von Preußen auf seiner Reise nach England in der uneigennützigsten Weise gedient habe. Dies hat der Prinz von Preußen und der spätere König und Kaiser „seinem" Cohn niemals vergessen. Der Dessauer Finanzmann setzte seine höchste Ehre darein, das ihm anvertraute Vermögen auf das Beste zn verwalten. Und alle Welt weiß es. lvie erfolgreich dieses Bestreben gewesen ist. Im Palaisgebände nach der Behrenstraße hatte der Vertrauensmann des Kaisers in dessen Finanzangelegenheiten seine „Dienstränme" aufgeschlagen. Der Baron v'. Cohn legte das höchste Gelvicht darauf, daß er Niemandem zu einer Nechnnngsablegnng verpflichtet sei als „seinen! allergnädigsten kaiserlichen und königlichen Herrn", von dem er allein den Auftrag der Verwaltung des kaiserlichen Privatvermögens erhalten habe. Erst nach dem Tode des Kaisers wurde es bekannt, daß Herr v. Cohn für seine außerordentlich lliühevolle lind verantwortnngsreiche Thätigkeit keinerlei pekuniäres Entgelt jenlals empfangen hatte. Aber er benutzte seine einflußreiche Stellnllg beim verstorbenen Kaiser Wilhelm dafür nrn so eifriger, wenn es galt, irgendwo unverschuldet eingetretener Noth zn steuern, ohne daß die Sache ihren „amtlichen" Verlauf durch die Bureaus nehmen sollte. Und in mehr als einem Falle gelang es der klugen Dessauer Exzellenz, eine unerwartete Hilfe durch die milde Hand'des Kaisers zu bringen. In Künstlerkreisen lvird man den Heimgang des alten freundlichen Herrn besonders schmerzlich elnpfiuden, der noch vor wenig Wochen von Kaiser Wilhelin II. dllrch die Verleihung des Kronenordens I. Klasse ausgezeichnet wurde. Sein Adel lvar, soviel lvir wissen, von Koburger Provenienz. In Dessau hat Baron Cohn denl Kaiser Wilhelm I. selbst ein Denkmal auf der Promenade errichtet. Das Leichenbegängniß lvird übermorgen stattfinden. L. Hannover, 29. April. Am 1. d. M. fand in dem großen Saale der Neligionsschule Lützolvstraße die öffentliche Jahresprü fu ng statt. Die Prüfung ergab, daß die Schüler in sämmtlichen Religionsfüchern ein durchaus gutes Wissen besitzen. Dem von dem Oberlehrer der Schule, Herrn Direktor Dr. Kn oller herausgegebenen Jahresberichte ist eine Abhandlung über „die Religionsschnle in ihrem Verhältnis; zu der Gemeinde" vorgedruckt, deren Mahnung, die Kinder in größerer Zahl der Schule zuzusühren. hoffentlich von bestein Erfolge sein wird. Ans den „Schnlnachrichten" ersehen wir, das; bei Beginn des abgelaufenen Schuljahres Herr Lehrer L. Spier die früher voll