Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- Seite 210 (sequence 8)
- Language
- German
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210 Aus der Berliner Gemeinde. S. Berlin, 29. April. f ie heutige R ep rä s en ta n t e n-V ersa m m l n n g wies mir eine kleine Tagesordnung auf, die vor mäßiger Besetzung des Hauses in friedlicher Weise zur Erledigung gelangte. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende, Lollis Sachs, eill Schreibell des Herrn Rudolf Mojse, lvorin derselbe mittheilt. daß er fein Amt als Repräsentant der jüdischen Gemeinde niederlege, da die vielseitigen ihm obliegenden Allsgaben ihn all der gewissenhaftell Erfüllung seiner Pflichten im Repräsentantenkollegiuln. dem er seit zehn Jahren allgehöre, hindern. All Stelle des Herrn Mosse ist llunmehr Rechtsallwalt Dr. Beit Sinlon defillitiv in die Versammlung eingetreten. Für die heiltige SitzlNlg sind all Stelle der Herrell Geheim» ath S e n a t o r lind Kommerzienrath F r i e d l ä n d e r die Herren Benas Levy rnld Adolf Mayer ein berufen. Das für die Versammlung bestimmte Porträt des verstorbellell Justizraths Mako lv er Wirb gemäß dem Wunsche des Schwiegersohnes, Laudgerichtsraths Lölve. und llllter Genehmigung der Versanlli'.lullg im Sitzungssaal der Repräsentalltell ausgehällgt lverden. Für ben Ausschuß II wird an Stelle des Herrll Masse Herr Löwenthal, für den Ausschuß III solvie für das Kuratorinn» des Neichenheim'schen Waisellhauses Rechtsalllvalt Dr. Simon gelvählt. Irr die Kommission für ben Ball der dritten Altersversorgnngsanstalt »vird der Vorsitzellde Louis Sachs deputirt. Deil Bericht über die S eh ulen der Gemeinde giebt alsdallir Professor Geiger. Für die Knabenschule, lvelche 13 Klassen aufweist, in denen von 18 Lehrern llllterrichtet »vird, bemängelt der Referellt n. a. die Vielseitigkeit der Lehrbücher. Allch in den Religionsschntell sei bezüglich der Lehrbücher für biblische Geschichte und Hebräisch derselbe Wunsch mn Platze. Zu den Mädchenschulen, in denen von 16 Lehrerll und Lehrerinnen, die säst alle voll beschäftigt sind, llllterrichtet tvird, sei das Pensum im Hebräischen selbstverständlich eill geringeres lvie in den Knabenschulen, dagegell dehne sich das Pensllm ill jüdischer Geschichte lveiter aus lvie bei ben Knaben. Die Frequenz der Retigiousschlllell sei eine gllte. Die Knaben fieilen ein Kolltingelit von 627, von benen 587 in Berlin heimisch feien, die Mädchen ein Kolltillgent voll 416 Schüterimlen, von benen 409 in Berlin heimisch seien. Die zlveite Religionsschule sei die lneistbesllchte (226 Kllaben und 206 Mädchen), die Schute zähle so viel Zöglillge lvie die IV. und V. Neligionsschnle znsanllllen. Die vierte habe sich ilicht so rasch entwickelt, lvie man gehofft hätte; der Bestalld betrage 143 Schüler (88 Knabell nnb 55 Mädchen). Die fünfte Religionsschrrle, die erst Oktober 1898 begründet ivordeil sei, lverde jetzt bereits von 202 Zöglingeil (117 Kllabell nnb 85 Mädchen) besucht. Bezüglich der Lehrerbildungsanstalt spricht der Referent die Bitte aus, auch deil Bericht über dieselbe öfseiltlich mitzutheilen. Wenn allch das Verhältnis; dieser Bildllllgsstätte zlrr Gemeillde eill anderes sei wie das der übrigen Schulen, da die Allstalt eigene Follds habe ilnd mir eine ttnterstützllng seitens der Gemeillde