Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- Seite 211 (sequence 9)
- Language
- German
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KJ? als Grenze chtige Alteren werden, denl in der sselben und hmen. Die .'hranstalten Prozentsatz noch mehr sein werde, urchgesührt ctertia oder Entsatz der »lich zurückjen Töchternrchgesührt?.n beginne, lche keinen ti sei. Derden beiden terricht erinnen zähle gnng hätte. »en machen, shalb nicht irr die Ein- Gemeindeen ermittelt I Gemeinde )ers hervorhen Kinder- ' / hme finden ündeschulen ser Schuleil II die Zahl der ganzen Gierigkeiten. 8rund liege »ule für die z nur allzu Neligions^ il in diesen ent erzähl! rheimlichen chenlied ge TheilnahMt »er Neferen: ndigkeit er rdig fehlen in seinen Punkt nich' n, sonder, Hörden den ginms ent hen Schul lacht werde Religiom d. I. ad erricht ein er Zahl de. lg viellei^: ickgegangen Religiom hr erhebliai Jahre 189 festzusteller Prozen tso 212 Schüler Genreinde- ^14 Prozent I) Prozentden, in de 21! ans die Wichtigkeit der Theilnahme der jüdischen Kinder am jüdischen Religionsunterricht hingewiesen werden möge. Aus der Vertheilung der Zahl der jüdischen Kinder aus die höheren im Vergleich zu den Gemeindeschlllen und Privatschulen, die für die ersteren 40 Prozent für beide letzteren dagegen 60 Prozent betragen, glaubt Redner herleiten zu können, wie nnsnbstallziirt der Vorwurf sei, datz die jüdischen Kinder die höheren Lehranstalten überschwemmen. SyndikusDr.M i n d en ist der Ansicht, daß man mit dem Gesammtresultat recht zufrieden seill könne, das; aber dasjellige, was noch zu thnn sei, noch Raum genug für die Thätigkeit der Genreinde lasse. In Bezug auf die Ausführungen des Vorredners weise er darauf hin. daß das Material kein zuverlässiges sei, da lediglich die Zahlen der schulpflichtigen Kinder, also nur Kinder unter 14 Jahren, gegeben würden, deshalb dürfe man daralls weder auf einen Rückgang der Geburtsziffern in der Ehe schließen noch Folgerungen betreffs der prozentnalell Vertheilung der jüdischeil Schüler auf die einzelnen Schularten ziehen. Die ganze Sachlage lasse erkennen, das; der schwächste Punkt der Entwickelung in den Privattöchterschulen, und zwar benjenigen des Westens liege. Als erfreuliche Nachricht theile er mit, daß eine Schulvorsteherin im Nordwesten, Fräulein Dietrich, sich an den Gemeindevorstand um Zu- Weisung einer Lehrerin zur Ertheilnng des jüdischen Religionsunterrichts gewendet habe. Herr Löwenthal glaubt aus dem Rückgang der Gesammtzahl der indischeil Kinder schließen 311 dürfen, daß sehr viele Eltern in feigerFahnenflucht ihre Kinder einem auderenGlcnibenzngesührt haben und fragt an, ob es möglich sei, au erfahren, wie viele christliche Kinder, die getauft feien, jüdische Eltern haben. Der Diefevent weist die Beantwortung dieser Frage als unmöglich zurück, da die Schule fein Recht habe, nach der Konfession der Eltern zu forschen. Er rügt ferner die unzweckmäßige Ertheilnng des jüdischen Religionsunterrichts am Königl. Friedrich-Wilhelmsgymnasinm und bittet den Gemeindevorstand. der zu einem erheblichen Theil die Kosten des Unterrichts an den staatlichen höheren Lehranstalten trage, um Abstellung. Stadtrath Dr. Weigert klagt darüber, daß der Besuch der städtischen höheren Lehranstalten nicht in dem Maße zngenommen habe, wie es der Bevölkernngszahl entsprechen sollte. Es spreche jedoch hier wohl mit, daß das Schulgeld vor einigen Jahren erhöht worben sei. Die Bemerkung des Herrn Löwenthal sei sehr richtig. Er habe zu seinem Erstaunen die Verminderung der Zahl der jüdischen Abiturienten bemerkt; ein sehr großer Theil derjenigen Zöglinge, die gelaust seien, trage einen jüdischen Namen. Hiermit schließt die Debatte; der Antrag Löwe-Bla sch ke wird darauf eil, stimmig angenonunen. — Der Bericht über die Revision der Kasse des Krankenhauses wird in die geheime Sitzung verlegt; die Kasse der Altersversorgungsanstalt wird dechargirt. — Für Reparaturen an dem Vorderhause des Grundstückes Liudenstraße 48—50 werden 1300 Mark debattelos bewilligt. Damit schließt die öffentliche Sitzung. Vas Vrama von Könitz. ^^^ielleicht ist die Ueberschrift nicht richtig gewählt, vielleicht ^x^würe es besser von einem „kulturhistorischen