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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-05-04 · Heft 18 (4.5.1900) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 18 (4.5.1900)
Date
1900-05-04
Page
Seite 207 (sequence 5)
Language
German
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207 iird&eufürft Kirche in nicht das sich gegender Olell* den kathor Ziel der Menschendern die lvird dem reten auften solcher des Protliches inr, 2. Mai. ü d i s ch e n t auch der sraelitische ): . Juli 1847 igcmeinben m jüdischen forderlichen ii. daß die s zu Schul- Leistungsirde. Nach )N dieselbe i Religiousr eis auf die >em Staate i von den en auch die Religions i sollten, vorgäugeri dnungeu iß einden arn schrift auf' l) Lage bei ntel 34 des achten de", cu 1899 zu litt den be Religions? sich bisher l)ilfen von n Bezirkei ben sollten reit gestelb liicht geüb: leistlntgs;ten Fällen )r stell ig zi! mterrichte^ Man lvird überall mit Geuugthuuug erfahren, das; nach dem Erlas; vom 13. Mai v. I. bereits sieben Schulverbäilden die erforderliche Beihilfe bewilligt lrnirde und das; sie einer noch größeren Zahl von Bezirken zugeweudet lverden soll. Irr einer der lebten bayerischen Kammersitzuna.cn sagte der Centrumsabgeordnete Lerno u. a.: „Eigenthinnlich ist es aber, das; gerade die Berurtheilung katholischer Priester in den Blättern so breit getreten wird, während die Presse des Herrn v. Bolluiar die Verurtheilnng von Inden, ivie sie in Stuttgart und Berlin stattgefuuden hat ivegen gleicher Delikte, gar nicht oder nur mit ein vaar Zeilen erwähnt." Wie ungerecht diese Behauptung ist, weis; jeder Zeitungs- Leser. Charakteristisch ist dabei die Thatsache, das; die liberalen Berliner Blätter über den Prozeß gegen jenen katholischen Pfarrer so gut wie nichts, über den anderen Prozeß, den der Abgeordnete Lerno aber im Auge hat, ganze Spaltet: gebracht haben. Im Uebrigett hattdelt es sich hier wie dort um einen Christen, und der Abgeordnete Lerno hat in diesem Falle danebengeschossen. * liebet* die Koni her Affäre sind unsere Leser durch die Tagesblätter zur Genüge auf den: Latlfenden erhalten. Wir haben in diesem Blatte, das doch nun eimnal eine Zeitchronik des Judenthums gewordett ist, die Thatsachett nur zu registriren, zumal da leider noch nichts über den Mord eruirt wordett ist, obwohl der Minister des Jnttern auf die Ermittelung des Mörders eine Belohnung von 20000 Mark ansgesetzt hat, tvährend die von der bisher ausgesetzten Summe noch übrigen >1000 Mark für die Auffindung der Kleider Winters und sonstiger Spuren bestimmt sind. Die Energie und Thatkraft, mit der die Regierungsbehörden in dieser Angelegenheit Vorgehen, verdient die vollste Anerkennung. Es steht zu hoffen, das; auch die Gerichtsbehörden, nachdent der zuständige Oberstaatsattwalt voll den: Gang der Untersuchung utld der Ermittelungen eingehend Kenntnis; genomnten, in gleicher Weise oorgehen werden. Will doch selbst die ausgesprochen antisemitische „Tägl. Rundschau" die Möglichkeit nicht ansschließen, „der Verdacht der Thäterschaft könnte vielleicht ans Haß künstlich auf die Inden gelenkt und die Umstütide der That könnten so eingerichtet sein, lvie es der populären Vorstellung vom Blntmord etltspricht." Inzwischen habetr in der Utngegend von Könitz die feindseligen Ausstreuungen und Verhetzungen hre Früchte getragen. In Hammerstein ist es zu groben Ausschreitungen gegen die üdisebe Bevölkerung gekommen. Denn von dem in großen Schaaren nirch die Straßen ziehenden Publikum wurden zahlreiche Fenster durch ^teinwürse zertrümmert. Am Sonnabend mußten nach Bekanntmachung des Magistrats schon die Läden um 8 Uhr geschlossen sein, 'ln diesem Abende hat die Zerstörnngswnth der Leute bedeutend zugenommen. Es tauchten schon hier und da Führer auf, und diesmal aanderten Steine und Flaschen auch in die Schaufenster. Ans dem ertrümmerten Schaufenster einer Frau wurden Damenhüte entwendet, ne vertheilt wurden. Ebenso wurden in Czersk mit 23. an der Synagoge und am Hause eines jüdischen Kaufmanns die Fenster ein-; eworfen. Gendarmen zogen gegen die Ruhestörer blank. Mehrere "ersonen wurden verivundet, die Rädelsführer verhaftet. In Bäldennrg ist in der Nacht das Innere der dortigen Synagoge völlig zer- > ört worden. Die Polizeiverlvaltnng hat für die Ermittelung der chäter eine Belohnung von 100 Mark ansgesetzt. Drei Gendarmen 'ind zur Herstellung der Ruhe und Ordnung in Baldenbnrg ang?kommen und werden dort bis auf iveiteres verbleiben. Zn