Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1900)
- Date
- 1900-05-04
- Page
- Seite 209 (sequence 7)
- Language
- German
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209 Oberftactts- , daß alles cu Gesetzen, ».'geschrieben Richter antela Ujjady, ezirksrichter »eendet und ffuchung in zto bei dem diesem Uml?" n, daß die m Interesse geheinuliß- >ft als der > und rasch )igung der denr raschen bezeichnete rklärte der . da er au' Schließlich ig der aru Re Zmeskn! .mgeu lvm;n zu lassen uehmen^zu len Linken, gelegeuheit it belvahrt provisorisch lgte er. das während e' Bezüglicl :rs und be auf seiner so ist dies ß die Ver . Daß di nrfalls aus eren Stelle bischöfliche le erhalterr rteiler, de gehörst irr Hnudeblu Zeleidiguuc nicht zu nrerr. die Inter ^euheit de nutete: l Glauben en sehr gr e Ahudurn zkeit gegei rricht vor llant einen einer An e gesetzlich arrgeführ nr es heißi rung eine rd dadurch öffentlichen Anstoß erregt, mit Haft bis zu acht Tagen bestraft werderr könne. Es ist nur die Frage, ob dieser Paragraph hier angewendet werden soll? Vor Allem taucht die Frage auf, ob die Zehn Gebote den Gegenstand der religiösen Verehrung irgend einer Konfession bilden? Der Interpellant selbst scheint nicht dieser Ansicht zu sein, da er die Zehn Gebote nicht als göttliche Gebote, sondern als die Werke eines großen Gesetzgebers bezeichnete. Der Minister giebt jedoch zu. daß die im angeführten Paragraphell ulllschriebeile Uebertretung allch durch die Schnlähung der Zehn Gebote begangen werdell kann. Null fehlt aber der zlveite Theil des Thatbestaudes, die Schmähung. Eille solche Schmähung ist in beu vom Interpellanten erwähnten Fällen nicht zil konstatiren. Ohne Zweifel kanil in der Benützung voll Gegenständen religiöser Verehrung zu profallen Zwecken eine gewisse Uilehrerbietigkeit, Geschmacklosigkeit liegen, dies ist jedoch laut dem Gesetze nicht strafbar, ulld kanll es auch llicht sein, da es schwer wäre, iu dieser Hillsicht eine Grenze zu Ziehen. Es kommt z. B. auch im alltäglichen Leben sehr häufig vor, daß Jemaild Gegenstände religiöser Verehrung zu profanen Zwecken beilützt, meint er z. B. eilte Rede hält und in dieser beit biblischen Stil imitirt. Da dies keine strafbare Haildlnng bildet, famt der Minister auch keilte ahndenden Verfügungen treffen. Er bittet, die Antwort zur Kenutniß zu nehnlen. (Zustimmung rechts.) Die Antwort des Ministers lvird zur Kenutniß ^euommeu. * Den Katholiken aller Länder wird die folgende Interpellation des österreichischen Abgeordneten Noske im niederösterreichischelt Landtag deutlich zeigen, wessen sie sich von den Antisemiten zu versehen haben: „Als in der Sitzung des Landtags vom 6. April cr. Abgeordneter Dr. Ofner eine Interpellation einbrachte, in der er daratls himvies, daß die lügenhafte Blutbeschuldigung gegen die Juden in Bullen einer Reihe von Päpsten als Lüge anerkattnt worden sei, ries der Abgeordnete Schneider dazwischen: „Der alte Schwefel! Als ob's nicht and) Päpste gegeben hätte, die Geld gebraucht habeil", ltnd als der Statthalter in der Beantwortung dieser Interpellation daratlf verwies, daß das Nitnalmord-Märchen von den „obersten kirchlichen Autoritäten der römisch-katholischen Kirche" als grundlos erklärt worden sei. veraillaßte dies Herrn Schneider ueilerdings zu dent Zlvischeurufe: „G eg eil Bezahlung!" Durch diese Zwischenrufe erklärt Herr Abgeordneter Sclnteider eine Anzahl voll Päpstett lind oberste kirchliche Autoritäten als bestechliche Individuell, die um Geldes rvillell falsches Zeuglliß abzulegen bereit gelvesen wären. Der Laudmarschall lvird zugebeu, daß eine ärgere Berunglimpfullg der Statthalter Christi aus Erden ulld der kirchlicheil Autoritäten kaunt mehr gedacht werdell kamt als diejenige, die durch die erlvähtlten Zwischenrtlfe von einem Mitglied einer Partei verübt wurde, die sich chri stli chsozial neilnt, verübt unter stillschweigender Duldung der Majorität des Landtages, deren Führer alljährlich zum Papste eine Wallfahrt unternimmt, um ihn seiner und seiner Partei Ullterlvürfigkeit 311 versichern. Wäre diese Huldigung nicht bloß Mittel zum Zweck. sondern Ausfluß eitler attfrichtigeu katholischen Neberzeugnug, so hätte die christlich-soziale Partei gegenüber den vorerwähnten Zwischenrufen iu lammende Entrüstung ausbrechen tutb solcherart wenigstens ihre Solidarität mit derlei Beschimpfungen ablehnen