Sittenschanspiel" zu sprechen. Volt einem Sittenstück, bei dem der Antisemitismus die Regie hat und in dein eine vom Aberglauben und finsteren Anschauungen bethörte Menge die Scene belebt. Aber noch läßt sich der Schluß der Konitzer Mordaffäre auch nicht einmal ähnelt, npch braucht mall die Hoffnung liicht aufzugeben, daß eirre Klärung herbeigefnhrt wird, wenngleich die Aussichten hierfür sehr gering sind. Es darf ttäntlich mcl)t verkannt werden, daß die in den antisemitischen Siegesbnlletins schon seit Wochell ausgesprochene Phrase, „die Erregung der Bevölkerung wächst," anfgehört hat, Phrase zu sein. Eilt ganzer Rattenkönig von Erfindungen sorgt dafür, diese Erregung zu schüren. Keilt Tag vergeht, ohne daß ans der näheren oder lveiteren Umgebung voll Könitz eine neue, die Gesammtheit der Juden belastende Lüge verbreitet würde. Und das Volk, durch seine Erregmlg zu kurzsichtig, um Wahrheit von Dichtung zu unterscheiden, glaubt un Moment alles. Werden ihm danil aber die Augen geöffnet, so ist scholl lvieder eine neue Sensation fabrizirt, die ebenso erlogen ist. Und so geht der Kuddelmilddel fort 1111b fort mtb die Erregung wächst lUld die Tllumlte gegen die Juden lnehren sich — ein Sittenstück ans dem Allfange des 20. Jahrhunderts ist inl Gange. Da wird irgendwo ein Schädel anfgefundell; ein „Arbeiter" lllacht sich den „Scherz", ihll feilt säuberlich in eilt Tuch einzunähen und ihll dann all einem verborgenell Orte in der Nähe der Synagoge auszufinden. Natürlich wisseli sofort die alten Leute, daß vor so uub so vielen Jahren vor Ostern ein Mensch spurlos verschlvunden ist, natürlich ist es der Schädel dieses Menschen und selbstverständlich ist er damals das Opfereitles Ritualmordes geworden. Jetzt finbet sich sogar ein gefälliger Gastwirth — lvas thut mall nicht alles des Geschäftes lvegen - der den Schädel öffentlich ausstellt — Tumulte gegen die Jllden sind die Folge. Ulld einen Tag daralls weiß die Welt, daß „wahrscheinlich" da uub da vor so uub so vielen j Jahren „auch" ein „Ritualmord" vorgekommen ist. Ausschrei- 1 tungerr gegen die Inden sind zu berichten u. s. w. Die Antisemiten habell lvirklich ihre Ernte. - Wie sehr aber dllrch derartige Stinunungsmacherei die absolut nothlvendige Klärung des Konitzer Mordes erschwert wird, liegt auf der Hand. Malt hat eine vox populi gezüchtet, die nach beni Juden hillweist, eine vox populi, die durch Tumulte schreit, die den Unbefangenen die BesillNllllg raubt und eilt wüstes Chaos verursacht, in bem der Antisemitismus seine Orgien feiert. Hepp, hepp ist die Losung geworden, Abrücken von beu Juden das Leitmotiv — ein Sittellstück alls dern 2o. Jahrhundert ist ja im Gange. Bei keiner Gelegenheit, so lange wir uns erillnern, ist mit häßlicheren Mitteln operirt worden wie in Könitz. Wochenlang wurde das Volk damit in Ailfregilug erhalte!;, daß das angeblich in der Synagoge gefundene, in Wirklichkeit aus dem Schlachthofe anfgesammelte Blut von dern Gerichts- > chenliker in Berlin untersucht inerben sott. Alle Tage wunderte man sich öffentlich, daß das Untersuchnugsergebniß gar nicht veröffentlicht wurde. Das sollte zu denken geben, schrie man dein Volke zu. Und das Volk erregte sich darüber, bis eines Tages durch Zufall bekannt wurde, daß das Blut gar nicht nach Berlin zur Untersuchlmg geschickt lvorden wäre. Ist das nicht charakteristisch? Wir am allerwenigsten lvolten der Untersuchung irgendlvie vorgreifen, wir lvollen unseren Gegnern hierill nicht folgen. Wir lvünschen sogar, daß jede Denunziation gegen die Inden geprüft werde, denn wir haben nichts zu verschweigen. Betvlien möchten wir ltocl), daß unter den gegebenen Verhältnissen gerade die Juden den Wunsch nach voller Aufklärung der Affäre haben, und daß der Wunsch und die Hoffnung aus eine solche ihnen hinweghelfen luevbeu über bk schweren Zeiten, die nüttelalterliche Phantasien hetzerischer Elemente über sie herausbeschworen. Möglicherweise haben diese Zeilen, wenn sie im Drucke erscheinen, schon die Bedeutung einer retroperjpektiven Betrachtung. Als solche werden sie einen gewissen Werth behalten, weil sie ans der Stimmung heraus geschrieben sind, in die ein Jude konnnen muß, wenn er alle die Ritualmordlugen liest. 2 i