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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-04 · Heft 18 (4.5.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang. Ur. 18. Berlin, 4. Mai 1900. Weikage zur „Akkgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 1. Mai. Die Kaiserin besuchte Nestern Vormittag in Begleitung ihrer Hofdame, der Gräfin zu Stolberg. des Oberhofmeisters Frei Herrn von Mirbach und des Kammerherrn Grafen Keller die Rudolf Mo sse'sche Erziehungsanstalt in Wilmersd ors und wurde dort vou dem Stifter und dessen Gattin empfangen. Die Besichtigung währte dreiviertel Stunden und erstreckte sich auf alle Theile der Anstalt. Vom Festsaate aus, in dem sich sämmtliche 109 Zöglinge mit ihren Lehrern und Lehrerinnen versammelt hatten, begann der Rundgang, bei dein sich die Kaiserin alle Einzelheiten des Betriebes auf das Eingehendste erläutern liest. Durch vielfache huldvolle Ansprachen bezeigte die hohe Frau ihr lebhaftes Interesse an den frischen blühenden Kindern, erkundigte sich mit herzgewinnender Freundlichkeit nach ihren Familienverhältnissen und ihrem Ergehen in der Anstalt. Als die Kaiserin von einen! der jungen Mädchen erfuhr, daß es im vergangenen Sommer eine dem Ertrinken nahe Dame aus Lebensgefahr gerettet hatte, äußerte die hohe Frau, daß das Kind lvohl eine Rettungsmedaille verdiene und fügte scherzhaft hinzu, es müßte demnach bei«! nächsten Ordensfest im Schlosse erscheinen. Mit freundlichen Worten der Anerkennung über das Gesehene verabschiedete sich hierauf die Kaiserin unter den Hochrufen der Kinderschaar. Berlin, 1. Mai. Die Interessenten werden darauf hingewiesen, das; die Vorlesungen für diejenigen akademischgebildeten jüdischen Lehrer, die sich für Er t h e i l u n g des israelitischen Religionsunterrichtes vorbereiten wollen, für das Sonunersemester1900 in der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums", hier SW., Lindenstraste 48—50, begonnen haben und unentgeltlich besucht werden können. Meldungen find au den derzeitigen Vorsitzenden des Dozentenkollegiums, Herrn Dr. Banbth, Berlin O., Wallnertheaterstraste 21 parterre (Sprechstunde 2—8), zu richten. S*2*-2 Berlin, 30. April. Der Verein „Freunde der Taubstummen Jedide JJmim" hielt gestern seine ordentliche Generalversammlung ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Geheimer Sanitätsrath Dr. Boas, eröffnet die Sitzung und giebt seinen! Bedauern darüber Ausdruck, daß der Vorsitzende, Geheimrath Dr. Marcuse, an der Versamnllung theilzunehmen krankheitshalber leider verhindert sei. Sodann berichtet Direktor M. Reich über die Thätigkeit des Vereins und der Wirksamkeit der seiner Leitung unterstellten Tanbstunlmenanstalt in Weistensee im abgelauseneu Geschäftsjahre. Die Anstalt hat seit ihren! Bestehen 55 Taubstunune als unterrichtet und ausgebildet entlassen, von denen viele fleißige und tüchtige Handlverker geworden sind, und zwar befinden sich unter diesen männlichen Taubstummen: 1 Klempner, 1 Drechsler, 1 Schmied. 2 Tischler, 1 Cigarrenarbeiter, 1 Lithograph, 1 Xhlograph, 3 Schuhmacher, 1 Sattler, 5 Portefeuille- Arbeiter, 5 Buchbinder, 8 Schneider, 4 Schriftsetzer. Die weiblichen Zöglinge sind nach ihrer Entlassung meist im Elternhause thätig oderste beschäftigen sich mit Schneiderei und anderer Nadelarbeit. Gegenwärtig werden in der Taubstummenanstalt zu Weißensee 38 Zöglinge, 22 Knaben und l6 Mädchen von dein Direktor, 3 Lehrern und 2 Erzieherinnen nach einem vom Königlichen Provinzial-Schulkolleginm genehmigten Lehrplan unterrichtet und erzogen. Für 9 Zöglinge zahlen die Eltern ganz oder theilweise die Verpflegungskosten, für 11 rverden vou Kommunalbehörden, jüdischen Gemeinden und Privatpersonen geringe Zuschüsse gewährt. 