großen 'lnsschreitungen kam es auch in Sch loch an und anderen Orten. Die halbamtliche „Berl. Corr." schreibt darüber: „Die ans Anlaß des Konitzer Mordes in Könitz selbst und in verschiedenen Ortschaften der Umgegend vorgekommenen Unruhen haben, ivie bereits gemeldet, den Minister des Innern veranlaßt, den Geheimen Oberregiernngsrath Maubaeh als Kommissar an Orr rmd Stelle zu entsenden. Wenngleich die von diesem angestellten Ermittelungen ergeben haben, daß die in der Oeffentlichkeit verbreiteten Mittheillnigen über diese Vorgänge znm Theil übertrieben sind, so hat doch an einzelnen Stellen das Vorkommen bedauerlicher A n s s ch r e i t n u g e n festgestellt lverden müssen. Dies hat dazu geführt, daß die polizeilichen Erekutivkräfte da, wo sie sich zur Unterdrückung der Unruhen und zur Verhütung weiterer' Erzesse nicht als ausreichend erlviesen haben, sofort durch Heranziehnng anslvärtiger Gendarmen verstärkt worden sind. Es ist dies insbesondere in Baldenbnrg und Prechlau (Kreis Schlochau) und in Vandsburg (Kreis Flatow) geschehen. Ferner hat der Minister die schleunige Entsendung einer Anzahl von Gendarmen ans den Regierungsbezirken Danzig und Bromberg zur Verstärkung der Gendarmerie der Kreise Könitz und Flatow. namentlich auch zur Verwendung in Czersk und Wielle (Kreis Könitz) angeordnet. Der Kommissar des Ministers lvird sich henteAbendwieder an -OrtnudStellebegeben, um die Ansführnng der getroffenen Maßnahmen zu überwachen intb nöthigenfalls weit e r e Anordnungen zu treffen." Es war zu erwarten, das; die ganze Angelegenheit in irgend einer Weise zur parlamentarischen Aussprache gelangen werde. Wie ein alltisemitisches Blatt zuerst in der Lage war zu melden, hat der konservative Herr v. Hertzberg-L ottin im Herretlhause die folgende Interpellation eingebracht: „Welche Schritte gedenkt die königliche Staatsregierung zu thun. um lveiten Kreisen der christlichen Bevölkerung die Gelvißheit zu verschaffen, daß die in den letzten Jahcen vorgekommenen unaufgeklärten Morde an christlichen Jünglingen und Jungfrauen nicht von den Juden begangene sogenannte R i t u a l m o r d e sind? v. Hertzberg-L o t ti n. Begründung: Der bisher unaufgeklärte Mord des Gymnasiasten Winter in Könitz hat die Bevölkerung großer Theile Westpreußens und Hinterpommerns umsomehr in berechtigte Aufregung versetzt, als der Befund der Leichentheile ebenso lvie die nngesühnt gebliebenen Morde in Sturz und Xanten ans eine besondere Verwerthung des menschlichen Blutes schließen läßt. Da nun in lveiten Volkskreisen der Glaube vorherrscht, daß die jüdischen Geheimschriften die Verwendllng von Christenblut für rituelle Zwecke gebieten, außerdem zufällig bei diesen Morden lvie auch bei denen in Böhmen und Tisla-Eßlar die ersten Spuren der Thäterschaft, welche indes; im Laufe der gerichtlichen Verhandlungen immer verwischt wnrdeu, ans jüdische Thäter deuteten, so erscheint es allein im Interesse der jüdischen Bevölkerung geboten, daß durch eine authentische Uebersetzung aller jüdischen Geheimschristen der Nachweis geführt lvird. daß diese Schriften keinen Anhalt für den Volksglauben bieten. Dein Interpellanten liegt nicht nur daran, endlich Klarheit über die Motive zu diesem mysteriösen Morde zu schaffen, sondern er möchte auch hauptsächlich die christliche Bevölkerung darüber beruhigen, daß seitens ihrer berufenen Vertreter alles geschehen wird, um eine Verdunkelung des Thatbestandes zu verhindern. Die Bevölkerung lvird durch diese Gewißheit hoffentlich abgehalten lverden, sich durch Provokationen seitens der Inden zu Gewaltthätigkeiten Hinreißen zu lassen, die schließlich nur den Juden nützen und die Aufmerksamkeit der staattichell Organe von der dieser Erregung zu Grunde liegenden scheußlichen Mordthat abzulenken geeignet erscheinen. Ist es doch durch die Unruhen in unseren Nachbarstädten schon so weit gekommen, daß der Herr Minister des Inneren die Hauptaufgabe der Polizeiorgane zunächst in der Unterdrückung des überschäumenden Unwillens einer erregten Bevölkerung sieht. Möge sich die christliche Bevölkerung daher einer so tiefernsten Sache lvürdigen Zurückhaltung befleißigen V Objektive Beurtheiler werden zngestehen, daß diese Interpellation eine der seltsamsten ist, die je eingebracht worden. Jndeß halten wir mit jedem weiteren Wort darüber zurück, bis sie zur Beantwortung gelaugt sein lvird. Uebrigens hat das „Berliner Tageblatt" bereits darauf aufmerksam geinacht,

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