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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-20 · Heft 16 (20.4.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 16 (20.4.1900)
Date
1900-04-20
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 in Wien, und hat sich um die Hebung des Unterrichts an dieser All statt hohes Verdienst erworben. Der Verblichene war ein warmer Freund der Jugend, ein Förderer des Guten und Edlen, und in seiner wahrhaft rührenden Aufopferung für seine Schüler eine Jdealgestalt Herr Groag hat ein Alter von 68 Jahren erreicht und erfreute sich großer Beliebtheit in allen Schichten seiner Gemeinde. Großbritannien. 6. Manchester, 9. April. Die jüdische Gemeinschaft Hierselbst hat, lvie bereits kurz genreldet, durch ben Tod des Rev. Laurence M. Simmons, des Rabbiners der Synagoge britischer Juden zu Cheetham Hill-road, einen schweren Verlust erlitten. Das Ableben trat an: 5. d. M. nach nur dreitägiger Krankheit cm Lungenentzündung ein. Mr. Simmons, welcher im 49. Lebensjahre stand, »var in Loirdon geboren und hatte seine Studien am Nabbiuerseminar in Breslau, unter Prosessor Graetz und Dr. Z. Frankl, gemacht. Er war Bachelor of Arts (B. A.) der Londoner Universität und zugleich Doktor der Rechte (L. L. B.). Nachdem er vor etwa 23 Jahren nach Manchester gekommen war und sein Anlt am Park-place angetreten habe, verblieb er dort bis zu seinem Tode. Obgleich er einer ausgesprochen reformirten Synagoge Vorstand, war seine Richtung in religiösen Dingen konservativ, was besonders aus der Thatsache erhellt, daß sein Gottesdienst sogar dem polnischen Element genehm war. Es giebt wenige religiöse, erzieherische oder philantropische jüdische Institutionen in Manchester, mit welchen er nicht verbunden gewesen wäre. Unter den vielen Aemtern, die er bekleidete, war auch dasjenige als Sekretär der Anglo-Jewish Association und der Jewish Ladies Visiting Association. Dieser letztere Verein bezweckt, das Leben der jüdischen Armen in gesundheitlicher Beziehung zu verbessern. Mr. Simmons, welcher zu den Gründern gehörte, war hervorragend thätig an der Arbeit des Vereins. Die Hospitäler und Gefängnisse von Lancashire hatten sein besonderes Interesse ulld er war ein regelmäßiger Besucher der jüdischen Insassen. Rebell seinen vieler! Bernfspflichten fand er noch Zeit, an Ancoats Hall und ähnlichen Stellen über Muhamedanismus, nachbiblische Geschichte der Inden und verwandte Gegenstände zu lesen, und seine Predigten wurden ans weiten Theilen des Landes besucht. Er rvar Professor der Orientalischen Sprachen am Owens College. Verheirathet war er mit einer Tochter des Professors Dr. Herzseld in Braunschweig, welche mit zwei Söhnen ihr: überlebt. Der Dahingeschiedene, rvar ein sehr vielseitiger Marin, der, einfach in seinem Wesen und Auftreten, eben so sehr wegen seiner Herzensgüte beliebt wie wegen seilles Wissens geehrt geweserr ist. Tausende von Armen, denen er Halt rrnd Stütze war wie kein Zweiter in Marrchester, beklagen seinen Heimgang. — Die Leichenfeier fand am gestrigen Sonrrtage in der Syrragoge am Park-place unter äußerst zahlreicher Betheiligung statt. Die Althebräische, Spanische. Portugiesische und Süd-Marrchester Gemeinde rrahmen durch ihre Seelsorger an der Ausführung des Trauergottesdienstes Theil, dessen instrumentale Partie durch Chopins Trauermarsch eröffnet und mit dem Todtennrarsch aus Saul beschlossen wurde. Zahllose Kongregationerl rmd Jrlstitutionen aus Manchester, London, Glasgow u. s. w. hatten Vertreter entsendet, rnlter denen sich arrch Dr. M. Gaster, Oberrabbiner der Spanischen und Portugiesischen Gemeinde des Vereinigten Körrigreichs, befarrd. Das Manchester Bataillon der Jewish Lads' Brigade, deren Geistlicher und Meßprästdent der Verstorbene gewesen, war mrter dem Kommando des Oberstleutnant Dreschfeld zur Bestattung ausgerückt. Ungezählte Wagerr beschlossen den Tranerzug. Die Lebensarbeit des Dahingeschiedenen hatte hauptsächlich mit darin bestanden, die im Judenthum herrschenden verschiedenen religiöser! Richtungen in seinem Gebiete zu eirren, und hätte er noch die Augen aufschlagen kölrnerr, so würde er gesehen haben, lvie au feinem Sarge sein Herzenswunsch einmal in Erfüllung gegangen: Die Rabbiner der orthodoxen Gemeirlderr, welche sonst nie eirre Reform-Synagoge betraterr, traten aus innerem Drang in Funktion rreben beu Seelsorgern der letzteren. Friede seiner Asche! Amerika. O. Cincinnati,, 29. März. Jsaac M. Wise wurde heute zu Grabe getragen. Außer seiner Gemeinde, dem Lehrkörper des Hebrew Union College, den Vertretern des amerikanischen Gemeindebundes, dem Kuratorium des College und der Universität ulld zahlreichen anderen Verbänden und Vereinen waren