Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1900)
- Date
- 1900-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 znbringen und das Interesse ihrer Schülerinnen zu feffeln. Vor nunmehr drei Jahren ist durch die Initiative des Hamburger israelitischhumanitären Franen-Vereins die Haushaltungsschule ins Leben gerufen imb eine Bildungsstätte für unsere weibliche Jugend geschaffen worden, deren Bedeutung gar nicht hach genug angeschlagen werden kann. Gerade den Mädchen der weniger begüterten Stände wird dadurch die Gelegenheit geboten, sich die hanswirthschaftliche Thätigkeit anzneignen, mm deren Wirkung die Gesundheit und das Behagen der Familie und >ie Ordnung und Sparsamkeit des Hauses abhängen. Das Institut entspricht um so mehr einem lebhaft empfundenen Bedürfnis, als die ganze Organisation der Haushaltnngsschnlen in Hamburg, von Fräulein Agnes Wolffsohn allsgehend und vom Frauenverein weiter ansgestaltet, einen mehr privaten Charakter trägt unb nur einer verhältnißmäßig lleinen Zahl der Volksschülerinneu vor der Hand zun: Nutzen gereichen 'ann. Dem nngelnein rührigen Vorstand der israelischell Haushaltnngsichulen gebührt grober Dank dafür, das; er lllit solcher Treue und Hingebung seines Amtes maltet und damit einen beställdigeu Faktor zur Hebung des kulturellen Wohles im Jndenthum schafft. X. Detmold, 12. April. Am 8. d. M. beging der Lehrer nlld P r e d i g e r A. P laut die Feier seiner 25jährigell Amtsthätigkeit in hiesiger Shilagogengenleinde. Was der Jubilar in diesem Zeitiainu als Erzieher der Jugend, als Organisator des Gottesdienstes.!>ei allen Vorkommnissen in der Gemeinde, sei es in Freud oder Leid, ul wahrhaft idealer Weise gewirkt hat, dürfte auch über die Grenzen seines Wirkllngskreises hinaus hinlänglich bekannt sein uild eine ’elteile Beliebtheit in allen Kreisen der Bevölkerung hiesiger Stadt, ohne Nllterschied der Konfession, legt Zeugnis; hiervoll ab. So wurden lhnl denll allch die versehiedellsten Ehrliugen, lvie Ueberreichung eines Pokals lllit elltsprechellder Widmung seitens der Genleillde durch die Vorsteher, Aufführungen der Schüler nlld Schülerillnen sowie miählige Glüeklvüllsche von Nah und Fern zu Theil. Möge es den; 'erehrteu Jlrbilar vergöllnt seiil, lloch lange Jahre iit gleicher Weise mit Segen hiesiger Gemeinde wirken zu können. li. Wiesbaden, 4. April. Der 29. Jahresbericht des hiesigen Jsrae- 1 t i s ch e ll Hute r st ü tz u n g s v ere i n s für das Jahr 1899 ist erschienen. 2ie Ausgaben für die Schlltzbefohlenen haben sich wiederum vergrößert. Ulsbesondere bestätigen die vermehrtet! Unterstützungen au Arme der iesigen Umgegend die schon früher ausgesprochene Thatsache. das; die nwerbsverbältnisse auf dem flachen Laude für unsere Glaubensgenossen mmer schwieriger werden; die Liste der Unterstützungsbedürftigen ans -nserem Bezirke — dem früheren Herzogthum Nassau — wächst von )ahr zu Jahr und gar oft kann man den meist ehrbaren Hilfesuchenden nicht intensiver unter die Arme greifen. So hat der Verein die ihm ugewiesenen Mittel nicht allein aufgebraucht, sondern er mußte wiederum ein Anlehen machen, so daß das Vereinsvermögen sich unt a. 700 Mark verringert hat. Erfreulicher Weise haben sich auch die Annahmen, wenn auch noch nicht in erwünschtem Maße, erhöht. Alls losten des Bazarsonds sind int verflosseuett Sommer wieder zlvölf Ander zum Ferienaufenthalt aufs Land geschickt worden. Auf Vernlassung des „Israelitischen Hilfsvereins" zu Frankfurt a. M. ist im ktober v. Js. von einer größeren Delegirtettversammlung der „Südwestdeutsche Verband israelitischer Hilfsvereine und Gemeinden" mit er Centralstelle Frankfurt a. M. ins Lebet! gerufett loordetl, dem sich Hst sännntliche Unterstützungsvereine und Genteinden der Provinz >essen-Nassau und des Großherzogthnnls Hessen angeschlossen haben, .er Verein hat sich mit um so lebhafteren! Interesse bei der Konitnirung dieses Verbandes betheiligt, als wir schon vor Jahren zur -chaffung einer derartigen Organisation die Initiative ergriffen halten nid hoffen, daß der neue Verband die ihm gestellte Aufgabe: durch uheitliche Regelung des Unterstützungslvesens den Wanderbettel zu ekämpsen, nach Möglichkeit gerecht werde und daß derselbe auch für eitere Verbände vorbildlich wirke. Einnahmen lind Ausgaben ilanziren ungefähr mit 12 016 Mark. Das Vermögen beläuft sich auf 2 370,27 Mark. Der Vorstand besteht ans den Herrett: Moritz Heimeringer, Moritz Elsberg, Bernhard Baer, Mayer Baunt, Seligm. Blumen- -hal, Saly Hamburger, Simon Heß, Abrahant Marxheimer, M. D. Strauß, Benedict Straus. ** Karlsruhe, 6. April. Der grobherzogliche Oberrath der üraeliten erläßt folgendes Preisausschreiben: Verständniß und Würdigung der hebräischen Gebete können