erfahre, so fönnen doch die Religionsnlld Gemeindeschnlen sowie die Schulen der anslvärtigen Gemeillden, für lvelche die hiesige Gellieillde »noralisch zu sorgell habe, ohne die Lehrerbildungsanstalt gar llicht existiren. Unter dem Lehrerpersonal aller Schüler» der Genleillde befinde sich eitle große Zahl, die ehemals zu den Zöglingen der Knabellschnle unb der Bildungsanstalt zählte. Die letztere sei ill jeder Beziehllng eine Musteranstalt. Erst in jüngster Zeit habe sich der Schulrath bei Gelegenheit der Vornahme eines Examens in der günstigsten Weise über die Erfolge der Anstalt allsgesprocheli. die Vortrefflichkeit der Lehrer nnb die Vorzüglichkeit der Schüler lobeild hervorgehoben. Der Referent schließt seine Auseinandersetzungen mit dem Ausdruck der Fremde über die schölle Entwickelung der Schlilailstalteil und mit der Bitte, die Berichte sännntlichen Mitgliedern der Gelneinde dllrch ben Druck zugänglich zu nlachell. Eille Diskllssioll finbet llicht statt. Der nächste Punkt der Tagesordnnllg betrifft die Vorlage zllr Kenntnißnahme betreffelld die Verfügung des Provinzial-Schulkollegiums in Sachen des jüdischen R el i g i v n s ll n terr i ch ts. In einem besonderen Artikel haben um' bereits in der vorigem Runillier die Zahlen der Tabellen gegebell nnb einige Erläuterungen daran geknüpft. Zum Gegenstände ist heute ein Alltrag Bla schke -Löwe eingegallgeil, den Vorstand zu ersllchen. beim Pr ov i nz i a l-Sch u l ko ll eg i m n vorstellig zll lverden. daß an der Königlichen Elisabelhschnle nnb eventuell an der Königlichen Angnstaschllle jüdischer ReligivllslNlterricht ertheilt lverde. Der Refereilt der Vorlage. Prosessor B la schke, hebt besollders hervor, daß als Grenze der Maßnahmen und Berechnuilgell lvieder das schulpflichtige Alter allgenonlmen worden sei. Es müffe dafür Sorge getragen luevben, daß die Schüler itnb Schülerinnen verpflichtet werden, an denl in der Schule ertheilten Religiollsnllterricht bis zur Beendigung desselben ulld nicht bis zur Grenze des schulpflichtigell Alters Theil zu nehmen. Die Gesammtzahl der schulpflichtigell Kinder an den höheren Lehranstalteil sei gegell das vorletzte Jabr etlvas znrückgegangen. Der Prozentsatz der Schüler ohne Religionsunterricht dürfte wahrscheinlich lloch mehr znrückgehen, sobald die Forderung zur.Annahme gelangt sein werde, daß der Religionsunterricht bis ill die obersten Klassen durchgesührt werde rnld nicht, lvie es bisweilen geschehe, schon in Obertertia oder Untersekuilda beendigt werde. Der Grund, daß der Prozentsatz der Mädchen, die feinen Religionsunterricht genießen, so erheblich zurückgegailgell sei. liege wohl darill, daß in säulmtlichen städtischen Töchterschlllell der Unterricht nicht nur bis in die hoch steil Klassen durchgeführt lverde, fonbern llellerdings allch bereits voll der 9. Klasse an beginne, infolgedessen die Zahl der jüllgeren Schülerinnen, welche keillen Religionsullterricht genießen, eine sehr gerillge geworden sei. Der bereits erlvähllte Alltrag beziehe sich darauf, daß ill den beibeu königlichen Töchterschulen gar kein jüdischer Religionsullterricht ertheitt lverde. obwohl die Elisabethschule 97 jüdische Schülerillnen zähle lllld somit die Einführullg des Unterrichts vollste Berechtigung hätte. Bezüglich der Augnstaschule lassen sich feine sicheren Allgaben