etwa 40 Rabbiner aus allen Theilen des Landes herbeigeeilt, um dem gefeierten Nestor des amerikanischen Judenthnms die letzte Ehre zu erweisen. Die Leichenfeier war eine sehr einfache. Im Hanse sprach Prosessor Mielziner ein kurzes Gebet. Dann wurde der Sarg in den mit Trauerflor drapirten Tempel getragen, lvo die Leiche bis zehn Uhr ansgestellt blieb. Dr. Philip so n, Rabbiner der hiesigen Bene Israel-Gemeinde, sprachein Gebet, worauf Dr. L. Großmanu, des Verstorbenen Kollege, die Leichenrede über den voll dem Verstorbenen selbst gewählten Text: „Wer ist der Mann, der Gott fürchtet, den er lehrt den Weg. den er wählen soll. (Seine Seele ruht im Glücke und sein Same wird erben das Land" Psalm 25,12 f. hielt. Auf dem Friedhofe sprach lloch Rabbiner Charles Levy, der frühere Hilfsprediger mit hiesigen Tempel, ein Gebet. Die Blätter berichten, daß Cincinnati niemals eine solche Betheiliglnlg bei einer Beerdigung gesehen habe. Von Nah und Fern. — In die „Sachverstän digell-Komlllissionell bei den Königlichen Museen" für den Zeitralnn von 1900—1903, deren Wahl soebell vom Kaiser die Bestätigung erhaltell hat, finb diesmal mehrere Laien und Nichtakadelniker gewählt worden. So wurde Herr Jam es Silllon für die Gemäldegalerie nnb der Bankier Alex. M e y er-Cohn für das Völkerkunde-Museum zu Sachverständigell gewählt. — Aus Könitz wird gemeldet, daß der Kopf des unglücklichen Winter am 16. d. M. in einer Wasserlache anfgefnnden worden sei. Als des Mordes verdächtig ist der frühere Abdecker Jsraelski verhaftet worden. Der Kopf paßt nach Ansicht des anwesenden Arztes in die Schnittfläche des bereits vor fünf Wochen im Mönchsee gefundenen Rumpfes. Es ist dies um so bemerkeuswerther. als dadurch das unsinnige Märchen vom Ritnalmord noch mehr entkräftet wird. — Derer st e Preis der vorjährigen Gastwirths-Ausstellnug zu Brest ait ist nachträglich von JhrerHoheit der Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, als Protektorin dem Fabrikbesitzer V. W. Grü Ilfeld zu Landeshut i. Schl., Fabriklager Leipziger Straße hier, für seine Ausstellung von Textilwaaren verliehen worden. — Rabbiner imb Religionslehrer Fabian ist zum zweitel! Rabbiner der Synagogengemeinde Breslau gewählt worden. — Die e l sä s s i sch e Landesregierung hat vor kurzem deln Lalldesausschuß eine Vorlage unterbreitet, durch die auch eine Gehaltsausbesserullg der Nabbiller beabsichtigt wurde; der Landesausschuß aber hat sie vorige Woche abgelehnt. — Wie tschechische Blätter berichten, hat sich eill Konlitee. an dessen Spitze der Polnaer Bürgeruleister Sadil steht, gebildet, um der ermordeten Agnes Hruza inl Brezina-Walde bei Polna eill Deilklllak zu errichten. Die Agnes lvird zweifellos noch eine Rationalheilige im böhmischen Kalender werden. — Der ungarische Ministerpräsident Kolo mall Szell hat die Behörderl all der nngarisch-rnnlällischen Greilze angewiesen. die ans Rumänien ansgewiesenen Juden llur bann über die Grenze zu lassen, welln sie einen Erlverb Nachweisen können. Diese Verfügung des Millisterprüsidenten ruft in Ullgarll lebhaftes Aussehen hervor. - Das Kinderkrankenhaus in G othenburg hat von der Frau General' konsnl Paul ine Marburg 10000 Kronen erhalten. — Dir dänische Gesellschaft der Wissenschaften hat Geheimrath Prosessor Ehrlich in Frallkfurt a. M. zllNl Mitgliede erwählt. - Das Jüdische Greifen-Asyl in Odessa hat voll Frau B. Feld mann 32750 Rubel zur Erweiterung der Anstalt ulld zlml Ball eilles neuen Hauses geschenkt hat. Außerdeul scheilkten biefem Institute die Erber, des in Wien verblichenell Ignaz Ritter von Ephrnssi 300 Rubel. In Laufe des Jahres wilrdell tm „Greisenasyle" 84 Männer ulld 67 Frauen verpflegt. — Der Unterrichtsminister hat die Allordnullg getroffen, daß in den jüdischen Schulen Rllßlands die Lehrer keine Mädchen, die Lehrerinnerl keine Knaben unterrichten dürfen, eine neue und höchst unnütze Erschwerung des jüdischen Unterrichtswesells. — Nicht uninteressant ist es, daß die jüdisch-russische Wochenschrift „Woschod" voll der Censur eine Rüge erhaltell hat, rveil sie alleill voll aller? russischen Zeitungen seinen englandfreurldlichen Standpunkt auch jetzl beibehalten hat. — In Bessarabien dauert das Elend unter der jüdischen Bevölkerung rroch fort. Oblvohl die lokalerr Autoritäten scholl 400 000 Rubel zur Vertheilung erhalten haben, ist den nothleidenden Judell nicht eine Kopeke dieser großen Summe zngeflossen. — Professor Jakob Holländer in Baltimore ist von der amern kanischell Regierung als Spezialkommissar nach Porto Rico geschickt worden, um eine Revision der Steuergesetze auf der Insel anzubahnen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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