18 Zöglinge sind im Besitz von Freistetten. Die Mitgliederzahl des Vereins ist in Berlin von 765 im Vorjahre ans 780 gestiegen, außerhalb dagegen von 1444 auf 1439 zurückgegangen. An Jahresbeiträgen sind 12625 Mk. (im Vorjahre 12305), an einmaligen Beitragen 8156,80 Mk. (im Vorjahre 7276,50) eingegangen. Die immerwährende Mitgliedschaft wurde von 5 Personen und der Münchener Loge mit zusammen 1200 Mk. erworben. Hierauf erstattet Herr j Oskar Ratheu an den Bericht der Revisoren und beantragt die Dechargei ertheilung, die einstimmig erfolgt. Der Voranschlag des Etats ist in j Einnahmen und Ausgaben auf je 27800 Mk. normirt und rvird ein- I stimmig genehmigt. Bei der Ergänzungswahl des Vorstandes lvnrden! die durch das Loos ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder I. Blumen-! thal, Ludwig Ginsberg nnd Louis Ed. Sachs wieder- und au Stelle; des Herrn B. Behrens, der zum größten Bedauern der Versammlung aus Gesundheitsrücksichten sein Anit niederlegte, Herr Wolf Salomon j neugewählt. Einstimmig erfolgt auch die Wiederwahl der Revisoren! Oskar Berlin, Heinrich Fränkel jnn. und Oskar Rathenan. Mit den! besten Wünschen für das fernere Gedeihen des Vereins und der Taub-! stnnunenanstalt schloß der stellvertretende Vorsitzende die Versammlung, j S. Berlin, 29. April. Aus der Generalversammlung des Vereins j LehrliugsheimPa nkow, die heute unter Leitung des Vorsitzenden, j Kommerzienrath I. Löwe, in den Räumen der „Ressource vou 1794" j stattfaud, ist nichts Wesentliches zu berichten. Die Punkte der Tages-! ordnnng riefen keine Debatte hervor, den Kassenrevisoren wurde! Decharge ertheilt, die bisherigen Revisoren der Kaffe, die Herren! Julius Cohn und EManuel Appel, wiedergewählt und die! Feststellung des Etats für 1900 1901 genehmigt. — Aus dem Jahres-! bericht des Vereins entnehmen Um', daß die Erfolge besonders im! letzten Jahre große gewesen sind. Fast alle Lehrlinge, deren Lehrzeit! beendet war. sind von ihren Lehrmeistern mit guten, znm Theil vori züglichen Zeugnissen über ihre Leistungen und ihr Betragen entlassen l worden. Im letzten Jahre sind als Gesellen bezw. als Gehilfen aus der Anstalt ausgeschieden: 2 Gärtner, 1 Lederarbeiter. 1 Mechaniker, i 1 Schlosser. 1 Schneider, 1 Taschenuhrgehäusemacher, 1 Tapezierer, 1 Uhrmacher. Kein einziger der früheren Zöglinge ist dem erlernten Handlverk untreu geworden, znm Theil sind sie in hiesigen großen; Betrieben mit bestem Erfolge thätig, zwei befinden sich im Ausland j in Stellung, andere sind in der Lehrstelle verblieben. Unter den? jetzigen Zöglingen befinden sich je 8 Maler, Mechaniker, Schlosser und ■ Tischler, je 2 Buchbinder, Lithographen, Maurer, Schneider nnd Tapezierer, je 1 Chemigraph, Elektrotechniker, Gärtner, Glaser, Gold-! arbeiter, Gürtler, Kürschner, Lederarbeiter, Maschinenbauer, Rohrleger, z Uhrmacher nnd Zimmerer, im Ganzen 84 Zöglinge. Die im letzten! Jahre infolge einer auch nach außerhalb gerichteten Propaganda ein-! getretene Vermehrung der Mitglieder — um 201 - hat die Vereinsi Leitung in den Stand gesetzt, die bisherige Zahl von 80 Zöglingen! überschreiten zu können, doch ist damit die Ausdehnungsfähigkeit der j Anstalt bei weitem nicht erschöpft, da dieselbe für mehr als 60 Zög-! linge Raum gewährt. Wenn auch mit Recht in der erfreulichen Zu- : nähme der Zahl der Mitglieder (611 gegen 410) ein Zeichen dafür! erblickt wird, daß verständnißvolle Anerkennung der Vereinsbestrebnngen in immer weitere Kreise eindringt, so ist doch im Interesse des edlen Werkes aufs lebhafteste zu wünschen, daß die opferwillige Hilfsbereitschaft. die den Verein bisher begleitet hat, ihm fortan in noch verstärktem Maße zur Seite stehen möge. Zahlreiche einmalige Znivendnngen sind dem Verein im Berichtsjahre zu Theil gelvorden, vor allem vou den Familienangehörigen des verstorbenen Philanthropen! Herrn Adolf G i u sbe r g; auch das vou Herrn Arnold Weiß! gegebene Beispiel, Beträge zur Anlage von Sparkassenbüchern würdiger! Zöglinge zu stiften, hat wiederholt Nachahmung gefunden. j 2/D Berlin, 29. April. Eine Anzahl vou Sch u l p r o g r a m m e n,! die uns vorliegen, verdient lvohl besondere Erwähnung. Da es uns . aber leider an Raum fehlt, so können wir nur an dieser Stelle kurz! referiren. Voran gehtder Bericht über die Religionsschule der israelitischen j Shnagogengemeinde Adaß Jisroel in Berlin, erstattet vom Direktor! Dr. Meher Hildesheimer. Der Bericht lvird durch einen Nachruf auf! den Begründer der Anstalt, Dr. I. Hildesheimer s. A. eröffnet. Die! Schule wurde von 513 Kindern (357 Knaben nnd 166 Mädchen) besucht! der Uuterrichtsplan in den Mädchenktassen ist erweitert und eine volle 1 Klasse mit einjährigem Kursus eingerichtet worden, so daß die Anstalt! jetzt sieben Mädchenklasfen mit einen Kursus vou neun Jahren hat. An

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