machen, da dieselbe keinen Jahresbericht veröffentliche. Es sei deshalb nicht lllöglich, zu eruirell, ob die Zahl der jüdischen Mädcheil für die Einsühlmug eines Neligiousllnterrichts groß gellug sei. Vom Gemeindevorstand nlüsse hier erst die Anzahl der jüdischen Schülerinilen ermittelt werden. Die Zahl der jüdischen Schüler all den städtischell Gemeinde schlilen habe sich eill »venig gehoben. Es müffe dies besonders hervorgehoben lverden, »veil inan bestrebt fein müsse, die jüdischen Kinder die nicht an den Schllten der jüdischen Gemeinde Aufnahme finden köllnen oder lvotteil, ill größerer Zahl ben städtischen Genleindeschulen znznsühren. lvie es die ganz vorzügliche Organisation dieser Schulen verlailge. Der Grulld, lveshalb an den Privatknabenschnlen die Zahl derer, die keinen Ullterricht haben, gelvachsell sei. liege in der ganzen Organisativli dieser Schulen, ill ben großer» pekuniären Schwierigkeiten, mit denen die Leiter z»l käulpfeli hätten. Eil» fernerer Grund liege darin, daß eine große Zahl dieser Schulen nnr die Vorschule für die höheren Lehranstalten barfteflen nnb hier leider die Meinung n»ir allzu sehr verbreitet sei, daß die Theilnahme am christliche!» Religionsunterricht in den untersten Klassel» nicht bedenklich sei. weil in diesen Klassen nur biblische Geschichten aus den» Alten Testament erzähl! würderl. Er (Referent) könlie sich jedoch ebenfo wenig verheimlichen daß in diesen Klassen vielleicht das eine oder andere Kirchenlied ge lehrt lverde. Bezüglich der dritten Tabelle betreffs der Theilnahim jüdischer Kinder arn christlichen Religionsunterricht weist der Reserein darauf hin, daß die Angaben keinen Anspruch auf Vottställdigkeit erheben dürfen, weil die Berichte von drei Schulen vollständig fehlen und spricht die Hoffnung aus, daß der Gemeindevorstalld in seinen Antwortschreiben au das Provinzialschulkollegium diesen Punkt nich' unberührt lassen werde. Er sehe darin keine Denullziation, sonder, rurr den Ausdruck des Interesses, welches die Gemeindebehörden bei; Allgaben und der Mühewaltung des Provinzialschlllkollegiums ent gegenbringell. Ein Zufall sei es. daß in der Heßlingffchen Schul in der keil» Unterschied aus konsessionellen Rücksichten gemacht lverde die Zahl der jüdischen Mädchen, lvelche am christlichen Religiom unterricht Theil nehmerl, so groß sei. Bon Ostern d. I. a! sei bereits allch au dieser Schule jüdischer Religionsunterricht ein geführt. Herr Benas Levy glaubt für den Rückgang der Zahl de. schulpflichtigen Kinder gegell das Jahr 1897 eitle Erklärung Vielleich: darill zu sinden, daß die Gebnrtsziffer bei den Juden znrückgegangen sei. Die Zahl Derer, die weder jüdischen lloch anderen Religionc unterricht erhalten, hat sich in den drei letzten Jahren sehr erheblnn vermindert. Sie sank von 1245 im Jahre 1897 auf 991 im Jahre 189 und aus 424 im letzten Jahre. Interessant sei nunmehr festznstelle, lvo sich die einzelnen Schüler befinden und lvie groß der Prozentsc» der eillzelneu Schulen an der Gesammtsumme. Es entfaüeu 212 Schule (50 Prozellt) auf die Privatschnlen, auf die städtischen Genleillde schulen 129 (30 Prozellt), anf die höheren Lehranstalten 60 (14 Prozent und ans die öffentlichen höheren Mädchenschulen 23 (6 Prozent- Redner regt all, an die Etterll eine kurze Broschüre zu fenben, ill &r