wesentlich gefördert werden urch Beigabe einer deutschen Uebertragung, die den reichen Gedankeninhalt des Originals in moderner Gestalt zunt Ausdruck bringt und bei möglichster Anlehnung an den Text durchaus dein Geist der deutschen Sprache geniäß, also von allen hebräischen Wendungen frei ist. Um möglichst viele geeignete Kräfte zu derartiger Bearbeitung hebräischer Gebete anzuregen, stellen wir folgende Preisaufgabe: Die Liturgie für Freitag Abend (von Ps. 95 bis Olenu mit Einschluß von Kiddusch und Kaddisch) soll in schönem und volksthümlichem Delltsch lviedergegeben werden. Gedichtform ist bei Lecho dodi erwünscht, bei den Psalmen zulässig. Der besten den Anfordernngen entsprechenden Arbeit werden wir einen Preis von 200 Mk.. der zlveitbesten einen solchen von 100 Mark zuerkennen. Außerdem bestimmen wir einen Gesammtbetrag von 200 Mark zur Prämiirnng von besonders gelungenen Uebertragnugen einzelner Stücke der genannten Liturgie, sei es, daß dieselben für sich allein eingesandt werden, oder in den nicht mit den Hauptpreisen bedachten größeren Arbeiten sich finden. Die prämiirten Arbeiten werden Eigenthum der diesseitigen Behörde, lvelche dieselben nach Ermessen veröffentlichen oder in sonstiger Weise verwerthen wird. Auch die nicht prämiirten Manuskripte werden nicht zurückgesandt. Sämmtlichen Verfassern bleibt unbenommen, Abschriften zurückzubehalten und dieselben in beliebiger Weise zu verlvenden. Wir ersuchen, die Arbeiten — jeweils nur auf die erste und dritte Seite der mit breitem Nand zu versehenden Bogen geschrieben — unter der Adresse: „An den Großherzoglichen Overrath der Israeliten in Karlsruhe" uns bis 1. Oktober d. I. zugeheu zu lassen. Dieselben sind an der Spitze mit einem Motto zu versehen, und in besonders verschlossenem Umschlag ist eine Karte beiznfügen, die mit dem Motto den Namen des Einsenders angiebt. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 16. April. Die hervorragendsten Nabbiner Galiziens und der Bukowina haben einen energischen Protest gegen die Blutlüge an das Ministerium gerichtet. Was nützen jedoch alle Proteste, solange das niedere Volk von gewissenlosen Führern im Jrr- und Wahnglanben erhalten wird! Vor einigen Tagen wollte dieser süße Mob abermals eine kleitte Ritnalhetze inszeniren und hielt auf dem Bahnhof in Deutschbrod einen Reisenden mit seinem neu engagirtetl Dienstntädchen an — leider wurde jedoch ans der so schön eingefädelten Sache wieder nichts, denn jener Reisende war — ein katholischer Gastwirth aus Tannwald. — Das Krakauer Strafgericht verweigerte dem Israel Araten detl Einblick in die Akten der bezüglich der Flucht seiner Tochter geführten Untersuchung und läßt es vorläufig dahingestellt sein, ob Araten als betheiligte Partei zu betrachten ist, obgleich er als Vater die Anzeige erstattete. Das bezügliche Dekret lautet: „Herrn Professor Dr. Jofes Rosenblatt, Landesadvokat. Krakau. Ohne die Frage zu entscheiden, ob Israel Araten in dieser Sache als Privatbetheiligter anzusehen, ob er der Vater (!) und ob er überhaupt als solcher zu betrachten ist, verweigern wir Ihnen die Einsichtnahme in die Akten in Angelegenheit der Michalina Araten, weil wichtige Gründe (!) dem im Wege stehen. Ihre Vollmacht wird zur Kenntniß genommen. K. k. Landesgericht in Strafsachen. Krakau den 29. März 1900." Der unglückliche Vater will nun noch ein letztes Mittel versuchen ltnd sich dein Kaiser zu Füßen werfen. Es ist aber zu befürchten, daß mittlerweile Michalina Araten außer Landes gebracht worden ist und erst nach dem 27. Mai, an welchem sie ihr 14.Lebensjahr vollendet und damit ihre Religionsmündigkeit erreicht, zum Vorschein kommt. Das entführte Mädchen hat an die Oberin des Krakauer Klosters, eine geborene Gräfin Potocka, einen flehentlichen Brief gerichtet, in welchem sie bittet, ihren Eltern wiedergegeben zu werden. Der Jamnierruf des Kindes blieb unerhört. Wie könnte matt auch Erbarmen von einer Frau erwarten, die aus die Bitte der todtkranken Mutter, sie lvolle vor ihrem Tode ihr Kind noch einntal sehen, die herzlose Antwort gab: „Sie wird sie im Hinllnel Wiedersehen!" — Der Kaiser hat den Landesgerichtsrath Julius Turteltaub iuStauislau zum Oberlandesgerichtsrath in Lemberg ernannt. — Im hohen Alter von 94 Jahren ist hier der allgemein geachtete fürstlich Palffy'sche Leibarzt Dr. Samuel Kadi sch verschieden; an der Bahre des Verblichenen hielt dessen Schwiegersohn, Rabbiner Dr. U n g e r l e i d e r, eine tiefempfundene Trauerrede, die auf die zahlreichen Anwesenden eine tief ergreifende Wirkung ausübte. — Am 7. d. M. starb hier Direktor Emanuel Groag im 69. Lebensjahre. Der Verblichene wirkte seit 26 Jahren in verdienstvoller Weise als Direktor der türkisch-israelitischen Schule