Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1900)
- Date
- 1900-04-27
- Page
- Seite 197 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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197 drei Jahrgängen 297 (—51,92 PCt.) ohne Religionsunterricht; im Jahre 1899 befanden sich unter 1136 Mädchen in den älteren Jahrgängen noch 16 (—1,41 pCt.). dageger: unter 573 Mädchen in den ji'mgfteu drei Jahrgängen nur noch 7 (=1,22 pCt.t ohne Unterricht. Die Zahl der am Unterricht nicht Theil nehmenden Zöglinge ging vom Oktober 1898 bis Oktober 1899 zurück: an den höheren Lehranstalten in Berlin und dem Prinz Heinrichs-Gymnasium in Schöneberg für die älteren Jahrgänge von 2,58 pCt. auf 1,59 pCt und für die drei jüngsten Jahrgänge von 5,50 pCt. aus 3.06 pCt.; in deu städtischen Gemeindesckmlen beziehungsweise: Knaben von 5,98 ans 4,14 pCt. und von 14,61 ans 4,02 pEt., Mädchen von 3,17 ans 2,14 pCt. und von 11,42 auf 4,32 pCt.; in den Privatschlllen: Knaben voll 16,47 auf 4,02 pCt.. Mädchen von 8,44 aus 4.87 pCt. und voll 18,36 auf 13,11 pCt.; dagegeil stieg die Zahl für die jüngsten drei Jahrgänge in den Privatschlllen von 25,29 bis 35.26 pCt. Es ergeben sich für sämmtliche Schulanstaltell folgende Schlnßziffern: Gesamnltzahl, o hne Ull terr ich t, Prozentsatz, i.d.ält. i.d. jüngst, i. d. alt. i. d. jüngst, i.d.ält. i.d. jüngst. Jahrg. dreiJahrg. Jahrg. dreiJahrg. Jahrg. dreiJahrg. Kllaben 1898 . 3737 2096 148 199 3,96 9,49 „ 1899 . 3678 2064 86 118 2,34 5,72 Mädchen 1898 . 3936 1961 167 477 4.24 24,32 „ 1899 . 3910 1993 108 112 2,76 5,62 Herr Professor Blaschke hat sich der dankenswerthen Mühe unterzogen, zu diesell beiden Tabellell eine ErgänZllllg zll geben, welche die Allzahl der jüdischell Schüler rilld Schülerinnen an den Gemeinde* nild Privatschuleil enthält, die anr christlichen Religionsnilterricht Theil nehmen. Aus der Ergäilzullg wird ersichtlich, daß sowohl unter den Knaben wie ben Mädchen zllNl überwiegenden Theil die jüngerer: Jahrgänge evangelischen Ullterricht mitnehnien. währerld die Anzahl alls den ältereil Jahrgängell nlir eine relativ geringe—ca. 13 pCt. — gegenüber der ersten Zahl geilannt werden darf. Wir erhalten folgende Zifferll über die Betheiligling: G e s a nl lll t z a h l. o h ll e U ll t e r r i ch t, i. d. ält. i.d. jungst. Jahrg. dreiJahrg. für die städtischen Genleindeschulen Knaben . 62 8 54 Mädchen. 45 für die Privatschlllen: Knaben . 32 6 39 32 Mächden. 50 6 44 Prozentsatz, i.d.ält. i.d.jüngst. Jahrg. dreiJahrg. 12,9 87.1 13,4 86.6 100,0 12.0 88,0 Zur Gesamnltzahl der schulpflichtigen jüdischell Kinder ergiebt sich nachstehellder Prozentsatz für die städtischeil Gemeindeschuleu: Knaben 3,4 nnd Mädchen 2.4; für die Privatschulen: Knabell 8,6 und Mädcheil 2,6. In Anlnerkullg ist der letzterl Tabelle beigefügt, daß unter ben für die Privatschlllen aufgeführtell 32 Kilaben in der Kraft'schen Vorschule allein 23 am christlichen Religionsunterricht Theil uehnlen, unter den 50 Mädchen sich in der Heßling'schen Schule 17 Mädchen au diesem Ullterricht betheiligen. Leider fehlen tu der Rubrik „Privatschuleil" die Angabell für die Crain'sche, die bekailnte Dörstling'sche nnd die Dunkerffche Mädchenschule, an welchen unzweifelhaft die Betheiligung der jüdischell Zöglinge am evangelischen Unterricht leider eine beträchtliche ist. Es wird sich somit der Prozelltsatz betreffs der Betheiligung lloch verschiebeil; wie groß der Grad der Verschiebung für die Gesamnltzahl der schulpflichtigen Kinder wie für die einzelnen Jahrgällge sein wird, läßt sich gar nicht beurtheilen. Die Tabelleil ergeben gegen die Vorjahre ein recht erfreuliches Bild; zeigen sie doch für alle Schularten eine znul Theil sehr erhebliche Besserullg. Der hiesige Gemeindevorstarld kailn es nlit freudiger Gellllgthuullg begrüßen, daß feine unausgesetzten Bemühungen bisher schon diesell Erfolg gezeitigt haben; er wird allerdings auch ben zuständigen Behörden Dank wisseil müssen, welche sich den religiösell