Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-27 · Heft 17 (27.4.1900) · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
Seite 196 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228383--56393-3292695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

196 wieder bekannt, daß ein mährischer Jude, der Sohn des Kultusvorstehers in Brünn, mit vollem Recht der Retter der Goldminen von Transvaal genannt werden darf. Die „Times" meldet ans Laurern/o-Marqnes: Herr Epler, der österreichische Finanzier, welcher als Hauptmann der Randminen-Polizei fnngirt, hat inuthig eingegriffen, um die au* gedrohte Zerstörung der Minen zu verhilldern. Sowie er erfuhr, daß Arbeiterpartieil zur Bohrung voll Sprenglöchern in der Hcmptschächten llild Minirullg der Galerien mit Dyllamit allsgesendet loerden sollten, verschärfte er die Ueberlvachnllg der Millen und als eine Arbeitertrnppe erschien, lies; cv einen der Anführer derselben sofort verhaften. Der Staatsminen-Jngenier Mnnnick remonstrirte hiergegell nilter Berufung ans die den Arbeitern ertheiltell Ordres; darauf verlangte Epter die Borlveisling einer schriftlichen Ordre und fügte hinzu, er lverde bann scholl lvissen, was er zll thnn habe. Thatsächlich lvnrdeu schriftliche Ordres vorgelviesell, ilnd Epler lNllßte die Abeiter auf der Langtaagte-Estate-Mine mit ihrer Arbeit beginnell lassen. Er machte jedoch nnverznzlich Vorstelllmgell in Pretoria, welche das Ergebnis; hatten, daß Mnunicks Ordres lviderrusen lvurden. Jetzt hat Epler dilrch feine Minenpolizei die unter seiner Allssicht stehendell Minen absperren taffen. * .,Je\vish*Clironicle“ veröffentlicht ein interessantes Interview mit Rev. Dr. Hertz, dem ehemaligen Rabbiner in Johannesburg, der zur Zeit in London weilt. Der Reverend lvendet sich mit aller Entschiedenheit gegen die Angriffe, welche englische Friedensfreunde aus dem Grunde gegen die Juden erheben, das; sie die eigentlichen Besitzer der Minen, ferner die Leiter der Uitlällderbeivegung und die Führer in der Presse sind. Namen für Namen weist er nach, daß die großen Kapitalisten, fast sämmtlich nichtjüdischer Abstammung sind, mit Ausnahme gerade der wertigen, die wie Albu und Marks zu den Buren hatten. Alls der Börse zu Johannesburg bilden die Juden eine Minderheit und selbst von dieser ist noch der größte Bruchtheil das deutsch-jüdische Element, das nichts vom Judenthuln lvissen will urrd größtentheils zum Christelithum Übertritt. In der Presse ist der Einfluß der Juden sehr gering; die Uitlünderorgane waren seit dem Jamesoneinfall im Gegentheil antiseinitisch, nur das Orgarr der Regierung, die „Standard and Diggers Ke ,v s" sind in jüdischem Besitz. Die russischen Juden, welchen die Uebertretung der Schankgesetze zur Last gelegt wird, sind nur ein ganz kleiner Bruchtheil der eingewauderten russischen Juden, ulld die gleichen Kontraventionen begehen auch die Griechen, Italiener re., die das Schankgewerbe betreiben. Die Gesetze von Transvaal bieten gerade in diesem Fall einen besonderen Anreiz zu Kontraventionen. Die Zahl der Inden, welche auf der Bnrenseite fechten, giebt Hertz auf 300 an, während er die Zahl der jüdischen Soldaten im englischen Heere auf 1200 schätzt. Im Ganzen leben nach seiner Angabe, oder vielmehr lebten vor dem Kriege in Südafrika, ar; Inden 10 000 Seelen in Johannesburg, 2000 in seiner nächsten Umgebung, 2000 in Pretoria und ebensoviel in den anderen kleineren Plätzen von Transvaal. Im Oranjefreistaat wohnen 000 Inden, in Natal 350, in der Kapkolonie 7500, in in Rhodesia 1000 und in Portugiesisch-Ostafrika 200. Gegenlvärtig ist der größte Theil der jüdischen Bevölkerung von Johannesburg unter den Flüchtlingen in Natal und Kapstadt. Der Reverend Hertz beklagte die politischen Beschwerden, unter denen die Juden in Transvaal zu leiden haben, erkannte aber au, daß im sozialen Leben die Buren vollständige Toleranz übeu. Aus der Berliner Gemeinde. 