müssen. Es nuife wer auch wundernehmen, daß der der christlich-sozialen Partei so rahestehende Herr Landmarschall kein Wort der Abwehr gefunden hat, als ein Mitglied der Mehrheit beu höchsten kirchlichen Autoritäten gegenüber, deren sich die Christlich-Sozialen so gern bebienen, wenn s ihren Zwecken frommt, eine Beschuldigurtg hillwarf, lvie sie der wüßte Feind dieser Autorität nicht ärger hätte erfimten können. Mit Rücksicht aus den parlamentarischen Anstand, aus desieil Wahrung wohl die höchsten kirchlichen Autoritäten ihnen gegenüber auch daitn Anspruch habeil, wenn er durch Mitglieder der christlich-sozialen Mehr- -eit des Landtages verletzt lvird, erlaube ich mir, an beu Landmarschall Re Frage zu richten: Filldet der Herr Landutarschall in dent vorrlvähnten Vorfall feinen Anlaß, voll seinen geschästsordllmlgsnläßigen Rechten Gebrauch zu machen?" Durch diese Interpellation dürfte die christli ch-sozialePartei m Landtag doch einigermaßen in Verlegenheit gebracht werden. * Auch in Belgien regen sich antisemitische Neigungen, wie der folgende sehr bezeichnende politische Zwischenfall beweist: Die Vereinigmlg der Liberalen in Lüttich lvar zusammengetreten, um ihre Kandidaten für die bevorstehende Senatorenwahl aufzustellen. Um den ersten Platz, der auf alle Fälle die Wahl des Kandidaten sichert, belvarben sich die bisherigen Senatoren Montefiore-Levi und Anwalt Dupont. Montefiore-Levi, ein vielfacher Millionär, ist einer der geachtetsten Männer Belgiens, ein Mann, der sich durch Förderung von Kunst und Wissenschaft und durch großartige wohlthätige Werke einen Narnen gemacht hat. Er hat all der Universität Lüttich mit königlicher Freigebigkeit das große Institut für Elektrizität errichtet und unterhält es -- kurz er nimmt eine große Stellung im Larlde ein. Montefiore-Levi war auch Vorsitzender der internationalen Münzkonferenz. Trotzdem ist er bei der Wahl durchgefallen. Warum? Er hat kürzlich im Senate eine Rede 51t Gunsten Englands und gegen die Buren gehalten und zugleich die antienglischen Kundgebungen in Belgien getadelt. Infolge dieser Niederlage zieht sich Montefiore-Levi ganz aus dem politischen Leben zurück. % Die r u m änis ch e Regierung fährt fort, die jüdischen Schulen zil chikalliren. Ihre lleueste Errungenschaft ist das Verbot, mehr als drei Stunden Hebräisch in der Woche zu unterrichten- und die Vorschrift, bei diesem Unterricht mit entblößtem Kopfe zu sitzen. Man denke, eine Regierung kümmert sich darum, ob ihre Unterthanen beim Unterricht den Hut auf dem Kopf haben oder nicht! Freilich hat die anscheinend so kleinliche Chieane auch eine sehr ernste Seite. Die orthodoxen Juden sollen in ihrem Gewissen behindert werden, die Kinder in die Schulen zu schicken, denn diese Kinder sollen am liebsten keinerlei Unterricht erhalten, damit ihre Unbildung der Negierung immer neuen Vorwand zu Beschränkungen gegen die Juden gebe. Auch gegen den Unterricht in der deutschen Sprache hat sich die Negierung ausgesprochen unb das förmliche Verbot desselben steht bevor. Unter diesen Umstünden nimmt trotz aller behördlichen Gegenmaßregeln die Auswanderung immer mehr zil, allerorten bilden sich Gesellschaften, um gemeinsam solche Pläne anszuführen. Zwar sind die auf Anatolien gesetzten Hoffnungen schon etwas herabgestimmt, aber jetzt ist Cypern wieder als Ziel dieser Auswanderung neu in Aufnahme gekommen; freilich wird auch hier der Rückschlag nicht ansbleiben. Der Hauptstrom geht nach wie vor nach Amerika. Daneben spielen sich die Antisemiten natürlich allch in Rumänien als Thierschützer auf, und in dieseul judenfeindlichen Milieu werdell sie leider schnell ihr Ziel erreichen. Turn- Severin ist die erste Stadt, die bereits die Schechita verboten hat, andere Plätze werden schnell folgen. Eine andere üble Folge der Bedrückungen ulacht sich auch bereits bemerkbar; die Uebertritte gerade in den gebildeten Klassen hänfen sich. So sind kürzlich zwei jüdische Philologen von großem Ruf zuill Christellthllm übergetreten. Der eine von ihnen ist der Sohn eilles der bekanntesten orthodoxen Rabbiner Deutschlands. Dafür willkt ihlten als Lohn die Professur an einer Universität, die beu Inden durchaus verwehrt bleibt. Ein einziger Jude ist noch aus früherer Zeit Professor in Bukarest. Man kann sich denken, wie diese Uebertritte auf die unglücklichen runlänischell Inden wirken. ,1 it (■ Rl \r i <