Forderungen gegenüber stets wohlwollend gezeigt itub die berechtigten Wünsche der israelitischen Staatsbürger ilach Möglichkeit zll erfüllen bemüht gelvesell sind. Gegen die pflichtvergesseuen Eltern, die ihre Kinder zll religionslosen Menschen erziehen wollen, oder die diese eineln nichtjüdischen Religionsunterricht zllsührell, was nach beit obigerl Tabellell überwiegend in den erste u Schuljahren geschieht, giebt es freilich feine Hilfe. Der erzielte Erfolg muß jedoch gleichzeitig ein Ansporn für den Genleindevorstand sein, auf denl eillgeschlagerlen Wege rüstig weiter zu schreiten und seine unablässigen Bestrebullgell auf. die Erreichung jenes Zieles zll richten, wo auch unseren Kindern die Möglichkeit gewährt wird, mit demselben Rechte wie ihren andersgläubigen Kalneradell. den sittlichen Inhalt ihrer Religion nnd die Geschichte ihres Bekellntnisses in der Schule lernen zu dürfen. Kantsren-Kurse. Von Oberkalltor Sarasohll in Stettill. ^it besonderer Frellde dürfte wohl die Notiz in y Nummer 13 dieser Zeitung von vielen Lesern derselben ausgenommen worden sein, daß am 3. d. M. in Berlin unter Leitung des rühiulichst bekannten Musikdirektors William Wolff und des ebenso tüchtigen als bewährten Kantors A. Friedmann die Fortbildungskurse für jüdische Kalltoren begonnen haben, und der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" darf des wärmstell Dankes aller betheiligten Kreise sicher sein, daß er neben seiner sollst so segensreichen Thätigkeit auch diesem wichtigen Gegenstände seine Aufmerksamkeit zllgelvendet hat. Auf dem Gemeiudetage am 16. Oktober v. I. ist von dem Liberalen Bereill in Breslau der Antrag eingebracht lvorden, der Gerneindebund möge dahin wirkell, daß möglichst bald im Anschluß an eines der in Deutschland bestehenden Lehrerseminare eine Anstalt zur Ausbildung von jüdischell Kantoren errichtet werde. Herr Direktor Dr. Holzmann, unter dessen geschickter und gewissenhafter Leitung das Berliner Seminar zu großer Blüthe gelaugte, der für seine Zöglinge nicht nur während der Seminarzeit, sondern auch später noch, wenn sie längst im Amte sind, ein warmes Jllteresse au deil Tag legt, führte mit Recht in seinem Referate aus, daß die in dem Anträge gestellte Forderung von der Lehrerbildungsanstalt in Berlin seit circa vierzig Jahrell bereits erfüllt lverde. Dr. Holzmann führte als Beweis dafür die Thatsache all, daß eine größere Anzahl der Zöglinge des Selliiuars in großen Gemeinden zur Zufriedenheit derselben als Kantoren wirken. Es sei mir aber hierzu die Bemerkuilg gestattet, daß der überwiegend größere Theil dieser Kantoren Anslällder sind, und diese aus Polen, Rußland, Oesterreich-Ungarn, Mähren, Galizien stammenden junger: Leute bringen aus ihrer Heimath soviel Fachkenntnisse bereits mit, daß bei ihnen der Ullterricht im Kantorfache, der: sie während ihrer Seminarzeit gelließen, wohl ausreicht. Herr Dr. Holzmauu rvird es aber mir, der ich eine fast 33jährige Erfahrung hinter mir habe, lücht verargell, wenn ich behaupte, daß, so sehr ich den Unterricht in den verschiedenartigen Zweigen des kantoralen Faches im Seminar anerkenne, ich ihn für alls Deutschland stammelide Seminaristen dennoch nicht für ganz ausreichend halte. Mit der Keuntniß des Kol Rinna und einer Anzahl Gesäuge aus den Werken anderer Meister sind die Zöglinge noch feine Kantoren, welche den Ansprüchen größerer Gemeinden Rechnilng zu tragen im Stande sind. Da sie nicht wie ihre Kollegen aus der: oben aligeführten Ländern von Jugend auf große, gute Kantoren gehört, an deren Vortrag ihr Geschmack sowie ihre Phantasie sich gebildet hätten, so halte ich es für dringend uöthig, daß sie schon während der Seminarzeit und nach derselben in einen: Fortbildungskurse von einem tüchtiger: Fachmanne in den liturgischen Gesänge»: llnterrichtet werden, der ihllen auch zum freier: Rezitiren Anleitung giebt. Herr Kollege Friednrann hatte Recht, lvenr: er auf deln Gemeindetag sagte: „Nicht die Noten, die in den Werken