8. Berlin, 23. April. )-^^^ie im Vorjahre, so hat auch diesmal wieder das Königliche Provinzialschulkollegimn den; hiesigen Gemeindevorstand eine Uebersicht über die schulpflichtigen jüdischen Kinder in Berlin zngehen lassen, welche, der ergangenen Aufforderung ungeachtet, weder den von der Shnagogen-Gemeinde eingerichteten noch anderen Religionsunterricht erhalten. Besonders interessante Aufschlüsse ergiebt der zwischen den Jahren 1897—1899 berechnete Vergleich, der überall eine erfreuliche Steigerung der Zahl der am jüdischen Religionsunterricht Theil nehmenden Kinder ersehen läßt. Während sich im Winter 1897/98 an den höheren Lehranstalten in Berlin und den; Prinz Heinrichs-Gymnasium iu Schöneberg mlter 3043 Knaben 133, im Winter 1898/99 unter 3100 Knaben noch 108 besmlden. die ohne Religionsunterricht waren, konnten in dieser Beziehung in diesem Winter nur noch 60 Knaben unter 2926 gezählt werden; der Prozentsatz fiel demnach von 4.37 auf 3,48 auf 2,00. Bei weitem die erheblichste nnb natürlich um so erfreulichere Verminderung zeigt die Zahl der an den öffentlichen höheren Mädchenschulen befindlichen Schülerinnen, die nicht am jüdischen Religionsunterrichte Theil nehmen. Das Jahr 1897 ergiebt unter 1704 Schülerinnen 380, das Jahr 1898 unter 1725 Schülerinnen 309 ohne Unterricht, im letzten Wintersemester dagegen konnte nur noch bei 23 unter 1709 Schülerinnen die Nichttheilnahme am Religionsunterricht festgestellt werden; prozentualiter sank die Zahl demgemäß von 22,30 ans 17,87 ans 1,35 Prozent. Geringer ist die Abnahme der Zahl bei den städtischen Gemeindeschnlen und den Privatschnlen, doch schwankt hier die Verringerung immerhin noch zwischen ca. 3-5 Prozellt. Es ergabeil sich folgende Zahlen die städtischen Gemeiudeschnlen: Gesammtzahl, ohne Ullterricht, P rozents! Knaben 1897 1739 196 11,27 „ 1898 1786 167 9.33 „ 1899 1833 75 4,09 Mädchen 1897 1837 143 7,78 „ 1898 1827 115 6,29 „ 1899 1813 04 2.98 nnd für die Privatschnlen: G e s a m m t z a h l, o h n e Hute v v i ch t, Prozents Knaben 1897 344 73 21,22 1898 344 72 20,93 „ 1899 372 69 18.00 Mädchen 1897 2011 320 15,91 1898 1960 220 11,22 „ 1899 1967 143 7,27 Die jüdischen Schulen hatten in den drei genannten Jahren Frequenz all Knaben 612, 603 nnd 611, llild all Mädchen 378, ulld 414. Die Schlußzahleil für diese Uebersicht stellen sich fitv genannten Arten der Schulen also folgendermaßeli: Gesa m m t z a h l, o h ne Unterricht, P v ozents Knaben 1897 5738 402 7,00 1898 0833 347 0.90 „ 1899 0742 204 3,55 Mädchen 1897 5930 843 14,21 „ 1898 0897 644 10,92 „ 1899 0903 220 3,73 Eine zweite, ebenfalls vom Provinzial-Schnlkolleginln allgefertigte nicht minder intereffante Tabelle giebt die einschlägigen Zahlen der Schüler und Schülerinnen und zwar in der Trennung nach Schulklassen. Es läßt sich hier die sonderbare Thatsache fonftatiren, daß bei einigen Schnlanstalten die anl 1. Oktober 1898 anfgeuommenen Zahlen in völligem Gegensatz zu den am 1. Oktober 1899 erhobenen Ziffern stehen. Während bei einigen Schulanstalten im Jahre 1898 noch die höhere Zahl derjenigen Zöglinge, welche weder jüdischen noch anderen Religionsunterricht erhielten, den jüngsten drei Jahrgängen angehörte, ist an benfeXbeu Anstalten am 1. Oktober 1899 die Zahl der Zöglinge der älteren Jahrgänge eine höhere gewesen, doch findet sich bei zwei Schulkategorien auch das umgekehrte Verhältnis;. Am bemerkenswerthesten muß natürlich auch in dieser Tabelle die Abnahme der ohne Unterricht befindlichen Zöglinge an den öffentlichen höheren Mädchenschulen sein. Im Jahre 1898 waren unter 1153 Mädchen in den älteren Jahrgängen 12 <—1,04 pCt.>, unter 572 Mädchen in den jüngsten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.